Gregoire de Visme
Das mazdäische Pantheon
Im Laufe der ersten beiden Jahrtausende v. d. Zt. entstand in Persien der Zoroastrismus, dessen liturgische Texte im Avesta zu finden sind. Dieser Kult wird auch als Mazdeismus bezeichnet, was den Glauben an Ahura-Mazda, auch Ormuz genannt, bezeichnet.
Engel (Yazatas), Erzengel (Amesha Spenta) und Schutzengel (Fravashis) begleiten Ahura-Mazda. Sie werden von den Zoroastriern verehrt, doch nur Ahura-Mazda gilt als Gottheit, die aus eigener Kraft wirkt. Alle anderen himmlischen Wesen sind entweder seine Helfer, seine Verbündeten und gehorchen seinen Befehlen, oder seine Gegner (Angra-Mainyu, der Geist des Bösen und die Dämonen).
Da der Geist des Bösen jedoch nicht erschaffen, sondern nur das verderben kann, was Ahura-Mazda erschaffen hat, ist Ahura-Mazda somit das einzige himmlische Wesen, das der Verehrung würdig ist, da er als einziger aus eigenem Antrieb wirken kann.
Ahura-Mazda wird auch einfach Mazda genannt, der „Weise“, der auf dem Gipfel des Universums wohnt, während sein verfluchter Bruder Ahriman ganz unten, im Zentrum der Unterwelt, lebt.
Die Herrschaft Ahura-Mazdas über den Himmel wird daher unablässig von seinem bösen Bruder Ahriman angefochten. Doch Ahura-Mazda hat einen Vorteil: Er ist der einzige, der erschaffen kann (sein Bruder kann nur zerstören) . Die mazdäische Kosmogonie beruht im übrigen ausschließlich auf der turbulenten Beziehung zwischen den beiden Söhnen Zervans.
Zu Beginn der Zeit, dreitausend Jahre lang, beobachteten sich Ahura-Mazda und Ahriman, forderten sich heraus, ohne jedoch direkt gegeneinander zu kämpfen. Dann versuchten Ahriman und seine Armee, in die höchsten Bereiche des Universums einzudringen. Da stimmte Ahura-Mazda für seinen Bruder ein prophetisches Lied an, das ihm seine endgültige Niederlage als sicher verkündete. Aufgrund dieser Prophezeiungen stürzte Ahriman erneut hinab und verweilte weitere 3000 Jahre im Abgrund, in einem Zustand völliger Niedergeschlagenheit.
Ahura-Mazda nutzte diese Ruhe und schuf zunächst den Himmel, den er unter den Schutz von Kshathra Vairya stellte, dem Engel der segensreichen Kraft, der den Himmel wie eine Schale umgab, die ein Ei schützt. Dort platzierte er anschließend die zwölf Sternbilder: Varak [Widder], Tora [Stier], Font-Patkar [Zwillinge], Kalachang [Krebs], Sher [Löwe], Khushak [Jungfrau], Tarazhuk [Waage], Gazdum [Skorpion], Nimasp [Schütze], Vahik [Steinbock], Dul [Wassermann] und Mahik [Fische].
Danach schuf der gerechte und weise Herr das Wasser, das er der Obhut von Haurvatat, dem Engel der Reinheit, anvertraute, der sogleich die untere Hälfte des Universums erfüllte, das somit einem Ei ähnelte. Dann schuf Ahura-Mazda die Erde, die er unter den Schutz von Spenta Armaiti, dem Engel der Großzügigkeit und des Wohlwollens, stellte. Von da an schwebte die Erde inmitten der Urgewässer in Form einer abgerundeten Scheibe.
Auf dieser Grundlage schuf Ahura-Mazda Geschöpfe, die sie befruchten und bearbeiten konnten. So entstanden die Pflanzen und Bäume, dann der Urstier, aus dem bald das Tierreich hervorgehen sollte, und schließlich Yima, der erste Mensch.
Die Pflanzen wurden unter den Schutz von Amerdad, dem Engel der Unsterblichkeit, gestellt, der Stier unter den Schutz von Vohu Mana, dem Engel der reinen und heiligen Gedanken, und die ersten Menschen unter den Schutz von Ahura-Mazda selbst.
Schließlich brachte Ahura-Mazda das Feuer auf die Erde, was die Verwirklichung aller anderen Schöpfungen ermöglichte. Als Schutzengel wies er ihm Asha zu, die gerechte Ordnung des Universums. Noch dreitausend Jahre lang existierten diese Geschöpfe ohne Körper, ohne Bewegung. Selbst die Sonne stand unbeweglich am Himmel.
Indem er seinen Geschöpfen die Materialität vorenthielt, bewahrte Ahura-Mazda sie vor den Angriffen des Dämons Ahriman, der, das stand fest, eines Tages unweigerlich über die Erde herrschen würde. Der inkarnierte Geist des Bösen war in der Tat der König über alles, was in einem der Vergänglichkeit unterworfenen Körper Gestalt annimmt.

Ahura Mazda und Ahriman
Es ist uns unmöglich, das Leben seines Propheten Zarathustra zu datieren. Man weiß, daß dieser zwischen 1700 und 600 v. d. Zt. gelebt haben soll, doch die Spuren, die wir über ihn besitzen, sind nur sprachliche Hinweise und Fragmente von Abschriften. Man kann daher keine genauere Datierung mit Sicherheit und ohne Voreingenommenheit vorbringen.

Zarathustra
Die historischen Widersprüche oder Ungewißheiten führen uns unweigerlich zu einer weiteren Frage: Gab es nur einen Zoroaster, und wenn es mehrere gab, wie viele waren es? Dieser Frage stellt sich bald eine weitere, nicht weniger naheliegende: Gab es überhaupt einen Zoroaster, oder handelt es sich nicht vielmehr um eine symbolische oder mystische Vorstellung, die später durch die Frömmigkeit der Parsen vergöttlicht wurde?
A. Michaud, ›Zoroaster‹, Biographie universelle ancienne et moderne.
Nach René Guénon und Fabre d’Olivet, die sich auf die Gnosis stützen, wäre Zarathustra nicht der Name eines bestimmten Propheten, sondern der Ehrentitel des obersten Priesters des Mazdeismus. Es hätte also nicht einen einzigen Zarathustra gegeben, sondern mehrere, die nacheinander an der Spitze der persischen, Ahura-Mazda geweihten Kirche standen.
Guénon zufolge wäre Zarathustra somit eine persische Version des indischen Manu, also die Inkarnation des „Königs der Welt“. Dieser mythische und konzeptuelle König wäre der Herrscher der Erde, der Gesandte Gottes, der mit einem Lebenszyklus verbunden ist.
Das mazdäische Pantheon läßt sich wie folgt zusammenfassen: Zurvan ist der persische Brahma oder Chronos, er ist der Schöpfer des Universums, der Vater der ersten Wesen, die das Universum bevölkerten.
Die höchste Gottheit ist Chronos, die Zeit,in den Texten des Avesta bekannt unter dem Namen Zurvan Akarana oder „die grenzenlose Zeit“. Er ist ohne Namen, Geschlecht und Leidenschaft. Er ist die erste Ursache. Die Sonne ist seine physische Manifestation. In den Schriften wird er mit einem Löwenkopf dargestellt, in Gestalt eines anthropomorphen Ungeheuers. Eine Schlange windet sich um seinen Körper. Er trägt das Zepter und die Blitze der Herrschaft. In jeder seiner Hände hält er einen Schlüssel, der das Tor zum Paradies öffnet. Er ist der Schöpfer und der Zerstörer. Er schuf Himmel und Erde. Und die Erde gebar den Ozean.
M. Nusservanji Dhalla, ›History of Zoroastrianism‹ (Geschichte des Zoroastrismus)
Als Urgott tritt Zurvan in den Hintergrund hinter die beiden Söhne, die er mit Khvashizagh, der Göttin des Äthers, zeugte. Diese beiden Söhne sind die beiden gegensätzlichen Figuren, um die sich die persische Theogonie, aber auch die Theologie entwickelt: Angra-Mainyu (auch Ahriman genannt) ist der Geist des Bösen, während Ahura-Mazda der Geist des Guten ist, der „Allweise“.
Aus dem Mythos von Zurvan und seinen beiden Söhnen entstanden Theologien, die auf einer bipolaren Sichtweise beruhen, wie beispielsweise der Manichäismus. Eine bösartige Gottheit wäre die Verkörperung des Bösen und würde während des irdischen Daseins siegen, während eine andere Gottheit gütig und großmütig wäre und während des jenseitigen Daseins siegen würde.
Die Verbündeten von Angra-Mainyu sind die Daevas. Es handelt sich dabei um das persische Pendant zu den indischen Devas, also um eine Gruppe von Göttern, die voneinander unabhängig sind. In den Veden sind die Devas wohltätige und sich ergänzende Götter, während sie im Avesta als dämonisch wahrgenommen werden. Sie repräsentieren die Kräfte des Bösen, sind zerstritten, unheilvoll, verlangen Opfer, sind aber unfähig, Glück oder ein gerechtes Leben zu schenken. Im Avesta sind Druj und Aeshma einige der monströsen Inkarnationen des Bösen.
Ahura-Mazda ist der „gerechte Herr“, der höchste und allmächtige Gott, Schöpfer des Lebens im Universum.
Ahura-Mazda ist der allwissende Gott. Er ist der leuchtende Raum, der allen Dingen vorausgeht und sie alle umfaßt. Der Himmel ist sein mit Sternen besticktes Gewand; die Sonne das Auge, durch das er die Erde bewacht. „Sein Körper gleicht dem Licht und seine Seele der Wahrheit.“ Er schuf die Welt durch die Kraft seines einzigen Wortes, das, indem es die Wesen benennt, die Existenz aus sich heraus projiziert. Er hat sich die sieben Amesha Spenta zu seinen Ratgebern erwählt, die nichts anderes sind als die von ihm ausgehenden abstrakten Eigenschaften, als ob der Iran, von der Allmacht seines Gottes geradezu besessen, diesen Wesen nicht die Gestalt göttlicher Personen hätte verleihen können.
A. Gasquet, ›Le culte et les mystères de Mithra‹ (Der Kult und die Mysterien von Mithras)
Perun, der slawische Gott des Blitzes, läßt sich mit Ahura-Mazda vergleichen. Der um 500 geborene Prokopios von Caesarea kam mit den polytheistischen Slawen in Berührung. Weit davon entfernt, sich ausführlich mit einem Pantheon zu befassen, das man als reichhaltig vermuten würde, stellt der byzantinische Historiker lediglich fest, daß die Slawen „einen Gott verehren, der den Blitz erschafft und alleiniger Herr über alle Dinge ist“ (zitiert von D. d’Istria in ›La Nationalité serbe d’après les chants populaires‹).
Der sächsische Chronist Helmold von Bosau (1120–1177) bezeugt dasselbe Phänomen, wenn er den Kult der Slawen in Norddeutschland erwähnt:
Neben den Gottheiten in zahlreichen und vielfältigen Gestalten, die sie über Felder und Wälder, über Trauer und Freude herrschen lassen, glauben sie an einen Gott, der im Himmel über alle anderen herrscht und der sich, als der Mächtigste von allen, nur um himmlische Dinge kümmert und die Leitung aller Angelegenheiten den anderen Göttern überlässt, die ihm untergeordnet sind, die aus seinem Blut stammen und von denen jeder umso bedeutender ist, je näher er dem Gott der Götter steht.
Zitiert nach D. d’Istria, ebenda.
Obwohl er keinen Partner hat, ist er von von einem großen Gefolge umgeben. Sein himmlischer Hofstaat besteht aus den Amesha Spenta („den Unsterblichen“), den Yazatas (Erzengeln), den Engeln, aber auch aus allen Seelen der ehrlichen und guten Menschen, die einst die Erde bevölkerten (Fravashis).
Die Fravashis können als Schutzengel eines einzelnen Menschen oder, im weiteren Sinne, als die Gesamtheit der gerechten und guten Ahnen (die Heiligen) gesehen werden. Das Konzept des Schutzengels findet sich im griechisch-römischen Europa wieder und ist wahrscheinlich einer der zahlreichen, aber geheimnisvollen Einflüsse, die das Persische Reich auf das griechisch-ägyptische metaphysische und religiöse Universum ausübte.
Ammianus Marcellinus erwähnt in der Tat ein himmlisches Doppelgänger- und Heilswesen; eine Theorie, die den Neoplatonikern und Pythagoräern gemeinsam war, den Anhängern zweier vor der Etablierung des Christentums sehr populärer Lehren. Dieser Mythos vom Schutzengel wird in der christlichen Überlieferung reichlich aufgegriffen, und der Ausdruck „einen Schutzengel haben “ ist nach wie vor beliebt.
Es ist in der Metaphysik eine allgemein akzeptierte Ansicht, daß jedem von uns, sobald er das Licht der Welt erblickt, eine höhere Intelligenz göttlicher Natur zugeordnet ist, die unsere Handlungen lenkt, abgesehen von den unveränderlichen Gesetzen des Schicksals; deren Gegenwart jedoch nur für diejenigen spürbar ist, die sich durch ihre Tugenden über den Durchschnitt der Menschen erhoben haben.
Diese Lehre stützt sich auf Weissagungen und beeindruckende schriftliche Quellen, insbesondere auf die beiden Verse des Dichters Menander, die wie folgt lauten: „Neben jedem Sterblichen steht im Augenblick der Geburt ein vertrauter Geist, der ihn durch das Leben führt.“ […]
Es ist einer geheimnisvollen Einwirkung dieser Art, die man einhellig die herausragende Stellung von Pythagoras, Sokrates, Numa Pompilius, dem ersten Scipio und – gemäß einer weniger weit verbreiteten Überlieferung – die von Marius, Augustus, Hermes Trismegistos, Apollonius von Tyana und Plotin zuschreibt.
Dieser letzte Philosoph scheute sich nicht, diese abstruse Theorie zu analysieren und ihre Tiefen zu ergründen. Er erläuterte das Prinzip dieser Verbundenheit eines höheren Wesens mit der menschlichen Seele, für die es die Verantwortung übernimmt und die es gewissermaßen in seinem Schoß bis zum festgesetzten Ende beschützt; es erhebt sie zu den höchsten Vorstellungen, wenn sie es durch ihre Reinheit und durch ihre Vereinigung mit einem von jeglicher Befleckung freien Körper verdient. Geschichte Roms, 21, 14, 3–5.
Die Genealogie des Mythos vom Schutzengel führt uns auch nach Skandinavien:
Nach heidnischem Glauben konnte der im Menschen verkörperte Teil des Schicksals eine andere Gestalt annehmen, wenn er seine besondere Form verließ. Das war die Fylgja der alten Skandinavier. Bei der Christianisierung nannten diese den Schutzengel jedoch „fylgjengill“, also „begleitender Engel“ (engill). Es gab also durchaus eine Art Identifikation, wenn nicht gar Übereinstimmung, zwischen dem heidnischen Geist und dem christlichen Engel.
J. Benoît, Le paganisme indo-européen (Das europäische Heidentun)
Schließlich wollen wir die Fravashis mit den griechischen daimones in Verbindung bringen:
Die ›daimones‹ waren für die Griechen jener Zeit vage identifizierte übernatürliche Kräfte, die in das Handeln der Sterblichen eingriffen. Der Begriff unterscheidet sich von dem des Gottes und bezeichnet eine metaphysische Kraft, die in gewissem Maße dem entspricht, was die Lateiner unter numen verstanden.
Homer wendet den Begriff Daimon auch auf die Götter an, insbesondere jedoch auf eine unbestimmte göttliche Macht ohne eigene Individualität. Allgemeine Ausdrücke wie „ein Gott“ oder „die Götter“ können den Begriff Daimon ersetzen. […]
Der Begriff des Daimon und der des Helden sind einander nahe. Beide bezeichnen die Seelen der Toten, die zu Kräften geworden sind, die die Menschen als Urheber bestimmter Handlungen betrachten. Sie schweben über der Gemeinschaft und üben entscheidenden Einfluß aus, der sowohl günstig als auch unheilvoll sein kann. Sie bringen Überfluß, aber auch Seuchen. […]
Letzteres kann in bestimmten Situationen einen „verherrlichten“ Menschen bezeichnen, d. h. einen, der auch nach seinem Tod weiterhin einen entscheidenden Einfluß auf die Gemeinschaft ausübt, der er angehört.
P. Alexandrescu, La nature de Zalmoxis selon Hérodote, Dialogues d’histoire ancienne, 1980.
Die Amesha Spenta sind die wichtigsten Verbündeten und Geschöpfe von Ahura-Mazda. Es sind „die Unsterblichen“, Mächte in seinem Dienst, eine Art Erzengel, die vergöttlichte Konzepte verkörpern, wie zum Beispiel:
♦ Spenta Mainyu, der Heilige, der schöpferische Geist und der Verstand. Spenta steht für „das Gute, die Heiligkeit“ und Mainyu für „den Geist “, ist Angra-Mainyu somit der „böse Geist“, während Spenta Mainyu der „heilige Geist“ ist, der mit Ahura-Mazda verbunden ist. Spenta Mainyu wird manchmal als eine Inkarnation von Ahura-Mazda selbst dargestellt.
♦ Vohu Manah: der heilige Geist, das „gerechte Ziel“, manchmal als Avatar von Ahura-Mazda dargestellt. Manah ist der Gedanke. Er kann und muß gut und gerecht sein.
♦ Asha: ein Konzept, das dem Rta der vedischen Arier ähnelt. Es handelt sich um die Gerechtigkeit, die gerechte Ordnung des Universums.
♦ Kshathra: Ein Begriff, der an die indische Kshatriya-Kaste erinnert, also die Kaste der Krieger und Könige. Kshathra ist das Reich, die Macht, wie es die Übersetzungen von J. Duchesne-Guillemin und Jean Varenne nahelegen. Kann auch „göttliche Gerechtigkeit“ bedeuten.
♦ Armaiti: die Hingabe, eine mit dem Planeten Erde verbundene Gottheit; sie ist die Vergöttlichung von Bewahrung, Liebe und Hingabe.
♦ Haurvatat: Integrität (Duchesne-Guillemin), Fülle, Vollkommenheit, verbunden mit dem Element Wasser und der Gesundheit.
♦ Ameretat: die Unsterblichkeit oder vielmehr die Ewigkeit. Weibliches Wesen, das das lange Leben verkörpert, sowohl auf der Erde als auch im Jenseits.
Darüber hinaus die Amesha Spenta:
Sraosha ist der Engel des Abends. Er erhört die Gebete und segnet die Felder und das Vieh.
Mithra, Sraosha und Rashnu sind die Engel, die dafür zuständig sind, die Seelen der Gerechten von der Erde ins Paradies von Garonmana zu führen.
Mithra, das Licht, etymologisch „der Bund“, ist das schönste Geschöpf von Ahura-Mazda. Indem er die Sünder bestraft, achtet er die Gerechtigkeit des Gerechten und Weisen Herrn (wörtliche Übersetzung von Ahura-Mazda). Als Gott mit vielen Gesichtern ist Mithra zugleich die Sonne, der Opferpriester des Lebensstiers und der Anführer der göttlichen Heerscharen.

Verethragna (Bahram) ist das mächtigste Geschöpf von Ahura-Mazda. Er ist die Gottheit, die die Krieger beschützt und bei den Gegnern Panik und Verwirrung stiftet. Der Avesta stellt ihn als denjenigen dar, den man auf dem Schlachtfeld anrufen muß, kurz bevor die Kämpfe beginnen. Er nimmt verschiedene Gestalten an, darunter die eines brünstigen Kamels, eines Vogels, eines Stiers usw.
Aredvi Sura Anahita ist die Göttin des Wassers. Sie ist auch eine Kriegsgöttin. Sie entscheidet über den Ausgang einer Schlacht. In der ihr gewidmeten Hymne berichtet der Avesta, dass in der Geschichte alle Eroberer, die in Persien einfallen wollten, ihr Opfergaben darbrachten und Gebete an sie richteten. Doch Anahita begünstigt nur die Arier, und unter diesen Ariern nur diejenigen, die ihr ein korrektes Ritual dargebracht haben.

Anahita (Silbergeschirr, ca. 400–600, sassanidische Zeit, Iran)
Das Feuer (Adar) ist ein unverzichtbarer Bestandteil des zoroastrischen Kultes. Die Priester bedecken während der Zeremonien symbolisch ihr Gesicht, um nicht auf die Flamme zu pusten. Das Feuer ist das Symbol für die Macht und Unsterblichkeit von Ahura-Mazda, aber es ist nicht Gott an sich. Die Zoroastrier verehren also nicht das Feuer, sondern glauben, daß das Feuer ihre höchste Gottheit repräsentiert.
Was Zarathustra selbst betrifft, so ist er der erste der großen Propheten, und seine klassische Darstellung zeigt ihn stehend, schreitend, in den Händen die Gathas, die von ihm verfaßten heiligen Gesänge, und in der anderen seinen Pilgerstab.

Vermutliche Darstellung von Zarathustra oder (möglicherweise) von Mithra
Der mazdeistische Priesterstand besteht aus „Magiern”. Der Atharvan ist der Priester höchsten Ranges, Hüter des heiligen Feuers. Er praktiziert Magie und übernimmt die Rolle des „Zauberers “, wie er in den esoterischen Hymnen des Atharva-Veda der indischen Arier beschrieben wird. Der Zoata (oder Zaotar oder Hota) ist der Ritualpriester. Der Zaothra ist das Opfer. Der Baresma ist der zeremonielle Stab, der später den Zauberstab der Zauberer und Hexen in Märchen inspirieren wird.

Meder-Priester
Der Zoroastrismus
Der Zoroastrismus ist die Religion derjenigen, die den Lehren Zarathustras, des wandernden Propheten des Weltenschöpfers Ahura-Mazda, folgen. Als Hohepriester des Mazdeismus vertritt Zarathustra eine Form des Monotheismus, die die Grundlage für Teile des Judentums wie auch des Katholizismus bilden wird.
Die im babylonischen Exil lebenden Hebräer (597–538 v. d. Z.) waren stark vom Zoroastrismus beeinflußt. Zu dieser Zeit beherrschten die Perser nicht nur die Stadt, sondern ganz Mesopotamien.
Ursprünglich hatte Jahwe eine Gefährtin, die Schechina. Bis zum babylonischen Exil des hebräischen Volkes war Jahwe eine lokale Version des semitischen Donnergottes Baal. Erst nach dem Einzug der Hebräer in Babylonien wurde der Jahwe-Kult zu dem reinen Monotheismus, den wir kennen, der dennoch über eine sehr reichhaltige Engel-Mythologie verfügt.
Der Zoroastrismus ist in der Tat ein echter Monotheismus. Der Mensch steht im Zentrum der Beziehung zwischen dem Guten Geist (verkörpert durch Mithra oder Ahura-Mazda) und dem Bösen Geist. Zwischen diesen beiden Polen gibt es kein eigenständiges himmlisches Wesen.
Zwar kommen Mithra, Bahram und Anahita im jüngsten Teil des Avesta (aus der Zeit der Meder, Achämeniden oder Parther, ca. 800–300 v. d. Z.) vor, doch fehlen sie gänzlich in den ältesten Schichten, wie den berühmten Worten Zarathustras, den Gathas, und den Erzählungen seiner Jünger, dem Yasna Haptanghaiti. Solche Gottheiten sind daher kein fester Bestandteil des zoroastrischen Pantheons.
Ihre Popularität war im Laufe der 4000-jährigen Geschichte dieser Lehre uneinheitlich. Mithra zum Beispiel und vor allem Anahita gerieten in Vergessenheit, während die Figuren Zarathustras oder die von Saoshyant stets Interesse weckten.
Saoshyant ist der Erlöser am Ende der Zeit, der entfernte Nachkomme Zarathustras selbst. Sein Mythos inspirierte den Mythos von Kalki bei den Indern und natürlich das Christentum (die Wiederkunft Christi).
Der Zoroastrismus ist also die Lehre, die Zarathustra in den Gathas, den ältesten Gesängen des Avesta, verkündet. Diese Gesänge, die zwischen dem ersten und zweiten Jahrtausend v. d. Z. verfaßt wurden, preisen nur einen einzigen Gott, Ahura-Mazda.
Das heilige Wort, das heilige Denken und die heiligen Taten zu praktizieren, ist der beste Weg, um von ihm Glück und Reichtum (Wohlstand) zu erlangen. Diese Lehre predigt das Leben, die Bescheidenheit, die Arbeit und die Liebe zu Gott. Vergnügungen sind nicht verboten, solange sie als „gerecht“ gelten, das heißt als „Ahura-Mazda wohlgefällig“.
Der Zoroastrismus ist also keine Askese. Auch wenn Zarathustra ein Asket und wandernder Magier war, deutet seine Lehre nicht darauf hin, dass Askese der einzige Weg zur Erlösung sei.
Der Mazdeismus ist ein Begriff mit einer umfassenderen Bedeutung. Der Mazdeismus umfaßt die Gesamtheit der religiösen Praktiken im alten Persien. Die uns vorliegenden archäologischen Spuren reichen bis zu den Medern (ca. 800 v. d. Z.) zurück, und dieser Kult scheint seinen Höhepunkt im Achämenidenreich (ca. 500 v. d. Z.) .
Der Mazdeismus ist ein Polytheismus, denn neben Ahura-Mazda sind auch die zahlreichen anderen Gottheiten, die in den Yasht („Hymnen“) des Avesta verehrt werden, mit Kräften ausgestattet. Mithra bestraft, Bahram hilft, Anahita entscheidet usw. Es ist daher angebracht, jede einzelne von ihnen zu ehren und nicht mehr nur Ahura-Mazda. Letzterer bleibt jedoch der höchste, mächtigste und weiseste der Götter und somit der verehrungswürdigste.
Was Ahura-Mazda zudem von den anderen mazdeistischen Gottheiten unterscheidet, ist, daß in ihm nicht Kraft und Gewalt gepriesen werden, sondern Weisheit, Beherrschung und vor allem Allwissenheit.
Der Mazdeismus ist somit ein Ritualkult, der eine Reihe von Riten, Zeremonien und gesungenen Gebeten umfaßt, um die Gunst der Fürbittgötter zu erlangen. Zu diesen Riten, die dem indischen Vedismus sehr ähnlich sind, kommt die für Zarathustra typische Weisheit hinzu.
Die Gathas werden bei den Ritualen gesungen, doch vor allem sind es die Worte Zarathustras und seine Beziehung zu Ahura-Mazda, die im Mittelpunkt des intellektuellen und religiösen Lebens der „Anhänger von Ahura-Mazda“ stehen, und nicht Mithra, Bahram oder Anahita.
Für die Zwecke des Kultes und weil es unheilig ist, einen Menschen zu verehren (was Zarathustra nach wie vor ist), verehren die Mazdeisten jedoch Mithra, die Sonne, Bahram, die Kraft, Anahita, das lebendige und reine Wasser usw.
Die Verfolgung der Zoroastrier
Obwohl die persische Zivilisation aus archäologischer Sicht weitgehend dokumentiert ist, bleibt uns die religiöse Dimension dieser Kultur sehr geheimnisvoll, größtenteils aufgrund des menschlichen und kulturellen Völkermords, den die islamisierten Araber verübten. Vom 7. bis zum 9. Jahrhundert tilgten diese jede Spur der vorislamischen mystischen Traditionen.
Da das Feuer in der mazdeistischen Religion eine zentrale Rolle spielt – obwohl ein solcher Kult nirgendwo erwähnt wird, weder in den Gathas noch im übrigen Avesta –, wurden die Zoroastrier systematisch als „Feueranbeter“ verfolgt, und dieser Götzendienst wurde Zarathustra zugeschrieben.
Ibn Khaldum schreibt insbesondere, daß der zweite Kalif, Omar [einer der engsten Gefährten des Propheten Mohammed], anordnete, die zoroastrischen Texte zu verbrennen, und die Verbrennung dieser Tausenden von Schriften ermöglichte es, die öffentlichen Bäder in ganz Persien sechs Monate lang zu beheizen.
Das Ausmaß dieser Zerstörung, bekannt unter dem Namen „zwei Jahrhunderte des Schweigens“ (vom 7. bis zum 9. Jahrhundert), war so groß, dass am Ende nur noch zwei oder drei Exemplare der Avesta – die die Gathas enthielt – übrig blieben.
Die Zoroastrier, die sich weigerten, zum Islam zu konvertieren, waren gezwungen, nach Indien zu fliehen, wobei sie die wenigen verschonten Exemplare mitnahmen und die heute sehr wohlhabende Gemeinschaft der Parsen gründeten. Im Gegenzug schickten sie einige der Kopien der Avesta, die sie angefertigt hatten, an ihre wenigen im Iran verbliebenen Glaubensbrüder. K. K. Pardis, Die Gathas.
In Indien, wohin die ihrem Kult treu gebliebenen Zoroastrier geflohen waren, war die Verfolgung dieselbe, wenn auch etwas später:
Im Jahr 1709 rühmt sich Ibrahim der Ghaznawide, die in Dun (einer Stadt nördlich von Delhi) ansässigen Zoroastrier ausgerottet zu haben (J. Varenne, Zarathushtra et la Tradition mazdéenne).
Die Perser, die aus Persien geflohen waren, um ihren Kult weiter auszuüben, wurden fortan „Parsis“ genannt. Sie ließen sich zunächst in der Umgebung von Bombay nieder und übten Berufe als Juweliere, Geldverleiher und Händler aus.
Diese Gemeinschaft organisierte sich in Kasten, um sich in die indische Gesellschaft zu integrieren. Während der Islam und das Christentum in Indien immer wieder für Zwietracht sorgten und das Judentum sich dort nie wohlfühlte und das Land Mitte des 20. Jahrhunderts endgültig verließ, haben die Zoroastrier dort ihren Platz gefunden.
Indien ist in der Tat ein tolerantes Land gegenüber Gemeinschaften, die an seinem gemeinsamen Schicksal teilhaben wollen, ohne dabei das hinduistische Referenzmodell (das seit über 3000 Jahren nichts anderes als der soziale Kitt des Subkontinents ist) untergraben zu wollen.
Laut K.K. Pardis gibt es heute weltweit 100.000 Parsen, also aus dem Iran ausgewanderte zoroastrische Perser, davon 70.000 in Indien, 6.500 in den Vereinigten Staaten, 4.500 in Kanada, 4.000 in Großbritannien und 3.000 in Pakistan.
Diejenigen, die im Land blieben, waren gezwungen, aus den Städten zu fliehen, um ihren Glauben in den Dörfern weiter auszuüben. Sie wurden als „Guebres“ bezeichnet. Als arme, landwirtschaftlich geprägte und ländliche Bevölkerungsgruppe leiden die Guèbres seit über tausend Jahren unter einer systematischen Ausgrenzung durch die muslimische Mehrheit.
Der Begriff „Guèbre“ läßt übrigens die Verachtung erkennen, die die Muslime ihnen gegenüber empfinden: Abgeleitet vom Wort „gaur“ bedeutet er „Götzenanbeter“ oder auch „Ungläubiger“.
Die ›Gaures‹ sind heute an mehreren Orten in Persien verbreitet, vor allem in Kerman. Da diese Provinz die ärmste und unfruchtbarste in ganz Persien ist, lassen die Mohammedaner, die kein Interesse daran haben, dort zu leben, die Gaures dort wohnen und ihre Religion friedlich ausüben. Überall sonst behandeln die persischen Mohammedaner sie mit großer Verachtung.
B. Picart, Religiöse Zeremonien und Bräuche aller Völker der Welt.
Laut der iranischen Volkszählung von 2012 gibt es heute im Iran nur noch 25.271 Zoroastrier, einem Land, in dem sie als Bürger zweiter Klasse gelten und nur über einen Sitz ohne Stimmrecht in der iranischen Nationalversammlung verfügen.
Darüber hinaus ist es ihnen aufgrund ihres Status als Ungläubige untersagt, Ämter im öffentlichen Dienst zu bekleiden oder irgendeine politische Verantwortung auszuüben. Im Jahr 2013 wurde jedoch ein Zoroastrier zum Senator gewählt (ein Amt, das ihm von den Wächtern der Islamischen Revolution sofort wieder entzogen wurde).
Quelle: https://arya-dharma.com/2022/01/le-mazdeisme-et-le-zoroastrisme-religions-perses.html
Die ›Hybrid-Theorie‹ des Max-Planck-Instituts über den Ursprung der Indogermanen
Die vedischen Arier in Indien zwischen Einfluß und Akkulturation





