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Ehrung unserer heimgegangenen Gefährten

… mit den Wildgänsen davongeflogen!

Ehrung unserer heimgegangenen Gefährten

Gefährte Dominique Venner

Mit seinem Freitod am 21. Mai 2013 im Dom von ›Notre Dame‹ wollte Dominique Venner ein Zeichen setzen “gegen den vor unseren Augen stattfindenden verbrecherischen Austausch unserer Völker mit dem offenkundigen Ziel, uns zu vernichten.” Zugleich war es die Botschaft eines Unbeugsamen zur Erweckung Europas.

Nach dem Begräbnis von Dominique Venner am 31. Mai auf dem Père Lachaise (Paris) im Kreise seiner Familie und seiner engsten Freunde, fand nachmittags eine öffentliche Ehrung statt.

Prof. Bernard Lugan, ein enger Freund Dominique Venners, las seinen Abschiedsbrief. Philippe Conrad, langjähriger Mitarbeiter und jetzt Chefredakteur der von Venner gegründeten Nouvelle Revue d’Histoire,  Gianluca Iannone (aus der ›CasaPound‹ Italia) und Alain de Benoist würdigten die zahlreichen Facetten dieser herausragenden Persönlichkeit:

den Kämpfer, den Revolutionär, den Pionier des europäischen Widerstandes,

den Schriftsteller, den Stoiker und schließlich den großen meditativen Historiker.  

Die Fahnen, die man links und rechts vom Rednerpult sehen kann, symbolisieren die Herkunft Dominique Venners: Lothringen (väterlicherseits), Provence (müttlerlicherseits) und schließlich seine Wahlheimat, die Normandie.

Die rote Fahne neben dem Pult kennzeichnet den Kampf.

An der Gedenkfeier nahmen annähernd 700 Personen aus verschiedenen europäischen Heimatländern teil.

https://www.youtube.com/watch?v=EXA1TFqNAvk

https://ahnenrad.org/?s=dominique+venner+lebensbotschaft (mit deutschen Untertiteln)

Letzter Wille

So sterben,

wie ich ihn einst sterben sah —,

den Freund, der Blitze und Blicke

göttlich in meine dunkle Jugend warf:

— mutwillig und tief,

in der Schlacht ein Tänzer —,

unter Kriegern der Heiterste,

unter Siegern der Schwerste,

auf seinem Schicksal ein Schicksal stehend,

hart, nachdenklich, vordenklich —:

erzitternd darob, daß er siegte,

jauchzend darüber, daß er sterbend siegte —:

befehlend, indem er starb,

— und er befahl, daß man vernichte…

So sterben,

wie ich ihn einst sterben sah:

siegend, vernichtend…

(Friedrich Nietzsche Dionysos-Dithyramben)

 

Ton sang s’est fait esprit

À la face de tous ceux que l’âme a fuis à force de se renier

tu t’es accompli à la force d’une conduite inégalée

aux esclaves de la subversion à l’âge égalitaire


tu as prédit toute ta vie le réveil de l’àge identitaire

pour ceux qui croupissent dans la fange des ignobles compromis


tu as écrit à l’encre de ton sang le bréviaire des éveilleurs insoumis 

ton sacrifice volontaire les pires abominations désormais a vaincues


convaincu que l’esprit nourri au sang de sa race éternellement reste invaincu

ta mort a brutalement rompu les amarres des ultimes trahisons


et libère d’un coup de feu les forces vives de la régénération

que ton esprit souffle vite sur les nouvelles générations


le réveil obligé de l’Europe encore en dormition!

Pierre Krebs
(Nuit du 25 au 26 Mai 2013)

 

Dein Blut ist Geist geworden.

Du, der sich angesichts aller seelenlosen Selbstbesudler 


vermöge seiner unübertrefflichen Haltung bemeistert hat,

Du, der den Leibeigenen des Niedergangs im Zeitalter der Gleichmacherei


ein Leben lang die Neugeburt des epochalen Ethnos verkündet hat,

Du, der den in selbstgemauerten Kerkern der Unterwerfung Verkommenen

das mit seinem Blut niedergeschriebene Brevier der Unbeugsamen 
vermacht hat:

Dein freiwilliger Opfergang, der die widerlichsten Abscheulichkeiten bezwang,


wie sich nur der aus der Urquelle der Rasse stammende Geist 
unbesiegbar verewigt,

Dein vorbildlicher Opfermut,
der die Anker allertiefster Abtrünnigkeiten

mit eiserner Hand gebrochen hat,


unbändige Elementarkräfte des Heils mit einem Schlag entbindend –

möge Dein Geist das unabwendbare Erwachen 
jenes schlaftrunkenen Europas entfachen!

Pierre Krebs
 (in der Nacht des 25. auf den 26. Mai 2013)

 

Mit Deinem Freitod hast Du,
Ahnherr und geistiger Vater,
die Urwerte Europas auf dem Altar der Ehre,
der Rückgewinnung und des Erwachens
neu offenbart.
Dein tapferes Sterben
möge ein erweckender Lebensfunke
für die Neugeburt Europas sein!
›Thule-Seminar‹
Beitragsbild: Dominique Venner, ᛉ 16. April 1935 in Paris; ᛣ 21. Mai 2013 ebenda

 

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Ehrung unserer heimgegangenen Gefährten

Gefährte Peter Naumann

ᛉ 1952 in Wiesbaden; ᛣ 3. März 2021

Peter Naumann kämpfte Zeit seines Lebens für die nationale Idee und die Befreiung Deutschlands.

Er wurde 1952 in Wiesbaden geboren. Bereits mit 18 Jahren begann seine politische Laufbahn in der Jugendorganisation der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). 1976 bekleidete er das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Jungen Nationaldemokraten (JN).

Von Beruf Diplom-Chemiker verübte Peter Naumann 1978 zusammen mit Heinz Lembke einen ersten Sprengstoffanschlag auf die Denkmalanlagen der Fosse Ardeatine in der Nähe von Rom, die an die Erschießung von 335 zivilen italienischen Geiseln durch die SS im März 1944 erinnern sollen.

1979 sprengte Peter Naumann Zuleitungen zu zwei Fernsehsendemasten, um die Ausstrahlung der bevorstehenden Fernsehserie ›Holocaust- Die Geschichte der Familie Weiß‹ zu verhindern. Einige 100.000 Zuschauer konnten dadurch zeitweilig kein Bild empfangen. Bei der Sprengung verlor er die Finger seiner rechten Hand.

In dem darauffolgenden Jahr plante Peter Naumann zusammen mit Odfried Hepp und Walter Kexel die Befreiung von Rudolf Heß aus dem Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau. Der Plan wurde nicht durchgeführt.

Schon 1982 erfolgte eine Anklage wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung und Durchführung dreier Sprengstoffanschläge, und 1983 kam eine zweite Anklage wegen Planung eines Bombenanschlags auf das Kriegsverbrechergefängnis in Berlin-Spandau hinzu.

Trotz dieser staatlichen Repressionen gründete Peter Naumann den Völkischen Bund (VB) bzw. die ›Arbeitsgemeinschaft Nationaler Verbände‹ zur Organisation von Schulungen und Durchführung von Sonnwendfeiern.

Unter dem Vorwurf des Verdachtes, Sprengstoffanschläge auf DDR-Grenzanlagen sowie auf Sende- und Strommasten in Südtirol beabsichtigt zu haben, wurde Peter Naumann 1987 verhaftet und 1988 vom Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt/Main zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten wegen Herbeiführung eines Sprengstoffanschlages und der Verabredung zu Sprengstoffanschlägen im Zusammenhang mit den Anschlägen auf das Denkmal und die Sendemasten sowie wegen versuchter Gründung einer terroristischen Vereinigung und Verstoß gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz verurteilt.

Nach Absitzen von zwei Dritteln der Haftzeit wurde Peter Naumann im Dezember 1990 zur Bewährung entlassen. Die NPD hatte ihn derweil aus der Partei ausgeschlossen. Bei allen Anschlägen war es Peter Naumanns hohes Ziel, keine Personenschäden zu verursachen.

In späteren Jahren wendete sich Peter Naumann vom bewaffneten Kampf ab und übergab 1995 dem Bundeskriminalamt seine 13 Waffen- und Sprengstoffdepots. Er bekannte sich öffentlich zur ›kämpferischen Gewaltfreiheit‹.

Auf die Übergabe der Depots folgte eine Verurteilung wegen des ›Verstoßes gegen das Waffen- und das Sprengstoffgesetz‹ sowie das ›Kriegswaffenkontrollgesetz‹ zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten auf Bewährung. Die Anklage wegen des ›Verdachtes der Bildung einer terroristischen Vereinigung‹ wurde 1998 eingestellt.

2007

Seit Ende 2006 fungierte Peter Naumann als persönlicher Referent für den NPD-Abgeordneten Klaus-Jürgen Menzel im sächsischen Landtag und arbeitete später für die dortige Fraktion. Das Beschäftigungsverhältnis endete im Dezember 2008 abrupt, als er den NPD-Landtagsabgeordneten Jürgen Gansel auf Grund persönlicher Verfehlungen körperlich maßregelte.

Ab den 2000er Jahren trat Peter Naumann immer wieder als Vortragsredner auf nationalen Veranstaltungen auf, u. a. auf der Trauerkundgebung für Jürgen Rieger in Wunsiedel. Siehe hierzu:

Teil 1 https://www.youtube.com/watch?v=pohVzY6DLgU

Teil 2 https://www.youtube.com/watch?v=FD-_jO5pnj8

In seinen letzten Jahren wurde es ruhig um Peter Naumann, vor allem wegen seiner gesundheitlichen Probleme. Er lebte zurückgezogen im Knüll, wo wir ihn noch erleben durften, bevor er krankheitsbedingt nach Hamburg übersiedelte.

Peter Naumann war ein “nationales Urgestein”, ein Kämpfer für Deutschlands Freiheit. Wir werden ihn nicht vergessen.

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Ehrung unserer heimgegangenen Gefährten

Gefährte Dietrich Schuler


Dietrich Schuler, 9. Tafelrunde der Freien Geister, 10. Oktober 2009

›Anti-Christ‹ und Visionär einer Religion der Zukunft

 
Mit Dietrich Schuler verlor das volkstreue Lager am 3.11.2011 einen der radikalsten Gegner des Christentums und einen seiner interessantesten, aber auch eigenwilligsten Schriftsteller und Denker.
 
Geboren am 2.2.1927 in Stuttgart, aufgewachsen in Nagold im Schwarzwald. Ab Herbst 1943 Flakhelfer; im November 1944 ins mährische Olmütz zur Wehrmacht einberufen. Schuler diente in einer Einheit der Aufklärenden Artillerie − man beachte die Parallele zur Biographie Nietzsches. Nach der Ausbildung wurde Schulers Einheit im April 1945 nach Prag verlegt. Doch noch vor jenem grausamen Massaker, das 70.000 Deutschen in Prag das Leben kosten sollte, verläßt Schulers Kompanie als eine der letzten Wehrmachtseinheiten Prag. Nach der Kapitulation entzieht sich Schuler der amerikanischen Gefangennahme und schlägt sich alleine in einem dreiwöchigen Fußmarsch nach Oberschwandorf durch. Seit Vater war 1944 im Kurlandbrückenkopf gefallen. Wie sein Vater wählte auch er den Lehrerberuf und besuchte von 1947−1949 das Pädagogische Institut in Reutlingen; danach begann er an Grundschulen zu unterrichten. Mit der politischen Entwicklung im Nachkriegsdeutschland höchst unzufrieden, engagierte sich Schuler auch parteipolitisch im volkstreuen Sinne, war Mitglied der SRP bis zu deren Verbot und später Schulungsleiter im DRP-Landesverband Baden-Württemberg. Im Juli 1963 wurde bei einer Haussuchung ein nicht zur Veröffentlichung bestimmtes Manuskript unter dem Titel ›Ketzeraphorismen‹ beschlagnahmt, in dem Schuler politische und weltanschauliche Gedanken niedergelegt hatte, die von den Behörden als Generalangriff auf das demokratische System gewertet wurden. Aufgrund dieser Schrift, die später als „staatsgefährdend“ eingestuft wurde, kam er im März 1964 nach Stuttgart-Stammheim in U-Haft. Schuler wurde vom Schuldienst suspendiert und ein Jahr später zu 7 Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.
 
Gleichzeitig gingen die Beamtenrechte, der Oberlehrertitel nebst dem aktiven und passiven Wahlrecht verloren, außerdem die „bürgerlichen Ehrenrechte“. Schuler konnte sich und seine Familie zwei Jahre nur mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten. (Über Umwege wurde er einige Jahre später, ›gnadenhalber‹ wieder in den Schuldienst aufgenommen.) Die DRP hatte ihn schon 1963 ausgeschlossen und war inzwischen in der NPD aufgegangen. Aufgrund dieser politischen wie persönlichen Enttäuschungen enthielt sich Schuler die nächsten 25 Jahre jeglicher öffentlichen Äußerung…
 
Erst die immer brennender werdende biologische Frage ließ ihn sein Schweigen mit dem Buch Aufstand der Verpflanzten (Tübingen 1988) brechen. (Das Buch wurde 1999 ins Französische übersetzt.) Obwohl noch unter dem Eindruck der für Europa potentiell tödlichen Ost-West-Konfrontation verfaßt, war Schuler bereits damals das Überleben der Weißen Rasse oberstes Anliegen. Schuler hatte die demographische Katastrophe und ihre Ursachen frühzeitig erkannt und war dabei bei der Bestandsaufnahme nicht stehen geblieben. Auch sein Werk Untergang der Weltmacht USA. Rettung der weißen Völker? (Kiel 2003), beschäftigt sich mit der existentiellen Bedrohung der weißen Rasse, wobei Schuler hier eine Gesetzmäßigkeit der Geschichte herausarbeitet: das Werden und Vergehen großer Mächte. Die USA, so Schuler, werden die nächste Macht sein, die an dieser historischen Gesetzmäßigkeit zerbrechen muß…
 
Über das Politische hinaus, bemühte sich Schuler von Anfang an um neue philosophische und religionsphilosophische Grundlegungen, nachdem bereits 1945 Nietzsches Werk Also sprach Zarathustra seine große Liebe geworden war. So wurde er in gewissem Sinne Nietzscheaner, jedoch ohne epigonenhafte Bindung an diesen Philosophen.
 
Mit der Stunde des Kreatismus (Birkenfeld 1993) entwarf Schuler seine Vision einer das Christentum überwindenden, neuen europäischen Religion. Die Niederlegung seiner als ›kreatistisch‹ konzipierten Weltanschauung bildet unbestreitbar den Hauptertrag des geistigen Ringens von Dietrich Schuler. Nach und nach wurden seine, in der Phase des Schweigens entstandenen Gedanken und Arbeiten veröffentlicht.
 
Seine Gedanken vertiefte er mit Zeitenwende total! (Birkenfeld 2000) und konnte mit dem in vier Auflagen erschienenen Jesus − Europas falscher Gott erstmals auch ein breiteres Publikum − zumindest innerhalb des nationalen Spektrums − erreichen. Seine Schrift, Bausteine für eine Religion der Zukunft − Urmonergon und Wiedergeburt, ergänzt und rundet sein Werk in einem wesentlichen Punkt ab. Eine Abrundung erfährt Schulers Gedankenwelt durch Kreatismus als geistige Revolution, in dem er seine Hauptgedanken abermals vertieft und umfassend darstellt. Es beinhaltet u.a. auch Schulers Auseinandersetzung mit Gegnern und Kritikern und ist nicht nur als sein letztes und umfangreichstes, sondern darf auch als sein reifstes Werk gelten, in dem die Hauptgedanken des Kreatismus noch wesentlich feiner skizziert werden: Der Kreatismus wird sehr stark von philosophischen Gedanken getragen und durchdrungen, ohne Philosophie im Sinne eines Lehrgebäudes zu sein. Der Kreatismus ist noch keine Religion, aber er ist der Weg dahin − die Bausteine für eine Religion der Zukunft. Er ist eine Weltanschauung im Werden, eine Religion in statu nascendi.
 
Kreatismus leitet sich lateinischen creare (d. h. schaffen) ab. Der Kreatismus ist „die Lehre vom bewußten Schaffen über uns hinaus, denn ‚der Mensch‘ ist etwas, das überwunden werden muß.“ Schuler verbindet im Kreatismus Nietzsches Gedanken des Übermenschen mit der bewußten Hochzüchtung als nächsten Schritt der Evolution. Ontologisch liegt für den Kreatismus das Sein im Werden, womit das schaffende, schöpferische Leben auch als höchste Bewußtseinsstufe erkannt wird. Der Kreatismus fokussiert die Kreisläufigkeit allen Lebens auf den Wiedergeburtsgedanken, der für Schuler eine Grundvoraussetzung für die dauerhafte Überwindung der Offenbarungsreligionen ist.
 
Schulers Werk stellt eine der radikalsten und kompromißlosesten Verneinungen des Christentums seit Nietzsche dar. Sein geistiges Vermächtnis, der Kreatismus, als Vision einer das Christentum überwindenden, neuen europäischen Religion harrt noch der Entdeckung. Den Suchenden wird sie ein Kompaß sein, um den Weg aus dem Abgrund zu finden, in den uns die Irreführung − der geistig-seelische Jahrtausendbetrug − des Christentums gestürzt hat!
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Ehrung unserer heimgegangenen Gefährten

Gefährte Jürgen Rieger

ᛉ 11. Mai 1946, ᛣ 29. Oktober 2009

 

Eine ist die Geschöpfseele,

sie weilt in jeglichem Geschöpf,

einheitlich und doch vielheitlich

erscheint sie wie der Mond im Teich;

wie der Raum, den der Krug erschließt,

denn wenn der Krug zerbrochen wird,

bricht nur der Krug, der Raum bricht nicht,

das Leben ist dem Kruge gleich.

(Bramabindu-Upanisad)

Denn…

La mort n’est qu’un déplacement d’individualités:

L’hérédité fait circuler les mêmes âmes

à travers la suite des générations d’une même race.

(Gustave Le Bon)

Deshalb…

…verweilt Dein Geist jetzt unter uns, Jürgen, treuer Gefährte,

der Geist, der uns im Wissen einigt, damit unser Wille siegen kann.

Denn der Sieg gehört immer denjenigen,

die den härtesten Willen besitzen.

Und der Wille derer wird der härteste sein,

die sich im Recht wissen.

Und im Recht wissen wir uns,

die wir das Naturgemäße wollen!

(›Thule-Seminar. Forschungs- und Lehrgemeinschaft für die indoeuropäische Kultur e.V.‹)

 

 

Filmaufzeichungen

Jürgen Rieger: Einlaß in die Walhalla

(Dr. Pierre Krebs, Wunsiedel, 14.XI.2009)

https://www.youtube.com/watch?v=pohVzY6DLgU

https://www.youtube.com/watch?v=FD-_jO5pnj8

 

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Gefährte Josef Kneifel

ᛉ 15. November 1942 in Weißig, Niederschlesien; ᛣ 28. Oktober 2020 in Radebeul

 

Josef Kneifel war ein Held, ein leuchtendes Beispiel für Kameradschaft, Mut und Widerstandsgeist.

Am 15. November 1942 im niederschlesischen Weißig geboren, wurde Josef Kneifel früh zum Waisenkind, als seine Eltern 1945 von sowjetischen Soldaten getötet wurden. 35 Jahre später, am 9. März 1980, verübte er einen Bombenanschlag auf das Panzerdenkmal eines sowjetischen T-34-Panzers in Karl-Marx-Stadt, heute wieder Chemnitz, um gegen die andauernde sowjetische Besatzung zu protestieren. Als die Stasi Josef Kneifel ein Jahr nach der Tat festnehmen konnte, begann sein Widerstand gegen das Regime erst richtig. „Genug den Namen des Volkes mißbraucht, ihr Lakaien”, rief er der Richterin entgegen.

Am 9. März 1981 wurde Josef Kneifel zu lebenslanger Haft verurteilt. In den ersten Tagen seiner Haft begann er einen 14-monatigen Hungerstreik. Sieben Jahre verbrachte Josef Kneifel in Folterhaft; für ihn wurde in Bautzen I ein eigener Zellentrakt errichtet, eine vier Quadratmeter große Zelle ohne Fenster und Tageslicht. Durch Schikanen und Mißhandlungen während der Haftzeit erlitt er schwere gesundheitliche Schäden.

Am 6. August 1987 wurden Josef Kneifel  und seine Frau im Rahmen eines Austauschs von Agenten und Dissidenten in die Bundesrepublik entlassen. Sie zogen nach Nürnberg. Er fand Arbeit im Maschinenbau. 1991 versagten seine angegriffenen Nieren, er wurde Dialysepatient. 1993 ging seine Firma pleite. Seine Frau starb an Krebs. Josef Kneifel bekam eine Entschädigung als politischer Gefangener.

   

Er knüpfte Kontakte zu gleichgesinnten Gruppen und Organisationen und engagierte sich u.a. für inhaftierte Kameraden, die er durch mentale sowie finanzielle Zuwendungen unterstützte. „Ich war ein Durchschnittsmensch von bescheidener Bildung, sonst nichts“, sagte er über seine Vergangenheit. „Das Leben in der DDR war zu wenig. Der Kampf war mir mehr wert.“ Er war und blieb ein Unbeugsamer, konsequent bis zum Schluß.

Am 27. Oktober 2020 um 22:24 Uhr erhielten wir eine letzte Nachricht von ihm. Er schrieb:

Das war’s!

Liebe Gefährten,
unmittelbar vorm Pflegefall stehend, liegend,
nutze ich die Gelegenheit, SELBSTSTÄNDIG
das Licht auszuschalten.
Danke für Ihre stete Arbeit gegen die Unmenschen
Josef Kneifel

Sein Freitod ist Ausdruck seines eisernen Willens und seiner Ehre. Sein heldenhafter Kampf für Gerechtigkeit wird unvergessen bleiben.

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Ehrung unserer heimgegangenen Gefährten

Gefährte Giorgio Locchi

Giorgio Locchi, ᛉ 15. April 1923 in Rom, ᛣ 25. Oktober 1992 in Paris

Giorgio Locchi war zweifelsohne einer der tiefsinnigsten Denker der nonkonformen Kultur Europas. Seine Philosophie und seine Intuitionen beeinflussten unter anderem das Gedankengut von Guillaume Faye, Pierre Vial, Pierre Krebs, Robert Steuckers, Stefano Vaj, Alain de Benoist.

Porträt Giorgio Locchis von Ettore Ricci

Geprägt von Musik, Physik und Philosophie

In Rom geboren, hielt er sich in seiner Jugendzeit lange in Deutschland auf. Es war das Land, aus dem seine deutsche Ehefrau, Elfriede Locchi, stammte. Er studierte Jura und wurde Auslandskorrespondent der italienischen Zeitung Il Tempo in Paris.

Locchi galt als hochfeiner Kenner der deutschen Philosophie, der klassischen Musik und der neuen Physik. Nach dem Ende des Kriegs wohnte er in Saint-​Cloud in der Nähe von Paris. Er war mehr als ein Philosoph, Journalist, Essayist und Denker. Er war eher, wie Guillaume Faye zurecht sinngemäß schrieb, ›Lehrer und Dynamit‹, ganz im Sinne Friedrich Nietzsches.

Seinen Schülern galt Locchi als Anreger uralter Energien, als Multiplikator geahnter, doch noch nicht verstandener Erleuchtungen: „Wer sein Buch Wagner, Nietzsche e il mito sovrumanista (sinngemäß Wagner, Nietzsche und der Mythos des Übermenschen,) aufschlägt, der steht einer Enthüllung eines originellen und originären Wissens gegenüber – eine Enthüllung, die nie total sein mag. Denn der aristokratische Stil Locchis ist hermetisch und andeutend.

Der Reiz Locchis liegt in seiner vielseitigen, sich anderer Denkschulen bedienenden Ausbildung. Sein Werk beruft sich auf philosophische, ethnologische, musikwissenschaftliche, physikalische und religionsgeschichtliche Abhandlungen. Und eben dadurch war er in der Lage, seinen neuen Mythos der Geschichte in allem Glanz und all seiner Schönheit zu enthüllen.

Ende oder Wiedergeburt der Geschichte?

Der Sinn des leider geringen, doch intensiven Schaffens Locchis besteht genau darin. Er hat den Mythos und die Kraft einer antiegalitaristischen Geschichtstendenz in all seiner Klarheit veranschaulicht. Dieser neue Mythos entstand mit und dank Richard Wagner sowie Friedrich Nietzsche. Es war eine Kraft, die sich auch in den revolutionären politischen Bewegungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entfaltete. Einige nennen diese Bewegungen Konservative Revolution‹, andere ›Faschismus‹. Locchi hat deren Mytheme, die Bestandteile ihres anti-egalitaristischen Mythos, erkannt. Anders gesagt: Er hat im Sinne Oswald Spenglers den ›Ideen ohne Worte‹ Ausdruck verliehen.

Neuer Mythos des Übermenschen

Locchi bezeichnet den neuen Mythos auf Italienisch als ›sovrumanismo‹, auf Französisch als ›surhumanisme‹. Ins Deutsche läßt sich der Begriff nur schwer übertragen. Es handelt sich um eine Idee, die auf dem Modell des Übermenschen von Nietzsche beruht. Damit setzte sich Locchi der anderen, zweitausendjährigen Tendenz des Gleichheitskults, dem Egalitarismus, entgegen. Auch dieser hat ganz und gar mythische Wurzeln. Er entstand mit dem Christentum innerhalb der griechisch-​römischen, polytheistischen Kultur. Das Weltgefühl und die Weltanschauung des Abendlandes hat der Egalitarismus nahezu völlig geprägt. Denn die anderen Ideologien der Gleichheit, zum Beispiel Aufklärung, Liberalismus und Marxismus, entstammen der gemeinsamen Wurzel des christlichen Mythos. Im 20. Jahrhundert erlebte dieser seine hochideologische, vom biblischen Ursprung wegführende Phase.

Daraus entstand das, was Locchi den ›epochalen Konflikt‹ nannte. Dieser Konflikt entspringt den gegnerischen und unvereinbaren Weltgefühlen und Projekten der zwei Tendenzen, die Locchi anhand des Denkens Nietzsches erklärt: Der Egalitarismus will den letzten Menschen und das Ende der Geschichte, der neue Mythos dagegen den Übermenschen und eine Wiedergeburt der Geschichte.

Moderner Hass gegen die Geschichte

Der egalitaristische, metaphysisch begründete Hass gegen die Geschichte wurde im 20. Jahrhundert noch deutlicher. Der französische Ethnologe Claude Lévi-​Strauss etwa verurteilte die ›heißen Gesellschaften‹ als ›Geschichtserzeuger‹, Bertolt Brecht nannte „unglücklich das Land, das Helden nötig hat”. Aus den Gedanken Locchis heraus wird ihre Haltung erklärbar: Denn Helden stellen die Geschichte-​Macher schlechthin dar. Diese Ablehnung gegenüber der Idee der stets unvollendeten Zeit steigerte der bekannte US-​amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, als er 1992 das Ende der Geschichte verkündete.

Locchi beschreibt deren verbindende Ideologie, nämlich die Idee der Gleichheit. Denn sowohl Theorie und Praxis des Egalitarismus sind sehr alt ‒ über 2000 Jahre. Er entstand mit dem Christentum und gipfelte im Marxismus sowie im Liberalismus. Die egalitaristischen Ideologien haben einen mythisch inszenierten, als vorgeschichtlich beschriebenen Ursprung, zum Beispiel den Garten Eden, Urkommunismus und vorgesellschaftliche Freiheit sowie ein nachgeschichtliches Ziel. Es ist wahlweise das Himmelreich, die kommunistische Gesellschaft oder eben die planetarische Demokratie.

Die Linie und das Verschwinden der Zukunft

Die Geschichte ›an sich‹ kann aus des Sicht des Egalitarismus, so Locchi, nur noch eine Strafe bzw. ein Unfall sein. Ihr einziger Sinn liegt in ihrem Ende. Zum Glück führen demnach allein die christliche Vorsehung Gottes, die marxistische wissenschaftliche Theorie oder der liberale Fortschritt. Sie gelten als metaphysische und somit die Zukunft bestimmende Wesen. Sie würden, so die Überzeugung dieser Ideologien, den Menschen endlich zu ihrer Idee des Glücks führen, das außerhalb der Geschichte steht. Solche Auffassung kommt aus dem Hauptmythem des Egalitarismus, nämlich dem Geschichtsbild der Linie, das bereits Armin Mohler in seiner Dissertation›Die konservative Revolution in Deutschland‹ 1949 beschrieben hatte.

Mohler und der „Narr des Glücks”

Sowohl Locchi als auch Mohler erkannten im egalitaristischen Geschichtsbild einen zentralen Gedanken: Die Zeit, folglich also auch die Geschichte, würden demnach linear verlaufen. Sie besitzt, so Mohler, einen ominösen, oft mythisch begründeten Anfang und zugleich einen scheinbar unvermeidbaren, fatalen Schluß. Der Mensch hat nach dieser Theorie letztendlich eben doch keine umfassende Möglichkeit, sein Schicksal zu bestimmen. Denn er darf seine angeblich vorausgesetzte Freiheit nicht ausüben, er ist auf sein Ende verdammt.

Der Mensch bleibt so ein verzweifelter „Narr des Glücks”, wie ihn William Shakespeare bei König Lear sowie Romeo und Julia beschreibt. Dieser „letzte Mensch”, den auch Nietzsche beschreibt, wähnt sich am Ende der Geschichte angekommen. „Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern?”, zitiert Nietzsche diesen satten und ungläubigen Charakter in Also sprach Zarathustra. Für Locchi stellt dieser „letzte Mensch” zugleich das letzte Ziel des Egalitarismus dar.

Zugleich, so dieser einzigartige italienische Denker, entstand im 19. Jahrhundert eine neue Geschichtstendenz gegen das Projekt der allgemeinen Gleichheit und des Sieges über die Geschichte. Es handelte sich um eine Tendenz, die durch ihren eigenen Mythos und ihren eigenen Willen beseelt war. Sie entsprang für Locchi der Musik Wagners und dem philosophischen Gedicht Nietzsches. Aus ihr entwickelte sich das Bild einer anderen Geschichte und einer anderen Zukunft. Locchi widersprach damit zugleich den rationalistischen Ideen der Moderne grundlegend. Gegen sie formte er einen neuen Mythos.

Die Geschichte blieb für den Italiener der wesentliche Bestandteil der menschlichen Natur, ja ihr eigentliches Wesen. Nicht der Verstand, so Locchi und der konservative Soziologe Arnold Gehlen, zeichneten den Menschen im Gegensatz zu den Tieren aus, sondern eben seine Geschichtlichkeit. Denn die Tiere haben keine Geschichte, sie wiederholen ihre ihnen angeborene, im Instinkt verwurzelte Natur. Damit kennen sie keine wirklich geschichtliche Entwicklung. Deshalb besitzen sie laut Locchi auch keine Kultur. Sie aber bleibt die wahre, einzigartige Natur des Menschen.

Die Kugel und die Erlösung der Vergangenheit

Denn der Mensch hat entweder keine bzw. alle Instinkte: Er ist im Sinne Gehlens voll und ganz ›weltoffen‹. Er muß seine Kultur und sich selbst entwerfen. Und der Mensch ist keine ›res cogitans‹, also keine ›denkende Sache‹ im Sinne des rationalistischen französischen Philosophen René Descartes, sondern ein Schicksal, ein Da-​Sein.Diese Identität des Menschen beschrieb Martin Heidegger in seinem Hauptwerk Sein und Zeit:Das Dasein hat faktisch je seine Geschichte und kann dergleichen haben, weil das Sein dieses Seienden durch Geschichtlichkeit konstituiert wird.” Für den neuen Mythos Locchis, den er auf alten Denkschulen gründet, bleibt die Geschichte deshalb die einzige Dimension, in der sich der Mensch durchsetzen kann.

Eine solche Menschenauffassung kommt aus einem Hauptmythem der neuen Tendenz: Es handelt sich um die Dreidimensionalität der Geschichtszeit. Sie widersetzt sich dem linearen und eindimensionalen, egalitaristischen Bild der Zeit entschieden. Ihr Geschichtsbild ist die Kugel. Locchi erklärt, auf der egalitaristischen Linie „erscheinen Vergangenheit und Zukunft aus der Gegenwart ausgeschlossen; man ist immer in der Gegenwart, man ist nicht mehr und nie in der Vergangenheit, man ist noch nicht und nie in der Zukunft. In der Physis, im Leben, ist das wahr. In der Geschichte aber sind Vergangenheit, Aktualität und Zukunft immer zugleich da, von einer ‚Gegenwart’ als ihr ‚Inniges’ bestimmt, die das Dasein selbst (im heideggerschen Sinne) ist.” Wie auch Mohler in der Konservativen Revolution schreibt, bleibt „die Kugel wohl das bessere Gegenbild zur geraden, ‚einsinnigen’ Linie als der Kreis. Sie bedeutet für den Kykliker, (also den, der nicht an ein Ende der Geschichte glaubt), daß in jedem Augenblick alles eingeschlossen ist, daß Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenfallen.”

Die Vergangenheit ist kein Gefängnis mehr

All das ist entscheidend: Es besagt, daß die Vergangenheit als determinierende Verkettung unzählbarer Ursachen den Menschen nicht mehr eindeutig und tyrannisch bestimmt. Damit widerspricht Locchi auch der hegelianischen Auffassung der Zeit, die von einem Fortschritt auf Grundlage der menschlichen Geschichte ausgeht. Auch die Zukunft ist nach Locchi nicht mehr von vornherein festgesetzt, sondern bleibt offen. Darin besteht genau die geschichtliche, also die eigentliche Freiheit des Menschen. Er ist nicht mehr Shakespeares „Narr des Glücks”, sondern ein „homo faber suae fortunae” ‒ der Schmied seines eigenen Schicksals, das er frei gewählt hat.

Warum handelt es sich hier um eine Wahl? Nach Locchis Auffassung bestimmt die Vergangenheit zwar den Menschen, doch er kann sich zugleich durch deren Bejahung von ihr befreien. „Die Vergangenen zu erlösen und alles ‚Es war’ umzuschaffen in ein ‚So wollte ich es!’ — das hiesse mir erst Erlösung!”, schreibt Nietzsche in Also sprach Zarathustra. Genau das habe er, so Locchi, mit dem sogenannten ›Tod Gottes‹ beabsichtigt, nämlich das Ablegen jeder beengenden, die Geschichte allein verneinenden Metaphysik. Erst dadurch kann der Mensch befreit werden.

Der Übermensch entscheidet die Geschichte

Um wieder mit Locchi zu sprechen: Der Mensch als geschichtliches Dasein muß zugleich immer zwischen verschiedenen Formen der Erinnerung wählen und deshalb entscheiden. Zugleich beruft er sich in dieser Wahl auf einen gemeinsamen Ursprung und bestimmt damit auch seine Zukunft. Nach Heidegger „wählt sich das Dasein seinen Helden.” Dieses vom Menschen bestimmte Schicksal bleibt gleichzeitig ein Geschick, ein Auftrag des Menschen. Denjenigen, der diese Entscheidung trifft, meinte Locchi mit dem neuen Mythos des ›Übermenschen‹.

Für Locchi entstanden diese Zeitauffassung und der neue Mythos dank Wagner und Nietzsche. Da sich das neue Weltgefühl durch die Sprache des Mythos ausdrückte, wurde es von den Verfechtern des Egalitarismus als ›irrational‹ wahrgenommen und angeprangert. Es handelte sich dabei jedoch um einen irrtümlichen, für die spätpositivistischen Rationalisten typischen Ansatz. Aber die Absicht der mythischen Sprache ist es eben nicht, intellektuell zu überzeugen, sondern emotional zu begeistern. Gerade wegen dieser scheinbar unvernünftigen und verzaubernden Elemente wird sie von ihren Gegnern als höchst gefährlich gespürt. Deshalb verurteilen auch Wagners Gegner dessen Musik so unerbittlich und kompromißlos.

Die Figur des Hans Sachs faßt in Wagners Meistersinger von Nürnberg von 1868 die wesentliche Botschaft zusammen: „Es klang so alt und war doch so neu.” Folgt man weiter Locchi, gipfelte das mythische Projekt Wagners jedoch in der Tetralogie Der Ring des Nibelungen von 1876 und im Drama Parsifal von 1882. In der renommiertesten der italienischen Zeitungen, Il Corriere della Sera, hat der bekannte Musikwissenschaftler Paolo Isotta mehrfach Locchis Wagner, Nietzsche und der Mythos des Übermenschen als „ein Standardwerk der Wagnerischen Hermeneutik” bezeichnet.

Wagners Weltuntergang als Wiedergeburt

Locchi, so Isotta, habe erkannt, daß Wagner das zyklische Bild der Zeit erneuern wollte. Der Komponist habe damit den Mythos und die andere, weder geschichtslose noch gleichförmige Welt regenerieren wollen. Weltuntergang zeigt sich in seinem Werk zugleich als Weltwiedergeburt, Ende und Anfang fallen zusammen. Der Komponist ahnte das Heraufziehen dieser neuen Zeitauffassung. Aber die diskursive, lineare und eindimensionale Sprache seiner Zeit konnte das nicht ausdrücken. Der neue Mythos konnte nur in der Gestalt einer beschwörenden, erhebenden und rätselhaften Musik Gestalt gewinnen. Diese nicht nur den Zeitgenossen als großes Rätsel erscheinende Musik bleibt das Leitmotiv von Wagners Gesamtkunstwerks und des Wort-​Ton-​Dramas. Ihr vertraute er die Sprache des Mythos an.

Wotan, der wirkliche Held der Ring–Tragödie, weiß vom Ende der Welt. Dennoch will er dieses auch, um die Schöpfung regenerieren zu können. Nach der meisterhaften Exegese von Locchi erscheint die Wiedergeburt der Welt genau am Schluss der Götterdämmerung unter den Flammen von Walhall. Sie wird durch das ›Erlösungsmotiv‹ verkündigt.

Zuvor erschallte es nur einmal im ganzen Drama, und zwar in Die Walküre, als Sieglinde dank Brünnhilde entdeckt, daß sie Siegfried im Schoße trägt, Der Walküre ruft sie entgehen: „O hehrstes Wunder! Herrlichste Maid! /​Dir Treuen dank’ ich heiligen Trost! /​Für ihn, den wir liebten, rett’ ich das Liebste”. Es handelt sich hier, wie Locchi erklärt, um das echte Motiv der Erlösung, des Lebens und damit der Wiedergeburt. Das scheinbare Ende aller Dinge bedeutet gleichzeitig einen neuen Anfang, den Beginn einer regenerierten Welt. Wagner schrieb: „Wir erkennen den Grund des Verfalles der historischen Menschheit, sowie die Nothwendigkeit einer Regeneration derselben; wir glauben an die Möglichkeit dieser Regeneration, und widmen uns ihrer Durchführung in jedem Sinne.” Locchi sah darin die zentrale und entscheidende Botschaft Wagners.

Giorgio Locchi entwickelte auf Grundlage nietzscheanischer Philosophie eine neue historische Idee. Mit Alain de Benoist verfaßte er ein US-​kritisches Plädoyer für das Erbe Europas. Nietzsche hat die abendländische Philosophie und Metaphysik grundlegend zerstört aber auch erneuert. Er schuf die Idee der geschichtlichen Freiheit des Menschen. In der von ihm beschriebenen ewigen ›Wiederkunft des Gleichen‹ offenbarte dieser einen neuen Mythos, so Locchi.

Das Rätsel ewiger Wiederkehr

Zu lange wurde Nietzsches Philosophie der ›ewigen Wiederkunft‹ als eine herkömmlich zyklische Zeitauffassung betrachtet. Aber man muß auch damit rechnen, wie Locchi hinweist, daß „Nietzsche in seinem aristokratischen Bestreben, den Unerwünschten die Türen seines Hauses zu versperren, deren Schlüssel sorgfältig verbarg”. Denn er habe, ebenso wie Wagner, das Rätsel der ewigen Wiederkehr verschlüsselt.

Alles Gerade lügt, murmelte verächtlich der Zwerg. Alle Wahrheit ist krumm, die Zeit selber ist ein Kreis. Du Geist der Schwere! sprach ich zürnend, mache dir es nicht zu leicht! Oder ich lasse dich hocken, wo du hockst, Lahmfuß, — und ich trug dich hoch!, schreibt er in Also sprach Zarathustra. An anderer Stelle spricht Nietzsche erneut durch den Seher: „Alles geht, Alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, Alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins. Alles bricht, Alles wird neu gefügt; ewig baut sich das gleiche Haus des Seins. Alles scheidet, Alles grüsst sich wieder; ewig bleibt sich treu der Ring des Seins. In jedem Nu beginnt das Sein; um jedes Hier rollt sich die Kugel dort. Die Mitte ist überall. Krumm ist der Pfad der Ewigkeit.”

Im Anfang liegt die historische Größe

Die dreidimensionale Zeit wird hier erneut deutlich: In der ›Kugel‹ gibt es keinen Anfang und kein Ende, sondern eine Mitte, die überall ist. In ihr fallen die drei Dimensionen der Zeit zusammen. Es kann sich also nicht um das Bild des Kreises handeln. Denn das ist nur eindimensional. Der mythische Anfang der Geschichte ist bei Locchi und Nietzsche keine reaktionäre Wiederkehr eines mumifizierten Ursprungs, sondern ein verwandelter, regenerierter Anfang.

Heidegger formulierte das in seiner umstrittenen Rede Die Selbstbehauptung der deutschen Universität 1933 noch treffender: „Der Anfang ist noch. Er liegt nicht hinter uns als das längst Gewesene, sondern er steht vor uns. Der Anfang ist als das Größte im voraus über alles Kommende und so auch über uns schon hinweggegangen. Der Anfang ist in unsere Zukunft eingefallen, er steht dort als die ferne Verfügung über uns, seine Größe wieder einzuholen.”

Kritik der ›Amerikanischen Metapolitik‹

Neben der Interpretation und Weiterentwicklung der deutschen, geschichtsphilosophischen Tradition spielte Locchi auch an anderer Stelle eine entscheidende Rolle. Am fundamentalsten blieb seine Kritik der USA. Innerhalb der ›Neuen Rechten‹ mag das heute als Trivialität erscheinen. In den Siebziger Jahren waren jedoch viele ›Rechte‹ davon überzeugt, dass im Vergleich mit der Sowjetunion die Vereinigten Staaten das geringere Übel seien. Unter dem Pseudonym Hans-​Jürgen Nigra veröffentlichte Locchi in den 1970er Jahren mit, Pseudonym Robert de Herte, dazu ein Buch. In Deutschland erschien es 1979 unter dem Titel Die USA. Europas mißratenes Kind.

Beide interessierte hier nicht die Weltpolitik der USA, sondern eine ›amerikanische Metapolitik‹, nämlich der ›american way of life‹. In ihm verdichte sich, so Locchi und de Benoist, die antiheroische Weltanschauung, der puritanische Moralismus, der hedonistische Individualismus, die Stillosigkeit und die im Biblischen wurzelnde Verachtung der Politik als geschichtsstiftendem Handeln.

Europa ist Morgenland

Locchi lenkt dabei die Aufmerksamkeit auf Europa und sein Schicksal. Nach ihm ist das Abendland nämlich nicht das Land des Abends, also des Untergangs. Er hoffte auf die Morgenröte eines wieder in die Geschichte tretenden Europas. Nach dem zyklischen Weltgefühl Locchis, basierend auf Wagner und Nietzsche, gehört die Zukunft den Völkern, welche die längere Erinnerung besitzen. In diesem Zusammenhang könnte die indogermanische Tradition den regenerierenden Ursprung darstellen. Für Locchi sollten die europäischen Völker insbesondere die geistig-​kulturelle Gesinnung der Indogermanen wiederholen, als sie die ›Neolithische Revolution‹ umsetzten.

In dieser Zeit entwickelten sie Viehzucht, Ackerbau und Vorratshaltung, die reine Ausplünderung des in der Natur Vorgefundenen nahm ein Ende. Zugleich entschieden sich die indogermanischen Völker, wenn auch ohne prophetische Voraussicht, damit für ein geschichtlich eigenes Schicksal. Die Erweckung dieses uralten Bewusstsein bietet auch Antworten auf scheinbar entfernte, hoch– oder postmoderne Fragen.

Europa, das Land der Kinder

Die Möglichkeit einer europäischen Zukunft besteht also in einem Widerhall, der aus den zurückliegenden Jahrtausenden herkommt. In diesem Fall könnte Europa aber kein Vaterland im traditionellen Sinn sein. Als unser in der Geschichte sich wandelndes Erbe stellt es nicht das Land der Väter, sondern vielmehr, wie Locchi schreibt, das Land der Kinder dar.

Oh meine Brüder, nicht zurück soll euer Adel schauen, sondern hinaus! Vertriebene sollt ihr sein aus allen Vater– und Urväterländern! Eurer Kinder Land sollt ihr lieben: diese Liebe sei euer neuer Adel, — das unentdeckte, im fernsten Meere! Nach ihm heisse ich eure Segel suchen und suchen! An euren Kindern sollt ihr gut machen, daß ihr eurer Väter Kinder seid: alles Vergangene sollt ihr so erlösen! Diese neue Tafel stelle ich über euch”, kündigte dies Nietzsche in Also sprach Zarathustra an.

Europas Schicksal und Wiedergeburt

Vielleicht ist das Ende der Geschichte trotzdem möglich: Denn die geschichtliche Freiheit des Menschen setzt die Möglichkeit voraus, auf diese Freiheit auch verzichten zu können. Aber das bleibt weder eine Notwendigkeit noch ein vorausbestimmtes Los. Ein neuer Mythos, ganz im Sinne von Locchi, kann unserem Kontinent seine Geschichte zurückgeben. Dafür brauchen die Europäer vor allem zwei Dinge: Den Willen zur Wiedergeburt und zum Schicksal.

 

 

 

 

 

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Ehrung unserer heimgegangenen Gefährten

Gefährtin Sigrid Hunke

Sigrid Hunke, ᛉ 26. April 1913 in Kiel; ᛣ 15. Juni 1999 in Hamburg

Sigrid Hunke war eine deutsche Religionswissenschaftlerin, Germanistin und Vertreterin eines unitarischen Neopaganismus.

Hunke studierte systematische und vergleichende Religionswissenschaften, Philosophie, Psychologie und Journalismus in Kiel, Freiburg und Berlin, unter anderem bei Martin Heidegger und Eduard Spanger.

Das Christentum wurde von ihr als ›artfremd‹ und ›orientalistisch‹ bzw. ›jüdisch‹ abgelehnt; sie suchte nach eigenen europäischen Weltdeutungsmustern und germanischer Mystik.

In den 1950er Jahren trat sie der ›Deutschen Unitarier Religonsgemeinschaft‹ bei, deren Vizepräsidentin sie von 1971 bis 1983 war. Später wurde sie auch Ehrenvorsitzende der Deutschen Unitarier.

Ab 1986 war Hunke ständige Mitarbeiterin im ›Thule-Seminar, deren Mitglied sie war. Sie publizierte auch in ›Elemente der Metapolitik‹, der Zeitschrift des Thule-Seminars:

https://ahnenrad.org/2021/06/04/elemente-der-metapolitik-ausgabe-1-pdf/

https://ahnenrad.org/?s=elemente+3

In ›Das unvergängliche Erbe‹ (Hrsg. Pierre Krebs) schrieb sie unter dem Pseudonym Peter Binding den Beitrag: Wiedergewinnung der Identität; Europa zwischen Abdankung und neuer Selbstfindung.

Im folgenden ein Auszug aus diesem Artikel: Unsere Verwurzelung ist territorial, menschlich und kulturell. Territorial im ethologischen Sinne, nämlich daß der territoriale Instinkt des Individuums in der Personalisierung des Raumes besteht, innerhalb desses es sich absichert, sich organisiert und sich eingewöhnt. Diese Raumpersonalisierung ermöglicht auf einer zweiten Stufe die Normalisierung der gesellschaftlichen Beziehungen. Menschlich im anthropologischen Sinne, nämlich daß ein Individuum sich dann einer bestimmten Gruppe verpflichtet fühlt, wenn es sich mit Menschen, in denen es sich wiedererkennt, identifizieren kann. Kulturell im ethnologischen Sinne, nämlich daß ein Individuum sich durch die Sprache, die Bräuche und die gesellschaftlichen Verhaltensweisen der Menschen, unter denen es sich entfaltet, identifiziert.

In ›Mut zur Identität. Alternativen zum Prinzip der Gleichheit‹ (Hrsg. Pierre Krebs, erschienen in der Thule-Bibliothek 1988) schrieb Sigrid Hunke den Beitrag ›Kampf um Europas religiöse Identität‹, siehe: https://ahnenrad.org/?s=Mut+zur+identit%C3%A4t

Pierre Krebs, Gründer des ›Thule-Seminars‹ hob die identitätspolitischen Arbeiten seiner Kollegin Hunke hervor und nannte sie eine „Zauberin des Lebens, als heilige Bewahrerin der Identität, der Herkunft und des Erbes“.

Werke von Sigrid Hunke

  • Schulungsbrief „Rassenseelenkunde“, 1935
  • Herkunft und Wirkung fremder Vorbilder auf den deutschen Menschen, Dissertation Berlin 1941
  • Am Anfang waren Mann und Frau. Vorbilder und Wandlungen der Geschlechterbeziehungen, Hamm 1955
  • Allahs Sonne über dem Abendland – Unser arabisches Erbe, Stuttgart 1960 (Fischer, Frankfurt am Main 2001)
  • Das Reich ist tot – es lebe Europa. Eine europäische Ethik, Hannover 1965
  • Europas andere Religion. Die Überwindung der religiösen Krise, Düsseldorf 1969
  • Das Ende des Zwiespalts. Diagnose und Therapie einer kranken Gesellschaft, Bergisch Gladbach 1971
  • Das nach-kommunistische Manifest. Der dialektische Unitarismus als Alternative, Stuttgart 1974
  • Kamele auf dem Kaisermantel. Deutsch-arabische Begegnungen seit Karl dem Großen, Stuttgart 1976
  • Glauben und Wissen. Die Einheit europäischer Religion und Naturwissenschaft, Düsseldorf 1979
  • Europas eigene Religion. Der Glaube der Ketzer, Bergisch Gladbach 1983
  • Tod – was ist dein Sinn?, Pfullingen 1986
  • Vom Untergang des Abendlandes zum Aufgang Europas. Rosenheim 1989
  • Allah ist ganz anders. Enthüllung von 1001 Vorurteilen über die Araber, Bad König 1990

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