Claude Michel

Rolf Kosiek: Ein großer Verfechter für Wahrheit, Recht und Freiheit

Ein außergewöhnlicher Mensch ist uns vorausgegangen.

Mit diesen Worten meldete Gisela Kosiek den Tod ihres Mannes Rolf am 16. August 2023 – nach langer Krankheit.

Von verschiedener Seite wurde ich gebeten, den folgenden Nachruf zu schreiben, hatte ich ab 1988 nahezu täglich mit ihm zu tun. Wie sollte aber dieser Nachruf überschrieben werden?

Eine 2014 anläßlich seines 80. Geburtstags erschienene Festschrift trug nicht von ungefähr den Titel ›Eine Feder für Deutschland‹.

Für die meisten wird Rolf Kosiek vor allem wegen seines außergewöhnlichen schriftstellerischen Schaffens in Erinnerung bleiben. Leider ist es aus Platzgründen hier nicht möglich, alle seine Schriften aufzuzählen und zu würdigen. Manche haben es bereits getan; andere werden es auch tun. Dennoch seien vor allem vier hervorgehoben: Marxismus, ein Aberglaube (1972), Historikerstreit und Geschichtsrevision (1987), die in vielen Auflagen erschienene Machtübernahme der 68er (2009) und natürlich die Herausgabe des fünfbändigen Großen Wendig ab 2006 bis 2014, in dem er einen Großteil der dort angeprangerten systematischen Fälschungen und Manipulierungen selber verfaßte.

Als Lektor betreute er während unserer Zusammenarbeit in den Tübinger Verlagen ›Grabert‹ und ›Hohenrain‹ über 300 Bücher: großformatige Kunstbildbände, zahlreiche Werke zur Vor-, Früh- und Zeitgeschichte, nicht minder viele Bücher zu aktuellen politischen Themen, unzählige Ratgeber unterschiedlichen Inhalts und, nicht zu vergessen, die beiden Zeitschriften ›Deutschland in Geschichte und Gegenwart‹ (101 Ausgaben) und ›Euro-Kurier‹ (180 Ausgaben), denen er auch unter Pseudonym unzählige Artikel und Aufsätze beisteuerte. Beeindruckend. Auch in anderen nationalen Periodika wie beispielsweise ›Nation Europa‹, den ›Deutschen Annalen‹ und der ›Neuen Anthropologie‹ war er als Autor vertreten. Die nationale Publizistik des Zeitraums 1970–2010 ist ohne seinen Namen nicht denkbar.

Alle, die ihn persönlich kannten oder ihm etwa bei Tagungen begegnet sind, werden die Erinnerung an einen wunderbaren Menschen behalten. Hierbei sei insbesondere sein Engagement für die Belange der ›Gesellschaft für freie Publizistik‹ hervorzuheben, deren Vorsitzender er von 1991 bis 2005 war, an seine großartige Betreuung der Jahreskongresse in diesem Zeitraum, an die stets ausgeglichene Redaktion des ›Freien Forums‹ über Jahrezehnte, an die sorgfältige Betreuung der Kongreßbroschüren. Rolf Kosiek wurde 2012 von der GfP völlig zu Recht die »Ulrich-von-Hutten-Medaille« verliehen; hat er doch wie kaum ein anderer die Devise des berühmten Humanisten »Ich habe es gewagt!« in die Tat umgesetzt.

Er vermochte es, katalysierend entscheidend zu einem erfolgreichen Miteinander beizutragen: Innere Ordnung, Sinn für das Wesentliche, überdurchschnittliche Arbeitskraft, jederzeitige Verfügbarkeit, kompromißlose Hinansetzung eigener Interessen zugunsten der ›Sache‹, kurzum eine edle Gesinnung, waren sozusagen die ›Waffen‹, die er stets einsetzte und die, so habe ich es persönlich empfunden, herausfordernd wirkten, wenn man auf der Höhe seiner Standards bleiben wollte.

Selbst in den dunkelsten Momenten seines Lebens, etwa 1980, als er, damals in Nürtingen noch als Beamter auf Probe lehrend, nach verschiedenen Verfahren vor den Verwaltungsgerichten ab 1973 wegen »mangelnder Verfassungstreue« endgültig aus dem Landesdienst Baden-Württemberg entlassen wurde, bewahrte er Haltung und zeigte Größe. Er verzweifelte nicht, trug nicht nach, zeigte sich beherrscht, handelte überlegt.

Der am 23. September 1934 in Herford geborene Rolf Kosiek war ein Ostwestfale durch und durch. Kabarettist Rüdiger Hoffmann bescheinigt den Ostwestfalen einen »wunderbaren Humor«, der »sehr trocken« daherkomme und nicht so viele Worte brauche:

Wäre Jesus ein Ostwestfale gewesen, würde die Bibel auf eine Din-A4-Seite passen.

Er gehörte zu den wenigen Intellektuellen, die nicht das Bedürfnis haben, gleich einer Schallplatte ihre Thesen immer wieder aufs Neue aufzuwärmen und sich selbst zu beweihräuchern. Jeder, der mit ihm zu tun hatte, mußte zwangsläufig durch die ›Hohe Schule der Bescheidenheit‹ gehen.

Er verabscheute das unnötige Geschwätz. Ihm ging es einzig um die Menschen, um die Sache, um Deutschland, um die gegenwärtige Notzeit des deutschen Volkes. Selbst nach 2014 – zu einem Zeitpunkt, als der Parkinson-Verlauf bereits fortgeschritten war –, meldete er sich bei mir mindestens einmal pro Woche mit der Frage: »Was liegt an?» Meine Antwort war immer dieselbe: »Es liegt immer etwas an«. Rolf Kosiek war unersetzbar – ein Glück.

Seiner besonders geschätzten Witwe Gisela möchte die ›Redaktion des Freien Forums‹ auch im Namen der Leser ihr herzliches Beileid ausdrücken.

Die abendländischen Völker befinden sich seit einiger Zeit in einer tiefen geistigen und kulturellen Krise. Über viele Generationen allgemein anerkannte Werteordnungen werden bezweifelt oder gar zerstört, ohne daß das entstehende Vakuum ausgefüllt wird. Verneinung von Geist und Kultur wächst. Die im Rahmen der Umerziehung in die deutsche Gesellschaft getragenen Ideologien geben nach wie vor den Ton an. Aus der ›repressiven Toleranz‹ hat sich durch die inzwischen verbindlich gewordene ›Politische Korrektheit‹ eine weitere Einengung der Meinungsfreiheit ergeben. Besonders für das deutsche Volk ist nach den Ereignissen im letzten Jahrhundert die Besinnung auf echte Werte dringlich.
Rolf Kosiek

Rolf Kosiek berief sich oft auf die Devise seines Vorbilds Kolbenheyer:

Handle so, daß du überzeugt sein kannst, mit deinem Handeln auch dein Bestes und Äußerstes dazu getan zu haben, die Menschenart, aus der du hervorgegangen bist, bestands- und entwicklungsfähig zu erhalten.

Quelle: ›Freies Forum‹, 3-23
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