Adriano.Segatori

 

Der erste Schritt besteht darin, sich darüber zu informieren, was der Feind schreibt und wie er seine Argumente darlegt; der zweite Schritt besteht darin, alle Unstimmigkeiten in seinen Argumentationen, die Verdrehungen in seinen Folgerungen und die Fälschungen in seinen Schlußfolgerungen aufzuspüren; der dritte Schritt besteht darin, jeden noch so kleinen Widerspruch und auch die geringste Unstimmigkeit zwischen dem, was er sagt, dem, was er schreibt, seinem Verhalten und der tatsächlichen Sachlage mit intellektueller Schärfe anzugreifen.

General De Gaulle war ein ausgezeichneter Kenner antiker Strategien und historischer Kriegstaktiken, und durch deren Studium fand er Mittel und Wege, die er für eine modernere und nützlichere militärische Taktik anwenden konnte.

Vor ihm erkannte der preußische General Carl von Clausewitz, daß Politik nichts anderes sei als Krieg, der mit anderen Mitteln geführt werde.

Noch vor ihm schrieb der chinesische General und Philosoph Sun Tzu über den Krieg als eine Kunst, die bis zum Sieg perfektioniert werden müsse, und zwar eher unter psychologischen als unter rein materiellen Gesichtspunkten.

Nehmen wir diese historisch-politischen Vorläufer zur Kenntnis und versuchen wir, sie aus symbolischer Sicht als raffinierte Werkzeuge zur Bekämpfung der Propaganda des Einheitsdenkens zu betrachten.

Beginnen wir mit der Idee, den Schwächsten anzugreifen. Das scheint auf den ersten Blick wenig edel, findet jedoch eine legendäre Entsprechung im Kampf zwischen den Horatiern und den Curiatiern. Die ersten waren drei Römer, die zweiten drei Albaner. Die drei römischen Zwillinge hatten anfangs mit zwei Toten und einem Verwundeten einen eher schlechten Start, während die albanischen Zwillinge lediglich verwundet wurden.

An diesem Punkt hatte der überlebende Römer eine Eingebung: Er tat so, als würde er fliehen, und zwang so die Gegner, die ihn verfolgten, sich aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeiten voneinander zu entfernen, und so schaltete er sie einen nach dem anderen aus.

Um in der Gegenwart zu bleiben: Ein Angriff auf eine öffentliche Institution, eine Zeitung, eine Fernsehsendung oder ein Nachrichtenportal wird angesichts der medialen, wirtschaftlichen und zahlenmäßigen Übermacht des Gegners zu einer aussichtslosen Aktion. Daher ist es strategisch klüger, den Einzelnen innerhalb der jeweilgen Organisation zu identifizieren, ins Visier zu nehmen und zu treffen.

Die Inhalte und Darstellungsweisen des Feindes zu untersuchen, dient dazu, eine kognitive Landkarte seiner Weltanschauung, seiner Überzeugungen und seiner Vorurteile zu erstellen. Die zahlreichen Vertreter des Feindes sind bis zu einem gewissen Grad Experten auf einem bestimmten Gebiet; daher ist es unerläßlich, sie nacheinander ins Visier zu nehmen, um jede persönliche Verzerrung und Interpretation der Realität zu dekonstruieren.

Die Analyse der Beziehungsmuster, mit denen er sich der Realität selbst stellt, ist folglich das Verfahren, das dazu dient, Punkt für Punkt die kleinsten Schwachstellen in seinen Diskursen zu identifizieren, um deren propagandistischen und manipulativen Charakter zu entkräften.

Machen wir uns bewußt, daß der Feind lediglich ein ideologisches Label verteidigt, während unser Vorgehen darauf abzielt, „eine Identität zu verteidigen – keine Mode, sondern ein zeitloses Lebensmodell“. Die Arbeit des Feindes konzentriert sich stets auf die gegenwärtige Zeit, unsere muß darauf abzielen, eine bedingungslose Alternative aufzubauen.

Angreifen bedeutet – nachdem wir uns eine Form, eine Anziehungskraft und einen Willen gegeben haben –, eine echte Alternative zu jenen Vorstellungen von Zivilgesellschaft, Kultur und Geschichte zu schaffen, die der Feind unaufhörlich manipuliert.

Dies ist eine grundlegende mediale Aufgabe, die mit besonderen Schwierigkeiten verbunden ist, denn, wie Nietzsche schrieb:

Die Menschen wollen die Wahrheit nicht hören, weil sie nicht wollen, daß ihre Illusionen zerstört werden. Überzeugungen sind, mehr noch als Lügen, gefährliche Feinde der Wahrheit

– und, wie wir hinzufügen möchten, auch gefährlich für diejenigen, die diese Wahrheiten ans Licht bringen wollen.

François Bousquet hat einen wesentlichen Grundsatz mit einprägsamer Ironie zusammengefaßt:

Wenn der Journalismus einem Computervirus gleicht, dann sind wir das Antivirenprogramm.

Das bedeutet, daß – ohne in die Logik der polemischen Debatte einzusteigen –

Hasse die Medien nicht, werde selbst zum Medium

– zu den verschiedenen Aufgaben der kulturellen Guerilla gehört,

dem Gegner seine Rechtmäßigkeit abzusprechen,

dazu gehört, den Sprecher jedes wichtigen Informationsmediums zu traumatisieren, indem man dessen Code und Techniken nutzt, um sie gegen ihn selbst zu richten“, muß der klare Wille bestehen,

das Gleichgewicht der Normen zu durchbrechen [und] nicht nur das Kräfteverhältnis zu verändern.

Immer mit der Taktik

einer nach dem anderen.

Einem Vertreter der Sowjets, der Lenin von der Begeisterung der Arbeiter beim Lesen aller eingehenden Dokumente berichtete, schrieb dieser wörtlich:

Lesen allein reicht nicht aus, man muß studieren, studieren, studieren.

Dieser Grundsatz macht deutlich, daß kein Ziel durch Improvisation und Einfallsreichtum erreichbar ist, wenn diese beiden Elemente nicht in eine Denkweise eingebettet sind, die das Kriterium eines Kulturkrieges vollständig verinnerlicht hat – eines Kulturkrieges, der nicht nur akademischer Natur sein darf, sondern die gesamte Gesellschaft einbeziehen muß.

Das Ziel besteht darin, die derzeit stattfindende „Subversion“ zu „untergraben“, also die Medien, die sie unterstützen, indem man ihre eigenen Schemata und Verfahren nutzt, um sie gegen sie selbst zu richten.

Die politischen Führungskräfte müssen die alten Parteischulen wieder aufbauen – oder besser gesagt: neu gründen –, doch wie Augusto Grandi in einer Mitteilung auf eine Klarstellung meinerseits hinwies:

Würden sie überhaupt bereit sein, etwas zu lernen?

Das bleibt das eigentliche Problem!

Quelle: https://electomagazine.it/studiare-analizzare-attaccare/

Beitragsbild: TERRAKOTTA KRIEGER, Soldat der ersten Kaiserdynastie Chinas Qin-Dynastie (221–206 v. Chr.). Dieser Krieger ist Teil der weltberühmten Terrakotta-Armee, die den ersten Kaiser Qin Shihuangdi im Jenseits schützen sollte. Die lebensgroßen Figuren wurden vor über 2.200 Jahren gefertigt und 1974 in der Nähe von Xi’an entdeckt.