Egon W. Kreutzer
Es soll hier nicht um die Verteilung der Geldvermögen gehen, die ist hinlänglich bekannt.
Dieser Aufsatz behandelt das System „Geld“, bei dem es sich schließlich um eine unersetzliche Infrastruktur der Grundversorgung handelt. Zudem ist das Geld ein wichtiges volkswirtschaftliches Element, wenn es in seiner Eigenschaft als „Währung“ betrachtet wird.
Theoretisch sind Bereitstellung von Geld und die Festlegung der Grundprinzipien der Funktionsweise des Geldes also öffentliche, im Grunde sogar hoheitliche Aufgaben, die im Range mindestens gleich sind mit der Sicherung der Staatsgrenzen, der Errichtung und dem Erhalt des Verkehrsnetzes, der Wasserversorgung, usw.
Selbstverständlich ist es möglich, öffentliche Aufgaben nach gesetzlichen Vorgaben an private Unternehmen auszulagern, wenn die Erfüllung gewährleistet bleibt und sich aus der „Privatisierung“ dauerhaft Vorteile ergeben.
Dieser Prozeß der Privatisierung hat – schleichend – stattgefunden und von der Münzhoheit der Fürsten in die Geldherrschaft der privaten Banken geführt, wobei private Banken eben nicht nur jene Banken sind, die den Namen „Privatbank“ führen, sondern letztlich alle „Geldinstitute“, einschließlich der kommunalen Sparkassen und der Genossenschaftsbanken.
Entstanden ist ein „Bankensystem“ mit gemeinsam genutzter Infrastruktur, in dem jedoch jedes Institut seine durchaus eigenen Ziele verfolgt, je nachdem, was die einzelne Bank für sich als geeignet ansieht, bei hinreichender Sicherheit der eigenen Zahlungsfähigkeit einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.
Inwieweit dieses Gewinnstreben der Banken einen gesamtwirtschaftlichen Vorteil oder Nachteil darstellt, soll hier nicht behandelt werden. Es gibt beide Aspekte und die Vermutung, daß die Nachteile überwiegen, liegt nahe. Das ist jedoch ein anderes Thema.
Die Frage, die in der Überschrift gestellt wurde, geht daran vorbei in die Tiefe des Systems.
Geld ist etwas grundsätzlich anderes als jeder beliebige Sachwert. Geld unterscheidet sich von Gold wie Antimaterie von Materie.
Dies liegt in der Entstehung des Geldes begründet. Modernes Geld ist Kreditgeld. Es hat keine Substanz, keinen inneren Wert. Es ist der Anspruch der entsteht, wenn das Geldsystem einem Investor ermöglicht, eine Fabrik zu errichten und ihm (aus dem Nichts) auf seinem Girokonto 100 Millionen Euro gutschreibt.
Sicher, der Kreditvertrag sieht vor, daß diese hundert Milionen zurückgezahlt werden müssen, und mit etwas Glück gelingt das auch. Es soll hier aber nur der Weg jenes Geldes betrachtet werden, das an den Investor zur Auszahlung per Gutschrift gelangte. Natürlich wird das schnellstmöglich ausgegeben, die Fabrik soll ja schnellstmöglich errichtet werden und baldmöglichst mit der Produktion beginnen, um aus dieser Produktion Gewinne zu erzielen. Aber erst einmal tut sie das noch nicht. Es vergeht ein Jahr, vielleicht vergehen auch zwei, bis aus den hundert Millionen eine funktionsfähige Fabrik geworden ist.
Die hundert Millionen verschwinden derweil vom Konto des Investors und landen auf den Konten der beauftragten Unternehmen, von dort aus auf den Konten der dort Beschäftigten, auf den Konten von Vorlieferanten und Subunternehmern, über Steuern und Abgaben beim Staat, über Zins- und Tilgungsleistungen weiterer Kreditnehmer wieder im Bankensystem, usw.
Obwohl auf der grünen Wiese dabei die Fabrik entsteht, also von allen beauftragten Unternehmen und deren Zulieferern, reale Leistungen erbracht werden, hat der Investor selbst noch keine Leistung erbracht, die von irgend jemand in Anspruch genommen werden könnte.
Der Investor nimmt Leistung in Anspruch und bezahlt mit den aus dem Nichts erschaffenen Zahlen auf seinem Kontoauszug. Die Gegenleistung bleibt er für einen gewissen Zeitraum schuldig.
Kreditgeld ist also stets der Anspruch auf eine noch ausstehende Gegenleistung. Geld ist nichts anderes als der Schuldschein des Kreditnehmers, der von der Bank anonymisiert und formalisiert wurde, so daß er frei übertragbar geworden ist. Das Vertrauen in die Werthaltigkeit des Geldes beruht darauf, daß irgendwo am Ende einer Geldschöpfungskette einer sitzen muß, der die Gegenleistung für einen Kredit noch zu erbringen hat. Sonst gäbe es das Geld nämlich gar nicht, bzw. gar nicht mehr, denn wenn die Gegenleistung erbracht ist und damit der Kredit getilgt wurde, dann ist dieses Geld mit der Verbuchung bei der Bank wieder im Nichts verschwunden, aus dem es gekommen war.
Denken Sie daran: Es sind alles nur Buchungen, nichts als Buchungen, Zahlen auf Papier, Veränderungen im Speicher des Bankcomputers. Nichts Reales. Lassen wir alles weg, was auf den Konten des Kunden und auf den Kunden der Bank sonst noch geschieht, isolieren also diesen einzelnen Kredit, hat das – in kurzen Schritten dargestellt, folgende Wirkung:
| Vorgang | Kreditnehmer | Bank | Übrige Wirtschaft |
| Ausgangslage | Liquidität null | ausgeglichene Bilanz | ausreichende Liquidität |
| Gutschrift Kreditsumme | Liquidität=Kreditsumme | Forderung an den Kunden und Forderung des Kunden an die Bank (das Guthaben) gleichen sich aus. | ausreichende Liqudität |
| Kreditsumme ist ausgegeben | Liquidität null | Die Forderung des Kunden an die Bank ist weg, gleichzeitig ist das Guthaben der Bank bei der Zentralbank geschrumpft, die Bilanz bleibt ausgeglichen | Liquidität ist gewachsen |
| Tilgungsrate angespart | Liquidität=Tilgungsrate | Guthaben des Kunden und Guthaben der Bank bei der Zentralbank sind gewachsen, die Bilanz bleibt ausgeglichen | Liquidität ist etwas geschrumpft |
| Tilgung erfolgt | Liquiditä null | Guthaben des Kunden und die Forderung an den Kunden sind um die Tilgung geschrumpft, die Bilanz bleibt ausgeglichen | Liquidität weiterhin geschrumpft |
| wiederholt sich bis zur | |||
| Schlußtilgung | Liquidität null | gegenseitige Forderungen sind vollständig ausgelöscht, ausgeglichene Bilanz | ausreichende Liquidität wie zuvor |
Sollten Sie mit dieser Erläuterung erstmals konfrontiert worden sein, lassen Sie es sacken. Sie können auch Stunden, Tage, Monate oder Jahre damit verbringen, zu beweisen, daß das Geld doch noch irgendwo sein muß. Den Weg sind viele gegangen. Am Ende steht die Erkenntnis, daß es doch so sein muß und gar nicht anders sein kann.
Für die weiteren Überlegungen ist es allerdings erforderlich, anzuerkennen, daß es sich bei Bankguthaben grundsätzlich um eine Forderung des Kunden an die Bank handelt. Anders formuliert, der Kunde ist mit seinem Guthaben Kreditgeber der Bank, die Bank ist Kreditnehmer.
Aus der Rolle der Bank als Kreditnehmer erklärt sich, daß die Bank die Guthaben ihrer Kunden als ihr Eigentum betrachtet und damit auf eigene Rechnung wirtschaftet, jedenfall so lange, bis der Kunde über sein Guthaben so verfügt, daß es den Kontenbereich dieser Bank verläßt. Die Banken schaffen es gemeinhin ganz gut, die notwendige Liquidität vorzuhalten, um Kundenverfügungen bedienen zu können. Es kann aber auch einmal eng werden.
Stellen Sie sich folgende einfache Situation vor:
Die Bank hat unter Einsatz der von den Kunden gewährten Kredite (deren Guthaben) für 1 Milliarde Euro Space X Aktien gekauft und dabei die eigene Liquidität zu stark abgesenkt. Nun treffen Kunden in großem Maßstab Verfügungen, die nicht bedient werden können. Folglich muß die Bank, um wieder flüssig zu werden, Aktien abstoßen. Der Kurs ist jedoch stark gesunken. Die Bank muß einen Verlust realisieren. Meistens geht das gerade nochmal gut. Manchmal nicht. Dann ist die Bank zahlungsunfähig. Im günstigen Fall läßt sich das Problem eindämmen, das Übergreifen auf andere Banken verhindern und der Schaden für die Einleger durch Einlagensicherungsfonds zumindest eindämmen.
Im ungünstigsten Fall bringt der Sturz einer Bank das ganze Bankensystem wegen seiner engen Verflechtungen, insbesondere zerbrechender Großspekulationen auf Derivate von Derivaten ins Wanken. Niemand ist dann noch in der Lage, all die verbrannten Guthaben zu ersetzen. Und, obwohl es sich nur um Zahlen in Bankcomputern handelt, obwohl die Felder der Bauern nach wie vor ebenso da sind, wie die kreditfinanzierten Fabriken und die darin arbeitenden Beschäftigten, bricht die gesamte Wirtschaft zusammen.
Das ist kein schönes Bild, gewiß, und die Gefahr sollte nicht überzeichnet werden, aber die drastische Schilderung hilft zu erkennen, daß Giralgeld kein richtiges Geld ist, sondern lediglich ein Anspruch, eine Forderung, und daß zwei (mindestens zwei) dazu gehören, diesen Anspruch wirksam werden zu lassen.
Es wird aber auch verständlich, daß es im höchsten Interesse der Banken liegt, aus der umlaufenden Geldmenge möglichst viel, am besten alles, unter ihrer Obhut, also auf den Kundenkonten liegen zu haben. Vorgeschobene Argumente gibt es viele.
Da heißt es, ohne Bargeld wird die organisierte Kriminalität ausgetrocknet, ohne Bargeld gibt es auch kein Schwarzgeld mehr und keine Steuerhinterziehung, außerdem sei Bargeld schmutzig und gut geeignet, Krankheitserreger zu transportieren, ganz abgesehen davon, daß Bargeld teuer ist. Es muß gedruckt werden, es muß immer wieder geprüft und gezählt, ausgezahlt und eingezahlt werden – in einer vollständig bargeldlosen Wirtschaft könne man sich all diese Kosten sparen und dafür ein Eis kaufen oder in Urlaub fahren.
Die weitaus wichtigeren Argumente werden nicht öffentlich genannt.
Erstens ist jedes Guthaben auf einem Bankkonto Spielgeld für die Bank, das für alle möglichen Spekulationsgeschäfte eingesetzt werden kann.
Zweitens ist die Zahlungsfähigkeit einer Bank sehr viel länger unter der Decke zu halten, wenn sie nicht im Zustand leerer Taschen aufgefordert werden kann, Bargeld herauszugeben. Z.B. auch deshalb, weil die Bank, wenn es Not tut, Überweisungen verzögern, oder (wegen eines EDV-Problems) ein paar Tage lang gar keine Kundenaufträge ausführen kann. Der Möglichkeiten gibt es viele.
Drittens wissen die Banken gerne vollständig über alle wirtschaftlichen Aktivitäten ihrer Kunden Bescheid. Das beeinflußt Kreditentscheidungen ebenso wie Anlageempfehlungen – und im Zweifelsfall kann auch mal ein Konto gekündigt werden, wenn Spenden an die falsche Partei erfolgen.
Viertens brauchen die Banken, wenn sie frei agieren können wollen das Wohlwollen der Politik. Weitgehende Auskunftsrechte sind schon heute eingeräumt und haben vom ehemaligen Bankgeheimnis nur wenig übrig gelassen.
Die Politik will nun aber programmierbares Geld. Die technischen Voraussetzungen sind da. Lückenlose Rückverfolgung jeder einzelnen Zahlung über Blockchain Technologie ist dabei das eine, was interessiert, und die Einschränkung der Möglichkeiten, Geld zu verwenden, sind die andere.
Wenn das Geld in der digitalen Brieftasche sich plötzlich weigert, eine Bahnfahrkarte oder eine Tankfüllung zu bezahlen, weil ein Inlandsdienst meint, sie sollten die Stadt besser nicht verlassen, wenn es Ihnen nicht mehr gelingt, Schnaps und Zigaretten zu kaufen, weil ihre digitale Gesundheitskarte meint, das sei nicht gut für ihre Gesundheit, oder, umgekehrt, wenn ihr Geld in der Apotheke nicht mehr funktioniert, weil ihr vorzeitiges Ableben angestrebt wird, dann wird aus der totalen Bequemlichkeit, schnell und berührunglos en passant mit der App per Smartwatch zu bezahlen, sehr schnell ein totaler Albtraum; nicht für den einzelnen, sondern für die gesamte Bevölkerung, die nur noch die Wahl hat zwischen völliger Unterordnung und dem Tod.
Die Banken stört das nicht, denn das Geld liegt weiter, als weitgehend oder vollständig zinsloser Kredit zu ihrer Verfügung auf ihren Konten. Heissa! Je weniger die Kunden darüber verfügen können, desto besser wir!
Das trifft ja auch dann noch zu, wenn der Staat Geld braucht und sich von allen Konten einfach alljährlich als Geldsteuer einen gewissen Prozentsatz aufs eigene Konto übertragen läßt.
Als es Negativzinsen gab, haben einige Betroffene große Mengen ihrer Liquidität in Bargeld abgehoben. Ich zweifle nicht daran, daß bei Verlust des Bargeldes Negativzinsen die Regel sein werden.
Die Abschaffung des Bargeldes, die bereits in kleinen Schritten, aber scheinbar unaufhaltsam im Gange ist, wird zu einer speziellen Form der Enteignung führen, die dem Bürger zwar noch die Erwartung läßt, sein selbst erarbeitetes Geld auch verwenden zu können, dann aber immer öfter immer mehr Bürger in ihrer Freiheit der Verfügung über das Geld einschränken wird oder ganz davon ausschließen läßt.
Der nächste Schritt im Herrschaftsbereich der EU erfolgt am 10. Juli 2027. Ab dann sind gewerbliche Barzahlungen von mehr als 10.000 Euro verboten. Bereits ab 3.000 Euro müssen Händler und Dienstleister die Käufer identifizieren und deren Daten erfassen. Transaktionen zwischen reinen Privatpersonen sind davon (noch) ausgenommen. Wo es bereits niedrigere nationale Grenzen gibt, bleiben diese bestehen, weitere nationale Absenkungen der Grenzwerte sind zulässig. Wer die EU verläßt, muß Barmittel von mehr als 10.000 Euro beim Zoll deklarieren.
Die Tendenz, Besitz und Verwendung von Bargeld als verdächtig einzuordnen, bzw. schon zu kriminalisieren, ist ungebrochen.
Wem gehört also das Geld?
Das Geld gehört den Banken, schon heute. Bankkunden haben nur Ansprüche gegen die Banken, die im Zweifelsfall nicht durchsetzbar sind. Nur geringe Mengen des in Form von Bargeld existierenden Geldes gehören den jeweiligen Eigentümern. Das Bargeld existiert praktisch außerhalb des Bankensystems, auch wenn es von dort bezogen und wieder zurückgegeben werden kann.
Neben den Banken drängt der Staat verstärkt ins Geldsystem und verändert die Regeln so, daß für die Bürger damit ein erheblicher Freiheitsverlust verbunden ist, während organisierte Kriminalität und Steuer- und Abgabenhinterziehung Wege gefunden haben und weiter finden werden, ihre Geschäfte unbeeinträchtigt weiter zu betreiben.
Helfen Sie bei der Rettung unseres Bargeldes mit!
Bei Hansjörg Stützle, einem der wichtigsten Kämpfer für den Erhalt des Bargelds, finden Sie die Möglichkeiten sich selbst mit einzubringen. Seine Parole lautet:
„Die verbleibende Zeit sinnvoll nutzen“
