Der Wald
Wir interpretieren den Wald als das beste Symbol für das, was das Wilde bewahrt. Nicht im Sinne von grotesk, grob, maßlos oder brutal, sondern im Sinne von „eine Reinheit bewahren, die ihn vom Kulturellen fernhält“. Das heißt, der Wald ist zweifellos eine Umgebung, die noch nicht vom Menschen manipuliert wurde. Deshalb verweist diese Reinheit des Waldes auf eine „ursprüngliche Natürlichkeit“, weit entfernt von der Künstlichkeit, die aus dem Handeln des Menschen entsteht.
Würden wir diese Idee des Waldes beispielsweise auf die geistige Sphäre des Menschen anwenden, entstünde eine Art „nicht-kulturbedingtes Denken“ oder „wildes Denken“. Wir müssen jedoch betonen, daß dies nicht „wild“ im abwertenden Sinne wäre, sondern im Sinne von Reinheit und vor allem im Sinne von Ungezähmtsein oder Nicht-Domestiziertsein. Ein Zustand, der in diesen Gefilden als dem Kultivierten überlegen angesehen wird.

Um dies besser zu verstehen, verweisen wir auf den Artikel über den Wolf, in dem wir etwas zum Thema „gezähmter Mensch“ und „wilder Mensch“ gesagt haben.
Wichtige Merkmale der Eule
Als erstes ist in Bezug auf die Eule anzumerken, daß es sich um einen Vogel handelt. Das bedeutet, daß es sich um ein Tier handelt, dessen Bewegungsfähigkeit sich in der Luft entfaltet, statt auf der Erde oder im Wasser. Und daraus lassen sich bereits Interpretationen ableiten.
Im allgemeinen interpretieren wir Vögel als Symbole für intellektuelle und imaginative Aktivität, da ihr Lebensraum die Luft ist und nicht die Erde (das Physische) oder das Wasser (das Seelische).
Die Eigenschaften dieses großartigen Vogels, die uns jedoch am meisten auffallen, sind seine beeindruckende Wahrnehmung in den dunkelsten Momenten des Waldes. Als zweitauffälligste Eigenschaft nennen wir die beeindruckende Fähigkeit, sich – fliegend – in absoluter Stille zu bewegen.

Diese Gesamtheit an Eigenschaften macht die Eule zu einem wahren Meister der Jagd. Daher interpretieren wir die Eule als Symbol für eine intellektuelle Fähigkeit, die in der tiefsten Dunkelheit wirksam ist, während sie durch ihre Stille verborgen oder unsichtbar bleibt und weil sie wiederum von der Dunkelheit umhüllt agiert.
Andererseits können wir diese Stille als etwas dem Subjekt Eigenes interpretieren, anstatt als etwas, das sich auf die Umgebung bezieht. Das heißt, diese Heimlichkeit oder Verschwiegenheit würde auf die Fähigkeit hinweisen, Unruhe zu vermeiden und Stille zu bewahren. Genau so, wie wir eine „geistige Stille“ interpretieren würden.
So wird verständlich, daß dieses Tier als Symbol der Weisheit verwendet wurde, da ein „Vogel“, der in der tiefsten Dunkelheit „sehen“ kann, einen mächtigen Intellekt darstellt, und zwar sogar auf schöne Weise.
Der Beispiel der Eule
In Anbetracht des Gesagten kommt uns der Gedanke, daß der Beitrag dieses Tieres darin bestehen würde, seine Kraft auf intellektueller Ebene zu entfalten. Das heißt, die Entwicklung von Scharfsinn, das Streben nach Feinsinn in der Analysefähigkeit, selbst wenn uns ein verwirrendes und undurchsichtiges Argument präsentiert wird. Ein Teil dieser größeren Kraft würde auf eben diese Stille hinweisen, in Form eines Willens, der in der Lage ist, mögliche Unruhen und automatische Mechanismen des gewöhnlichen Geistes im Zaum zu halten.
Erinnern wir uns daran, daß der Wald jenseits der Stadt – des Kulturellen – liegt und daß es wenig Sinn macht, die Dynamiken „der Stadt“ auf den Wald anzuwenden.
Auf den Spuren der Strigiden
Wir haben vielleicht bereits auf die bedeutendste Spur hingewiesen, um die Deutung dieses kostbaren Tieres zu bereichern. Wir beziehen uns auf die Eule, die gewöhnlich als Symbol für Athene/Minerva steht, die griechisch-römische Göttin der Weisheit und der Strategie.

