Wir wünschen allen Gefährten, Freunden und ›Ahnenrad‹-Besuchern eine schöne Sommersonnenwende 2026!

 

 

Ludwig Uhland

Sonnenwende

Nun die Sonne soll vollenden
Ihre längste, schönste Bahn,
Wie sie zögert, sich zu wenden
Nach dem stillen Ozean!
Ihrer Göttin Jugendneige
Fühlt die ahnende Natur,
Und mir dünkt, bedeutsam schweige
Rings die abendliche Flur.

Nur die Wachtel, die sonst immer
Frühe schmälend weckt den Tag,
Schlägt dem überwachten Schimmer
Jetzt noch einen Weckeschlag;
Und die Lerche steigt im Singen
Hochauf aus dem duft’gen Tal,
Einen Blick noch zu erschwingen
In den schon versunknen Strahl.

 

Die Fackel geht von Hand zu Hand –
wenn einem sie der Tod entwand,
nimmt sie der nächste wieder auf;
der flammende Stafettenlauf geht weiter …

Die Zeit rinnt schnell und niemand frägt,
wie lang die Fackel jeder trägt.
Nur daß sie rein und leuchtend brennt,
und daß in ihr ein Herz mitbrennt, ist wichtig.

So tragen denn auch ich und du
die Fackel fernen Zielen zu
ein kleines Stück. Mag hell sie lohn!
Vor uns im Dunkel warten schon die andern!

Worte: Heinrich Anacker

 

Beitragsbildquelle Hans Weber