Pierre Chassard
Aaron David Gordon[1], einer der Theoretiker des National-Judaismus, behauptet in seinen Briefen aus Palästina, daß die Menschheit, von der man so oft spricht, nur eine Abstraktion sei — als ob sie eine Art luftiger Begriff wäre, dem nichts auf der Erde identisch ist.
Die tägliche Erfahrung zeigt in der Tat, daß dieser Begriff die Realität nicht genau darstellt. Jeder kann beim ersten Blick einen Menschen von einem Affen unterscheiden, aber auch einen Schwarzen von einem Weißen, oder einen Armeniden von einem Nordiden.
Die biologische Anthropologie ihrerseits, die sich mit konkreten Menschen beschäftigt, bedingt sich nur seiner wortbildenden Möglichkeiten: Für sie gibt es vor allem menschliche Populationen verschiedener Größe, die untereinander in einer bestimmten Ähnlichkeit irreduzierbare Differenzen aufweisen. Die Paläontologie, die diese Vielfalt feststellt, ordnet sie sehr weit in die Vergangenheit ein.
Der Differenzierungsprozeß hat wahrscheinlich mit ›homo erectus‹ angefangen. Königswald glaubte, daß ›homo erectus‹ aus Asien kam; Leaky meinte danach, daß er sich aus Afrika nach Asien und Europa ausgebreitet habe, um verschiedene Formen anzunehmen. Schrenk und Bromage glauben heute, daß ›homo erectus‹ nicht von ›homo habilis‹, sondern von ›homo rudolfensis‹ stammt. Eine der ältesten, ›homo erectus‹, wurde 1939 auf Java durch Königswald gefunden. Es handelt sich um ›homo erectus modjokertensis‹, der nach Müller[2] annähernd etwa 1,9 Million Jahre alt sein soll. Einer seiner Zeitgenossen ist wahrscheinlich ›homo erectus lantianensis‹ aus Südchina gewesen. Der erste könnte der Vorgänger von ›homo erectus erectus‹ sein, der ebenfalls auf Java gefunden worden ist; der zweite scheint der Vorgänger von ›homo erectus pekinensis‹ zu sein. Die respektiven Schädelkapazitäten erreichen ungefähr 775 und 780 cm3 für die ersten und ungefähr 900 und 1075 cm3 für die zweiten.
In Afrika wurden ›homo erectus rhodesiensis‹ und ›homo erectus mauritanicus‹ und in Europa ›homo erectus heidelbergensis‹, circa 700 000 Jahre alt, ›homo erectus tautavalensis‹ und ›homo erectuspaleohungaricus‹, 400 000 Jahre alt, dessen Schädelkapazität 1350 cm3 erreichte, gefunden. Diese Typen von ›homo erectus‹, die in der alten Welt verstreut waren, haben sich an verschiedenen Stellen graduell entwickelt:
Der ›homo erectus‹ aus China (der Mensch von Lantian oder der Mensch von Peking), schreibt Coppens[3], ist nicht ganz derjenige aus Spanien oder Frankreich (der Mensch von Granada oder der Mensch von Tautaval), und derjenige aus Tansania (der Mensch 9 von Olduvai) und derjenige aus Marocco (der Mensch von Sale) sind nicht untereinander identisch.
Der Polymorphismus der Menschheiten
Die Differenzierung war nicht nur interkontinental, da sie ebenfalls zwischen dem ›homo erectus‹ aus China (Lantian) und dem ›homo erectus‹ aus Java stattgefunden hat; sie erscheint, außer einer Vergrößerung der Schädelkapazität, als Modifikation der Form und des Formats[4] Nach Coon[5] hat sich ›homo erectus‹, als er schon in mehrere Rassen oder Unterspezies unterteilt war, allmählich zum sapiens-Typ zu verschiedenen Epochen, „nach den Regionen, aber auch nach den Knochen, den Organen, den spezifischen Merkmalen, mit verschiedenen Geschwindigkeiten“[6] entwickelt, das heißt als jeder auf einem bestimmten Gebiet die kritische Schwelle überschritten hatte durch einen genetischen oder anderen Prozeß, im Übergang von einem primitiven zu einem sapiens-Zustand.
Für die Paläontologie hat sich daher die erste Teilung der Menschheit sehr weit in der Vergangenheit vollzogen. Scheinbar hat sie bei ›homo erectus‹, vor mehr als einer Million Jahren, angefangen, und zwar in vier ursprünglichen Zentren: Kleinasien, Süd- und Westafrika, Nordchina und der Sundainsel (Java, pithecantropus).
Die Ahnenlinien von mehreren heutigen Menschenrassen vereinigen sich erst in der Archan- thropus-Schicht, behauptet Thoma[7].
Nach der chinesischen Anthropologie, die zugleich diese Frühdivergenzen und die Auffassung Weidenreichs bestätigt, hat schon die Anatomie des ›homo erectus‹ aus Asien Ahnlichkeitspunkte mit der Anatomie der heutigen Nordchinesen.
Es gibt zahlreiche chinesische Fossilien, schreibt Wolpoff, als Zwischenglied zwischen den alten Fossilien von homo erectus und den neueren oder heutigen Populationen von China.
Die Mongoliden sind offenbar aus einer Variante von ›homo erectus‹ entstanden, der zu einer präneandertalischen Form gekommen ist, dann eine neandertaloide Phase in Südsibirien durchgegangen ist, um endlich nach diesem eigenartigen Durchgang die Gelbgruppe zu ergeben, deren interne Differenzierung sich bis in die heutigen Varianten fortgesetzt hat.[9]
Den Archanthropen (›homo erectus‹) sind die Paläanthropen (›homo sapiens neandertalensis‹) gefolgt, denen die Präneandertaler und die klassischen Neandertaler angehören. Die letzteren haben sich vor 65 000 Jahren gebildet und haben 35000 bis 40 000 Jahre überlebt. Sie sind ein Seitenzweig von ›homo sapiens sapiens‹. Da sie folglich nicht als ihre direkten Vorfahren betrachtet werden können, wird diese Rolle ›homo sapiens präsapiens‹ zugeschrieben.
In mehreren Orten der alten Welt sind diese zur Stufe ›homo sapiens sapiens‹ übergegangen. Nach Steitz[10] haben sich die Mongoliden, die Negriden und die Europiden in drei verschiedenen klimatischen Gebieten gebildet: die Protoeuropiden in den gemäßigten Zonen des südöstlichen Rußlands bzw. Asiens, die Protonegriden, aus dem südlichen Himalayagebiet kommend, auf dem subsaharischen Kontinent und die Protomongoliden im süd- und ostasiatischen Raum, woher die asiatischen und alt-amerikanischen Mongoliden stammen.
In Europa ist ›homo sapiens sapiens‹ gleich in zwei Varianten aufgetreten: dem Chancelade- Typus mit einem schmalen, langen Schädel ohne ausgeprägte Überaugenwülste und einer Körpergröße von 160 bis 170 cm sowie dem Cro-Magnon-Typus, ca. 180 cm groß, robuster, mit einer steilen Stirn. Einige Molekularbiologen wie Wilson, Stoneking und Cann sehen einen etwas anderen Differenzierungsprozeß.
Durch die Bestimmung der genetischen Distanz kommen sie laut ihrer Anfangshypothesen zu Divergenzpunkten, die nicht genau genetisch und chronologisch denjenigen der Paläontologen für die morphologische Stufe entsprechen. Sie stellen zum Beispiel den Anfang der Differenzierung der Europidengruppe von der Negridengruppe vor 120 000 Jahren fest, der Europidengruppe von der Mongolidengruppe vor 60 000 Jahren, der asiatischen Mongoliden von den altamerikanischen Mongoliden vor ungefähr 30000 Jahren. So bestätigen sie den bestehenden Polymorphismus in seiner Tiefe. Es wird vermutet, daß die morphologische Entwicklung immer stärker ist als die mitochondrische, und zwar durch einen stärkeren Selektionsdruck[11].
Die universale Einheit der Menschheiten ist nichts anderes als ein Mythos.
So stimmen die Hypothesen der Paläoanthropologen und einiger Bioanthropologen zur Zeit noch nicht überein: Wenn die einen, nach Feststellungen gewißer Kontinuitäten zwischen archaischen und modernen Bevölkerungen, die Absonderung eines aus Afrika kommenden ›homo erectus‹ vor mehr als 1000 000 Jahren lokalisieren, so lokalisieren die anderen die erste Absonderung nach dem Polymorphismus der DNA der Mitochondrien in einem modernen Zweig, der sich in Afrika vor 200.000 Jahren gebildet hat . Der Theorie der multiregionalen Evolution der ersteren[13] setzen sie die ›out of Africa-Version‹ entgegen.
Die von Wilson, Stoneking und Rebecca Cann aufgestellte Genealogie ist aber sehr umstritten. Mit einer identischen DNA hat A.R.Templeton gezeigt, daß tausende einfachere Genealogien möglich sind, und S.B. Hedges hat bewiesen, daß 5 000 phylogenetische Stammbäume statistisch besser sind als die phylogenetischen Stammbaumtypen von Wilson, Stoneking und Cann, und daß ihre längsten Äste Asien anstatt Afrika erreichen.
Stoneking und Linda Vigilant haben nachträglich die obere Grenze der Trennung auf bis zu 416000 Jahre verschoben. Laut J. Klein, N.Takahata und F. J.Ayala bedeuten die Daten von Cann, wenn sie richtig sind, nicht, daß die heutigen Menschen aus einem einzigen Individuum herstammen, sondern, daß die Allele der mitochondrischen DNA allein von einem ursprünglichen Molekül ausgehen.
Diese DNA, die als Einheit vererbt wird, kann als eines der 40 000 menschlichen Gene betrachtet werden, von denen jedes theoretisch bis zu seinem eigenen Ursprungsgen verfolgt werden kann. So können die Gene MHC (›Major Histocompatibility Complex‹), die von Klein und seinen Mitarbeitern erforscht wurden, aus einem Primaten stammen, der vor mehr als 65 Millionen Jahren gelebt hat. Es folgt aus den letzten Ergebnissen, daß die genetischen Daten noch nicht erlauben, die Entwicklung und Ausbreitung des modernen Menschen zeitlich oder geographisch genau zu bestimmen.
Neuerdings hat Ian Tattersall die Theorie der ›single origins‹ zu unterstützen versucht. Für ihn ist der Weg zu ›homo sapiens sapiens‹ etwas anderes als für die anderen Paläoanthropologen. Dieser Weg könne mit ›homo erectus ergaster‹ angefangen haben, und zwar in Afrika. Die anderen Formen von ›homo erectus‹ der alten Welt hätten dasselbe Schicksal wie später ›homo sapiens neandertalensis‹ erlebt, und die weitere Entwicklung hätte über einen afrikanischen ›homo erectus heidelbergensis‹ zu den modernen Menschen in einem Zeitraum zwischen 150 000 und 100 000 Jahren geführt.
Von einem bestimmten Standpunkt aus haben die noch verschiedenen Datierungen nur eine untergeordnete Bedeutung: Die wesentliche Tatsache ist die oberflächliche und tiefliegende Vielfältigkeit der bestehenden Rassen in einer wechselseitigen Ähnlichkeit. Wenn die Divergenzen aller Merkmale aber vor nur 120 000 Jahren entstanden sind, so bedeutet dies, daß ihre Diversifizierung ungefähr zehnmal schneller erfolgt ist, um den jetzigen Mannigfaltigkeitsgrad zu erreichen.
Ob die osteomorphologischen und molekularen Unterschiede polyzentrisch und polygenetisch weit in der Vergangenheit bei ›homo erectus‹ oder monozentrisch und monogenetisch viel später bei einem afrikanischen ›homo sapiens‹ entstanden sind, oder daß ›homo erectus‹ als ein primitiver ›homo sapiens‹ zu betrachten sei, ist nicht relevant, weil heute die gleiche Mannigfaltigkeit besteht.
Man kann aber nicht ernsthaft von einer universalen Einheit der Menschheiten reden, wenn man damit einen Monotypismus ohne Diskontinuitäten meint. Man muß im Gegenteil die konkrete Heterogenität eines Polytypismus, der sich wahrscheinlich weiter verstärken wird, annehmen.
In eine gewisse Zahl von verschiedenen Typen aufgeteilt, ist ›homo sapiens sapiens‹, wie Mayr sagt, eine polytypische Spezies, und eine polytypische Spezies besteht nach seiner Auslegung aus mehreren Unterspezies[14]. Diese Unterspezies bei ›homo sapiens sapiens‹ werden durch den Grad der Pigmentierung definiert, der zu der einfachen trinominalen Unterteilung führt: ›homo sapiens niger‹, ›homo sapiens albus‹ und ›homo sapiens asiaticus‹.
Einige Anthropologen fügen noch eine vierte Unterspezies hinzu: ›homo sapiens capensis‹, die der Khoisaniden, die aus den ›Bushmen‹ (Buschmänner) und den Hottentoten bestehen, weil gewisse Merkmale sich von den eigentlichen negroiden Merkmalen unterscheiden[15]. Von den Negern verdrängt, bevor die Europäer nach Südafrika kamen und in unfruchtbare Zonen zurückgeworfen, sind sie heute am Verschwinden.
Andere Anthropologen unterteilen die gesamte Spezies etwas anders. Sie behalten die vier Hauptgruppen, unterscheiden aber die Australiden, die Negriden, die Mongoliden und die Europiden. Jede besteht aus einer gewissen Zahl von unterschiedlichen und ungleich entwickelten Rassen, die eigene, ebenfalls ungleich entwickelte Merkmale und auch quantitativ durchaus ungleich sind.
Andere, wie Coon[16], sehen fünf Hauptgruppen: Capiden, Australiden, Negriden, Mongoliden und Europiden. Wie Mayr richtig bemerkt, kann eine menschliche Rasse selbstverständlich als Kollektivität von Individuen nur statistisch, nicht absolut, beschrieben werden, das heißt, daß ein bestimmtes Merkmal nicht notwendigerweise vollständig und im selben Grad bei allen Individuen erscheint. Eine Rasse entwickelt sich aus fortschreitenden und beharrenden Kräften. Sie geht immer ihren eigenen Weg, manchmal den Weg einer echten Spezialisation oder einer Sackgasse.
So verschieden, so mannigfaltig, so personalisiert sind die menschlichen Rassen auf allen Kontinenten, daß es schwer ist, sie innerhalb jeder Gruppe auseinanderzuhalten. Sie unterscheiden sich untereinander, weil sie sich in unähnlichen Bedingungen, nach eigenen Bedürfnissen oder unterschiedlichen Gattenwahlen gebildet haben. Jede stellt einen eigenen Weg der menschlichen Entwicklung oder eine Gestalt unter anderen des Lebens in der Mannigfaltigkeit seiner Transformationen dar.
Es ist klar, daß ihre Verschiedenheit nicht lediglich äußerlich ist, das heißt oberflächlich, wie auf der Haut. Sie erreicht nicht nur das Äußere der Organismen, sondern gerade auch deren letzte Tiefen: Zu den morphologischen und anatomischen Differenzen kommen noch physiologische, pathologische, psychologische und sogar intellektuelle Differenzen hinzu[17]; zu den immunologischen, biochemischen, hämatologischen, drüsenartigen und zerebralen Unterschieden kommen noch Unterschiede des DNA-Kerns und der Mitochondrien hinzu. Anders gesagt, eine Menschenrasse unterscheidet sich von einer anderen auf jeder Stufe trotz unvermeidlicher und unbestreitbarer Ähnlichkeiten.
Was für die meist verbreiteten Menschheiten unterstrichen werden muß, ist einerseits die große Divergenz, ausgenommen die Australiden und Capiden, die früher getrennt waren und jetzt fast verschwunden sind, in den drei Hauptrichtungen: negroid, europoid und mongoloid, andererseits die interne Diversifikation dieser großen Gruppen in verschiedene Rassen. Aus weniger spezialisierten Formen mit getrennten Wesenzügen haben sich typischere Formen entwickelt, die die ersteren in einigen ihrer Merkmale übertreffen.
In Afrika sind allmählich in tausenden von Jahren die negroiden Merkmale schärfer geworden. Vallois, der nicht über alle heutigen Kenntnisse verfügte, hatte schon gemerkt, indem er die Australiden und Vediden beiseite schob, daß
die anderen später gebildeten Süd-Hominier den eigentlichen schwarzen Rassen entsprechen. So haben sie sich, sagte er, in einer Art Bogen, der den indischen Ozean von der Spitze Afrikas zu Melanesien über Indien umspannt, entwickelt. Der östliche Zweig hat die Melanesier und die Negritos ergeben; nach vielen seiner Merkmale ist er primitiv geblieben und errinnert an die Australier. Der westliche Zweig hat die Melano- Afrikaner mit den Negrillen und den Äthiopiern hervorgebracht. Hier dagegen, und besonders bei den afrikanischen Negern, wurde die Spezialisation außergewöhnlich stark und die ,schwarzen1 Merkmale erreichten ihren maximalen Grad[18].
Die Differenzierung hat daher in Afrika in der Richtung einer Negrifikation stattgefunden. Arambourg meinte auch[19], daß der schwarze Typus sich aus einem gemeinsamen primitiven Grundstock entwickelt hat, dessen Merkmale weniger stark in die Richtung der heutigen Negritüde gehen. Innerhalb dieses schwarzen Typus hat sich die Diversifikation weiter fortgesetzt: Laut der Molekularbiologie entfernen sich die Schwarzen aus Ghana und die Bantus seit mehreren Tausenden von Jahren phänotypisch immer mehr voneinander[20].
Bei den Europiden zeichnen sich ebenfalls echte Kontraste ab: wie zum Beispiel zwischen den Osteuropäern, ›homo vistulensis‹, die schwach pigmentiert sind, graublaue Augen und aschblonde Haare haben und oft gedrungen gebaut sind — und den Südorientalen, die dunkel, verhältnismäßig klein, mager, hyperreligiös sind und deren Vorfahren angeblich die alten Zivilisationen von Babylon und Sumer entwickelt haben sollen; oder zwischen den großen und hellen Nordmännern, deren Rationalität an die Realität angepaßt und linear ist, so daß ihre technischen, wissenschaftlichen, industriellen, landwirtschaftlichen und militärischen Fähigkeiten überragend entwickelt sind — und den kurzen, gedrungenen, nußbraunen Anatoloarmeniden von Kleinasien und Syrien, deren Denken verwickelt und schwer zu folgen ist, die stark zum Handel geneigt sind und die Kunst des Feilschens glänzend betreiben. In der leukodermen Gruppe zeigen die Rassen aus dem Norden die stärkeren „weißen” Züge.
Unter den Mongolen waren auch Rassen mit weniger deutlichen gelben Rassenmerkmalen, die einem Urtypus näher und die Vorfahren von Rassen waren, deren mongolischer Typus stärker wurde. Die Nord-Mongolen, die Zentro-Mongolen und die Süd-Mongolen, die Zentralchina besetzten, bilden die „typischen Gelben“ (Vallois) im Gegensatz zu den Sibiriern, Amerindern, Ainus, die viel weniger physisch ,sinisiert‘ sind.
Die amerikanischen Mongoliden (Amerinder), die durch die Beringstraße in sukzessiven Wellen nach Amerika gekommen sind und deren mongolische Rassenzüge weniger geprägt sind, gehören demgegenüber einem ursprünglichen Völkerherd an. Wenn sie weniger typisch gelb sind als die Gelben Zentralasiens, kommt es daher, sagt Vallois, „daß, als ihre Vorfahren Asien verließen, die Differenzierung der Ost-Hominier erst begonnen hatte“[21], was heute die Analyse der verschiedenen DNA bestätigt.
Die Bestimmung der genetischen Distanz zeigt, daß die nordamerikanischen Mongolen und die südamerikanischen Mongolen sich durch gewisse Merkmale vor wahrscheinlich 30 000 Jahren voneinander entfernt haben, die Gelben von Japan und die Gelben von China vor circa 7000 Jahren.
Ethnosuizid in der Panmixie oder Identitätserhalt?
Die Heterogenität der Menschheiten, unregelmäßig und in ungleichmäßigen Abständen aufgeteilt, ist wahrscheinlich eine Heterogenisation, die durch ihre pluralisierende Wirkung größere Distanzen in verschiedenen Richtungen infolge der Akzentuierung der begonnenen Typisierung normalerweise herbeiführen muß.
Die Tatsache, daß sich zwischen den grob definierten Typen Zwischenformen befinden, erlaubt nun aber nicht zu sagen, daß keine typologische Differenz besteht und daß diese ersten Vorstöße nach zukünftigen Spezies (Mayr) ohne Realität wären, — wie vergleichsweise auch nicht behauptet werden kann, daß Rot und Blau, Gelb und Lila als unterschiedliche Farben oder Wellenlängen nicht existieren, weil sie der gleichen Spektralserie angehören.
Die Zwischenstufen und Teil-Gleichartigkeiten lösen die Abstände in einen intraspezifischen transversalen Fluß, der ohne Trennungen und Konstellationen wäre. Die Transformationen, die sie hervorrufen, sind keine Transmutationen in alle Richtungen, die, als ›metabasis eis allos genos‹, alles in einer allgemeinen transformationellen Einheit am Gesamtspektrum teilhaben lassen würden.
Der Unterschied zwischen Rassen und Farben, die untereinander jeweils gemischt werden können, besteht darin, daß die letzteren sich nicht entwickeln, während sich die ersteren sehr wahrscheinlich durch die Entwicklung der einen und die Stagnation der anderen Völkerschaft weiter entfalten.
Durch wilde Kreuzungen, das heißt durch Abweichen der natürlichen Entwicklung und Zerstörung der gebildeten Formen, können sich natürlich die Diskontinuitäten vermindern und die Abstände auflösen. Eine gewisse Heterogenität muß trotzdem zurückbleiben oder wieder hervortreten, denn das Eigentümliche des Lebens ist es, sich in seiner Entwicklung zu differenzieren. Sie kann also fortdauern, denn, was die Entwicklung der Neanthropen, die wir sind, angeht,
erlauben uns keinerlei Anzeichen zu sagen, daß (sie) beendet ist[23];es scheint sogar, daß wir halbwegs in einer Entwicklung sind, die uns zu einer vollkommeneren Stufe bringen wird als der von ›homo sapiens‹[24].
Da eine Entwicklung nicht eine ganze Spezies trifft, sondern nur numerisch kleine Populationen, kann man zukünftige Zersplitterungen und Brüche voraussehen, die aus scheinbar irreversiblen und stabilisierten Rassen archaische Rassen machen werden.
Einige Genetiker behaupten, daß die genetischen Unterschiede zwischen Menschen und Schimpansen nicht viel mehr als 1% der gesamten Gene betragen. Dieser kleine Prozentsatz besitzt eine riesige Bedeutung, denn er bestimmt die großen physischen und intellektuellen Unterschiede zwischen Menschen und Schimpansen. Der immense und unüberbrückbare Abstand zwischen den kulturogenen Fähigkeiten aller Primaten zeigt den deskriptiven Mangel des genetistischen Reduktionismus.
Im gleichen Atemzug behaupten andere Genetiker (L. und F. Cavalli-Sforza), um die Rassenunterschiede zu minimieren, daß diese Unterschiede auf der genetischen Stufe praktisch nicht existieren, was dann ausschließen soll, intraspezifische Kategorien aufzustellen. Es ist klar, daß eine solche Verfahrensweise, die von pseudowissenschaftlichen Lehrmeinungen diktiert ist, keine feste Grundlage hat.
Die Gene, vor allem diejenigen, die das Gehirn betreffen, erklären und zeigen nicht alles (siehe: Changeux, Dauchin, Mae Ho, usw.). Der entwickelte Körper mit seinen Organen, ihren Funktionen und Fähigkeiten, ist die bedeutendste Tatsache, und von daher kann man afrikanische Pygmäen und skandinavische Nordmänner nicht verwechseln.
Die genetischen Unterschiede, so schwach sie auch sein mögen, sind auf jeden Fall wichtiger als die genetischen Ähnlichkeiten, denn sie bestimmen zum großen Teil die bestehenden kulturogenen Rassenunterschiede.
Zum Schluß muß man erkennen, daß die scheinbar gleichförmige Einheit der Menschheiten keine Tatsache der Natur ist. Sie ist nur eine religiöse Fiktion oder ein ideologisches Fantasma, zugleich aber eine gefährliche Absurdität durch den Totalitarismus, den sie hervorruft.
Die wachsende polytypische Diversität von ›homo sapiens sapiens‹, sei sie ursprünglich und polyzentrisch von vor mehr als 1 000 000 Jahren entstanden, wie die Paläontologie glaubt, oder sei sie verhältnismäßig spät und monozentrisch vor nur 120 000 Jahren entstanden, wie einige Molekularbiologen behaupten, beweist, daß die wirklichen Menschheiten nichts zu tun hat mit der fiktiven Menschheit des biblischen Theokreationismus oder des ideologischen Universalismus.
Die natürliche Diversifikation, die immer größere Abstände schafft, hat sich bis jetzt unabhängig von den Weltreligionen und den universalistischen Ideologien, vielmehr sogar gegen sie, verwirklicht. Sie bringt die „großen Drahtzieher einer mythischen Einheit der Menschheit“[25] zur Verzweiflung.
Um ihr Ziel dennoch zu erreichen, hoffen sie auf eine planetarische Panmixie durch die totale Öffnung aller Grenzen. Es besteht aber kein ethischer Grund, ihnen zu folgen, denn nichts rechtfertigt ihre religiöse oder laizistische ,Katholizität‘. Sie würde zur Zerstörung der natürlichen Realität führen.
Man kann problemlos die wachsende Diversität der Menschheiten bejahen, anstatt nach der mythischen Einheit des Universalismus zu streben. Daher muß man die perverse Ideologie der unimorphen Menschheit uneingeschränkt ablehnen und dafür eintreten, die Identität der eigenen Gruppe zu bewahren. ♦
[1] A.D. Gordon, Briefe aus Palästina, Berlin, 1919, zitiert nach Adolf Böhm, in: Die zionistische Bewegung, 2 Bde., [o. V.], Jerusalem, 1935-1937-
[2] H.M. Müller, Evolution, Kognition und Sprache, Paul Parey, Berlin und Hamburg, 1987.
[3] Y. Coppens, Le singe, l’Afrique et l’homme, Fayard, Paris, 1983.
[4] A.M.Tillier: ›Le probleme de la radiation geographique d’homo erectus; Philogenie et paleogeographie‹ in: Geobios, 6, numero special, Lyon, 1982, 483-492.
[5] C.S. Coon, The origin of races, Jonathan Cape, London,
[6] Y. Coppens, a.a.O. (Anm. 3)
[7] A.Thoma, ›Die Entstehung der Mongoliden‹, Vortrag, gehalten vor dem Anthropologischen Institut der Universität Mainz, 1963, in: Homo, 13, 1-22.
[8] M.H. Wolpoff: ›Homo erectus et les origines de la di- versite humaine‹; Wu Xinzhi: ›Continuite evolutive des hommes fossiles chinois‹, in: J.J. Hublin, A.M.Tillier, Aux origines d’homo sapiens, Presses Universitaires de France, Paris, 1991.
[9] A.Thoma: ›New Evidence for the Polycentric Evolution of homo sapiens‹, in: P.V.Tobias: ›La paleoanthropologie‹, Journal of Human Evolution, 2, 1973, 529-536.
[10] E. Steitz, Die Evolution des Menschen, Chemie, Weinheim, 2. Aufl., 1979.
[11]. M. Nei: ›The Theory of Genetic Distance and Evolution of Human Races‹,in: Japan Journal of Human Genetics, 23, Ube, 1978, 341-349. M.Kimura, Die Neutralitätstheorie der molekularen Evolution, Paul Parey, Berlin und Hamburg,
[12]. M. Stoneking & R. Cann: ›African Origin of Human Mitochondrial DNA‹, in: P. Mellars & C. Stringer, The Human Revolution, Edinburgh University Press, Edinburg, 1989; C. Stringer: ›The Emergence of Modern Humans‹, in: Scientific American, 6, Vol. 263, Neu York, Dezember 1990, 68-72; L. L. Cavelli-Sforza et al.:›Reconstruction of human evolution: Bringing together genetic, archeological, and linguistic data‹, in: Proceedings of the National Academy of Sciences, 16, vol. 85,August 1988, 6002-6006.
[13] M.H. Wolpoff: ›Multiregional Evolution: The Fossil Alternative to Eden‹, in: P. Mellars & C. Stringer, The Human Revolution, Edinburgh University Press, Edinburg, 1989; A.G.Thorne, M.H.Wolpoff: ›The Multiregional Evolution ofHumans‹, in: Scientific American, 4, vol. 266, Neu York, April 1992,28-33.
[14]. E. Mayr, Especes,populations, evolutions, Hermann, Paris, 1974-
[15] A.Thoma: ›Elements de paleoanthropologie‹ in: Doc. 18, Institut superieur d’art et d’archeologie, Universite ca- tholique de Louvain, Louvain-la-Neuve, 1985.
[16] C.S. Coon, a.a.O. (Anm. 5).
[17] R. Hartweg: ›L’homme: une seule espece, plus de 28 races∫, in: Sciences et Vie, 7, Paris, Juli 1968; ES. Ebling, Racial Variations in Man, Blackwell, [o. OJ, 1975; S. Molnar, Human Variations, Races,Types and Ethnie Groups, Prentice-Hall International, Englewood Cliffs, Neu York, 1983; I.B. Lundmann, Geographische Anthropologie, Rassen und Völker der Erde, Gustav Fischer, Stuttgart, 1967; R. Kuttner: ›Biochemical Anthropology‹ in: Race and Modern Sciences, Social Science Press, Neu York, 1967; J.J. Richard, Le facteur racial dans la pathologie, Gauthier-Villars, Paris, 1963; R. Goodman & A. Motulsky, Genetic Deseases among Askenazin Jews, Raven Press, Neu York, 1979; R. Goodman, Genetic Disorders among Jewish People, John Hopkins University Press, Baltimore and London, 1979; T. Sowell, The Economics and Politics of Race, Presses Universitaires de France, Paris, 1986; F. von Schilcher, Vererbung des Verhaltens, Thieme, Stuttgart-Neu York, 1988; J. Bernard, Le sang et l’histoire, Buchet-Chastel, Paris, 1983; J. P. Hebert, Race et intelligence, Copernic, Paris, 1977.
[18] R. Vallois, Les races humaines, Presses universitaires de France, Paris, 1967.
[19] C. Arambourg, La genese de l’humanite, Presses universitaires de France, Paris, 1961.
[20] Masatoshi Nei, a.a.O. (Anm. 11).
[21] R.Vallois, a.a.O. (Anm. 18).
[22] Masatoshi Nei, a.a.O. (Anm. 11).
[23]Y. Coppens, (Anm. 3).
[24] E.Mayr, (Anm. 14).
[25] M. de Dieguez, Le combat de la raison, Albin Michel, Paris, 1989.
Quelle: https://ahnenrad.org/produkt/elemente-6/
ELEMENTE der Metapolitik zur europäischen Neugeburt, Ausgabe Nr. 6
