Karl Richter

Ich gestehe: Die Nachrichten aus Frankreich gingen mir nicht sonderlich nahe. Es ist Sache der Franzmänner und ihrer Migrantenimporte, ihre eigenen Städte abzufackeln. Sie haben solche Exzesse seit 1789 immer wieder abgeliefert – das müssen die vielbeschworenen „europäischen Werte“ sein. Nicht mein Film.

Das in der Nacht zu Samstag abgebrannte Kehlsteinhaus geht mir dagegen unter die Haut. Ich war mehr als einmal dort. Es ist unsere Geschichte, und, anders als Bonn oder Frankfurt, einer der Kraftorte, Akupunkturpunkte unserer Identität, es mag uns gefallen oder nicht.

Es liegt in der inneren Konsequenz des demokratischen Idiotenzeitalters, daß solche Orte ausgelöscht werden müssen, wie die Kraftzentren früherer, verbotener Kulte. Aber so denken Kretins: Glauben, sie treffen das Wesen, wenn sie die Form bekämpfen.

Aber das, was wesentlich ist, muß in den umnachteten Tagen, die wir erleben, längst verinnerlicht sein. Dann kann es einem niemand nehmen, was immer auch passiert.

Ich muß an eine Stelle in Ernst Jüngers ›Pariser Tagebüchern‹ denken, irgendwann 1942 oder 1943, mit Blick auf den Bombenkrieg und den Tod der deutschen Städte:

…so geht uns, schreibt Jünger dort, auch die Verbindung zum Mittelalter verloren.

Ja, das ist richtig, wenn wir das Wichtige nicht längst eingebrannt und unverlierbar in uns selbst tragen.

Es wird noch viel mehr abbrennen in nächster Zeit. Und das muß wohl sein, wenn das Dreckszeitalter endlich an sein Ende kommen soll. Was sind Steine und Gemäuer …

Quelle: https://www.facebook.com/karl.richter.798