Das Schmiermittel der Beliebigkeit: Wie der Palmöl-Imperialismus unsere Gesundheit ruiniert und die Heimat der Völker zersetzt

Patrick Tannert

 

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als die Welt für mich eine andere wurde. Als kleiner Junge, geprägt von der einfachen Welt in der DDR, öffneten sich für uns 1989 nicht nur die Grenzen. Die Zeiten des Anstehens für Bananen waren vorbei, und eine unglaubliche Produktpalette zog in die Kaufläden ein.

Die ersten Supermarktketten setzten ihren Fuß in unser Land, und all die großartigen Süßigkeiten und Spielzeuge, die man aus dem Westpaket erhielt – sofern man denn eines erhielt – oder aus der Werbung kannte, waren nun auch bei uns angekommen. Schon bei dem morgendlichen Frühstück war für mich als Kind die Veränderung sichtbar; und das Beste daran: Diese Veränderung war nicht nur sichtbar, sie hatte Geschmack. Das schnöde Butterbrot mit Ei hatte ausgedient, die langweiligen Haferflocken verschwanden, und sie alle mußten den Weg frei machen für Cornflakes und Nutella.

Das Nutella-Glas wurde mein goldenes Kalb einer neuen Ära – ein Symbol für den verlockenden Glanz des Westens. Es war süß, es war cremig, es schmeckte nach Freiheit. Eine Freiheit, die man sich auf das eigene Brot schmieren konnte.

Heute, viele Jahrzehnte später, wenn mein Messer in das Glas taucht, spüre ich, daß etwas nicht mehr stimmt. Es ist nicht nur das Älterwerden, das meinen Gaumen verändert hat. Es ist der Nutella-Geschmack selbst: Er ist flacher geworden, künstlicher und irgendwie seelenlos – noch immer ist er süß und cremig, doch Nutella hat viel von seinem ursprünglichen Sein verloren.

Im allgemeinen wird uns die Industrie immer sagen, die Rezeptur sei „optimiert“ worden – eine neue Rezeptur, die dem Geschmackserlebnis auf die Sprünge helfen soll. Milka-Schokolade, Nutella und selbst Rama – als geringe Aufzählung unzähliger Markenprodukte – haben sie uns im stetigen Wandel mit dem Versprechen der Nachhaltigkeit verkauft.

„Natur pur“ lautete das Versprechen für ein besseres Produkt. Die Wahrheit hinter diesen Verheißungen ist erschreckend. Der genußvolle Nutella-Schmelz meiner Kindheit wurde ersetzt durch das billigste Schmiermittel, das der Weltmarkt hergibt: Palmöl. Doch dieses Palmöl ist weit mehr als nur ein preiswerter Ersatzstoff für Butter, Milch, Fette oder Öle in unseren Lebensmitteln; es ist das molekulare Fundament einer gierigen, zersetzenden und unsichtbaren Weltordnung.

Was damals, für mich als Kind, wie der Geschmack der Freiheit in die heimische Küche einzog, erweist sich heute als der erste Kontakt mit einem System, das keine Identität und keine Grenzen mehr akzeptiert. Hinter den glänzenden Etiketten des Fortschritts verbirgt sich eine gnadenlose Logik, die alles Organische in einen globalen Weltmarkt verwandelt.

Um das Ausmaß dieser Entfremdung zu begreifen, müssen wir den Blick von unseren Frühstückstischen weglenken, hinein in die dampfenden Monokulturen Südostasiens. Um den rasanten ideologischen Zerfall und den Verlust von Heimat zu verstehen, müssen wir zuerst den unfreiwilligen Helfer benennen, der diese Zerstörung erst ermöglicht: Elaeis guineensis – die Ölpalme.

Ursprünglich ein bescheidener Gast aus den Wäldern Westafrikas, wurde diese Palmenart unter der Schirmherrschaft des entfesselten Weltkapitalismus zur identitätsentwurzelnden Waffe umfunktioniert. Was früher Teil einer natürlichen Vielfalt war, ist heute zu einer imperialistischen Monokultur ausgewachsen, die jeden anderen Lebensraum unter sich erstickt.

Sie ist das biologische Äquivalent zur Betonwüste: effizient, gnadenlos und fremd. Das Palmöl, welches aus der Elaeis guineensis gewonnen wird, ist heute das heimliche Schmiermittel der globalisierten Welt und der kleinste gemeinsame Nenner der Kapitalmehrung. Warum? Weil das Palmöl billig gewonnen und vielseitig einsetzbar ist. Es ist inzwischen so allgegenwärtig, dass man dem Palmöl kaum noch entkommen kann.

Wirft man einen kurzen Blick in den Einkaufswagen, stellt man fest, daß der globale Materialismus und seine Palmölerzeugnisse längst unser Umfeld besetzt haben: Von der perfekten Streichzartheit einer Margarine bis hin zur glänzenden Glasur der Schokolade sorgt es für jene industrielle Konsistenz, die uns allen Frische vorgaukelt, wo schon lange Chemie und Zusatzstoffe Einzug gehalten haben.

Weil es nicht reicht, das Kapital nur durch den Verkauf von Nahrungsmitteln zu mehren, fand man auch Wege, das Palmöl in Pflegemitteln unterzubringen. In Lippenstiften, Seifen und Shampoos dient es als billiges Bindemittel. So konnte künstlich zusammengefügt werden, was in der Natur wohl getrennt geblieben wäre. Sich mit Pflegeprodukten aus Palmöl zu waschen, heißt, sich im Ertrag der Zerstörung zu reinigen.

Zusätzlich nutzt man die Energiepolitik, in der Palmöl tonnenweise in europäischen Tanks verbrannt wird, weil es unter dem Deckmantel der „Bio-Energie“ einen guten Ruf genießt. Eine ökologische Farce sondergleichen, bei der das gute Gewissen des Westens reingewaschen wird, während die Lungen der Welt (Regenwald) in Südostasien gerodet werden.

Doch unser persönlicher Preis für diese industrielle Vielseitigkeit ist weitaus höher als der Gewinn, den die Konzerne an der Kasse einstreichen: Wir bezahlen mit unserer Gesundheit!

Der Angriff auf die biologische Substanz

Die Zerstörung der Natur und die Ausbeutung ihrer Ressourcen haben ein Preisschild, das den Menschen verschwiegen wird. Wir zahlen mit der systematischen Schwächung des menschlichen Körpers. Die moderne Medizin bestätigt heute auf molekularer Ebene, was der gesunde Instinkt uns schon lange sagt: Hochverarbeitetes Palmöl ist eine biochemische Zeitbombe. Es ist nicht nur die Last an gesättigten Fettsäuren, es sind vorrangig die durch industrielle Raffination entstehenden Stoffe wie MCPD-Fettsäureester, die im Verdacht stehen, krebserregend und gefährlich zu sein.

Viel verheerender für die allgemeine Volksgesundheit ist jedoch die chronische Wirkung, denn Palmöl wirkt massiv entzündungsfördernd. Es befeuert jene „stillen Entzündungen“, die wie ein schleichendes Gift in unseren Adern wirken. Sie bilden die pathologische Grundlage für die modernen Geißeln unserer Zeit: Diabetes, Arteriosklerose, Herzinfarkte und Autoimmunerkrankungen wie Psoriasis-Arthritis (PsA).

Hier schließt sich der Kreis des Materialismus: Der globale Kapitalismus füttert die Massen mit billigem und chemischen Abfall, um die Gewinnmargen internationaler Großkonzerne in astronomische Höhen zu treiben. Nicht einmal medizinische Erkenntnisse können diese Gier stoppen. Während das Immunsystem der Menschen krankt, wachsen die bewußten Herunterspielungen und die wirtschaftlichen Gründe, um Palmölprodukte am Weltmarkt zu halten.

Unsere Lebensgrundlage, der gesunde Körper, scheint nur ein Kollateralschaden der stetig steigenden Gewinnzahlen zu sein. Während die Konten der Konzerne wachsen, degeneriert die biologische Substanz der Völker. Der globale Markt kennt keine Völker und achtet keine Heimat; dort, wo Grenzen stehen, erblickt er lediglich Hindernisse, die aus dem Weg geräumt werden müssen.

Der Globalismus hat etwas geschafft, was Flugzeugträger, Panzer und Soldaten nicht vermochten, durch macht- und raffgierige Hände schuf er die Form eines schleichenden Imperialismus, welcher sich tief in den Wurzeln des Regenwaldes eingenistet hat.

In Malaysia findet ein Raubzug statt, der eine perfide Form der Ausbeutung und Kriegsführung in sich trägt, ein ganzes Volk unterjocht und seine natürliche Umgebung vernichtet. Dieser schleichende Imperialismus ist eine Dampfwalze; er zermalmt alles Natürliche und ebnet den Weg für Gier und Macht. Er zeigt sich in Malaysia als brutale Form der Landnahme.

Monokultur und Landnahme – Die Privatisierung der Heimat

Wir blicken in die Provinzen Pahang oder Sarawak: Dort stehen keine natürlich gewachsenen Kulturlandschaften mehr, in denen Mensch und Natur in Symbiose leben. Das Urvolk wurde von seiner angestammten Natur getrennt. Wo einst Urwald war, folgt heute eine Plantage auf die nächste.

Eine Agrar-Lobby hat den Raum besetzt und tritt wie ein moderner Lehnsherr auf, der eine neue Form des Feudalismus geschaffen hat. Dieser wurzellose Lehnsherr hat den Boden in eine sterile Produktionsmatrix verwandelt, aus der nur Wirtschaftsimperien profitieren.

Früher diente der Dschungel als heiliger Rückzugsort und Lebensgrundlage, heute ist er die Herberge für das Kapital. Die monotonen Ertragsflächen nahmen dem malaysischen Volk den Atem, seine Seele ist verletzt, und mit dem Verfall der Natur ging auch die nationale Souveränität verloren.

Einheimische Landwirte verlieren immer häufiger ihre Lebensgrundlagen – ihre Felder werden aufgekauft, ihre Rechte ignoriert. Heute müssen sie Mautgebühren an private Plantagenbesitzer entrichten, wenn sie von Dorf zu Dorf gelangen wollen. Oft gibt es nur eine befestigte Straße, und diese führt durch das riesige Plantagenareal. Kontrollübergänge, Zäune und Überwachungsanlagen durchziehen die Landstriche. Wo früher die Menschen barfuß und frei ihre Wege machten, herrschen heute Eingrenzungen und Stoppschilder. Es ist eine moderne Form der Entmündigung. Der Boden gehört hier nicht mehr dem Volk, er gehört den Bilanzen global agierender Konzerne.

Hier zeigt sich der fundamentale und negative Gegenentwurf zum Nationalismus: Während der Nationalismus den Boden als unveräußerliches Erbe betrachtet, das die Identität seines Stammvolkes stützt, sieht der Kapitalismus darin nur eine tote Fläche, die man auspressen kann.

Der Nationalismus erkennt die Heimat als Ort der Identität, die Generationsketten schicksalhaft mit dem Boden verwurzelt; das Vaterland ist die natürliche Ordnung für die Ewigkeit.

Dem Globalismus hingegen gilt dieses Land nur als Fläche ohne Seele, als verschiebbare Ware, deren Wert sich allein in Mautgebühren und Ertragszahlen bemisst – geopolitische Kapitalmasse, die zur Plünderung freigegeben wurde.

Der Sündenfall der Moderne – Migration als Waffe des Kapitals

In den Mahlströmen der Beliebigkeit machen Kapitalismus und Globalismus nicht beim Boden halt. Die Ausbeutung der Landwirtschaft zur Gewinnung von Palmöl erfolgt unter Mißachtung ökologischer und sozialer Folgen. Die Profite fließen ab, während die Kosten der Umweltzerstörung, soziale Spannungen und der Verlust kultureller Werte von der ursprünglichen Bevölkerung getragen werden. Diese Mahlströme und ihre Zersetzung fressen sich immer weiter vorwärts und ziehen bis in das soziale Mark einer Nation.

In Malaysia wird ein Prozeß zur grausamen Routine, der uns in Europa nur zu bekannt vorkommt: die bewußte Verdrängung der einheimischen Bevölkerung durch eine künstlich herbeigeführte Massenmigration.

Die Logik der neuen Lehnsherren ist so simpel wie vaterlandslos: Warum einem malaiischen Arbeiter einen Lohn zahlen, der es ihm ermöglicht, in Würde eine Familie zu gründen? Es ist rentabler, Zehntausende von Gastarbeitern zu importieren. Diese Menschen, entwurzelt und ohne Bindung an die Geschichte des Landes, dienen als rechtlose Verschiebemasse. Sie kosten nur einen Bruchteil dessen, was ein Einheimischer verlangen müßte, um seine kulturelle Identität zu wahren.

Diese Austauschbarkeit ist kein Nebenprodukt, sie ist das Kernziel. Der schleichende Imperialismus nutzt die Migration als Waffe gegen die gewachsene Ordnung. Für den heutigen Nationalisten ist dies der Sündenfall der Moderne: das bewußte Opfern sozialer Strukturen auf dem Altar des Materialismus.

Ein Gemeinwesen, das die Arbeit auf der eigenen Erde geringschätzt und seine Kinder in die Entfremdung der Metropolen schickt, löst sich von innen her auf. Die kulturelle Identität der Dörfer und Gemeinden wird durch diese negative Entwicklung nachhaltig verändert und diese Verluste haben sich längst im ganzen Land ausgebreitet. Die nationale Substanz schwindet, und das Ergebnis ist eine gesichtslose Masse. Ihre eigene Identität hat ihren Wert an die Geldströme und Industriegiganten verloren.

Der Globalismus und der Kapitalismus bilden in ihrem Zusammenspiel eine unheilige Allianz der Beliebigkeit. Sie zielen darauf ab, nationale Identitäten zu schleifen. In Malaysia wird deutlich, daß das „freie Spiel der Kräfte“ immer zugunsten derer ausfällt, die keine Loyalitäten kennen außer dem eigenen Profit.

Malaysia steht am Scheideweg: Bleibt es die billige Plantage der Welt, ein namenloser Fleck auf der Landkarte des Kapitals? Einen Lichtblick können wir langsam erkennen: den Nationalismus. Langsam, aber stetig entfesselt er die Kraft einer stolzen Nation, die ihren Boden verteidigen und den materialistischen Imperialismus zurückweisen will.

Der Kampf um das Palmöl ist kein rein wirtschaftlicher Konflikt, es ist ein Kampf um die Existenz eines Volkes, und dieser Kampf wird gerade tapfer angegangen. Im Malaysia wächst der Widerstand gegen all diese Zersetzung. Der Globalismus und der Kapitalismus haben den Nationalismus als Gegenspieler geweckt, und wie so oft ist das schlafende Volk ein Riese, dessen unermüdliche Art beim Aufstehen in aller Welt wahrgenommen wird.

Ich stehe heute an einem Punkt, an dem ich erkannt habe, d mein Nutella-Glas auf dem Tisch und die brennenden Wälder Malaysias Teil derselben Geschichte sind. Es ist die Geschichte eines Systems, das den Menschen als biologische Maschine und die Welt als Rohstofflager betrachtet. Das Versprechen von „Nachhaltigkeit“ und „Fortschritt“ brachte uns entzündungsfördernde Chemie auf das Brot und die schleichende Enteignung der Völker.

Mein Nutella-Brot hat seinen Geschmack nicht verloren, weil die Rezeptur „optimiert“ wurde – es verlor seinen Glanz durch eine seelenlose Macht, welche im Hintergrund die Heimat und die Identität auf dem Altar des Profits opfert.

Der Junge von 1989 suchte die Freiheit im Konsum; der Mann von heute sieht diese nur in der Rückbesinnung. Heimat, kulturelle Ordnung und die Treue zum eigenen Grund und Boden sind der unverkennbare Geschmack des Nationalismus – und nur dieser schmeckt nach wahrer Souveränität und Freiheit.

Quelle: https://www.nsheute.com/das-schmiermittel-der-beliebigkeit-wie-der-palmoel-imperialismus-unsere-gesundheit-ruiniert-und-die-heimat-der-voelker-zersetzt/