Roberto Pecchioli
In der belebtesten Einkaufsstraße meines Viertels hat ein Supermarkt geschlossen und wurde durch einen Laden für Tierbedarf ersetzt. Der nahegelegene, von Bäumen umsäumte Platz, ein Treffpunkt und Spielplatz, wird mehr von Hunden als von Kindern frequentiert.
Überall hat man das Gefühl, am Ende des Lebenszyklus einer Zivilisation zu stehen: alte und gebrechliche Menschen, Ausländer, Menschen mit angeleinten Tieren, die behandelt werden wie Menschenkinder als Mittel gegen die Einsamkeit, endlose Schlangen von Menschen mit weißem Haar in den medizinischen Einrichtungen.
Es ist, als würden wir den vorprogrammierten Tod einer Zivilisation, einer Nation, eines Volkes erleben. Und das vor den Augen der Protagonisten – uns – und der Institutionen.
Die Geburtenrate bricht ein, die einheimische Bevölkerung schrumpft, die Zahl der Einwanderer steigt, die ihrerseits nach ihrer Ankunft weniger Kinder bekommen. Das globalistische, konsumorientierte, individualistische und liberal-kapitalistische System ist das wirksamste Verhütungsmittel.
Es herrscht die Fröhlichkeit der Schiffbrüchigen wie auf der Titanic kurz vor dem Aufprall auf den verhängnisvollen Eisberg. Man singt, man tanzt und ist sorglos, doch das Ende dieser Nation und anderer, mit ihren jeweiligen Zivilisationen, Sitten und Gebräuchen, rückt durch biologischen Schwund näher.
Schulen und Kindergärten werden geschlossen, Altenheime eröffnet, die man beschönigend als „betreute Wohnanlagen” bezeichnet.
In Italien ist die Geburtenrate pro Frau auf 1,1 gesunken, die Hälfte jener 2,1, die eine biologische Reproduktion bei gleichbleibender Bevölkerungszahl gewährleisten würde. Eine Katastrophe, die der Bevölkerung wenig oder gar nichts ausmacht und deren Urheber die herrschenden Klassen sind.
Die dramatische Lage Italiens nähert sich rasant dem Punkt ohne Wiederkehr, dem Moment, an dem eine Trendwende nicht mehr möglich sein wird, selbst wenn man es versuchen sollte.
Dies ist der Fall in Südkorea, dem Staat in Asien, der den traurigen Rekord des demografischen Zusammenbruchs in der sogenannten entwickelten Welt hält. Eine alte Nation, die in rasantem Tempo den Weg des industriellen und technologischen Fortschritts, des Einkommensanstiegs und der Schulbildung beschritten hat, deren Aushängeschilder Technologiegiganten und Halbleiterhersteller wie Samsung, die Automobil- und Schiffbauindustrie wie Hyundai sowie die Unterhaltungselektronik (LG) sind.
Materieller Wohlstand (ben-avere…) macht nicht mehr glücklich: Der Fall Südkorea zeigt eine Nation, in der neben den Geburten auch die Eheschließungen und die Stabilität der Familien zusammenbrechen. Die Zahl der Haustiere, die als emotionale Ersatzobjekte in der Wüste der Massen-Einsamkeit dienen, steigt exponentiell an.
Ein Wandel, der durch die Entwicklung von Bewegungen wie der sogenannten ›4B-Bewegung‹ belegt wird, die unter jungen südkoreanischen Frauen entstanden ist und einen vollständigen Bruch mit dem familiären Lebensmodell vorschlägt.
Der Begriff bezieht sich auf vier explizite Verzichtserklärungen: nicht heiraten, keine Liebesbeziehungen eingehen, keinen Geschlechtsverkehr mit Männern haben und keine Kinder bekommen. Es handelt sich um eine dramatische, regressive Reaktion auf soziale, berufliche und kulturelle Bedingungen, die als unvereinbar mit der Gründung einer Familie angesehen werden und sich direkt auf den Einbruch der Geburtenrate auswirken.
Das Ergebnis ist bereits im Alltag sichtbar. Der Absatz von Hundewagen hat den von Kinderwagen überholt, und die Zahl der Haustiere ist im letzten Jahrzehnt sprunghaft angestiegen. Hunderte von Grundschulen verzeichneten im letzten Schuljahr keine neuen Anmeldungen; in der Hauptstadt Seoul brechen die Einschreibungen in Kindergärten ein.
Die Prognosen sind noch besorgniserregender. Südkorea altert und wird sehr bald zu einem von Rentnern dominierten Land werden, mit schrumpfender Erwerbsbevölkerung und einem Sozialsystem, das kurz vor dem Kollaps steht.
Die Regierung versucht seit Jahren, diesen Trend mit finanziellen Hilfen, Elternzeit und Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie einzudämmen. Die Investitionen beliefen sich in den letzten Jahren auf über 200 Milliarden Won (120 Milliarden Euro). Die Maßnahmen konnten eine Dynamik nicht umkehren, die über den wirtschaftlichen Horizont hinausgeht.
Viele beklagen die hohen Wohnkosten, den Arbeitsdruck – mit Arbeitszeiten, die zu den längsten in der entwickelten Welt gehören – und die ungleiche Verteilung der Hausarbeit. Hinzu kommt ein Klima wachsender sozialer Spannungen mit Fällen von Gewalt, Sexskandalen und der Verbreitung illegaler Inhalte im Internet, die das Vertrauensverhältnis zwischen den Geschlechtern untergraben haben. Parallel dazu ist eine ablehnende Reaktion seitens der Männer entstanden, die feministischen Bewegungen vorwirft, die demografische Krise zu verschärfen.
Das Ergebnis ist eine wachsende Spannung zwischen jungen Männern und Frauen mit schwerwiegenden politischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen. Der Krieg der Geschlechter, verbunden mit dem individualistischen Modell, das die Bereitschaft zur Familiengründung mindert, führt zu einem Einbruch der Geburtenrate.
Das unterscheidet sich nicht von der Realität in unserer Nachbarschaft, wo Italien, Spanien und Griechenland den Wettlauf in den demografischen Abgrund anführen. Der Unterschied besteht darin, daß Südkorea die kritische Schwelle bereits überschritten hat. Sein Werdegang zeigt, inwieweit eine Gesellschaft einen unheilbaren Niedergang erleiden kann, wenn wirtschaftliche Schwierigkeiten, von oben gelenkte disruptive soziokulturelle Veränderungen und ein offener Konflikt zwischen den Geschlechtern zusammenkommen. Dieses Szenario schreitet auch bei uns voran.
Die Wahrheit ist, daß wirtschaftliche Maßnahmen keine Lösung darstellen. Sie sind zwar notwendig, bleiben aber ein Tropfen auf den heißen Stein in einem demografischen Winter, der erst auf sehr lange Sicht Ergebnisse bringt. Das zeigen die Fälle Chinas und Rußlands, die sich ebenfalls mit dem Problem auseinandersetzen.
Nicht so im Westen, wo libertärer Individualismus und die völlige Umkehrung von Werten und subjektiven Prioritäten in die entgegengesetzte Richtung weisen. Nur ein tiefgreifender Wandel der allgemeinen Grundsätze könnte den Niedergang und das Ende vieler historischer Nationen abwenden.
Die Realität ist der Triumph der Kultur des Todes. Die Geburt neuer Mitglieder der Gemeinschaft wird durch Verhütung und vor allem durch Abtreibung verhindert, die sich von einem Verbrechen zu einer Möglichkeit und schließlich zu einem absoluten Recht gewandelt hat, das auf Kosten des Staates eingefordert wird, der damit sein eigenes biologisches Aussterben finanziert.
Man arbeitet, ohne es zu sagen, an der Verkürzung der Lebenserwartung durch die Verschlechterung der sozialen Rechte, der Arbeitsbedingungen und des Gesundheitswesens. Die Gründung von Familien wird in keiner Hinsicht (wirtschaftlich, steuerlich, wertemäßig) gefördert, und der Verbindung zwischen Mann und Frau wird kein Vorrang eingeräumt.
Schließlich werden Kranke, Ältere, Depressive, Arme und Einsame offen dazu aufgefordert, ihrem Leben durch Sterbehilfe, Selbsttötung oder staatlichen Selbstmord ein Ende zu setzen. All dies wird als Erweiterung der individuellen Rechte dargestellt; die Macht des Mechanismus aus Kommunikation, Propaganda und Indoktrination seit der Kindheit schafft den notwendigen Konsens.
Abgesehen davon, daß man sich über die Ersatzmigration beklagt, die unverzichtbar geworden ist – sie haben jahrzehntelang in diesem Sinne gehandelt –, um den Zusammenbruch der gesamten Wirtschaftsarchitektur zu verhindern.
Der Geburtenrückgang führt zu einer deutlichen Verlagerung der Ausgaben – öffentlicher und privater Art – hin zu älteren und kranken Bevölkerungsgruppen, macht die Gemeinschaft weniger dynamisch, zwingt sie in die Defensive und reduziert sie darauf, das bloße Überleben zu verwalten.
Wir tanzen einen Totentanz, in dem der Triumph des Todes unserer Nation, der überlieferten Lebensweise, der Kultur und der über Jahrhunderte gewachsenen Weltanschauung rasend schnell voranschreitet, aber verdrängt und aus der öffentlichen Debatte verbannt wird. Wir sterben, aber ohne es zu merken.
Niemand scheint sich dafür zu interessieren, wem wir ein immenses Erbe hinterlassen werden, das schnell verschleudert wird, wie in manchen Familien, in denen entartete oder verkommenen Kinder die Mühen von Generationen zerstören.
Ein weiteres erschreckendes Element ist die Ablehnung von Verantwortung: Wer in der Gegenwart lebt, denkt nur an sich selbst, kümmert sich nicht um andere – angefangen bei den Familienangehörigen – und glaubt ausschließlich an persönlichen Erfolg und vulgären Spaß. Die Kinder werden zu einer unerträglichen Last. Egoismus der jüngsten Generationen, aber auch der Alten, deren Selbsterhaltungstrieb zum reinen Überleben wird.
Die Zivilgesellschaft wird weniger dynamisch, mehr auf sich selbst bezogen, abgeschotteter. Hündchen, Katzen, Vögel und andere Tiere werden zu den alleinigen Lebensgefährten. Ihnen gelten die Aufmerksamkeit (und die Ausgaben), die in einer gesunden Gesellschaft den Kindern, Enkeln und gebrechlichen Menschen zukommen würden.
Der Tod wird zur Lösung, um sich existenziellen Leiden oder Nöten zu entziehen. Eine englische Frau erhielt den „sanften“ (!!!) Tod in einer Schweizer Klinik (der hygienische letzte Zufluchtsort des Unglücks), obwohl sie bei bester Gesundheit war, nur weil sie vom Tod ihres Sohnes erschüttert war.
Das tragische Schlußbild einer zerfallenden Welt, in der das Leben immer weniger Sinn macht, mangels Beziehungen, Zukunft, geliebter Menschen, gemeinsamer Werte und Prinzipien, die es weiterzugeben gilt.
Die wahre Frage, die schmerzhafteste, ist, ob unsere Gesellschaft es verdient, zu leben. Lohnt es sich, den letzten Kampf zu führen, um sie zu retten? Der Verfasser ist der Meinung, daß wir es versuchen müssen, aus Respekt vor uns selbst, vor der Geschichte und vor der Hoffnung auf das Morgen, die den Menschen nie verlassen hat.
Und dann verläßt er das Haus, sieht der Realität ins Gesicht, sieht die Masse zufälliger Zeitgenossen, von denen er umgeben ist, hört ihren Reden zu, beobachtet Verhaltensweisen, Neigungen, Eigenarten und kommt zu dem Schluß, daß das Aussterben einer großen Zivilisation noch nie so gerecht und verdient war.
Ohne Eltern, ohne Kinder, ohne Ideale, gleichgültig gegenüber allem außer Konsum und „Rechten“, rennt die einsame Menge ziellos umher. Und der letzte schließt die Tür.

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 106.000 Abtreibungen vorgenommen. 106.000 Kinder, die nicht zur Welt kommen konnten, was sehr traurig ist. Allerdings kann man es sich nicht so leicht machen, und nur pauschal vom Egoismus der Gesellschaft sprechen. So einfach ist das nicht. Ich glaube, daß viele junge Leute gerne Kinder und eine Familie hätten, würde dieser Staat ihnen nur gute Bedingungen dafür bieten. Davon sind wir Lichtjahre entfernt. Statt dessen fördert man jede Art von Perversion, gibt Millionen aus für Betreuung und Wohnheime für Drogenjunkies (wie es gerade in Köln geschieht).
Die Familie ist die Wiege eines jeden Staates. Kinder sind die Zukunft und sollten mit allen Mitteln gefördert und unterstützt werden. Hier in Deutschland werden die Familien systematisch zerstört. Die Grünen wollen, daß in Zukunft keine Klinik eine Abtreibung verweigern darf. Generell will man Abtreibung als Straftat aus dem Strafrecht streichen. Darüber hinaus tut der Staat alles, um jungen Familien das Leben so schwer wie möglich zu machen. Viel zu hohe Mieten, sofern für Deutsche überhaupt noch Wohnungen verfügbar sind. Viel zu hohe Steuern, viel zu hohe Energie- und Lebenshaltungskosten. Gewalt und moralische Verwahrlosung in Schulen und Kitas. Zügellose Migration, Messermorde, Bahnhofsschubser, Vergewaltigung. Steigende Arbeitslosigkeit, Verarmung, wirtschaftlicher Niedergang, und so weiter. Ich habe Kinder großgezogen, ich bin nicht egoistisch. Aber ganz ehrlich ? Wäre ich heute jung, ich würde es mir auch gut überlegen, ob ich in so einen maroden, verkommen Staat wie Deutschland heute ist, Kinder setzen wollte. Das ist leider die Realität.