Herkunft und Bräuche
Heiden
Hagediesen und Hexen
Inquisition Ketzer und Hexenverfolgung
Das keltische Beltene Fest
Der Maibaum
Roger Wüthrich, Hohlenweg 3, 3308 Grafenried

Walpurgisnacht und 1. Mai
Wer war die heilige Walpurga?
Walpurgis, oder auch Walpurga, soll die Tochter des westsächsischen christlichen Königs Richard, vom angelsächsischen Königreich Wessex in Britannien, sein. Sie wird in den meisten Quellen als Nichte des heiligen Bonifatius genannt.

Walburga soll im Gefolge des Missionars Winfried, besser bekannt unter dem Kirchennamen „Bonifazius“ und seinen Brüdern Willibald und Wunibald, nach Schweden gekommen sein. Später gründete sie in Heidenheim ein Frauenkloster, dem sie bald als Äbtissin vorstand.
Die christliche Walpurgis war eine kräuterkundige Frau und eine gute Ärztin. Sie soll sogar die bösen Geister, die um den ersten Mai herum ihr Unwesen treiben, vertrieben haben. Walpurgis wurde im Februar/Hornung des Jahres 779 von der katholischen Kirche heiliggesprochen.
Bonifazius lebte von 672 bis 754 und missionierte im gesamten westdeutschen Raum von Norden bis Süden. Später soll er auch bei der Gründung des Klosters St. Gallen eine Rolle gespielt haben.

Im Jahre 723 ließ Bonifazius das bedeutende heidnische Heiligtum, die ›Donarseiche‹ in Geismar, heute Stadt Fritzlar, an der Eder fällen. Diese aggressive Missionspolitik der christlichen Franken und von Bonifatius lösten Kriege mit heidnischen Stämmen aus. Und so wurde Bonifatius im Jahr 754 von Friesen erschlagen. Womit er als Märtyrer von der katholischen Kirche für heilig erklärt wurde.
Walpurgisfeuer und Walpurgisnacht
Seit heidnischen Zeiten werden bis in unsere Tage vielerorts in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai die „Walpurgisfeuer“ angezündet. Damit sollen die bösen Geister vertrieben werden. Dieses Brauchtum ist in Europa im ganzen Alpenraum weit verbreitet. Besonders in Kärnten und im Tirol. Im Volksmund wird bis heute von der „Walpurgisnacht“ geredet.
Die Wurzel reicht jedoch viel weiter zurück bis in die keltische Zeit, wo in der Beltane Nacht zum 1. Mai ebenfalls Feuer entzündet wurden. Dieses Brauchtum ist in Schottland und Irland bis heute noch erhalten geblieben.

Im Bild das Beltane Fire Festival auf dem dem Calton Hill bei Edinburgh 2012
Perfide christliche Taktik
Wie bei Odin, der zum katholischen Heiligen St. Niklaus und Krampus/Schmutzli wurde, oder beim Auferstehungsmythos von Balder, der mit der Auferstehung von Christus ersetzt wurde, hat die christliche Kirche bewußt die vorchristliche religiöse ganzheitliche Betrachtung von guten und bösen Eigenschaften in einer Götterperson in zwei Teile aufgespalten.
Für die christliche Kirche nützliche heidnische Göttereigenschaften wurden in ihren Heiligenfiguren übernommen, und alles andere wurde als böse Heidengötzen bekämpft. Besonders deutlich wurde das in der irischen heidnischen Herd- und Feuergöttin Brigitte, die dann zur katholischen ›Heiligen Brigitte‹ wurde.
So entstanden auch aus der vorchristlichen Priesterin die gute christliche Walpurga und ihr Gegenstück in der bösen teuflischen Hexe.
Ein heidnischer Vorläufer der christlichen Walpurga waren die heilkundigen Walküren. Die Töchter von Odin, die mit den Pferden über den Himmel jagen, oder verwandelt als Schwäne über den Himmel ziehen.
Ein weiterer Vorläufer waren die „Hagediesen“. Diese Wächterinnen und Priesterinnen der heiligen Haine und Bäume unserer Vorfahren waren kräuterkundige Ärztinnen.
Die christliche Heiligenverehrung der Walpurga fokussiert sich auf die Kräuterkunde und die Ärztin der vorbildlichen, braven und keuschen Äbtissin.

Die Walküren beschützten auch erfolgreiche germanische Fürsten und Krieger, daraus wurden nach dem Konzil in Nicäa 325 christliche „Schutzengel“.
Aus dem Totenheer von Odin wurden die „himmlischen Heerscharen“ bestehend aus christlichen Engeln.
Aus dem Gottvater Odin, der am Ende der Herrschaft der Asen in den Kampf gegen die Weltenschlange zieht, wurde der christliche Erzengel Gabriel in der Apokalypse und so weiter und so fort. Darum anerkennen die Juden das Neue Testament auch nicht an.
Macht, Wissen und Ärzte
Ein besonderer Dorn im Auge der christlichen Kirche waren die alten Druiden, die heilkundigen alten Frauen der Dorfsippen und besonders die Priesterinnen der heiligen Haine und Bäume.
Die katholische Frühkirche wollte das absolute Monopol des Wissens durchsetzen. Denn Wissen ist Macht. Keiner, außer den christlichen Priestern und Mönchen sollte lesen und schreiben können.

Auch das Monopol der Ärzteschaft wollte die Kirche für sich alleine in Anspruch nehmen. Diese Machtpolitik wurde dann rücksichtslos in die Tat umgesetzt. Als die römische Kultur zusammenbrach, übernahmen die Päpste und ihre christlichen weltlichen Herrscher der Frühkirche nach dem Jahr 300 die Macht. Sie setzten in den folgenden Jahrhunderten mit absoluter Brutalität die christliche Missionierung im ehemals römischen Machtbereich Europas durch.

Das Volk der Friesen und auch die Sachsen wurden durch die Religionskriege von ›Karl dem Großen‹ nach 771 vernichtet. Viele andere, zum Beispiel die Goten, wurden über die Jahrhunderte im Namen Gottes zu größten Teil hingemordet. Die Esten, Letten und Balten wurden ab dem Jahr 1000 durch christliche Könige erobert, hingeschlachtet und mit Zwang missioniert.
Ärzte wurden über Jahrhunderte nur durch die Kirche ausgebildet. „Schulbildung“ erhielten nur Kirchenleute und der Kirche genehme Könige und Fürsten sowie ausgewählte Einzelpersonen.
Die gesamte „Wissenschaft“, Mathematik, Physik, Chemie, Medizin und Justiz blieb bis zur „Aufklärung“ im 18. Jahrhundert fest in den Händen der christlichen Kirche.
Von der Kirche definierte sogenannte Häretiker (Ketzer einer Irrlehre) wie die Katharer oder Albigenser wurden zu Zehntausenden bis zum letzten Kind ausgerottet. Tausende wissenschaftliche Abweichler wie Nostredamus, Galilei oder Kopernikus wurden verfolgt und getötet und ihre Bücher und Aufzeichnungen vernichtet.
Heiden
Die Träger des alten Glaubens wurden systematisch verbannt oder ausgerottet. Die Teile der Bevölkerung die nicht zum Christentum übertreten wollten, wurden in unfreundliche und lebensfeindliche Gegenden vertrieben.
Sie gingen als Verfolgte in die Heide, das bedeutet in die Wildnis. Daraus wurde das Wort ›Heide‹ für einen nichtchristlichen, aus der christlichen Gemeinschaft ausgestoßenen oder daraus verfolgten und geflohenen Menschen.
Hagedisen, Druiden und Hexen
Die Priesterinnen und Druiden der alten Heiligtümer, Hegerinnen und Pflegerinnen der Bäume und heiligen Haine wurden früher „Hagediesen“ genannt. Über Hage-Disse, Hagsche, Hägse kam es zur heutigen Hexe.

Im ›Lexikon des Aberglaubens‹ findet man unter dem Stichwort „Hexen“ auch das Wort „Hagezusa“ aus dem 9. Jahrhundert. Es bedeutet soviel wie „Hagzaun“ oder „Hagweib“.
Mit ›Hagezusa‹ ist aber nicht eine Frau gemeint, die an einem Zaun steht, sondern eine Frau, ein Mensch der außerhalb der Gesellschaft, des Dorfzaunes oder einer Siedlungsgrenze, außerhalb der Zivilisation und der späteren Kirche in der Heide, in der Wildnis lebt.
Diese Frauen und Druiden kannten die Heilkräuter, die sie im Hag anpflanzten und pflegten, und sie waren in vorchristlicher Zeit bis in das Mittelalter auch Richter und Ärzte.
Hagedisen waren die damaligen Gynäkologinnen und kannten sich mit Geburtenkontrolle und Anästhesie aus und standen in großem gesellschaftlichem Ansehen. Überliefert sind sie heute noch in Märchen als gute Feen aus dem Feenwald oder Zauberer aus dem Zauberwald.
Auch die Seherinnen vom Orakel von Delphi oder die Priesterinnen des Vesta Kultes in Rom gehören zu dieser Gruppe geachteter und verehrter heidnischer Priesterfrauen.
Diese Menschen waren dem absoluten Machtanspruch der christlichen Kirche im Weg. Darum wurden diese Frauen und Druiden durch die katholische Kirche zu Helferinnen und Helfern des Teufels umgewandelt, zu bösen, hinterhältigen, schlechten und für die christliche Religion und Gesellschaft schädliche Hexen und Zauberer.
Inquisition, Ketzer- und Hexenverfolgung
Papst Gregor IX. legte 1232 dem Dominikanerorden die Verfolgung der Ketzer und Ungläubigen in die Hände. Damit begannen die Inquisition und die Hexenverfolgung.

Der Kirchentheoretiker Thomas von Aquin schrieb 1260 neben vielen anderen Schriften seine ›Summa contra gentiles‹. In diesem Werk verglich er den katholischen Glauben mit den Ansichten von Aristoteles und den antiken Götterglauben mit der katholischen Kirchenlehre, und er kam – oh Wunder – zur Ansicht, daß der Katholizismus für die Menschen besser sei als heidnische Religionen.
Diese Überlegungen und Schlußfolgerungen von Thomas von Aquin wurden später von Papst Innozenz VIII. als kirchenrechtliche Grundlagen benutzt, um die Ketzerverfolgung auszudehnen. Er schrieb 1484 die päpstliche Hexenbulle ›Summis desiderantes affectibus‹, um abweichende Meinungen zur katholischen Kirche zu verfolgen und zu vernichten.


Konkret entstand daraus von Mönchen des Dominikanerordens 1487 das Buch ›Maleus Maleficarum‹, der ›Hexen Hammer‹. Geschrieben wurde es von den erfahrenen und geübten Inquisitoren Jakob Sprenger und Heinrich Institoris. Es gibt eine deutsche Übersetzung aus dem Latein in die deutsche Sprache von 1974.
In diesem Buch werden „Hexenbräuche“, „Hexenart“ und deren gerichtliche Verfolgung, Befragung, Foltertechniken und Aburteilung genau festgelegt und beschrieben.

Um sogenannte „Ketzer“, „Hexen“ und „Zauberer“ gefügig und geständnisbereit zu machen, wurden sie nach den im „Hexen Hammer“ beschriebenen „Verhörmethoden“ ausgepeitscht, mit Brandeisen, Daumenschrauben und Streckbett und anderen netten Dingen gemartert.

Beliebt war auch, die Frauen an den Beinen aufzuhängen. Danach wurde flüssiges Blei in die Vagina eingefüllt. Hatten die Inquisitoren das Gefühl, daß jemand log, dann auch heißes Blei in den Mund. etc. etc.

Wenn die Ketzer, Hexen oder Zauberer nach der Folter ihre Hexerei und dem Teufel „abgeschworen“ hatten und ein „Geständnis“ nach „Hexen Hammer“ vorlag, durften die geschändeten Körper endlich durch das „heilige Feuer der katholischen Kirche“ gereinigt werden.
Nach ihrem Tod auf dem Scheiterhaufen konnte die verruchte Seele dann zum christlichen „ lieben Gott“ auffahren, um anschließend durch sein „gerechtes Urteil“ endlich für immer in die Hölle zum Teufel verbannt zu werden und dort zu vermodern.
Der Flammentod auf den Scheiterhaufen dürfte für die halbtot gefolterten Frauen und Männer eine wahre Erlösung gewesen sein.
Im Zeitraum von 1500 bis 1782, als in Glarus die letzte „Hexe“ verbrannt wurde, verloren nach vorsichtigen Schätzungen ca. 15 Millionen Menschen in Europa durch die Inquisition der christlichen Kirche ihr Leben.
Ebenso viele Indianer durch Missionierung durch die Spanier und Siedler in der Karibik, in Süd-, Mittel- und Nordamerika nach 1492 bis 1900.
Nach dem ›Hexen Hammer‹ sollen sich „Hexen“ mit einer Salbe einreiben, um auf ihrem Besen durch die Luft fliegen zu können. Aus der Heilsalbe der heidnischen Ärztin oder des Druiden wurde durch die christliche Kirche die „Hexensalbe“ zum Fliegen.

Damit wurden kräuterkundige Frauen und Männer von der christlichen Kirche bewußt verfemt und verteufelt und damit der Verfolgung durch Inquisition und Vernichtung ausgeliefert.
Bewußt wurden von der Kirche auch die alten Überlieferungen mit den fliegenden Gottheiten des Altertums, zum Beispiel dem Sonnengott Helios, der mit den Sonnenpferden über den Himmel reitet, oder die beschützenden Walküren, die mit Pferden über den Himmel ziehen, in verbotene Mythen und zu besenreitenden bösen „Hexen“ umgewandelt.
In den alten griechischen und germanischen Mythologien gibt es viele Erzählungen, wie sich Götter in Tiere verwandeln. So können sich beispielsweise germanischen Walküren in weiße Schwäne verwandeln, die über den Himmel ziehen.
Auch Zeus verwandelte sich in einen Stier und entführte Europa. Diese Mythen nahm die Inquisition in den ›Hexen Hammer‹“ auf und behauptete, daß sich Hexen und Zauberer mit teuflischen Kräften in Tiere verwandeln können. Zum Beispiel in eine Eule.

Die Eule war seit der hellenischen und römischen Zeit das Zeichen des Wissens und der Erkenntnis. Die Kirche verkehrte dieses Symbol in das Gegenteil und brachte es mit dem Teufel in Verbindung. Die Eule der Minerva wurde zur Eule, die auf der Hexenschulter sitzt und nun Böses ausführt.
Denn Wissen und Bücher für die Allgemeinheit sind aus Sicht jeder monotheistischen Religion Gift für den Glauben und den kirchlichen Machtanspruch. Denkt an den Roman und Film ›Der Name der Rose‹, der dies wunderbar veranschaulicht.
Die heiligen Krähen von Odin, die wissenden und klugen Raben Hugin und Munin, werden zur „Hexenkrähe“, zum Todesvogel, der Böses über die Menschen bringt.

Sein Pferd Sleipnir wird zum Teufel mit dem Pferdefuß und seine Wölfe Freki und Geri begegnen uns später in den Märchen vom bösen Wolf wieder.
Die alte, bei den Ägyptern und Germanen heilige Katze wurde zur bösartigen und heimtückischen schwarzen „Hexenkatze“, die Pech und Unglück bringt. Sie wurde durch die Inquisition über Jahrhunderte konsequent ausgerottet, so daß es heute genetisch kaum mehr komplett schwarze Katzen gibt.
Die Hexen und Zauberer wurden von der Inquisition auch für schlechtes Wetter oder schlechte Ernten, verursacht durch Schädlinge, verantwortlich gemacht und getötet.
Damit wurde die alte Erinnerung an die keltische Göttin Ceridwen, die für das Wetter und das Getreide und damit für die Ernte verehrt wurde, von der christlichen Kirche negativ besetzt.

Ceridwen war auch die Göttin des Wissens, das sie in ihrem Kessel hütete. Bekannt ist auch der keltische ›Kesselwagen von Strettweg‹ aus der Zeit um 600 v. Chr.

Auch die germanische Mythologie kennt den Trank von Odin aus dem Kessel des Wissens vom Riesen Imir. Die Druiden gaben an den Sonnwendfeiern einen Trank an die Gemeinschaft ab. Daraus wurde in der christlichen Liturgie später das Abendmahl mit Wein und Hostien an die Gemeinde.
Aus dem Heilkräutertee der Hagediesen und der Druiden und aus den Kesseln des Wissens wurde in der Inquisition der „Hexentrank“, mit dem den Menschen durch Hexen und Zauberer Böses verabreicht wird, zubereitet mit tierischen Schädlingen und oft auch mit von Hexen verschleppten und getöteten Menschen und deren Fleisch.

Diese Mythen hielten sich mit den Schauermärchen von christlichen Missionaren über Afrika und Südamerika bis um 1900. Wir alle kennen noch die Bilder von gekochten weißen Missionaren in den Kesseln afrikanischer oder kannibalischer Negerstämme. Damit werden die heidnischen Neger auf die Stufe der Hexen und Druiden gestellt, die nach 1500 durch die dominikanische Inquisition in Südamerika und nach 1800 in Afrika durch Kolonialarmeen getötet wurden.
Hexen und Druiden wurden auch bezichtigt, mit dem Teufel im Bunde zu sein und durch die Kräfte Satans in der Lage zu sein, den Menschen Böses anzuhexen.
Hexen und Zauberer reisen einmal im Jahr zur Walpurgisnacht auf das alte germanische Heiligtum, den Brocken im Harz, um dort den „Hexensabbat“ zu feiern. Dort treffen sie auf die Anwesenheit des Teufels mit Ziegenhörnern und Ziegen- oder Pferdefuß.

Der christliche Teufel oder Satan wird meist mir Ziegen- oder Pferdefuß dargestellt, da diese Tiere den alten Göttern Odin und Thor geweiht waren. Dort huldigen sie dem Teufel und vereinigen sich mit ihm in sexueller Orgie und Ektase.
Der Begriff ›Hexensabbat‹ kommt aus dem Antijudaismus der katholischen Kirche des Mittelalters. Die Juden waren damals für die Kirche ebenfalls Ketzer und verfolgt und dem Teufel gleichgesetzt.
Der jüdische Sabbat ist am Samstag, der Tag ihrer religiösen Riten. Für die Inquisition waren Juden gleich Sabbat, gleich Hexen, gleich Ketzer.

Die christliche Kirche deutete auch den griechischen Prometheus, der den Menschen Feuer und Verstand gab, und den keltischen Lichtgott Lug um. Diese Lichtbringer wurden zum christlichen Luzifer, zum Teufel und Satan.
Satan
Das keltische Beltene-Fest
Die Nacht zum 1. Mai war aber auch ein bedeutender Feiertag der Kelten. An diesem Frühlingsfest wurden die wiedererwachte Natur, der kommende Sommer und die kommende Ernte gefeiert.
Gerade in England, Frankreich und der Schweiz war die keltischstämmige Bevölkerung dominant. Von den alten keltischen Festen ist in der Schweiz nur Allerheiligen am 1. November und der 1. August, das Fest zu Ehren des keltischen Feuer- und Lichtgottes Lug übriggeblieben.
Am Beltenefest waren die Priester des Nerthuskultes unterwegs. Nerthus war eine altgermanische, aus dem skandinavischen stammende Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttin. Der Nerthuskult beinhaltete als Höhepunkt die symbolische rituelle Vereinigung von Sonne und Erde. Er fand oft in großen Höhlen oder in Waldlichtungen statt. Dort wurden große Feuer entzündet und die Festgemeinde kam mit Priestertränken und Trommelmusik und Tanz in ekstatische Zustände. Auf dem Höhepunkt des Festes vollzog die Festgemeinde Gruppen- oder Paarweise den Geschlechtsakt.

Dieser Brauch ist noch lebendig geblieben am ›Beltane Fire Festival‹ auf dem Calton Hill in Edingburgh.
Dieses heidnisch orgastische Frühlings- und Fruchtbarkeitsfest wurde von der sexualfeindlichen christlichen Kirche verfemt, verfolgt, verboten und verteufelt.
Daraus resultiert die christliche Behauptung, daß am „Hexensabbat“ Frauen und Männer in Orgien Unzucht mit dem Teufel treiben würden. Und daß nur eine christliche keusche und gottgefällige devote puritanische Lebensweise nach dem Tod in das Paradies führt.
Der Maibaum
Schon im Hochmittelalter war der Monat Mai die Zeit der Minne, des Anhaltens um die Hand einer Frau, der Ritterturniere um die Herrschertöchter und deren Vermählung. Geblieben sind uns der Brauch des Maibaumstellens und die Tatsache, daß der Mai trotz kirchlicher Verfolgung immer noch der Monat der Brautwerbung und der Hochzeit, der Heirat und oft auch der Zeugung eines Kindes geblieben ist.

So ist das Stellen des Maibaums ein Sinnbild des fruchtbaren Lebens, der Liebe, der Hochzeit, und er ist als Segenspender für das Dorf geblieben. Es gibt darum auch verschiedene Formen des Maibaumstellens.
Im Oberinntal wird er vor das Fenster der im Jahr verheirateten Paare gestellt und bleibt dort solange, bis dem Paar ein Kind geboren wird.

Bekannt sind die mächtigen Maibäume aus Bayern mit Kränzen, Sprossen und den daran befestigten Schnitzereien auf den Dorfplätzen. Als Mutprobe erklimmen die jungen Männer den bis 20 Meter hohen Maibaum unter den Augen der Dorfmädchen und wetteifern mit ihrer Kraft und Männlichkeit um die Gunst der jungen Frauen.
Auch in der Schweiz ist vielerorts der Brauch erhalten geblieben, auf dem Dorfplatz ein Maibaum aufzustellen.
Im Baselland werden die Dorfbrunnen mit einem Maibaum geschmückt.

Vereinzelt gibt es noch im Baselland den Tanz um den Maibaum, so wie er auch noch in vielen Gegenden im alpinen Deutschland und Österreich Brauchtum ist. Ein letzter, kümmerlicher Rest des keltischen Beltene Tanzes.
Im Seeland der Schweiz erhalten die jungen Mädchen, die mit 16 aus der Schule und damit aus dem gesetzlichen Schutzalter kommen, einen Maibaum vor ihr Elternhaus. Je nach Charakter und Beliebtheit des Mädchens werden die Maibäume geschält oder dekoriert. Ein naturbelassener Stamm oder Baum zeigt an, daß hier ein Mädchen wohnt, dessen Charakter sich noch verbessern kann.

Denken wir an unserem Walpurgis- oder besser an unserem Beltene Tag an unsere Liebe zum Lebenspartner, an unsere Kinder, Enkel, Eltern und Großeltern, daß wir in der Mitte der Kette des ewigen Lebens stehen, an die schöne reifende Zeit des Sommers, auch dankbar an die kommende Ernte, die uns Nahrung für den kommenden Winter bringen wird.
Aber auch an die 30 Millionen vernichteten Hexen und Hexer, Katharer, Albigenser und Hugenotten in Europa. An die durch die Kirche und ihre gläubigen Christen getöteten Neger in Afrika und der Indianer in Süd- Mittel- und Nordamerika. An alle, die dem religiösen Wahn und Absolutheitsanspruch der christlichen Kirche, der Puritaner, Calvinisten, Zwinglianer, Lutheraner, Neutäufer und Evangelikalen, der Katholiken und des Dominikanerordens zum Opfer fielen.

Dominikaner Inquisitor Bartolome de la Casas um 1540
Wir erleben eine Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, in der wir heutigen freien Menschen dank der Überwindung religiöser Fesseln, Dogmen und Schauermärchen wieder ohne Angst und Verfolgung feiern dürfen.
Doch wie lange noch? Das Pendel der Freiheit schwingt zurück.
Quelle: Avalon-Gemeinschaft, https://avalon-gemeinschaft.ch/
