Andrea Marcigliano

 

Ein Foto. Vom jüngsten Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), das in China stattfand.

Ein Foto, das den Gastgeber Xi Jinping, Wladimir Putin und Narendra Modi zusammen zeigt. Sie lächeln und sehen zufrieden aus.

Es ist ein wichtiges Foto. Sehr wichtig sogar, denn es zeigt den indischen Premierminister Modi nach langer Zeit wieder in China. Und alle haben ein Lächeln auf den Lippen neben Xi Jinping. Das deutet auf eine radikale Wende in der Politik Indiens hin.

Eine Wende, die bis vor einiger Zeit noch undenkbar war.

Denn Modi hatte sich, der Tradition der Blockfreiheit der indischen Politik folgend, immer in gebührendem Abstand zu Peking und Moskau gehalten.

Ja, Teil der BRICS-Staaten war er natürlich – bereit zu kaufen und zu verkaufen. Dennoch handelte es sich immer um eine im wesentlichen wirtschaftliche Zusammenarbeit. Indien, sein Indien, hielt sich dennoch aus dem komplexen Spiel der Allianzen heraus. Es behielt eine weitgehend neutrale Rolle bei.

Nun haben sich die Dinge jedoch geändert.

Die massiven Einmischungen von Trump, der eine auf Washington ausgerichtete, linientreue Indien-Politik fordert und das Land zwingen möchte, Gas und Öl aus den USA zu zehnfachen Preisen zu kaufen, haben Modi dazu gebracht,  seine Strategie zu überdenken.

Und Indien in Richtung Rußland und vor allem China zu bewegen, ein Land, das lange Zeit als feindlich angesehen wurde. Diese Feindseligkeit ist heute jedoch überwunden – im Namen eines gemeinsamen Interesses, ja sogar einer gemeinsamen Vision.

 

Denn heute repräsentiert die SCO 40 % der Weltbevölkerung und ein Viertel der Weltwirtschaft. Und sie bildet – de facto – das Fundament einer neuen allgemeinen Ordnung.

Eine Ordnung, die bereits jetzt und in Zukunft immer mehr von Xi Jinping, Putin und Modi bestimmt wird … und auf die Washington immer weniger Einfluß haben wird.

Ganz zu schweigen von einem Europa, das inzwischen völlig außen vor ist. Um es klar zu sagen: am Ende seiner Kräfte.

Und genau deshalb sollte uns das betreffende Foto beunruhigen. Es sollte uns Europäern große Sorgen bereiten.

Denn es markiert einen Wendepunkt in den weltweiten Machtverhältnissen. Einen Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß wir nicht mehr das Zentrum der Welt sind. Sondern eine Peripherie, die lernen muß, sich mit den voranschreitenden Giganten zu messen. Während hier bei uns seit langem Stagnation herrscht. Wirtschaftlich, politisch… und in Bezug auf Ideen.

Wir müssen… oder besser gesagt, wir sollten.

Allerdings scheinen die sogenannten europäischen Führungsklassen immer mehr den Bezug zur Realität zu verlieren. Unzulänglich, unfähig… und unfaßbar arrogant.

Wie Ratten, die einem Zauberflötenspieler in den Abgrund folgen. In dem Glauben, immer noch Giganten zu sein.

Und dabei rennen sie mit Höchstgeschwindigkeit ihrem eigenen Untergang entgegen.

Quelle: https://electomagazine.it/quella-foto-inquietante/