Ein Gespräch mit Guillaume Faye über das Heidentum

Das tiefgründige und persönliche Gespräch, das Christopher Gérard im Jahr 2001 mit Guillaume Faye führte – zugleich die Schilderung eines Lebensweges, Reflexion über das Heilige und eine Intuition für die Zukunft –, hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt, ist weder ein Glaubensbekenntnis noch eine Apologie, sondern der klare Ausdruck des Denkens eines Autors, der in Blitzen denkt und zu seinen Widersprüchen steht. Für Faye ist das europäische Heidentum ewig, denn „es ist für Völker und Herkunftsgemeinschaften geschaffen “, nicht für die Massen und entwurzelte Individuen.

 

Doch wie soll man mit dieser Herausforderung, diesem Ansturm umgehen?

Guillaume Faye: In Europa ist das Heidentum – das in vielgestaltiger Form die ursprüngliche Religion Europas war – auf vielfältigste Weise präsent: ein „folkloristisches“ Heidentum (ohne abwertende Konnotation), vor allem keltisch-skandinavischer Prägung, das keinen Glauben an personifizierte Götter beinhaltet, sondern einem traditionalistischen und ethnistischen Pantheismus entspringt.

Man findet auch – vor allem angesichts des massiven Rückgangs des katholischen Kultes – die Rückkehr zu einem diffusen Volksheidentum, wofür die zunehmend gefeierten Jahreszeitenzyklen und Sonnenwenden sowie die Wiederbelebung des keltischen Totenfestes (Allerheiligen, Halloween) – das natürlich, wie auch Weihnachten, kommerziell instrumentalisiert wird – gute Beispiele sind.

Es sei daran erinnert, daß die „Repaganisierung“ von Weihnachten – ein Fest, gegen das die Kirche stets gekämpft hat, das auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgeht (mit der Ersetzung der Krippe durch den Weihnachtsbaum) und das mehr als 1500 Jahre nach der „Antwort des Hirten auf die Hirtin“ auf die mittelalterliche Christianisierung der Wintersonnenwende ein absolut entscheidendes Vorzeichen einer spontanen und volksnahen Erneuerung des althergebrachten Heidentums darstellt.

Zu beachten ist auch das Fortbestehen offensichtlicher, oft unbewußter heidnischer Strömungen in Kunst, Literatur, Philosophie und Bildergeschichten. Denn das Heidentum ergibt sich nicht aus einer Selbstbezeichnung, sondern aus einer spontanen Lebenshaltung, aus einer Weltanschauung. John Boorman, Michel Maffesoli und so viele andere stehen in einer endlosen Reihe von Heiden, die sich selbst nicht als solche bezeichnen.

Meiner Meinung nach besteht trotz einer offensichtlichen Verwandtschaft der Weltanschauungen der große Unterschied zwischen dem hinduistischen Heidentum und dem der europäischen Heiden darin, daß das erstere, da es weder einen Bruch noch eine Akkulturation erlebt hat, den Volksreligionen der europäischen Antike sehr nahe geblieben ist: Man glaubt wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes an die Existenz des Götterpantheons.

In Europa ist es unmöglich, zu dieser Haltung zurückzukehren. Unser europäisches Heidentum ist in Trümmern und gleichzeitig im Verborgenen. Wie durch Zufall taucht in dieser Übergangszeit, dem Auftakt zu den größten Auseinandersetzungen, das Heidentum wieder auf, um die Lücke einer offiziellen Kirche zu füllen, die kapituliert hat. Heute müssen wir in Europa mit der Entstehung eines Neuheidentums rechnen. Es ist unmöglich, dessen Erscheinungsformen vorherzusagen oder festzulegen.

Wie könnte dessen Zukunft aussehen?

Guillaume Faye: Das Europa des Jahres 2020 wird ein Durcheinander von Glaubensrichtungen und Religionen sein. Das Christentum bricht zusammen, zerfällt. Der Kampf wird zwischen dem Heidentum und dem Islam ausgetragen werden. Ein geistiger Kampf oder schlichtweg ein Machtkampf? Das weiß man nicht.

Das Heidentum ist das genaue Gegenteil von allem, was mit „Ernsthaftigkeit” zu tun hat, und gerade darin liegt seine größte Ernsthaftigkeit und Beständigkeit. Die Macht, die Unbesiegbarkeit des Heidentums (und übrigens auch der Grund, warum der Islam vor allem vor ihm Angst hat – siehe die Affäre um die Satanischen Verse*) , liegt darin, daß es sich mit den Lebenskräften verbindet und daher unausrottbar ist, daß es niemals verschwinden kann – im Unterschied zu den monotheistischen Religionen, die nur eine bestimmte Zeit in der Geschichte haben, da sie auf dogmatischen Theorien beruhen, die zwangsläufig vergänglich sind.

Es ist jedoch höchst unwahrscheinlich, daß Europa zu heidnischen Kulten als solchen zurückkehren wird, wie sie heute in Indien existieren oder im vorchristlichen Europa vorherrschten. Die heutigen druidischen Kulte zum Beispiel (Bretagne, Irland, England usw.) stellen nicht nur eine äußerst kleine Minderheit dar, sondern haben zudem einen künstlichen, folkloristisch-spiritualistischen Charakter und sind nicht im ursprünglichen, authentischen Sinne religions- und glaubensorientiert.

1) Ich sehe vielmehr, daß sich in den nächsten zwanzig Jahren allmählich folgende Situation herausbilden wird: 1) Der Islam wird zur am häufigsten praktizierten Religion (demografische Ursachen und Konversion der einheimischen Bevölkerung), was eine Katastrophe darstellt.

2) Trotz einer absehbaren Verschlechterung der sozioökonomischen Lage und zunehmender Gefahren (die stets der monotheistischen Religion der Erlösung zugutekommen), wird die katholische Kirche, verhaftet in ihrer antisakralen und säkularisierenden Ideologie, weiterhin Gewerkschaftsarbeit und Politik betreiben: Ihr Niedergang wird sich beschleunigen, ebenso wie ihre Marginalisierung. Ich glaube keineswegs an eine „massive katholische Gegenbewegung“ hin zum Katholizismus des 19. Jahrhunderts, wie es Johannes Paul II. wünschte.

3) Ich prognostiziere eine Verbreitung christlich inspirierter Sekten oder „Stämme“ (nach dem Ausdruck Maffesolis), die zwar in der Minderheit, aber erfolgreich sind: Traditionalisten, Charismatiker, synkretistische Mystiker, usw., die vom Vatikan nicht wirklich anerkannt werden.

4) Es ist mit einer langsamen, aber stetigen Ausbreitung des westlich geprägten Buddhismus zu rechnen, einem verzerrten Abbild des Ursprungsbuddhismus aus Asien.

5) Ein starker Rückgang des Atheismus oder der agnostischen Gleichgültigkeit ist in dem sich abzeichnenden „Eisernen Jahrhundert“ zu erwarten, woraus sich natürlich eine neue Anziehungskraft für ungeahnte Formen des Heidentums ergibt.

Die Verbreitung dessen, was ich als „wilde Religionen“ bezeichnet habe (ohne jegliche abwertende Konnotation) – ein wahres Sammelsurium des Schlimmsten wie auch des Interessantesten –, bildet jedoch einen Nährboden, auf dem eine echte, metamorphe Erneuerung des europäischen Heidentums stattfinden kann. Diese „wilden Religionen“ existieren bereits und haben eine irgendwie düstere, sagen wir mal eher tastende Seite. Aber sie entsprechen einem Bedürfnis: dem Bedürfnis, wieder an eine vage, halb vergessene Erinnerung anzuknüpfen.

Ich glaube daher, daß im Laufe des 21. Jahrhunderts ungeahnte Formen des Heidentums entstehen werden, die einer Metamorphose der Götter gleichen werden. Alles ist möglich, alles ist denkbar in diesem Chaos, aus dem zwangsläufig eine Ordnung, ein „Nach-Chaos“, hervorgehen wird.

Man muß sich andererseits vor all jenen hüten (ob sie sich nun als Heiden bezeichnen oder fundamentalistischen katholischen Kreisen angehören), die den gegenwärtigen Verfall der Sitten – sei es, um ihn zu billigen oder zu verurteilen – (Gay Pride, Love Parade, Homophilie, Antinatalismus, Feminismus, tolerierte Drogenabhängigkeit, verdummende Pornophilie, Abschaffung sozialer Normen, künstlerische Entartung …) als eine Rückkehr zum Heidentum analysieren – sei es, um ihn zu billigen oder zu verurteilen.

Das Heidentum ist das genaue Gegenteil von Auflösung, der Destrukturierung der Lebensenergien, die im heutigen Westen zu beobachten sind. Es erweist sich ganz im Gegenteil als die Ritualisierung und Übernahme der Gebote der Lebensordnung. Seine kosmischen Prinzipien (vom griechischen kosmein, ordnen, schmücken, organisieren) vereinen in einer Verbindung scheinbarer Gegensätze zugleich sowohl die dionysischen Kräfte der Sinnlichkeit und des Lustprinzips als auch die apollinischen Notwendigkeiten der Beherrschung und der Gesamtordnung.

Alles, was dem gesunden Fortbestand der Spezies und des Volkes, der organischen Homogenität der Stadt oder des Staates (im römischen Sinne des Wortes) schadet, kann nicht den Anspruch erheben, „heidnisch“ zu sein. Ein Heide wird niemals weder ein Puritaner noch ein Sexbesessener sein (wobei beide übrigens sehr nahe beieinander liegen…), noch ein Anarchist noch ein Tyrann (wobei letzteres aus ersterem hervorgeht).

Ebenso darf das Heidentum weder mit intolerantem Dogmatismus noch mit absoluter Toleranz verwechselt werden. Unter dem Vorwand des „sozialen Polytheismus“ begrüßen manche oberflächlichen Heiden die Tribalisierung der Gesellschaft und den Kommunitarismus, ohne zu wissen, daß alle heidnischen Autoren des antiken Griechenlands – angefangen bei Aristoteles mit seinem Konzept der philia, der „Freundschaft zu den Nahestehenden“ “ – stets vor der Idee heterogener Völker gewarnt haben, da diese den Nährboden für Gewalt und Despotismus bilden.

Im Gegenteil, es sind die monotheistischen Religionen, die die Idee der Vermischung verteidigen, um über Massen zu verfügen, die umso formbarer sind, als sie nicht mehr durch ethnokulturelle Solidaritäten zusammengehalten werden. Diese billigen Heiden teilen mit den nachkonziliaren Prälaten die Zustimmung zur Aufnahme des Islam als „ökumenische Bereicherung“ (ohne den totalitären – ohne abwertende Konnotation – und monopolistischen Charakter der Religion Mohammeds).

Und ebenso praktizieren sie im Namen einer abstrakten und verzerrten Vision einer zukünftigen, in „Netzwerken“ organisierten, angeblich „polytheistischen“ Welt ohne Völker und Nationen eine Toleranz gegenüber marginalen und abweichenden „Stämmen“ und, wiederum, mit einem zügellosen Kosmopolitismus.

Letzterer ist der heidnischen Vision des Staates völlig fremd und ähnelt einer sehr alten jüdisch-christlichen und paulinischen (weit mehr als einer hebräischen) Konzeption des politischen Pluriversums. Vergessen wir auch nicht, daß das griechisch-römische Heidentum unter der hierarchischen Autorität der großen Schutzgötter stand, die den Staat oder die Stadt vereinten und die politische Ordnung der Volksgemeinschaft, des Ethnos, über individuelle Freiheiten oder heterogene und zentrifugale Kräfte irgendwelcher „Gemeinschaften“ stellten.

In einem anderen Zusammenhang mißtraue ich einem rein negativen und reaktiven Heidentum, das nichts anderes ist als ein leidenschaftlicher Antikatholizismus. Den traditionellen europäischen Katholizismus mit aller Härte zu attackieren, ist Zeitverschwendung. Ich selbst habe das Vorwort zu einem Buch über den Marienkult verfaßt – das vielen Katholiken Unbehagen bereitete –, in dem ich an die offensichtliche Tatsache erinnere, daß die Jungfrau Maria und ihr Kult tief in der vorchristlichen europäischen Mentalität verwurzelt sind und daß ein Heide sie respektieren muß. Denn wie ließe sich sonst der im Laufe der Jahrhunderte immense Erfolg der Verehrung Marias und der Heiligen in der Bevölkerung erklären?

Übrigens setzen die heutigen Bischofskollegien der nachkonziliaren Kirche diesen Kulten, die des „Polytheismus“ verdächtigt werden, keine ernsthaften Grenzen (was zum Teil die Abkehr von ihrer „neuen Kirche“ erklärt).

Was den Unterschied zwischen dem heutigen Heidentum und dem Christentum betrifft, schließe ich mich der Position des Mediävisten Pierre Vial in seinem Werk Une terre, un peuple (2000) an, der daran erinnert, daß das Heidentum nicht antichristlich, sondern zugleich achristlich und postchristlich ist. Wie er in Anlehnung an Nietzsche betont, besteht der emotionale Bruch zwischen der jüdisch-christlichen und der heidnischen Weltanschauung – den ich persönlich immer gespürt habe und der einer der Hauptgründe für meine Entscheidung für das Heidentum war – darin, daß die Christen den Märtyrer dem Helden vorziehen, daß ihr „Dolorismus“ die erlösende Tugend des Leidens verherrlicht, daß sie Masochismus, Schuldgefühle und Reue der Ästhetik des Lebens und dem ›Willen zur Macht‹ vorziehen, die Sündenmoral der Ethik der Ehre.

Ich werde nun eine historische Vorhersage wagen, die auf reiner Intuition beruht und ebenso gut völlig falsch wie völlig richtig sein kann: Ich sehe, in Europa das 21. Jahrhundert als das Jahrhundert der radikalen Marginalisierung des Christentums und der Konfrontation zwischen einem vielgestaltigen Heidentum, das aus dem uraltem Gedächtnis wiederauftaucht, und dem sich ausbreitenden Islam.

Die Katholiken, die nun in der Minderheit sind, werden zwischen diesen beiden Lagern wählen. Doch wie Henry de Montherlant bereits in einem vorausschauenden und wenig beachteten Buch (Le Solstice de Juin, 1941) vorausgesehen hatte, kehrt im kommenden Krieg der Götter – der seit jeher die gesamte Menschheitsgeschichte geprägt hat – „der Große Pan zurück“ als Hauptakteur des bedrohten europäischen Bewußtseins.

Wie schätzen Sie das Judäo-Christentum ein?

Guillaume Faye: Meiner Meinung nach war der Grund, warum die europäischen Formen des Heidentums im Römischen Reich vom Christentum überwältigt wurden, das ethnische Chaos, das Ende des 2. Jahrhunderts entstand.

Der alleinige Gott der Erlösung, der Gott aller Völker, der sich zunächst an orientierungslose und entwurzelte Menschen wandte, trat an die Stelle der Schutzgötter in einer Welt, die von Unruhen, Spaltungen und Kriegen heimgesucht war.

Meine Position, die vielleicht schockieren mag, lautet wie folgt: Das Christentum und der Islam waren apokalyptische Sekten, denen es gelang, das Chaos zu nutzen, um zu gedeihen, die Naturreligionen zu verdrängen und zu institutionalisierten Kulten zu werden. Natürlich haben der römische Katholizismus oder die griechisch-slawische Orthodoxie durch eine Art historischen Kompromiß, einen Synkretismus mit dem Heidentum, tiefgreifend mit dem ursprünglichen Judäo-Christentum gebrochen, zu dem die Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zurückkehren will – auf Kosten, wie es der Zufall so will, eines enormen Rückgangs der Anhängerschaft unter den Europäern…

Ich bin kein Historiker, aber ich stelle die Hypothese auf, daß der große historische Bruch nicht so sehr in der von Paulus von Tarsus eingeleiteten Trennung des Judentums im engeren Sinne vom universalistischen Christentum lag, sondern vielmehr in der Herausbildung eines paganisierten Judäo-Christentums (Katholizismus und Orthodoxie) im Laufe des Mittelalters. Dies ermöglichte es dem Christentum, in Europa Fuß zu fassen.

Der zweite große Bruch, in umgekehrter Richtung, erfolgte in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, als sich der Katholizismus, dem verhängnisvollen Weg des Protestantismus folgend, „entpaganisierte“ und säkularisierte. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten: eine massive, abrupte und weit verbreitete Abkehr von der Kirche. Man hört die Behauptung, der Katholizismus habe sich „wieder judaisiert“.

Nein! Das Judentum ist eine echte, nationale und selbstbewusste Religion, die nichts mit der rituellen Entblößung und dem profanen Humanitarismus des heutigen katholischen Korpus und Diskurses zu tun hat, mit diesem vagen Begriff der „Liebe“, der mit neurotischer Beharrlichkeit vorgebracht wird und bei den Gläubigen keinerlei Resonanz findet.

Ich hege keinerlei Groll gegen den Katholizismus, der in Wirklichkeit ein getarnter Polytheismus ist, sich jedoch mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil als Religion selbst ruiniert hat, indem er seine heilige Sprache und seine Riten aufgegeben hat, und der, indem er zu einem absoluten Monotheismus zurückkehrt, zu einer Kopie wird, die nicht mehr gegen die Originale – den Islam und das Judentum – bestehen kann.

Im Grunde genommen ist das Schicksal des Christentums dramatisch. Es hat sich auf Kosten einer Verweltlichung und der Abkehr von einer Reihe seiner Grundsätze etabliert. Als es dann seine Grundsätze wiederfinden wollte, vollzog es einen zweiten Synkretismus (Zweites Vatikanische Konzil) mit den Ideen der Moderne, denen der Aufklärung, die jedoch gerade aus seinen eigenen säkularisierten Grundsätzen stammten!

So hat sich das Christentum am Endpunkt dieser unerbittlichen dialektischen Bewegung entheiligt, indem es wieder zu sich selbst zurückkehrte, wodurch es sich in seiner eigenen Existenz abschaffte. Die Vorstellung vom Göttlichen in der heutigen Kirche beschränkt sich auf Beschwörungsformeln über Christus und seine Liebe sowie auf die Bekräftigung einer Sozialmoral (die sehr vage Moral der ›Menschenrechte‹ und eines abstrakten, extremistischen Altruismus sowie eines konventionellen Pazifismus), die nichts anderes ist als die Vulgarisierung der vorherrschenden säkularen Ideologie.

Das Christentum ist zu einem ideologischen Diskurs geworden, der weder von Transzendenz noch von großer Politik mehr geleitet wird, wie der katholische Denker Thomas Molnar erkannt hat. Wir sind weit entfernt vom Glaubenseifer vergangener Zeiten.

In meinem Buch ›Archäofuturismus‹ habe ich davon geträumt, daß die Europäer zu dieser Art mittelalterlichen „Pagano-Katholizismus“ zurückkehren, während die Bewußtseinselite einen Neopaganismus annehmen würde, der zugleich marc-aurelianisch und prometheisch ist. Wird uns das Schicksal vielleicht diese Lösung bescheren?

Im Grunde wurde die heidnische Mentalität im Vergleich zur christlichen durch die Haltung des antiken Heiden gegenüber seinen Göttern geprägt: keinen Trost beim Göttlichen zu suchen. Die Götter respektieren nur Stolz und Stärke. Keine Flehen. Der Mensch kann nur aus sich selbst heraus glücklich und gesund sein, nur durch seine eigene innere psychische Kraft und die Bekräftigung seines Willens. Der Heide wirft sich nicht vor seinen Göttern nieder; er fordert sie heraus. Oder er dankt ihnen und versucht, sich ihre Gunst zu sichern.

Das Christentum hat eine Theologie der Kastration entwickelt, in der wir schuldig und minderwertig sind. Der Heide umwirbt seine Götter oder tritt ihnen entgegen, der Monotheist fleht sie an und erniedrigt sich. Andererseits hat weder das Judäo-Christentum noch der Islam diese grundlegende Frage anders gelöst als mit dem Argument des Mysteriums: Wenn Gott unendlich gut und unendlich mächtig ist, warum läßt er dann das Leiden zu, warum gibt es nicht das Paradies auf Erden für alle?

Lügt Gott etwa? Entweder ist er unendlich gut und läßt das Böse zu, weil er nicht unendlich mächtig ist. Oder er ist unendlich mächtig und läßt das Böse zu, hat also eine grausame Seite. Das ist das berühmte „Problem des Bösen“. Die monotheistischen Theologien der Heilsreligionen haben dieses Rätsel nie gelöst, während die heidnischen Philosophien – von Griechenland bis Indien – es perfekt gelöst haben: Die Gottheiten sind weder allmächtig noch unendlich selbstlos. Sie sind wie wir in den Kosmos eingebettet, unterworfen dem unberechenbaren Zufall des „fatum“ (der Römer) oder der „moïra“ (der Griechen).

Diese philosophische Divergenz zeigt meiner Meinung nach, daß die heidnische Mentalität, die der Realität näher ist, eine viel größere Zukunft vor sich hat als die anderen. Nach all dem möchte ich jedoch wiederholen, daß ich eine tiefe Sympathie für den traditionellen Katholizismus und die Orthodoxie empfinde, denn ein Heide argumentiert stets konkret und ohne Fanatismus.

In einem Ihrer jüngsten Essays preisen sie das an, was Sie „Archäofuturismus“ nennen. Was hat es damit auf sich?

Guillaume Faye: Ich werde nicht allzu ausführlich auf diese Abhandlung, ›Der Archäofuturismus‹, eingehen, deren Titel ein von mir geprägter Neologismus ist. Es handelt sich lediglich um eine Sammlung von Denkanstößen, die zum Mitdenken und Handeln anregen sollen.

Darin entwickle ich vier Hauptgedanken: Nach der utopischen Phase der Moderne (einer säkularisierten Fortsetzung jüdisch-christlicher Träumereien) wird die zukünftige Welt zum „Archaischen“ zurückkehren, das heißt nicht zur Vergangenheit, sondern zu den jahrtausendealten Prinzipien menschlicher Gesellschaften, die das genaue Gegenteil der selbstzerstörerischen Prinzipien des heutigen Westens sind.

Da sich die westliche Zivilisation nicht auf die natürliche Ordnung stützt, steuert sie auf eine Konvergenz von Katastrophen in allen Bereichen zu. Man muß mit Chaos rechnen und in dieser Übergangszeit die Zeit nach dem Chaos vorbereiten.

Die gegenwärtigen und zukünftigen Errungenschaften der Technowissenschaft stehen im Widerspruch zur Ethik der Moderne (die aus dem Christentum hervorgegangen ist) und werden eine prometheische Ethik der Entfesselung und des Wagnisses wiederbeleben, die der antiken heidnischen Mentalität eigen war, ebenso wie eine Ethik, die der des griechischen Humanismus nahekommt, für den kein transzendentes Gesetz dem menschlichen Willen überlegen ist, im absoluten Sinne.

Dieser Widerspruch zwischen dem Naturgesetz und dem Prometheismus kann nur durch eine Überwindung des Egalitarismus gelöst werden: eine Menschheit, die „mit zwei Geschwindigkeiten“ funktioniert. Man muß meine Texte heranziehen, um besser zu verstehen, was ich hier in knapper Form darlege.

Sie haben auch einen umstrittenen Aufsatz über die Kolonisierung Europas durch den Islam veröffentlicht. Was können Sie uns dazu sagen?

Guillaume Faye: Die aus demografischen Gründen bis zum Jahr 2020 zu erwartende Vorherrschaft des Islam ist nicht erfreulich. Angesichts des Islam und des materialistischen Atheismus besteht die Schwäche des Christentums (die einst seine Stärke war, sich nun aber in einer dialektischen Umkehrung ins Gegenteil verkehrt) darin, eine auf das Heil ausgerichtete Religion zu sein, die wie ein Staat um einen Klerus, Dogmen und starre Verfassungen herum organisiert ist.

Doch jede Organisation ist sterblich und verkümmert angesichts einer konkurrierenden Organisation, sei es im politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Bereich. In diesem Sinne verliert das Christentum heute massiv gegenüber dem Islam an Boden, sowohl in physischer als auch in moralischer Hinsicht.

Der Katholizismus befindet sich in einem Zustand fortgeschrittener Schwäche. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat er seinen theologischen Selbstmord begangen, indem er seine universelle heilige Sprache, das Latein, aufgab, während der Islam weltweit niemals das religiöse Arabisch des Korans aufgegeben hat.

Andererseits hat der Katholizismus einen gigantischen Fehler begangen, indem er sich modernisieren wollte – sowohl in den Riten und heiligen Texten als auch im theologischen Diskurs. Dieses „Aggiornamento“ wird ihm zum Verhängnis werden.

Die Stärke des Islam liegt in seiner Unveränderlichkeit. Das Heidentum hingegen gleicht dem Schilfrohr aus der Fabel von Jean de La Fontaine: Angesichts der monolithischen Eiche einer offenbarten Religion ist es voller Lebenskraft und keine starre, um ein Dogma herum zementierte Organisation. Seine Geschmeidigkeit beruht auf seinem gesunden Skeptizismus und seinem Realismus.

Das Christentum in Europa verliert gegenüber dem Islam an Boden, weil es einem konkurrierenden Bruder gegenübersteht, der kräftiger ist als es selbst. Das Heidentum mischt sich nicht in diese Familienstreitigkeiten ein. Es ist ganz anders. Deshalb wird der Islam bei seinem logischen und sehr alten – und heute wieder aufgenommenen – Vorstoß in Europa die heidnische Mentalität als Hauptgegner haben. I

ch weiß, daß es sogenannte Heiden gibt, die dem Islam wohlgesonnen sind. Sie irren sich schwer, weil sie diesen nicht kennen, und sind sich offenbar nicht bewußt, welches Schicksal der Koran unter den Bezeichnungen „Ungläubige“ und „Götzendiener“ für sie bereithält: während Juden und Christen in eine untergeordnete Position gedrängt und unterworfen (Dhimmis) werden, werden diese das Schicksal der Schafe am Eid al-Adha erleiden.

Man muß nur Sure 4 des Korans lesen, die in allen Moscheen Europas und in allen Koranschulen gelehrt wird, um sich davon zu überzeugen. Ich bringe manche Christen in der Regel zum Aufschreien, wenn ich ihnen erkläre, daß ich mich als Heide gegen die Umwandlung von Kirchen in Moscheen ausspreche, während das Bischofsamt dies zuläßt.

Es muß klargestellt werden, daß ich gegenüber dem Islam keinerlei Verachtung oder Haß empfinde. Ich lehne lediglich als Heide dessen Gesellschafts- und Spiritualitätsmodell für mein eigenes Volk ab. Ich kenne ihn gut, ich habe mich lange damit beschäftigt. Ich habe den Koran gelesen, im Gegensatz zu den Pariser Intellektuellen, die Befürworter eines kommunitaristischen Zusammenlebens sind.

Ich wurde von Muslimen eingeladen, „gegen den Islam“ zu sprechen; sie waren überrascht, daß ich ihren Willen zur Eroberung Europas, um es in Dar al-Islam zu verwandeln, gut kannte und daß ihr Diskurs über einen säkularen und harmonisch integrierbaren Islam eine Doppelzüngigkeit war, eine heuchlerische Aussage, die vom Propheten selbst empfohlen wurde, wenn man ein neues Land erobert („Küsse die Hand, die du noch nicht abschneiden kannst“). Diese Muslime, Araber und Pakistaner, versuchten nicht, mir zu widersprechen. Sie lächelten und sagten mir sinngemäß: „Zum Glück gibt es nur wenige Europäer, die uns so gut kennen wie Sie.“ 

Was die Gefahr des Islam angeht, stimme ich vollkommen mit einem seiner derzeit besten Kenner überein, dem jungen und wortreichen Forscher Alexandre del Valle. Er gehört zu jenen traditionellen christlichen Kreisen, die sehr wohl verstanden haben, daß angesichts der dringenden Gefahr des weltweiten Vormarsches des Islam ein Bündnis mit den Kräften des Heidentums, von Europa bis Indien, unverzichtbar ist.

Der Islam ist ein kriegerischer Universalismus, der absoluteste aller Monotheismen der offenbarten Wahrheit. Er duldet auf Dauer nichts anderes als sich selbst und seine theokratische Weltanschauung, in der der Glaube mit dem Gesetz verschmilzt, das im etymologischen Sinne totalitär ist. Auch wenn er sehr oft gute Prinzipien vertritt, auch wenn er sich zu Recht gegen die westliche Dekadenz wendet, bleibt er mit unserer Mentalität und unseren Traditionen unvereinbar.

Ich habe nichts gegen den Islam in seiner Heimat, aber sein stetiges Vordringen nach Westeuropa (wo er in Frankreich oder Belgien bereits die zweitgrößte Religion ist) beunruhigt mich als Heiden mehr als die Atheisten der säkularen Linken und die Christen.

Welche Gottheiten inspirieren Sie am meisten?

Guillaume Faye: Jede Gottheit verkörpert eine Facette der menschlichen Natur, und es liegt mir fern, Venus-Aphrodite oder Merkur-Hermes oder die bescheidenen Laren, die Hüter der Familie, zurückzuweisen. Ich gebe durchaus zu, daß meine prometheische Interpretation des Heidentums von anderen Heiden kritisiert wird.

Tatsächlich gab es schon immer zwei Formen des Heidentums, die sich übrigens auch überschneiden können; die eine, volkstümliche (daher der Begriff „pagani“ für „Bauern“), die man bei allen Völkern der Erde findet – sogar bei islamisierten Bevölkerungsgruppen –, übernimmt einfache, aber keineswegs verachtenswerte abergläubische Überzeugungen, die für eine gute soziale Ordnung notwendig sind.

Die andere ist das Heidentum der Philosophen, das natürlich nicht an die objektive Existenz von Gottheiten glaubt, sondern inmitten eines schrecklichen und tragischen Zweifels die Existenz von „etwas“ Übernatürlichem, Unerklärlichem anerkennt, den atheistischen Materialismus ablehnt und alle Religionen der Erde als Wahrheitsfragmente respektiert. Doch es lehnt die Idee der offenbarten Wahrheit absolut ab.

Von den indischen Brahmanen bis zu den keltischen Druiden gibt es eine zugleich tellurische und kosmische Kraft, die sich den Offenbarungs- und Heilsreligionen völlig entzieht. Diese Kraft läßt sich nicht in einem Dogma oder einem Katechismus ausdrücken. Man spürt und erlebt sie. Sie ist Teil einer Einweihung, die zugleich volkstümlich und spontan oder aber aristokratisch ist.

Das Heidentum ist für Völker und Herkunftsgemeinschaften gemacht, nicht für die Massen und entwurzelte Individuen. Es ist sowohl Teil des volkstümlichen Aberglaubens als auch der geistigen Disziplin. Es verbindet magische Glaubensvorstellungen an Tier- und Waldgottheiten (dionysischer und verwurzelter Pol) mit den apollinischen Donnerschlägen.

Alle Gottheiten inspirieren mich, ganz besonders jedoch Dionysos, Symbol für Treue und Lebensdauer. Als lächelnder Gott (wenn auch mit einem beunruhigenden Lächeln) symbolisiert er den Fluß des Lebens, die Revolte gegen erstarrende Ordnungen und Dogmen; er ist der Gott der Freuden, des Lebenswillens, aber auch der Abstammung und der Kontinuität des Lebens.

Es ist kein Zufall, daß die Christen einige seiner Züge und Attribute übernommen haben, um ihren Satan damit auszustatten. Als chthonisches Prinzip ist der sinnliche Dionysos das genaue Gegenstück zum Perversen. Er verkörpert Prinzipien, die denen der Moderne völlig entgegenstehen. Er ist – mehr als alle anderen Götter Griechenlands – das genaue Gegenteil der gesamten monotheistischen und jüdisch-christlichen Weltanschauung, die unsere Zivilisation prägt.

Das hatte Nietzsche vollkommen verstanden, weshalb auch er ihn zur zentralen Gottheit seines persönlichen Pantheons machte. Dionysos ist der tragischste aller Götter: Er spielt, er lacht, er ruft zum Lebensgenuß auf, aber er bereitet die Sterblichen auch auf ihr unausweichliches Ende vor.

Er ist natürlich, wie Pierre Vial gezeigt hat, das genaue Gegenstück zu Apollon, der Sonnengottheit (contradictio oppositorum). Ich gebe zu, daß ich einen der Autoren, der mich durch sein außergewöhnliches Werk am meisten geprägt hat – Michel Maffesoli –, dank seines Essays ›L’ombre de Dionysos‹ (1982) entdeckt habe, in dem er den unbesiegten und unbesiegbaren Einfluß des Gottes der Weinreben und Weinstöcke aufzeigt. Ich füge hinzu, daß ich die soziologischen Analysen und Standpunkte dieses Autors keineswegs teile, was zeigt, daß ich meine eigenen nicht verallgemeinere und nicht als absolut betrachte, da ich mir bewußt bin, daß wir uns alle im Bereich der Doxa und selten im Bereich der Episteme bewegen.

Dennoch vernachlässige ich Apollon, den Sonnengott, deswegen keineswegs. Ein Text, der mich sehr geprägt hat, ist ein Vierzeiler, meiner Meinung nach einer der schönsten der französischen Sprache, verfaßt von Paul Valéry. In seinem Gedicht ›Été‹ (Album de vers anciens, 1920) stellt er die dionysische Sinnlichkeit eines jungen Mädchens beim morgendlichen Erwachen (die Beständigkeit des erneuerten, aber vergänglichen Lebens) dem souveränen Lauf der Sonne gegenüber und verbindet beide auf wunderbare Weise.

Ich habe diese vier Verse stets als einige der heidnischsten der französischsprachigen Dichtung angesehen: Das junge Mädchen, nackt in ihren Laken, erwacht und schüttelt sich wie ein junges Tier und…

Doch aus der Höhe des Himmels, die Menschenstunde mit Blitzen treffend,

Unersättliches Ungeheuer der Zeit, die Zukunft opfernd,

Rollt und bringt der opfernde Priester Sonne

Tag um Tag zurück auf die Altäre des Azurs.

Dionysos erneuert die Lebensformen durch die Metamorphose (eine Schönheit wird altern, doch eine neue, kommende Schönheit wird ihr nachfolgen), während Apollon in seinem unveränderlichen Lauf (labor solis, ergon heliou) diese Metamorphose schützt und gewährleistet.

Im Paar Apollon-Dionysos verbinden sich Vergänglichkeit und Beständigkeit in Harmonie. Für mich ist das Heidentum daher im Grunde der Kult des Realen und des Lebens in all seinen Dimensionen (biologisch, astronomisch, physikalisch usw.) und, im Gegensatz zu den Heilsreligionen, weigert es sich, eine Metarealität, eine Täuschung, ein Phantom (die „Marionetten“, ta agalmata aus Platons Höhlengleichnis) zu konstruieren, sondern stellt sich der sowohl sanften als auch harten Tragödie des Lebendigen direkt.

In diesem Zusammenhang empfehle ich, um noch einmal auf Valéry zurückzukommen, die Lektüre des musikalischen zehnsilbigen Gedichts ›Le Cimetière marin‹ (1920), das meiner Meinung nach das beeindruckendste heidnische Manifest seit ›Les Amours‹ (1560) von Pierre de Ronsard ist.

Es muß auch wiederholt werden, daß das Heidentum grundlegend ästhetisch ist, ein zugleich apollinisches und dionysisches Prinzip. Die Kunst, die Poesie und die Architektur unserer Zeit, die ästhetische Strenge und Disziplin als unangebrachte Zwänge betrachten und oft einfach Häßlichkeit mit Rationalität rechtfertigen, sind nicht nur eine Revolte gegen die heidnische Seele, sondern ein Modell, das keinen Bestand haben und in eine Katastrophe münden wird.

Das Heidentum ist die Zukunft der Welt, ganz einfach weil es die Welt so betrachtet, wie sie ist und wie sie werden könnte, und nicht so, wie sie sein sollte. Um schließlich auf Ihre Frage zu antworten, würde ich sagen, daß man neue Götter erfinden muß. Das ist eine tief verwurzelte Tendenz des Homo europaeus, eine epische Geisteshaltung.

Neue Götter werden unsere Zukunft erblühen lassen.

Ich bin mir vollkommen bewußt, daß meine Antworten zahlreiche Widersprüche bergen. Aber ich strebe keine mechanische Kohärenz an. Ich nehme jene entomologischen Denker nicht besonders ernst, die bei anderen Widersprüche aufspüren. Jedes Schöpferische ist das Ergebnis von Widersprüchen, jeder Gedanke vibriert inmitten eines Schlangennests.

 

* Anmerkung der Redaktion: Salman Rushdie, Die satanischen Verse, 1988

Ein fiktionaler Roman, der sich sowohl an realen Begebenheiten als auch an autobiografischen Anspielungen und historischen, legendären oder imaginären Ereignissen im Zusammenhang mit dem Leben des Propheten Mohammed orientiert. Der Titel, der eine westliche Bezeichnung darstellt und daher in der muslimischen Welt ungewöhnlich ist, bezieht sich auf die Verse 19 bis 23 der 53. Sure (›Der Stern‹) des Koran, in der Satan Mohammed angeblich ketzerische Worte in den Mund gelegt haben soll, da diese eine Versöhnung mit den damals in Mekka vorherrschenden polytheistischen Kulten darstellten. Diese Episode, die in Kapitel II des Romans fiktiv geschildert wird, erregte den Zorn des Ayatollahs Khomeini, der das Werk als blasphemisch erachtete und eine Fatwa gegen den Autor verhängte, wodurch dieser gezwungen war, unterzutauchen.

Quelle: https://institut-iliade.com/les-titans-et-les-dieux-entretien-avec-guillaume-faye-sur-le-paganisme/
Beitragsbild: Die im Tartaros gefesselten Titanen, Ausschnitt. Illustration aus dem Buch Die Göttliche Komödie von Dante – Die Unterwelt, von Gustave Doré (1857).

Archäofuturismus und Kulturverfall