Pierre Krebs

Auszug aus dem Buch

 

 

Die Geschichte der Völker verläuft in Korrelation mit dem Werdegang ­ihres Geistes. Er verleiht den Epochen ihren Charakter, je nachdem, ob er seinen Mittag erlebt oder in seiner Mitternacht versinkt; ob er kühne Entscheidungen der Politik erleuchtet und über die neuen Wege des Lebens strahlt, oder ob er, in der Mitternacht seines Verfalls, eine Kultur erzeugt, die ­– der Geschichte überdrüssig – das eigene Schicksal nicht mehr bejaht oder gar ihren einstigen Willen zur Macht gegen die Herrschaft der kaufmännischen Oligarchien austauscht.

Düsteres oder lichtes Zeitalter, je nachdem, ob Saul predigt oder ­Galileo lehrt. Zwerghaftes oder gigantisches Zeitalter, eintägig und flüchtig oder herrschend für Jahrhunderte, je nach der Entscheidung seiner Eliten, sei es, daß sie sich den merkantilen Strategien ergeben in einer Tradition, die von Adam Smith bis Friedrich von Hayek reicht, sei es, daß diese Eliten sich für einen politischen Entwurf entscheiden, der in der Lage ist, ein neues historisches Schicksal zu begründen, den Glauben an die eigenen gestaltenden Kräfte wiederzubeleben, dem Dasein der Menschen wieder einen Sinn zu verleihen.

Nihilistische oder sinngebende Epoche, je nachdem, was die Menschen bewegt: das kleine ichbezogene Glück, narzistisch auf die eigene Mikrowelt fixiert, aus der Geschichte ausgestiegen, oder das vitale Schicksal eines Volkes, bei dem „Qualität, Gemütsleben, lebendige Tradition und Rasse“[1] als herrschende Kräfte die Gegenwart gestalten und die Zukunft sichern.

Je nachdem, ob ein Volk sich zur anonymen, nomadisierenden Gesellschaft bekennt, deren Auf und Nieder es wie ein Börsenmakler miterlebt, oder seinen Platz einnehmen will in der Geschlechterreihe ­einer Gemeinschaft, deren Krisen es mitträgt, weil es deren Werte verkörpert.

Erstarrte oder schöpferische Zeit, je nachdem, ob ein Volk sich auf das ›Management‹ einer Technostruktur verläßt oder eine Kultur herbeisehnt, deren Spannungen Herausforderungen sind, die es zur Findung neuer Lösungen, neuer Lebensstile, angemessener Alternativen anspornen, mit denen es seine Spur auf dem königlichen Weg der Geschichte hinterläßt.

Zeitalter der Barbarei mit undurchsichtigem, verschwommenem Antlitz, kosmopolitisch, die ethnisch-kulturellen Identitäten der Welt zersetzend, die „Unterschiede des Nationalen und der Völker als noch wesentliche Bestimmungsmomente“[2] verwischend – dieses Zeitalter der ,großen Auflösung‘, die in der indischen Tradition Mahapralaya heißt, ist das Vorspiel einer ›Weltordnung‹ und einer ›Weltregierung‹.

Es ist, genau gesagt, das amerikanische Zeitalter des europäischen Versagens, das nichts Eiligeres zu tun hat, als Völker und Kulturen in einer ›Weltmenge‹ kulturloser, gegensätzlicher und entwurzelter einzelner nach dem Muster der UNO versinken zu lassen.

Grauenhaftes, anonymes Antlitz einer erbärmlichen Zeit der weißen Menschheit, aus der ein haarsträubender Menschentyp hervorkriecht: verstümmelt, seiner menschlichen Natur beraubt, gleichsam ein Wurf zu jenem Menschen hin, den Jacques Attali, selber einer der eifrigsten Befürworter eines solchen Weltsystems, in einem Augenblick unbedachter Offenheit als ein ‚Objekt‘ beschreibt, „einen Nomaden, ohne festen Wohnsitz noch Familie, der bei sich und auf sich alles trägt, was seinen gesellschaftlichen Wert ausmachen soll“[3].

Oder aber ein Zeitalter, das die Vielfalt der Völker und Kulturen, die der Welt innewohnt, achtet, das die verwurzelten Völker und Kulturen schützt als Vorbote wirklicher Toleranz, des ehrlichen Willens zum Frieden und zur Harmonie.

Ein Zeitalter, das allerdings nur durch die gebündelten Anstrengungen eines Volksaufbruchs und einer autozentrierten, das heißt europäischen Wirtschaftsentwicklung gewährleistet werden kann [4], ganz gleich, ob dieser notwendige Vorgang griechisch-römische oder keltisch-germanische Schwerpunkte setzt.

Das Abendland hat aufgehört,
Europa zu sein.

 

In der Abenddämmerung des 20. Jahrhunderts, das ebenso zur Neige geht, wie es angefangen hat – im labilen Gleichgewicht auf dem Pulverfaß von Sarajewo, immer programmiert durch den verbrecherischen Wahnsinn eines Versailler Vertrags, der schließlich das ganze Jahrhundert heimgesucht hat –, scheint Europa politisch und kulturell in seiner eigenen Entartung versteinert zu sein, als hätte es den Abgrund des Nichts erreicht, als hätte es sich in die vernichtenden Räume der Mahapralaya verloren.

Denn die Mimesis der Dekadenz hat gleich einem bösartigen Tumor den ganzen politischen Körper ­befallen, der in seiner Lethargie auseinanderfällt – ein untrügliches Zeichen für die Selbstausrottung der Völker. Sie hat das Wesen einer Kunst ergriffen, die nichts anderes mehr auszudrücken vermag als Abartigkeiten des Morbiden oder Mißbildungen des Häßlichen.

In der Oberflächlichkeit und Depraviertheit des öffentlichen Diskurses verschonte diese Mimesis der Dekadenz nicht einmal die Idee, das Glück sei doch woanders zu suchen als im materiellen Überfluß. So nimmt sie letztendlich die Welt nur noch mit den kulturvernichtenden Theorien des ‚größeren Nutzens‘ wahr.

Angesichts eines solchen Schauspiels wird Hans Jürgen Syberberg zum Rebellen, indem er gegen ein Europa zu Felde zieht, reif zum Untergang und ausgelaugt „in seiner demokratischen Kulturvernutzung“[5].

Die Dekadenz ist an sich nichts Neues. Sie geistert im Erbe aller Kulturen herum. Doch ihr Vormarsch vollzieht sich unterirdisch, solange das Handeln der Menschen „vernünftig“ bleibt, sagt Plato.[6] Es ist daher verkehrt, zu glauben, alle Völker alterten.

Der Untergang ist eben keine unvermeidliche Erscheinung, wie Spengler irrtümlich dachte. „Solange eine Zivilisation ihren Normen treu bleibt, sollte man nicht von Untergang reden. Er fängt aber an, sobald diese Zivilisation ihre eigenen Normen verrät“, diagnostiziert Julien Freund.[7]

Das biologische Gesetz ist kategorisch: „Alle Kulturvölker“, schreibt ein großer Biologe dieses Jahrhunderts, „mit alleiniger Ausnahme des chinesischen, sind nach Aufstieg und Blüte verfallen und untergegangen. Den letzten Stoß gab häufig ein, wie der Historiker sagt, jugendfrisches Eroberervolk. Und dieser Jugendfrische stellt man dann den Untergang einer degenerierenden, ­alten oder überalterten Kultur als etwas Natur­notwendiges gegenüber. Aufblühen und Fruchttragen, meint man, müsse Welken und Tod zur Folge haben. Aber das ist falsch. Eine Rasse altert nicht, Erblinien altern nicht. Nur gemordet werden kann die Rasse“, was dann einsetzt, wenn ein Volk negativen Kultureinflüssen ausgesetzt ist oder wenn sein ­Bestand schwindet:

Hier macht sich der ungeheure Einfluß der Kultureinrichtungen auf den Erbbestand ihrer eigenen Träger lebensentscheidend geltend [8], betonen die Forscher mit Nachdruck seit einem halben Jahrhundert. Kulturen müssen nicht altern, sie können sich immer von neuem regenerieren, stellt Irenäus Eibl-­Eibesfeldt ergänzend fest.[9]

Der Krisenzustand ist tatsächlich der Normalzustand im Leben der Kulturen und Völker. Bereits in einer früheren Veröffentlichung wurde ausführlich dargelegt, daß die

Welt in der Krise steckt, seitdem sie Welt ist. Die Krise ist das elementare Gesetz des Lebens. Wenn die Krise als Herausforderung wahrgenommen wird, spornt sie die Tatkraft an, statt sie einzudämmen, aktiviert sie den Unternehmungsgeist, statt ihn zu neutralisieren.

Nun, eben darin liegt der Keim der heutigen ­Dekadenz, denn unsere Zeitgenossen erleben die Krise nicht länger als eine Herausforderung, sondern als ein Verhängnis, einen status quo, der unabwendbar auf dem Weltgeschehen laste.

Er hat nunmehr anscheinend die Dialektik umgepolt: Früher ordnete sich der Mensch in Bezug auf die Herausforderung ein, die ihm die Krise stellte. Mit anderen Worten: Der Mensch bestimmte sich selbst hinsichtlich der möglichen Veränderungen, die seine Einwirkung auf die Krise hervorrufen könnte. Er ­bestimmte sich selbst hinsichtlich der Überwindung der Krise, also in Bezug auf die Welt, die nach der Krise entstehen würde. Dagegen scheint sich der Mensch heutzutage in Bezug auf den Krisenzustand zu definieren; das heißt, er sucht nach angemessenen Mitteln, um sich in der Krise zurechtzufinden, statt sie zu beherrschen und zu überwinden. Gestern fand der Mensch in der Krise den Grund seiner Handlungen, seines Einsatzes, seines Willens zur Macht und Selbstbehauptung. Die Krise verpflichtete sozusagen das Schicksal des Menschen, sofern sie ihn zur Re-Aktion zwang und ihn Werte schaffen ließ, aus denen ein neues Schicksal erwachsen konnte. Demgegenüber findet der heutige Mensch anscheinend in der Krise den Grund für seine Passivität, seine Lossagung, seine Resignation. Hierin liegt der grundsätzliche Unterschied.[10

Mit dieser Geistesverfassung des Niedergangs paart sich aber auch eine andere:

Das Paradoxon der derzeitigen Dekadenz, stellt Julien Freund fest, besteht in einer verblüffenden Beherrschung der Technik und der physischen Natur, die mit einem merkwürdigen Rückschritt auf dem Gebiet der menschlichen Natur, also des Menschen als solchem, einhergeht. Die angebliche, totale Befreiung hatte lediglich zur Folge, daß der Mensch nun völlig dem Triebhaften ausgeliefert ist, das heißt der Gewalt, der Willkür und dem Fehlen jeglicher Selbstbeherrschung.[11]

In der Tat: In dem Augenblick, wo die wirtschaftsbezogene Ideologie die technische Macht zu reinen Wachstums- und Produk­tionszwecken entfremdete, die fortan als Selbstzwecke empfunden wurden, kehrte sich diese Macht gegen den Menschen.

Die Hypertrophie des Ausbeutungsdrangs zwang die Technik, über das Vertretbare hinauszugehen, und die übermäßige Ausbeutung der Natur mündete bald in einen wüsten Raubbau an unserem Planeten:

Die Birke überschreitet nie ihr Mögliches. Das Bienenvolk wohnt in seinem Möglichen. Erst der Wille, der sich allwendig in der Technik einrichtet, zerrt die Erde in die Abmündung und Vernutzung und Veränderung des Künstlichen.[12]

Doch erinnern wir uns an den großen Text der Ilias: Mit seiner Kenntnis ist das Schauspiel der heutigen Dekadenz keineswegs überraschend, denn er beschreibt gewissermaßen prophetisch eine triumphale Rückkehr der Moiren an die Erdoberfläche als Wiederkunft jener dunklen, unterirdischen Mächte, die seit eh und je an der Zerstörung der Welt arbeiten und von den Göttern des Olymps mehrmals in die Mitte der Welt zurückgedrängt wurden.

Ihre Rückkehr aus den finsteren Abgründen ist aber das Ergebnis einer geschichtlichen und ideologischen Entwicklung. Und da drängen sich grundlegende Fragen auf: Warum steigen die Moiren wieder empor? Warum diese Dekadenz? Wer befindet sich in der Dekadenz?

Es ist notwendig, zu wissen, daß sich der tragische Raum des Untergangs auf den geistigen und geographischen Raum der westlichen Zivilisation beschränkt, wo das dekadente Europa nichts weiter als ein Fragment ist.

Europa? Nein, ein bestimmtes Europa, dasjenige, das auf den Holzweg des judäochristlichen Gleichheitswahns, in welcher Schattierung auch immer, geriet: liberal oder sozialistisch, neo-marxistisch oder kapitalistisch, individualistisch oder kollektivistisch, bürokratisch oder technokratisch, Ostblock oder ›atlantische Wertegemeinschaft‹, je nach Ort oder Zeit.

Diese Unterscheidung ist grundlegend, denn sie setzt als Prämisse, daß das Europa der westlichen Zivilisation nicht identisch sei mit dem wahren Europa, einem Europa, das mit sich selbst im wahren Geiste spricht, das heidnische Europa, dessen Seele zwanzig Jahrhunderte judäochristlicher Verweltlichung überstanden hat.­ ­­­­­­­

Sigrid Hunke hat mehrmals auf diesen verkannten Aspekt der gesamten europäischen Geschichte hingewiesen:

Es hat in Europa von jeher ­eine eigene, nicht-dualistische Religion gegeben, die selbst in der anderthalbtausendjährigen Phase des christlichen Abendlandes nicht ausgetrocknet ist, sondern unter der niemals ganz verchristlichten Oberfläche wie ein Grundwasser weiterflutete, um hier und dort und immer von neuem durch einzelne starke und mutige, von ihrer Glaubenskraft erfüllte Persönlichkeiten im Protest gegen die fremde Religion spontan den harten Boden zu durchstoßen.[13]

Zahllos sind die Ketzer, die, durch zwanzig Jahrhunderte judäo­­­christlicher Finsternis hindurch, die ununterbrochene Tradition des echten europäischen Geistes hochhielten: Pelagius, Scotus Eriugena, Giordano Bruno, Meister Eckart, Nikolaus von Cues, Jakob Böhme, Goethe, Hölderlin, Beethoven, Nietzsche, Storm, Hebbel, Rilke, Teilhard de Chardin, Saint-Exupéry, Heidegger, um nur
eine Auswahl zu nennen.

Noch im 20. Jahrhundert gab es eine Wiederkunft des europäischen Europas als Andeutung eines anderen Europas, und zwar im revolutionären Bewußtsein verschiedener Bewegungen und Kreise, deren Genealogie sich im Durcheinander unserer politisch-kulturellen Zeitgeschichte verliert.

Heute sind die Studien- und Forschungsgruppen der Neuen Europäischen Kultur[14], gelenkt durch die metapolitische Strategie, Niederschlag des dynamischen Teils der euro­päisch-heidnischen geistigen Erneuerung.

Gustav Klimsch, Die Woge

Diese wesentliche Abgrenzung zwischen Europa und dem Westen ­befreit endlich die Triebkraft einer Geschichte, die gewisse Leute für endgültig festgelegt hielten, erstarrt in der Eingleisigkeit des ­­Judäo­Christentums und seiner modernen Abwandlungen: der Gleichheitsdemokratie (die einer organischen Demokratie, deren Befürworter wir sind, diametral entgegengesetzt ist)[15], des Individualismus (der mit dem Begriff der Person unvereinbar ist)[16], des Marxismus und seiner Derivate, des Liberalismus, der kaufmännischen Ideologien des homo œconomicus und ihrer Nebenprodukte.

Denn sobald der Lehrsatz, wonach die Symbiose Europa-Westen eine unumgängliche Verbindung sei, in Frage gestellt wird, gilt genau das Gegenteil als Regel: Der Westen wandert zum entgegengesetzten Pol einer endgültigen Verschiedenheit, in der radikalen Fremdartigkeit einer Zivilisation, die man von nun an auf der ­Basis gleichsam naturgesetzlicher Unvereinbarkeiten verstehen muß.

Diese reißen die Ketten des Westens für immer von der authentischen europäischen Kultur: ethnisch, geistig, seelisch. Die weltanschauliche Scheidung des erzwungenen Paares Europa-Westen stellt in der Tat das ­gesamte gegenwärtige Denken auf den Kopf.

Sobald die westliche Diskussion über Europa sich in einen europäischen Diskurs über den Westen verwandelt, wandelt sich auch die zeitgenössische Auffassung des Untergangs.

Die Analyse, die Europa als Teil des westlichen Untergangs versteht, erhält die entgegengesetzte Deutung: Die Auflösung des Westens wird zur unentbehrlichen Bedingung der europäischen Neugeburt.

Wir müssen eine geistige Trennung vollziehen zwischen der westlichen Wahrnehmung des Untergangs und der europäischen. Die ‚Westler‘ im allgemeinen und die verwestlichten Europäer im besonderen werden Vorzeichen des Todes in jedem Prozeß ­erblicken, der ihre Zivilisation zum Land der sterbenden Sonne macht.

Dagegen müssen die echten Europäer lernen, dort die Vorzeichen des Lebens zu erkennen, wo ihr Schicksal wiederersteht, wo ihre Geschichte von neuem beginnt. Von jetzt an müssen die Europäer begreifen, daß Europa gerade in der Todesstunde jener westlichen Attrappe der europäischen Kultur wieder zu sich finden kann.

Dann vernimmt es wieder die Stimmen seiner Götter, heilt sein lang entstelltes Wesen und befreit seine Seele im Anblick seiner Herkunft.

Das wird der Augenblick sein, wo ein neuer Herr des Geistes, ein neuer König, ein neuer Kaiser erscheint, um das Schwert unseres Schicksals zu erheben, das so lange im See des Vergessens versunken lag.

Fußnoten

[1] Julius Evola, Chevaucher le tigre, Vieux Colombier, Paris, 1964, S. 258.

[2] Martin Heidegger: ‹Überwindung der Metaphysik›, in: Vorträge und Aufsätze, Günther Neske, Pfullingen, 1954, S. 96.

[3] Jacques Attali, Lignes d’horizon, Fayard, Paris, 1990, S. 50.

[4] Die selbstzentrierte Wirtschaftsentwicklung ist das Modell eines ‚dritten Weges‘, das mit einer technokratischen Unterdrückung liberaler Art oder gar mit der kollektivistischen Unterdrückung marxistischen Zuschnitts absolut nichts gemein hat. Es handelt sich tatsächlich um eine der seltenen Alternativlösungen, die in der Lage wäre, aufgrund der Wiedergewinnung unabhängiger ethnisch-kultureller, geopolitischer und wirtschaftlicher Strukturen der Völker dem weltumspannenden Konzept der liberalen Marktwirtschaft (einer „Wirtschaft zur Verwüstung der Erde“, nach Gerd Bergfleth), nebst seinem Weltsystem der Handels- und Produktionsströme, wirksam entgegenzutreten. Dabei wird man auf den Text von Gerd ­Berg­­­fleth, ‹Perspektiven der Antiökonomie› (in: Staatsbriefe, 11, München, 1991, S. 11–15), zurückgreifen können.

[5] Hans Jürgen Syberberg, Vom Unglück und Glück der Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege, Matthes & Seitz, München, 1990, S. 90.

[6] Für die Vorsokratiker hängt die Dekadenz letztlich vom Handeln der Menschen ab. Anaxagoras sagt zum Beispiel: „Alles ordnete der Geist, wie es künftig sein sollte, wie es war (…) und wie es augenblicklich ist.“ Fragment 14, in: Die Vorsokratiker, herausgegeben von Wilhelm Nestle, Scientia-Verlag, Aalen, 1973 (Neudruck der 4. Auflage, Düsseldorf, 1956), S. 146.

[7] Julien Freund, La décadence – Histoire sociologique et philosophique d’une catégorie de l’expé­rience humaine, Sirey, Paris, 1984, S. 3.

[8] Eugen Fischer, Der völkische Staat biologisch gesehen, Junker & Dünnhaupt, Berlin, 1937, S.17. Die moderne Biologie hat diese Ansicht nicht revidiert. Irenäus Eibl-Eibesfeldt bemerkt: „Der übertriebene Individualismus ist, wie Meinhard Miegel und Stefanie Wahl schonungslos darstellen, im Begriff, die Kultur des Westens zu zerstören. Die Kinderfeindlichkeit führt zu einem Bevölkerungsrückgang, der den Charakter einer Bevölkerungsimplosion zeigt. Der treffende Begriff beschreibt die Tatsache, daß der Prozeß anders als die Bevölkerungsexplosion nicht notwendigerweise an eine natürliche Grenze stößt, es sei denn mit dem Aussterben einer Population. Miegel und Wahl weisen darauf hin, daß die ethnische und kulturelle Identität der Deutschen in hundert Jahren erlöschen könnte, wenn dem gegenwärtigen Trend nicht über eine Familienpolitik gegengesteuert wird.“ Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Wider die Mißtrauensgesellschaft – Streitschrift für eine bessere Zukunft, Piper, Zürich–München, 1994, S. 17f. Siehe auch: Meinhard Miegel & Stefanie Wahl, Das Ende des Individualismus. Die Kultur des Westens zerstört sich selbst, Bonn Aktuell, München, 1993. Josef Schmidt: ‹Multikultur. Zur Idee und Kritik eines Gedankenexperiments›, in: L. Höbelt, ­­A. Mölzer und B. Sob, Freiheit und Verantwortung – Jahrbuch für politische Erneuerung, Freiheitl. Bildungswerk, Wien, 1994, S. 233–243.

[9] Irenäus Eibl-Eibesfeldt, ebenda, S. 230.

[10] Pierre Krebs, Die europäische Wiedergeburt – Aufruf zur Selbstbesinnung, Grabert, Tübingen, 1982, S. 70f.

[11] Julien Freund, La décadence, a.a.O., (Anm. 7), S. 3.

[12] Martin Heidegger, ‹Überwindung der Metaphysik›, a.a.O., (Anm. 2), S. 98.

[13] Sigrid Hunke, Vom Untergang des Abendlandes zum Aufgang Europas – Bewußtseinswandel und Zukunftsperspektiven, Horizonte, Rosenheim, 1989, S. 296.

[14] Die verschiedenen Strömungen der Neuen Europäischen Kultur laufen quer durch ganz Europa. Die Europäischen Synergien zum Beispiel sind eine geistige und publizistische Plattform in Westeuropa, mit einer immer deutlicheren Aufmerksamkeit für den Osten unseres Kontinents. Ein vollständiges Anschriftenverzeichnis ist zu entnehmen aus: Pierre Krebs, Das Thule-Seminar: Geistesgegenwart der Zukunft in der Morgenröte des Ethnos, Thule-Bibliothek, Burkhart Weecke, Horn­–Kassel–Wien, 1994.

[15] Siehe z.B.: Alain de Benoist, Demokratie: Das Problem, Hohenrain, Tübingen, 1987.

[16] Wir verweisen hier auf die hervorragende Kritik von Julius Evola: ‹Persönlichkeit – Freiheit – Hierarchie›, in: Menschen inmitten von Ruinen, Hohenrain, Tübingen, 1991. Vgl. dazu Pierre Krebs: ‹Der organische Staat als Alternative in Evolas Vorstellung, Nietzsches Projekt und Saint-Exupéry’s Botschaft›, in: Pierre Krebs (Hrsg.), Das unvergängliche Erbe – Alternativen zum Prinzip der Gleichheit I, Grabert, Tübingen, 1981.

Beitragsbildquelle: Wikipedia – Die drei Moiren erschlagen mit Bronzekeulen während der Gigantomachie die beiden Giganten Agrios und Thoas, Pergamonaltar, Berlin