Linus Ammer

Auszug aus seinem Buch, Seite 36-41

Anthropologische Hinweise

Archäologie und Linguistik schlagen in dieselbe Kerbe. Eine Herangehensweise, die sie zusätzlich stützt, ist die Anthropologie, die aber zuerst das Geständnis einfordert, daß es so etwas wie menschliche Rassen gibt.

Obwohl man jüngst bei der Archäogenetik wieder zu diesem Thema zurückgefunden hat, ist es noch heute ein Bereich der Frühgeschichte, der normalerweise scheu mit Schweigen bedeckt wird und ein universitäres Tabuthema ist.

Alle Menschen der Vorzeit waren irgendwie braun und haarig, und mehr will man sich damit auch nicht befassen. Natürlich gibt es aber die Anthropologie bis heute, und sie betreibt ununterbrochen Wissenschaft, wenn auch seit 68 nur noch an wenigen Lehrstühlen und dann meist mit „Ethnien“ oder „Phänotypen“.

Unabhängig davon wie man sich um diesen Reizbegriff herumwinden will oder die Erblichkeit phänotypischer Merkmale anderweitig zu umschreiben versucht, ist klar, daß es objektive Körpermerkmale gibt, die erblich und damit unzufallig verteilt sind, sowie daß es Merkmalskombinationen gibt, die zwar fließend ineinander übergehen, insgesamt aber das biologische Rassenkriterium mindestens ebenso erfüllen wie bei Primaten oder Hunden [1].

Es liegt auf der Hand, daß diese Merkmalskomplexe sich im Laufe unserer Warmzeit zunehmend diffundiert haben und man daher in der Eiszeit noch deutlich homogenere Gruppen erwarten muß.[2]

Die Korrelation zwischen phänotypischer Ähnlichkeit und Sprachverwandtschaft bleibt dabei sogar bis heute bestehen.[3 4 5]

Den Gesetzmäßigkeiten der Endogamie zufolge, kann man für die Vorgeschichte eine noch stärkere Übereinstimmung zwischen körperlicher Morphologie einerseits und Sprache/Kultur andererseits annehmen.

Die Frage, welchem Phänotyp die Indogermanen angehört haben und welche gemeinsamen Körpermerkmale sie aufwiesen, ist also mehr als berechtigt. Man würde sie bei den Ureinwohnern der Südsee ebenso erforschen und ebenso homogene Typen vorfinden.

Glücklicherweise findet durch die Archäogenetik eine gewisse Rehabilitation der Erbmerkmale statt. Mit anderen Worten: Über Haarfarbe und Augenfarbe wird zumindest wieder gesprochen und publiziert.

Helligkeitskomplexion und Genetik

Ein Blick auf die geläufigen Verbreitungskarten blonder Haare, blauer Augen, Körperhöhe und Hauttypen genügt, um ein Epizentrum der Helligkeitsmerkmale im südlichen Ostseeraum mit Schwerpunkt Skandinavien auszumachen.

Diese Merkmale sind weiterhin in ebensolcher Dichte in Eurasien verstreut, wie es die Indogermanisierungswellen nahelegen. Selbst wer sich des Rassebegriffs verwehrt, kommt nicht umhin, eine positive Korrelation zwischen der Häufigkeit heller Merkmale und der Häufigkeit und Intensität sprachlicher Indogermanisierung zu bemerken.

Oder anders gesagt: Eine Ausbreitung des Indogermanischen aus Nordeuropa wäre absolut übereinstimmend mit den Verbreitungen bestimmter Körpermerkmale, während eine Steppenheimat hierfür kein Indiz, sondern (genetisch wie anthropologisch) reichlich Widersprüche liefern kann.[6 7 8 9]

Es liegt kein faßbares genotypisches Merkmal vor, das etwa von der pontisch-kaspischen Steppe aus ringförmig abgestrahlt hätte, wie es die Verbreitungskarten der Steppenthese nahelegen. Dagegen sind die hellen Merkmale in Nordeuropa so dicht und nahtlos abstrahlend, daß bereits der gesunde Menschenverstand hier Autochthonie unterstellt. Zu diesem Schluß kommt auch Sidrys anhand der annähernd homozygoten Blauäugigkeit.[10]

Untersucher der Steppenthese mußten sich mit dem Befund ebenso konfrontiert sehen, als sie den Versuch einer Lokalisierung des Indogermanischen unternahmen (von ihnen ›Jamnaja-Anteil‹ genannt). Die solchermaßen ermittelte indogermanische Gen-Komponente zirkuliert um den südlichen Ostseeraum und strahlt in Richtung Süden und Osten ab, wo sie zur Steppe hin schwächer wird.[11]116

Sie ähnelt geradezu auffällig der Verbreitung heller Pigmentation. Mehr noch, man hat eine bedeutende anthropologische (osteometrische) Ähnlichkeit zwischen den Mesolithikem Skandinaviens und der Ockergrabkultur festgestellt,[11 12] die eine West-Ost-Wanderung nahelegt und bei gegenteiliger Annahme als Paradox im Raum steht.

Obwohl genetische Befunde teils vorläufig sind und hohe Anfälligkeiten haben (Proxymarker usw.), weist alles darauf hin, daß wir uns beim genetischen Bild des Jamnaja-Kriegers an heutigen Schweden, Finnen und Norwegern orientieren müssen.[13]

Diejenigen Steppenbefürworter, die also die Ockergrableute berechtigterweise [14] für nordisch-hell halten, müßten erklären, warum es in ihrem angeblich pontischen Entstehungsraum nur dünne Reste dieses Phänotyps, im Ostseeraum aber bis heute eine überquellende Dominanz desselben gibt.[15]

Wer die Jamnaja dagegen für nicht-nordisch und dunkelhaarig hält, der müßte erklären, warum ausgerechnet das Gebiet der Schnurkeramik, welches als das Schwergewicht der Indogermanen schlechthin gilt, die mit Abstand geringsten Anteile dunkler Phänotypen auf der ganzen Welt hat, obwohl es ja massiv von dunklen Steppenleuten invadiert worden sein soll.

Er müßte außerdem erklären, warum in der Steppe die helle Pigmentierung im Laufe der Jahrtausende seit dem Neolithikum zunahm.[16]

Eine Korrelation zwischen hellen Merkmalen und indogermanischer Kultur wurde auch in verschiedenen Ecken Asiens gefunden.[17]

Überall dort, wo die Spuren indogermanischer Sprache und Tradition zu finden sind, tauchen auch Reste der nordischen Rasse auf: blaue, graue oder grüne Augen, rotblondes bis aschblondes Haar, europäisch anmutende Züge.

Bereits in der Antike werden indogermanische Völker Asiens als blond und/oder blauäugig bezeichnet: die Tocharer von den Chinesen, die Skythen u. a. von Herodot, die Armenier in ihren eigenen Legenden, die Iraner von Plinius.[18] Noch heute kennt man die Kurden nebst einigen ebenso isoliert lebenden persischen Bergstämmen als außergewöhnlich hellfarbig.

Die anthropologische Forschung ist sich im wesentlichen darüber einig, dass die Indogermanen vorwiegend nordischer Rasse gewesen sind, aber auch, daß eine Gleichsetzung von nordischer Rasse und Indogermanentum [nicht erfolgen darf],[19]

hauptsächlich darum, weil es hellfarbige Splitter auch in Nachbargruppen gebe.[20]

Dieselbe Beobachtung wird auch in jüngerer Zeit von einer Vielzahl an Forschem gemacht und kann als allgemeine Erkenntnis gelten: Es herrscht eine starke Deckungsgleichheit zwischen hellem, nordischem Typ und frühen indogermanischen Völkern.[21]

Kilians Beobachtung ist, daß sich der nordische Phänotyp – eng verwoben und parallel zur fälischen Spielart, mit der wir sie fortan gleichsetzen [22] – in Nord- bzw. Mitteleuropa während der Weichsel- Würm-Eiszeit herausbildete.[23] Als Isolat für diese Rassenbildung käme in erster Linie der Raum zwischen Mittelmeer, Atlantik, nordeuropäischem Gletscherschild und Ural infrage.[24]

Depigmentierung

Weil helle Pigmentierung allgemein ein Ergebnis von nördlicher, äquatorferner Lebensweise ist,[25 26] liegt ein Entstehen dieser Helligkeitsmerkmale in Nordeuropa oder Nordasien natürlicherweise nahe. Sie ist eine adaptive Umweltanpassung, die durch vorteilhafte genetische Mutationen entstand, welche denen des Albinismus nahestehen.[27]

Sie erleichtert UV-B-Aufnahme durch die Haut und verhindert so einen Vitamin-D-Mangel, der bei wenig Sonneneinstrahlung zu tödlicher Schwächung des Immunsystems führt, insbesondere in kalten, lebensfeindlichen Umgebungen mit seltenem Sonnenzenit.[28 29] Dichte Bewaldung verstärkt die Dunkelheit und damit den Vitamin-D-Bedarf zusätzlich.

Es handelte sich hier um eine außergewöhnliche Rassenformung, die – wie wir heute wissen – weltweit einzigartige Pigmentmerkmale hervorbrachte und neben der höchsten (genotypischen) Körperhöhe und dem hellsten (rosigen) Hauttyp bekanntlich auch die (weltweit seltene) Laktosetoleranz in besonderem Maß aufweist.[30]

Eine solche Typenbildung war wohl durch einen hohen Selektionsdruck bedingt, der nicht nur die Helligkeitsmerkmale wie nirgends sonst hervorhob, sondern möglicherweise auch gleichzeitig besondere Charaktereigenschaften formte. An dieser Stelle genügt es, festzuhalten, daß

in Nordeuropa bis heute einer der distinktesten phänotypischen Merkmalskomplexe der Welt vorherrscht.

diese nordischen Merkmale ihren Schwerpunkt in einem Gebiet haben, das mit der prähistorischen Verbreitung der Schnurkeramik zusammenfällt.

diese Merkmale auch in ihrer Peripherie quasi deckungsgleich zur Verbreitung indogermanischer Kulturspuren sind.

ein solchermaßen distinkter Merkmalskomplex ein Isolat erforderte, in dem sich neben genetischer Homogenität auch ein menschlicher Sprachzweig abgegrenzt haben könnte,

die Außergewöhnlichkeit des historischen indogermanischen Werdegangs und die Außergewöhnlichkeit der nordischen Körpermerkmale gut zusammenpassen.

keine andere, auch keine simplere Merkmalskombination bekannt ist, welche die indogermanische Expansion sonst begleitet haben könnte oder ihre Herkunft besser erklärte.

Fußnoten

[1] Sarchin/Miele, ›Race. The reality of human differences‹ (2004). S. 449-471; Freedman, ›Ethnic differences in Babies‹. In Dundes, ›The manner born. Birth rites in cross-cultural perspective‹ (2003). S. 221-229

[2] Vonderach, ›Anthropologie Europas, Völker, Typen und Gene vom Neandertaler bis zur Gegenwart‹ (2015). S. 64f

[3] Kayser/Anslinger, ›Significant genetic differentation between Poland and Germany follows present-day political borders, as revealed by Y-chromosome analysis‹. In Human Genetics, Januar (2005)

[4] Siehe z.B. Vonderach, ›Anthropologie Europas. Völker, Typen und Gene vom Neandertaler bis zur Gegenwart‹ (2015). S. 31f, 119, 211

[5] Kollmann, ›Die statistischen Erhebungen über die Farbe der Augen, der Haare und der Haut in den Schulen der Schweiz‹. In: Denkschriften der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft 28 (1883)

[6] Kilian, ›Zum Ursprung der Indogermanen‹ (1983). S. 146

[7] Haarmann, ›Contact Linguistics, Archaeology and Ethnogenetics. An Interdisciplinary Approach to the Indo-European Homeland Problem‹. In: Journal of Indo-European Studies, Autumn-Winter 1994. S. 283

[8] Schwidetzky, ›The Influence of the Steppe People Based on the Physical Anthropological Data‹. In: Journal of Indo-European Studies, Ausgabe 8, 1980. S. 345-360

[9] Menk, ›A synopsis of the physical anthropology of the Corded Ware Complex of the Background of the Expansion of the Kurgan Cultures‹. In: Journal of Indo-European Studies, Ausgabe 8, 1980. S. 361-392

[10] Sidrys, ›The Light eye and Hair Cline. Implications for Indo-European Migrations to Northern Europe‹. In Jones-Bley/Huld, ›The Indo-Europeanization of Northern Europe‹ (1996). S. 330-349

[11] Klejn, ›Do the Indo-European Languages of Europe stem from Steppe People of the Yamnaya Culture?‹ In: European Journal of Archeology (2017). S. 10

[12] Mallory, ›Encyclopedia of Indo-European Culture (1997). S. 166f

[13] Jamnaja-Genetik ist etwa anhand Polygenetischer Scores den heutigen Skandinaviern am ähnlichsten. Vgl. Seguin-Orlando, ›Genomic strukture in Europeans dating back at least 36.200 years‹. In: Science 346 (2012). Hinzu kommt, daß die heutigen Skandinavier ebenjene Rekordwerte für Körpergröße und Autismus aufweisen, die man in der ancientDNA bei Jamnaja-Gräbern findet. Vgl. Piffer, ›Why Were the Yamnaya so Successful? An Evolutionary Polygenic Approach‹. In: Mankind Quarterly 65 (2025)

[14] Keyser/Bouakaze/Crubezy, ›Ancient DNA provides new insights into the history of south Siberian Kurgan people‹. In Human Genetics 126 (2009). S. 395-410. Demnach hatten etwa zwei Drittel helle Haare und ebensolches galt für blaue Augen.

[15] Was sich durch die angeführte Untersuchung Klejns/Balanovskys sogar auch genetisch zeigt.

[16] Wilde, ›Direct evidence for positive selection of skin, hair, and eye pigmentation in Europeans during the last 5,000 y‹. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 111, March (2014)

[17] Siehe z.B.: ›Bulletin de la Societe d’Anhtropologie de Paris‹, Reihe 3, Band 2 (1879). S. 225; Maury, ›La Terre et l’Homme‹ (1857). S. 401; Fraser, ›Account of a Journey to the Sources of the Jumna and Bhagirati Rivers‹. In: Asiatic Researches, Band 8 (1820). S. 193f; Robertson, ›The Kafirs of the Hindu-Kush‹ (1896). S. 170; Schindler, ›Die Haarfarbe der Stämme in Persien und am Kaspischen Meere‹. In: Zeitschrift für Ethnologie, Band 11 (1879). S. 306f; Dictionnaire des Sciences Anthropologiques (1884). S. 135; Waring, ›Reise nach Scheeraz auf dem Wege von Kazroon und Feerozabad‹ (1808). S. 107; Schindler, ›Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte‹ (1879). S. 306; Schweiger-Lerchenfeld, ›Ingenieur Josef Cemiks Studienexpedition durch die Gebiete des Euphrates und Tigris‹. In: Petermanns Mitteilungen, Ergänzungsheft Nr. 45 (1876). S. 11; Dutt, ›Origin and growth of Caste in India‹ (1931); Chantre, ›Recherches anthropologiques dans le Caucase‹ (1885); Chantre, ›Recherches anthropologiques dans l’Asie occidentale‹. In: Archives du Museum d’hisoire naturelle, Band 4 (1895). S. 171; Ui- valvy, ›Les Aryens au Sud et au Nord de l’Hindou-Kouch‹ (1896). S. 149; Sieglin, ›Die blonden Haare der indogermanischen Völker des Altertums. Eine Sammlung der antiken Zeugnisse als Beitrag zur Indogermanenfrage‹ (1905/1935). Diese Beobachtungen, weitestgehend aus der Kolonialzeit, stimmen mit rezenten Bildern von Paschtuns/ Afghanen, Iranern, Armeniern, Kurden und Tadschiken überein.

[18] Day, ›Indo-European Origins. The Anthropological Evidence‹ (2001). S. 56f, 73f

[19] Kilian, ›Zum Ursprung der Indogermanen‹ (1983). S. 152

[20] So möglicherweise durch bereits altsteinzeitliche Abwanderung der Swiderien- und Lyngby-Kultur nach Nordosteuropa (Finnland, Baltikum, Karelien), wo noch heute außerhalb indogermanischer Sprachfamilie hohe Helligkeitsanteile bestehen. Vgl. dazu auch. Zalizniak, ›Mesolithic origins of the first Indo-European Cultures in Europe according to the archeological Data‹. In: Ukrainian Archaeology (2016).

[21] Forscher, die dies feststellten und als bedeutungsvoll kennzeichneten, sind beispielsweise: Ernst Meyer, Leonid Zalizniak, Andreas Vonderach, Lothar Kilian, John Day, Wilhelm Sieglin, Julius Pokomy.

[22] Diese Gleichsetzung ist deshalb wichtig, weil das Kriterium der Dolichokranie (Langschädel) immer wieder für nordische Attribution von vorzeitlichen Skelettfunden angewendet wurde und wird, obwohl es dafür nicht ausreicht, wie auch Vonderach (s.u.) anmerkt. Die mediterranen Schädel sind teilweise von den nordischen nicht zu unterscheiden, was dieses Kriterium beinahe unbrauchbar macht. Das liegt wohl daran, daß es bereits zu paläolithischen Zeiten (Brünn- und Cromagnonform) ein Spektrum der Breitschädeligkeit gab, das sich nicht mit der Pigmentierung deckt und rassenkundlich sehr überschätzt wurde. Das hat auch zu unpassenden Abgrenzungen des nordischen Rassebegriffs geführt. Wir schließen uns hier der folgenden, möglichst eindeutigen an: Blonde Haare, blaue Augen, hoher Wuchs, hoher Gesichtswinkel und ausgeprägtes Kinn und Nasenbein, wobei die ersten drei Kriterien die markantesten sind. Damit sind die als ›Fälische/ Dalide‹ und ›(Teuto-)Nordische‹ bezeichneten Phänotypen viel sinnvoller als ein und dieselbe Merkmalsgruppe gefaßt, als dies die veraltete Einteilung anhand der Schädeltypen forderte. Freilich ist dadurch der Nachweis nordischer Bevölkerung in der Vorgeschichte viel schwerer und beinahe unmöglich geworden. Aber wir enthalten uns damit potenzieller Falschzuordnungen und treffen den realen Zustand: Nämlich, daß die Schädelformen (Brünn/Cro-Magnon bzw. Schmal-/ Breitschädel) der späteiszeitlichen Rassenbildung zuvorgehen und damit (ähnlich wie die Blutgruppe) ein darunterliegendes Merkmal sind, das nicht bis schwach mit der Pigmentierung korreliert. Darüber herrscht in der Anthropologie der letzten Jahrzehnte Einhelligkeit (vgl. Vonderach, ›Anthropologie Europas‹ (2015). S. 66, Kilian, ›Zum Ursprung der Indogermanen‹ (1983). S. 121-153). Osteometrie hat daher nur bei kleinräumigen Vergleichen einen Wert (vgl. Menk, ›A synopsis of the physical anthropology of the Corded Ware Complex‹ (1980) und Vonderach, ›Anthropologie Europas‹ (2015). S. 24), sie kann vernünftigerweise nicht als Kriterium der Nordischen oder gar des Indogermanischen gelten.

[23] Kilian, ›Zum Ursprung der Indogermanen‹ (1983). S. 140ff

[24] Kilian, ›Zum Ursprung der Indogermanen‹ (1983). S. 152

[25] Brues, ›Rethinking Human Pigmentation‹. In: American Journal of Physical Anthropology (1975). S. 387-392

[26] Vgl. die sog. Glogersche Regel.

[27] Okulokutaner Albinismus Typ 4 bei Asiaten, Typ 2 bei Europäern. Siehe z.B.: Duffy u.a. › A Three-Single-Nucleotide Polymorphism Haplotype in Intron 1 of OCA2 Explains Most Human Eye-Color Variation‹. In: The American Journal of Human Genetics. Band 80, Nr. 2 (2007)

[28] Loomis, ›Skin-Pigmented Regulation of Vitamin-B Biosynthese‹. In: Science (1967). S. 501-506

[29] Soejima u.a.›Evidence for recent positive selection at the human AIM1 locus in a European population‹. In: Molecular Biology and Evolution, Band 23, Nr. 1 (2006). S. 179-188

[30] Sie soll sich im Mesolithikum entwickelt, aber erst in Jungsteinzeit bis Bronzezeit durchgesetzt haben (vgl. Vonderach, ›Anthropologie Europas‹ (2015). S. 77ff). Neueren Forschungen (z.B. Kaiser, ›Ural farmers got milk gene first?‹ In: Science 306 (2004). S. 1284f, sowie Day, ›Indo-European Origins. The Anthropological Evidence‹ (2001). S. 289f) zufolge soll sie durch Indogermanen verbreitet worden sein und einen Teil der nordischen Vitamin-D-Anpassung darstellen. Die auffällige Korrelation mit nordischen Bevölkerungen und das fehlende Vorkommen bei rezenten innerasiatischen oder nordpontisehen Bevölkerungen, sprechen nochmals gegen eine Rückführung auf Steppennomaden. Die genaue Herkunft der Mutation ist ungeklärt und zu flächendeckenden Verbreitung in Nordeuropa gelangte sie erst in seßhafter Zeit, also wohl lange nach der Depigmentierung und dem Aufbrechen eiszeitlicher Isolate. Die recht hohe Übereinstimmung heller Komplexion mit Laktosetoleranz gebietet aber die Erwähnung als grobes Typenkriterium der Nordischen.

Beitragsbild: Gemälde von Wilhelm Petersen

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