Tomislav Sunic

 

Kroatien, das als Europas sicherster Touristenort gepriesen wird, ist nicht nur für viele weiße Nationalisten das Traumziel für einen Umzug, sondern ist auch ein Zufluchtsort für hunderttausende von „Weißen aus den sozialen Unterschichten“, die auf der Suche nach einem ungezügelten Urlaubsspaß sind – ein bewährter Ort für saisonalen Drogenkonsum und lauten Rock ’n’ Roll. Kürzlich diente es zudem als bevorzugter Anlaufhafen für das LGBTQ+-Kreuzfahrtschiff The Scarlet Lady, das in Dubrovnik anlegte, nachdem ihm die Einfahrt in die Türkei und nach Ägypten verweigert worden war.

Bekannt für seine zahlreichen sonnenverwöhnten FKK-Strände und eine lockere katholische Bevölkerung, der der Lebensstil anderer völlig egal ist, rühmt sich Kroatien damit, eine seltene europäische weiße Enklave zu sein. Es gelingt dem Land, hunderttausende ältere Touristen aus den beengten, von Migranten geplagten Küstenstädten Großbritanniens, Frankreichs und Spaniens anzulocken.

Doch es erinnert auch an die dystopische Welt der ewigen Jugend aus dem Film Logan’s Run, die in krassem Kontrast zu dem Anblick altersschwacher britischer Urlauber steht, die in der Hitze schmoren – jener Art von Menschen, die an der spanischen Costa Brava den Lebensabend verbringen. Trotz seiner natürlichen Pracht und eines Rechtsklimas, das alle Arten von politischem und historischem Revisionismus zuläßt, erinnert Kroatien an eine dunklere kapitalistische Kehrseite, die an den Hit Summer in the City von ›The Lovin’ Spoonful‹ aus den 1960er Jahren erinnert: „Überall Leute, die halb tot aussehen / Die auf dem Bürgersteig gehen, heißer als ein Streichholzkopf.“

Doch die Schönheit der Natur und der Spielraum für freie Meinungsäußerung haben ihren Preis. Nach Angaben des Innenministeriums liegt die Zahl der legalen nicht-europäischen Migranten in Kroatien derzeit bei 70.000 bis 85.000, überwiegend Arbeiter im Baugewerbe und im Dienstleistungssektor, die hauptsächlich aus Nepal, den Philippinen, Indien, Ägypten, Usbekistan und Bangladesch stammen.

In einem Land mit weniger als 4 Millionen Einwohnern bedeutet dies einen atemberaubenden Anstieg seit dem Beitritt zum Schengen-Raum mit offenen Grenzen. Die meisten dieser ausländischen, nicht-weißen Arbeiter halten sich bedeckt und scheinen sich – anders als die rowdyhaften, testosterongesteuerten nordafrikanischen Jugendlichen in Frankreich oder Großbritannien – vorerst keine großen Sorgen um die rassistischen Witze zu machen, die einheimische Kroaten über sie machen. …

Balkan-Prahlerei

Die Jagd nach dem schnellen Geld, hat sich in ganz Osteuropa zu einer regelrechten Manie ausgeweitet, und Kroatien ist diesem Trend bereitwillig gefolgt. Es ist jedoch falsch, dies allein den Migranten anzulasten, da viele junge Kroaten sich schlichtweg weigern, Niedriglohnjobs anzunehmen.

Seit dem Zerfall des kommunistischen Jugoslawiens im Jahr 1991 – das von den kroatischen Mainstream-Medien nach wie vor als Sündenbock für alle Übel der Nation herhalten muß – befindet sich das frischgebackene kapitalistische Kroatien in einem ganz anderen Schlamassel. Wie läßt sich die Verbreitung von Kleinkorruptionspraktiken und Vetternwirtschaft, die jeden Winkel der Gesellschaft durchdringt, mit dem lauten Lobgesang auf den Ruhm eines freien Kroatiens vereinbaren?

Die täglichen Nachrichten über Veruntreuungsskandale werfen eine unangenehme Frage auf: Was genau war der Sinn der militärischen Operation Sturm im August 1995, die den modernen kroatischen Staat in die Schlagzeilen der Weltöffentlichkeit katapultierte? Während des sogenannten Heimatkriegs von 1991–1995 wurde jede unbequeme Tatsache mit dem patriotischen Refrain beiseitegewischt, daß die wahren Probleme die sprichwörtlichen serbischen Nachbarn und das Erbe des Kommunismus seien.

Heute jedoch zeigt der kapitalistische „freie Markt“ ein weitaus tödlicheres Gesicht. Die Logik des importierten Kapitalismus schreibt vor, daß der einzige Weg, voranzukommen, darin besteht, seine Nachbarn zu überlisten und auszubeuten – und obendrein Immobilien zu exorbitanten Preisen an Touristen zu vermieten.

Man hört oft, wie Kroaten hohle Phrasen über das nationale Erbe und das heilige historische Gedächtnis von sich geben, doch selbst die Lautstärksten unter ihnen sind nur allzu begierig darauf, Kasse zu machen und ihr Stück der dalmatinischen Küste zu verkaufen.

Betritt man ein beliebiges Restaurant oder Café in den Küstenstädten Zadar, Šibenik oder Dubrovnik, wird man wahrscheinlich eine kroatische Flagge oder ein Porträt nationalistischer Helden an den Wänden entdecken, eingerahmt von einem nicht zu übersehenden Kruzifix über der Theke. Der kroatische Besitzer hat jedoch erkannt, daß es weitaus lohnender ist, mit unterbezahlten philippinischen oder nepalesischen Frauen Geld in die eigene Tasche zu stecken, als einem einheimischen kroatischen Nationalisten einen fairen Lohn zu zahlen.

Hinter der Theke warten zierliche Philippininnen, um Cocktails und Espressos zu servieren, wobei ihre Köpfe kaum bis zur Thekenkante reichen. Zudem bedienen tausende von dienstbaren serbischen Servicekräften die Gäste und tun so, als hätten sie die jüngste Vergangenheit oder den schwelenden Groll zwischen ihnen und ihren kroatischen Gastgebern vergessen.

Doch Geld regiert die Welt – zumal die Löhne im Nicht-Schengen-Land Serbien niedriger sind als in Kroatien. Das harte Spiel von Angebot und Nachfrage läßt beide Seiten vorübergehend ihre liebgewonnenen Opferrollen vergessen. Serbische Servicemitarbeiter halten den Mund und geben sich alle Mühe, besonders höflich zu sein, da sie wissen, daß ihr anderer Akzent zu einer gefährlichen Schlägerei führen könnte. Vorbei ist die balkanische Prahlerei, die einst ihr Verhalten im ehemaligen Jugoslawien prägte…

Das Dogma des freien Marktes dient der Lüge, daß jeder die gleichen Startbedingungen habe – was den durchschnittlichen Kroaten Ivan natürlich dazu ermutigt, ebenfalls zu versuchen, leichtes Geld zu verdienen. Denn wenn Ivan „Six-Pack“ von nebenan schon intrigiert, warum sollte Nikola dann nicht dasselbe tun? Wenn es dem Nachbarn Nikola gelungen ist, sich über Nacht kostenlos eine Villa zu bauen oder einen schicken BMW zu ergattern, warum sollte Ivan es dann nicht auch versuchen?

Die Gier nach Profit zerreißt Kroatien weitaus erfolgreicher, als es das kommunistische Jugoslawien der Vergangenheit jemals tat. Parolen vom Gemeinwohl und von Solidarität sind für naive Kroaten zu lächerlichen Märchen geworden. Und wenn die Hälfte des Landes in undurchsichtige Finanzgeschäfte verwickelt ist, und wenn diese Art von zwielichtigen Machenschaften zur nationalen Folklore geworden ist, warum sollten Ivan oder Nikola dann nicht mitmachen?

Der kapitalistische Betrug

Es ist höchste Zeit, den seit langem bestehenden Mythos aufzugeben, daß die liberale Demokratie der Goldstandard der Regierungsführung sei. Liberale Überwachungsmethoden sind weitaus effektiver als die alten kommunistischen. In Frankreich und Deutschland arbeitet die herrschende Klasse rund um die Uhr daran, souveränistische Parteien – wie den französischen ›Rassemblement National‹ (RN) und die deutsche ›AfD‹ – davon abzuhalten, auch nur in die Nähe der Macht zu kommen.

Die liberale Demokratie, also der Kapitalismus, verzichtet lieber auf die rohe Gewalt des Kommunismus; stattdessen neutralisiert sie Gegner einfach mit mundtotmachenden Etiketten wie „Faschisten“, „Rechtsextreme“, „Ustaša“ oder „Neonazis“. Die kommunistische Zensur alter Prägung wurde durch eine geschmeidigere, weitaus effektivere Form totaler liberaler Kontrolle ersetzt, kombiniert mit schleichender Selbstzensur.

Im Schatten des viel gepriesenen Parteienpluralismus sind Wahlen in Kroatien nur ein weiterer aus dem Westen importierter Witz, der einem EU-Drehbuch nachempfunden ist, in dem jeder Politiker dafür bezahlt wird, sich dumm zu stellen. Das Abwechseln der Parteien an der Macht ist lediglich eine Neuauflage des altmodischen parlamentarischen Betrugs.

Der Unterschied zwischen der größten Oppositionspartei in Kroatien – der sogenannten linken SDP – und der regierenden, sogenannten rechten HDZ beschränkt sich lediglich auf die Farbe ihrer Krawatten und die Marke ihrer Schuhe. Natürlich inszenieren die EU und ihre kroatischen Prokonsuln gerne gelegentlich die Verfolgung von Kleinkriminellen – wie etwa kürzlich angeklagte Persönlichkeiten im kroatischen Olympischen Komitee –, damit die Illusion der Rechtsstaatlichkeit aufrechterhalten werden kann.

Unterdessen wird die echte, legalisierte, groß angelegte Veruntreuung staatlicher Gelder geschickt in patriotische Parolen, „strategische Investitionen“ und eine vorgetäuschte Sorge um das Volk verpackt. Kroatien wurde bereits weitgehend an Ausländer verkauft – von den Banken bis zum Energiesektor.

Der Kapitalismus bringt, genau wie der Kommunismus, das Schlimmste im Menschen zum Vorschein. Vor mehr als einem Jahrhundert haben zahlreiche Autoren die zerstörerische Natur des liberalen Systems gründlich analysiert. Unterwürfigkeit gegenüber der EU, Vetternwirtschaft und allgemeiner Diebstahl, vermischt mit einer Besessenheit von Gleichheit, sind keine kroatische Besonderheit; sie herrschen im gesamten liberalen Westen vor.

Bevor man Persönlichkeiten wie den New Yorker Bürgermeister Mamdani, den Senatskandidaten aus Michigan El-Sayed oder die beliebte kommunistische Bürgermeisterin Elke Kahr aus Graz (Österreich) scharf kritisiert, muß man sich einer quälenden Frage stellen: Warum erleben kommunistische Ideen in all ihren verschiedenen Ausprägungen ein solches Comeback? Was hat die Rechte eigentlich unternommen, um diese erfolgreiche egalitäre Pathologie des umbenannten homo sovieticus zu bekämpfen?

Nach der Katastrophe von 1945 hat sich die Angst, von der Regierung an der Nase herumgeführt zu werden, nicht nur bei den meisten Kroaten, sondern auch in den zunehmend balkanisierten USA und Europa tief verwurzelt. Eine opportunistische Mentalität – nämlich päpstlicher als der Papst zu sein – hat die kroatische Geschichte traditionell überschattet, angefangen bei den kroatischen königlichen Kavalleristen und ihren Mordorgien in der protestantischen Stadt Magdeburg im Jahr 1631 während des Dreißigjährigen Krieges über die Katastrophe der kroatischen Wehrmacht-Freiwilligenverbände bei Stalingrad im Jahr 1943 bis hin zu den heutigen gehorsamen kroatischen EU-Ja-Sagern.

Jeder ehrenhafte und ehrliche Kroate, der sich weigert, an diesem liberal-kapitalistischen „Game of Thrones“ teilzunehmen, wird öffentlich als Mensch mit niedrigem IQ ausgelacht. Wie ein altes kroatisches Sprichwort sagt: „Ki je benast, taj je naš“ („Unser Dummkopf gehört zu uns“).

Kein Wunder, daß die lautesten Stimmen gegen die Korruption im heutigen Kroatien vor allem unter den Nachkommen jener zu hören sind, die ihre Karrieren im kommunistischen Jugoslawien durch Plünderung, Massenmorde und die Vertreibung von „Klassenfeinden“ aufgebaut haben.

Deshalb bleibt der Aufruf, den systemischen Diebstahl in Kroatien – ebenso wie in der gesamten EU und den USA – zu bekämpfen, reine Fantasie. Welcher EU- oder US-Politiker wäre verrückt genug, den Ast abzusägen, auf dem das gesamte kapitalistische System – einschließlich seines monatlichen Gehalts – sitzt? Den Kommunismus zu bekämpfen, ohne seine liberalen Wurzeln auszureißen, ist zum Scheitern verurteilt.

Früher war das beliebte Schild an der kroatischen Küste ein handbeschriftetes Plakat mit der Aufschrift „Zimmer zu vermieten“. Heute, an den Grenzübergängen, ist die Zeit für das echte Schild gekommen: „Kroatien zu vermieten“.

Quelle: https://www.theoccidentalobserver.net/2026/08/09/croatia-for-rent/

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