Davide Malacaria

 

Am Montag erklärte der Kommandant einer Militäreinheit während einer Besprechung den Unteroffizieren, daß der Krieg im Iran Teil von Gottes Plan sei und daß Präsident Donald Trump

von Jesus gesalbt worden sei, um ein Feuersignal im Iran zu entzünden und das Armageddon auszulösen, das seine Rückkehr auf die Erde bewirken werde, wie ein Unteroffizier berichtete.

Seit Samstagmorgen hat die ›Military Religious Freedom Foundation‹ in den Vereinigten Staaten 200 Anrufe von mehr als 50 Militärstützpunkten aller Dienststellen erhalten, in denen ähnliche beunruhigende Äußerungen von „fanatischen christlichen Kommandanten“ gemeldet wurden.

Die Intervention im Iran würde also mit dem ›Armageddon‹ zusammenfallen, der apokalyptischen Endschlacht, deren Ergebnis die Wiederkehr Christi sein wird. Das ist kein Scherz und läßt sich auch nicht allein damit erklären, daß der Chef des Pentagons, Pete Hegseth, ein religiöser Fanatiker ist und die hohen Ränge der Armee mit Evangelikalen besetzt hat.

Die apokalyptisch-messianische Theologie der Evangelikalen hat nämlich weit zurückreichende Wurzeln. „Im 19. Jahrhundert stellte der Theologe John Nelson Darby die Hypothese auf, daß Gott in verschiedenen Epochen oder „Dispensationen” mit der Menschheit in Beziehung steht. Diese dispensationalistische Theologie verbreitete sich schnell in den Vereinigten Staaten und erreichte mit der Verbreitung der Scofield-Referenzbibel von 1909 die christliche Mainstream-Masse.

Darby behauptete, dass Hesekiel 38 einen zukünftigen Krieg beschreibe, in dem sich die Nationen gegen Israel stellen und Gott sein Urteil über sie fällen werde. Scofield griff diese Behauptung auf und begann, sie auf die moderne Geopolitik anzuwenden, wobei er Rußland als Feind Israels identifizierte.

Mit der Zeit jedoch entdeckte diese Theologie den Iran.

1979 identifizierte Hal Lindsey in The Late Great Planet Earth jede der alten Nationen aus Ezechiel 38 mit einer modernen Nation, und der Iran wurde wichtig, weil Rußland durch ihn eine ‚Invasion des Landes Israel‘ anstreben werde.

Der Dispensationalist Tim LaHaye, Autor von ›Left Behind‹, einer Saga, die die dispensationalistische Eschatologie romantisierte, ging noch weiter und vermutete 1999, daß der Iran nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Atomwaffen von Ländern des ehemaligen Sowjetblocks erhalten habe.

Dieser langsame Übergang des Iran vom Rand der Prophezeiung zum zentralen Protagonisten gipfelte in dem Werk von Mark Hitchcock, wonach der Iran in mehreren Büchern, darunter Iran: The Coming Crisis‹, ›The Apocalypse of Ahmadinejad‹, ›Iran and Israel‹ und Showdown with Iran‹, eine zentrale Rolle in der apokalyptischen Prophezeiung vom Ende der Zeit spielt.

Iran and Israel beginnt mit einem langen Auszug aus dem 2012 erschienenen Buch von Yaakov Katz und Yoaz Hendel, Israel vs. Iran: The Shadow War, in dem man sich. vorstellt, daß Israel einen Präventivschlag gegen den Iran startet, um ihn daran zu hindern, Atomwaffen zu erwerben. Dieser Angriff und die iranische Reaktion würden einen regionalen Krieg auslösen, der zum ›Dritten Weltkrieg‹ führen könnte.

Dann stellt Hitchcock

eine entscheidende Frage: ‚Ist es möglich, daß diese Ereignisse Teil eines größeren Dramas sind, das vor langer Zeit geschrieben wurde?‘

Laut Hitchcock wird ein solcher Angriff

zum sogenannten Krieg von Gog und Magog führen, der in Hesekiel 38 beschrieben wird. An diesem Krieg wird eine Koalition von Feinden Israels beteiligt sein, die Israel angreifen, um es zu zerstören, aber auf wundersame Weise von Gott vernichtet werden.

So schreibt er in ›Showdown with Iran‹:

Die gegenwärtige Konfrontation mit dem Iran ist eine erstaunliche Vorwegnahme dieses bevorstehenden Krieges.

Was wir heute sehen, ist die perfekte Vorbereitung darauf. Länder und Umstände bewegen sich mit immer größerer Geschwindigkeit auf die vorhergesagte Rolle zu – genau so, wie man es erwarten würde, wenn dieser Krieg näher rückt.

Und genau diesen Krieg wünscht sich Hitchcock.

In ›Iran: The Coming Crisis‹ fragt er:

Wie lange müssen wir noch warten, bevor wir einen Präventivschlag starten, um die nuklearen Ambitionen des Iran zu lähmen?

Für Hitchcock ist

die Aussicht auf einen Konflikt, der zum Dritten Weltkrieg führen könnte, positiv, weil er die Welt der Entrückung näherbringt – der bevorstehenden Rückkehr Jesu, der alle Christen in den Himmel holen wird. In Hitchcocks Eschatologie ereignen sich die Geschehnisse des Krieges von Gog und Magog nach der Entrückung. Er schreibt: ‚Das Vorspiel scheint bereit zu sein. Es bleibt nur noch, daß die Entrückung stattfindet.‘

Die „Spannungen im Nahen Osten werden als notwendiges Vorspiel“ der Entrückung angesehen, der eine Zeit der „Großen Trübsal“ vorausgehen wird, in der die Erde dem Antichristen ausgeliefert sein wird. Diese apokalyptische Vision, wie Josh Olds (dessen Artikel wir übernomme haben) erklärt, ist

zur treibenden Kraft der evangelikalen Eschatologie geworden. Und es ist dieser Gedanke, der die amerikanische Außenpolitik prägt.

Es ist kaum nötig zu erinnern, daß Israel in letzter Zeit erhebliche Ressourcen investiert hat, um seine Verbindung zu den Evangelikalen über das Esther-Projekt zu stärken – benannt nach der jüdischen Königin, die ihre Landsleute vor einem Völkermord in Persien rettete (kein zufälliger Zufall, ebenso wenig wie die Tatsache, daß der aktuelle Krieg in der Nähe von Purim begonnen hat, dem jüdischen Fest, das an dieses Ereignis erinnert).

Noch interessanter ist, daß der Messianismus der Evangelikalen, aus dem des Judentums hervorgegangen ist, der derzeit in Israel vorherrscht. Sie sehen im Streben nach dem Groß-Israel – vom Nil bis zum Meer (und/oder vom Nil bis zum Euphrat) – sowie im Krieg gegen den Iran

eine göttliche Intervention, die das Zeitalter der Erlösung  beschleunigen wird.

Netanjahu ist der Vorläufer des Messias, eine Rolle, die er in seinem Zynismus mit Jubel angenommen hat. Ich habe eine historische und spirituelle Mission, sagte er, „nämlich das Groß-Israel zu verwirklichen, mit allen Konsequenzen für die Welt.”

Es ist bizarr, daß die Mainstream-Medien ihre Kritik an der iranischen Theokratie richten und dabei die Stärke des religiösen Fundamentalismus ignorieren, der ihr den Krieg erklärt hat und dessen Ziel Armageddon ist.

Was schließlich die Chronologie des Endes der Zeiten betrifft, so messen die Juden dem Evangelium keine übermäßige Bedeutung bei, für die Evangelikalen sollte das jedoch anders sein.  Jesus sagt nämlich:

Von jenem Tag und jener Stunde weiß jedoch niemand, auch nicht die Engel im Himmel und auch nicht der Sohn, sondern allein der Vater.

Wenn nicht einmal der Sohn es weiß, ist es unwahrscheinlich, daß andere es wissen. Ein Hinweis, der die selbsternannten Propheten dazu auffordern sollte, sich an einen Slogan zu halten, der vor einigen Jahren auf einem T-Shirt zu lesen war:

Gott existiert, aber du nicht, entspann dich!

Quelle: http://euro-synergies.hautetfort.com/archive/2026/03/05/la-guerre-messianico-apocalyptique-contre-l-iran.html
Originalquelle: https://www.piccolenote.it/mondo/la-guerra-messianica-apocalittica-alliran
Beitragsbild: Die vier apokalyptischen Reiter, Gemälde Victor Mikhailovich Vasnetsov, 1887