Raphael Machado
Wir haben uns daran gewöhnt, die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und den europäischen Ländern, insbesondere denen Westeuropas, als ein untadeliges Bündnis, als eine echte Freundschaft zwischen den Völkern zu betrachten. Mehr noch, der vorherrschende Diskurs spricht von einer einzigen „westlichen Zivilisation“, die Nordamerika und Europa vereint und auf denselben „jüdisch-christlichen Werten“ gründet.
Diese Sichtweise, die von vielen Atlantikern und vielen Antiimperialisten geteilt wird, ist aufgrund ihrer Kurzsichtigkeit falsch. Sie basiert auf einer eingeschränkten Lesart der Geschichte, die sich darauf beschränkt, die Welt von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die letzten Jahre zu betrachten.
Angesichts der aktuellen Ereignisse, die auf eine gewisse Geringschätzung und sogar Feindseligkeit seitens der Vereinigten Staaten gegenüber Europa hindeuten, sind manche daher verblüfft. Vielleicht sind es gerade die Europäer selbst, die falsch informiert und Opfer von ›Social Engineering‹ sind, die verwirrt sind und nicht verstehen, was vor sich geht.
Abgesehen von der britischen Außenpolitik an sich, die schon immer antieuropäisch war, erfolgte die Gründung der Vereinigten Staaten selbst in einem antieuropäischen Geist. Für die „Pilgerväter“ waren die europäischen Länder tyrannisch, unterdrückerisch und hedonistisch. Das Papsttum war der Sitz des Antichristen selbst. Selbst protestantische Länder wie die Niederlande wurden kritisiert und als zügellos und unzureichend religiös verurteilt.
Die extrem sektiererischen Puritaner, die die Vereinigten Staaten gründen sollten, hielten es nicht einmal für möglich, weiterhin dieselbe Luft wie die Engländer, die Niederländer und generell wie Europäer anderer christlicher Konfessionen zu atmen.
Der Gouverneur von Plymouth, William Bradford, zugleich einer der ersten amerikanischen Schriftsteller, macht dies in seinem Werk ›Of Plymouth Plantation‹ sehr deutlich, in dem er beispielsweise bemerkt, daß
Satan in diesen letzten Tagen offenbar eine ähnliche Methode verfolgt hat, da die Wahrheit nach dem großen Abfall des Menschen der Sünde, des päpstlichen Antichristen, ans Licht zu kommen und sich zu verbreiten begonnen hat.
Es überrascht daher nicht, daß die Vereinigten Staaten bereits im 19. Jahrhundert mit einer spezifisch antieuropäischen Außenpolitik auf die internationale Bühne traten, die darauf abzielte, die Europäer aus ihren letzten lateinamerikanischen Besitzungen zu vertreiben, um die europäische Präsenz durch ihre eigene zu ersetzen. Das Hauptziel war damals Spanien (und in diesem Fall spielte auch der spanische katholische Glaube eine Rolle in der amerikanischen Propaganda).
Nachdem die Vertreibung der Europäer (mit Ausnahme der Briten und teilweise der Franzosen) aus Amerika abgeschlossen war, konzentrierte sich die US-Außenpolitik auf die permanente Einmischung in europäische Angelegenheiten, stets mit dem Ziel, das Aufkommen jeglicher Macht zu ersticken, die ihre wachsende Stärke herausfordern könnte.
Im Schatten des Britischen Empire, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits Risse zeigte, stifteten die Vereinigten Staaten den Ersten Weltkrieg an, um auf diese Weise vier Imperien gleichzeitig zu beseitigen: das deutsche, das österreichisch-ungarische, das osmanische und das russische, und um auch Frankreich und das Vereinigte Königreich zu schwächen.
Der Völkerbund wiederum wurde gegründet, um den Vereinigten Staaten zu ermöglichen, die europäische Politik durch die Stimmen ihrer lateinamerikanischen Vertreter zu beeinflussen, ohne daß sich die Vereinigten Staaten selbst seinem Mandat unterwerfen mußten.
Es ist es allgemein bekannt und unbestritten, daß die NATO nicht nur als Waffe konzipiert wurde, um die UdSSR aus Europa fernzuhalten, sondern auch als Besatzungsstruktur, um die Unterwerfung der Europäer zu gewährleisten und die amerikanische Militärbesetzung des europäischen Kontinents zu festigen.
Europa unterworfen zu halten, war schon immer ein vorrangiges Ziel der Vereinigten Staaten, an dem sie bis heute festhalten.
Es ist notwendig, auf diese historische Dimension hinzuweisen, damit man sich des radikal antieuropäischen Horizonts der US-Außenpolitik bewußt wird. Versetzen wir uns zum Beispiel in die Zeit der Einführung des Euro im Jahr 1999. Trotz der weit verbreiteten Kritik der Souveränisten an der Europäischen Union und am Euro wurde noch gelegentlich versucht, das Projekt der europäischen Integration in eine Richtung zu lenken, die die wirtschaftlich-finanzielle Hegemonie der Vereinigten Staaten in Frage stellte. Mit anderen Worten: Für kurze Zeit wurde versucht, den Euro als möglichen Weg zur Entdollarisierung zu betrachten.
Unmittelbar nach der Einführung des Euro starteten die Vereinigten Staaten jedoch einen Krieg in Europa und bombardierten Serbien ohne jede legitime Rechtfertigung, außer der, die Serben (historische Verbündete Rußlands) zu vernichten. Die unmittelbaren Auswirkungen für den Rest Europas waren ein sofortiger Einbruch des Euro, da Investoren ihn verkauften, um Dollar zu kaufen, sowie ein deutlicher Rückgang an allen europäischen Aktienmärkten, also eine Kapitalflucht. Ein einfacher Kollateralschaden… oder war die Intervention in Serbien von Anfang an auch als Schlag gegen Europa konzipiert?
Die derzeitigen Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa sind also kein bloßer Zwischenschlag in diesen Beziehungen.
Fassen wir zusammen, was in den letzten Jahren tatsächlich geschehen ist.
Die Vereinigten Staaten haben die europäischen Staats- und Regierungschefs davon überzeugt, in der Ukraine das Feuer zu entfachen, mit dem Maidan und der Vorbereitung eines Krieges gegen Rußland. Die russische Reaktion mit der militärischen Sonderoperation führte sofort zur größten Sanktionswelle in der Geschichte der Menschheit, doch der größte Verlierer war Europa, das den Zugang zu extrem günstigen Energiequellen aus Rußland verlor.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen waren unmittelbar spürbar, mit steigender Inflation und einer Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit. Länder wie Bulgarien, die Slowakei, Finnland, die Tschechische Republik und Litauen verzeichneten einen Rückgang ihres BIP um 2 bis 5 %.
Der Terroranschlag auf die Nord Stream-Pipeline hat die Situation weiter verschärft, insbesondere für Deutschland, das seitdem schlichtweg in eine Rezession geraten ist, wobei das BIP um fast 1 % pro Jahr sank, bis es ab 2025 zur Stagnation kam. Gleichzeitig schrumpfte der deutsche Industriesektor mit einem Verlust von bis zu 200.000 Arbeitsplätzen. Obwohl es Deutschland inzwischen gelungen ist, russisches Gas durch Flüssigerdgas zu ersetzen, sind die Kosten weiterhin um etwa 80 % höher als bei russischem Gas, was sich auf die Wirtschaft und die Preise auswirkt.
Mit anderen Worten: Die wirtschaftliche „Lokomotive“ Europas ist entgleist. Es handelt sich um dasselbe Deutschland, das in der klassischen Geopolitik (die den atlantistischen Strategen sehr wohl bekannt ist) stets als natürlicher und komplementärer Verbündeter Rußlands angesehen wurde. Tatsächlich war es mindestens 200 Jahre lang eines der Hauptziele der atlantistischen Geopolitik, ein Bündnis zwischen Deutschland und Rußland zu verhindern.
Unterdessen begannen die Vereinigten Staaten, bereits unter Trump, bald noch größeren Druck auf Europa auszuüben, und zwar mit der Grönland-Frage, den Zöllen und den Versuchen, die Kosten eines Konflikts, der hauptsächlich in Washington ausgeheckt wurde, auf die Europäer abzuwälzen.
Erschwerend kam hinzu, daß die Vereinigten Staaten seit 2022 Druck ausübten, um jegliche Einkäufe von russischem Gas durch die Europäer zu unterbinden. Dieses Ziel wurde Anfang 2026 praktisch erreicht.
Kurz darauf haben die Vereinigten Staaten einen Krieg am Golf ausgelöst, was zu einer Lähmung der regionalen Ölindustrie und einem sprunghaften Anstieg des Ölpreises pro Barrel führte. Ein Großteil des Öls, des LNG und einiger anderer Rohstoffe, von denen die europäische Wirtschaft abhängig war, stammte eben aus dem Golf…

Die europäischen US Amerikaner haben sich die Macht durch eine fremde aus den Händen nehmen lassen und werden seit gut 100 Jahren von schwerreichen notorischen Lügnern und Betrügern regiert. Ein erster Schritt zur Befreiung wäre es, Ordnung in ihre Finanzen zu bringen.