Aus: Hans F. K. Günther: Rassenkunde Europas. Mit besonderer Berücksichtigung der Hauptvölker indogermanischer Sprache, München 1930; Lebensgeschichte des Römischen Volkes, Pähl 1966, von uns zusammengestellt und -gefaßt.

Hans Friedrich Karl Günther, ᛉ 16. Februar 1891 in Freiburg im Breisgau; ᛣ 25. September 1968 ebenda

Eine unbefangene Geschichtsbetrachtung, vor allem aber eine Betrachtung der Bevölkerungsgeschichte, wird an dem tatsächlichen Untergang der antiken Welt nicht zweifeln, wird sich aber sträuben, diesen Untergang erst mit der Absetzung des Kaisers Romulus Augustulus (476) abgeschlossen zu sehen. Der Untergang der ›Antike‹ war mit dem Austerben der ›letzten Römer‹, das heißt der Nachkommen von Italikern mitteleuropäischer Herkunft, schon in der frühen Kaiserzeit besiegelt. Lucretius, Seneca, Juvenalis und Tacitus hatten schon empfunden, Rom sei in sein ›Greisenalter‹ eingetreten. ›Echte Römer‹ hatten zu Beginn des Kaiserreichs vielleicht noch in denjenigen Gebieten Italiens gelebt, in denen sich Reste eines freien Bauerntums erhalten hatten, dann noch in wenigen Familien der oberen Schichten, kaum noch in den ausgelaugten mittleren und unteren Schichten, die schon zum größten Teil aus Nachkommen von Freigelassenen fremder Abstammung bestanden. ›Echte Römer‹ wie etwa der Kaiser Trajanus waren zur Zeit dieses Kaisers fast ausgestorben und im fünften Jahrhundert so gut wie verschwunden. „Das Beste der antiken Kultur“, das heißt des Geisteserbes der nahezu ausgestorbenen Römer italischer Abstammung, war „in dem grauenhaften dritten Jahrhundert hinweggeschwemmt“ worden (Kornemann). In dieses Jahrhundert müßte man spätestens den Untergang der antiken Welt verlegen. M. Ch. Rochat hatte, damit übereinstimmend, ausgesprochen, um die Mitte und gegen Ende des dritten Jahrhunderts sei nach Aussageder erhaltenen Bildwerke der Schlag des ›echten Römers‹ fast verschwunden, der schon um die Wende vom ersten zum zweiten Jahrhundert selten geworden sei.

  li.: Romulus Augustulus re.: Trajanus

Eine unbefangene Geschichtsschreibung wird sich bei Erörterung der Ursachen dieses Unterganges immer wieder Theodor Mommsen anschließen: „Zu Grunde gegangen ist wie der Römerstaat des Prinzipats so auch der restaurierte Diocletians… nicht durch die Barbaren, sondern durch innere Fäulnis.“ Diese innere Fäulnis der Zustände ist aber im wesentlichen der Ausdruck einer ›Fäulnis‹ der Erbanlagen: Ausmerze der erbtüchtigen Familien, Mehrung minderwertiger Erbanlagen innerhalb der Bevölkerung durch Kinderarmut der besser gearteten und Kinderreichtum der schlecht gearteten Familien. Am meisten hat die von Otto Seeck immer wieder hervorgehobene ›Ausrottung der Besten‹ zum Zerfall beigetragen, wobei diese ›Ausrottung‹ nicht nur als eine Austilgung von Einzelmenschen durch Krieg und Bürgerkrieg verstanden werden darf, sondern noch mehr als eine Ausmerze der ›besten‹ Erbstämme durch Kinderarmut, Kinderlosigkeit und Ehelosigkeit begriffen werden muß.

Theodor Mommsen, ᛉ 30. November 1817 in Garding, Herzogtum Schleswig; ᛣ 1. November 1903 in Charlottenburg

Das Römische Reich war spätestens seit dem dritten Jahrhundert n.d.Z. ein Reich ohne Römer und das hellenisch-römische ›Altertum‹ spätestens seit diesem Jahrhundert eine staatlich-geistliche Welt ohne Hellenen und Römer. Die ›Antike‹ war untergegangen vor der Ausbreitung und der Verstaatlichung des Christentums und vor der Eroberung und Plünderung Roms durch die Goten unter Alarich.

Zum Untergang des Römischen Reiches hat sicherlich die ungefüge Übergröße des Staates beigetragen, der doch nach seiner Verfassung immer noch eine Erweiterung des latinischen Stadtstaates der frührepublikanischen Zeit war; zum Untergang hat die Zersetzung der überlieferten Frömmigkeit und Staatsgesinnung Roms durch das sich verbreitende Christentum beigetragen wie auch die Einbrüche der Germanenstämme; der Zusammenbruch der Wirtschaft durch die drückenden Lasten für Herr, Verwaltung und Staatsfürsorge hat dazu beigetragen wie auch die hieraus folgende Münzverschlechterung, doch sind dies alles Nebenursachen oder gar nur Folgen der Hauptursache: der Aushöhlung des italischen Bauerntums, aus dem Rom seine tüchtigsten Familien gewonnen hatte, nur Nebenursachen oder gar Folgen der Hauptursache: der Entvölkerung Italiens bei ›Ausrottung der Besten‹ und bei Zuwanderung mindertüchtiger und rassenfremder Menschen aus den Ostmittelmeerländern. So bleibt von allen Gründen zum Untergang der hellenisch-römischen Welt doch nach Otto Seeck bestehen: das Aussterben erst der Führungsbegabten Familien italischer Herkunft, dann der erbtüchtigen Familien überhaupt, und die Fortpflanzung der Bevölkerung allein durch die feigen und Begabungslosen, allein durch die erbuntüchtigen Familien, besonders diejenigen aus den östlichen Provinzen des Reiches.

Untergang des Römischen Imperiums

Bedingungen der landschaftlichen Umwelt, von außen drohende Gefahren, auch von außen eindringender Fremdgeist, Wirtschaft und alle übrigen Lebensumstände und deren Verände-rungen gestalten niemals an sich die Geschichte der Völker; sie sind immer nur Fragen, auf welche die Völker je nach ihren Anlagen diejenigen Antworten geben, die wir Geschichte nennen. Eine tüchtige Bevölkerung von bestimmter Rassenzusammensetzung wird auf die ihr gestellten Fragen eine andere Antwort geben als eine untüchtige von anderer Rassenzusammensetzung. Geschichte bleibt immer Auseinandersetzung von Erbanlagen mit Umwelt. Auch die römische Geschichte ist ein Beispiel für den Verlauf der Geschichte aller Völker indogermanischer Sprache. Wenn ein Cola di Rienzi (1313–54) sich als ›römischer Tribun‹ erschien und die alten Römertugenden wie die ganze Herrlichkeit des Römischen Reiches wiederherstellen wollte, so vergaß er gleich den meisten Menschen seiner und der späteren Zeit bis heute, daß Abstammung und Sprachüberlieferung zweierlei sind. Schon zur Zeit des hellhäutigen, blonden und blauäugigen Kaisers Augustus war eine Wiederbelebung des Römer- und Italikertums aus dessen rassischen Ursprüngen nicht mehr möglich gewesen.

Ganz links: unbekannter Römer, vorwiegend nordisch.
Daneben: Schädel eines Römers aus einem Steinsarge, bezeichnet mit Theodorianus aus der Zeit zwischen 1. und 5. Jh. n.d.Z. Mittelbr. Gesicht, mittellanger Schädel, vorwiegend nordisch.

Wir möchten hinweisen auf ›Mars Ultor‹ 2004 mit dem Schwerpunkt ›Römer‹.

https://ahnenrad.org/produkt/pierre-krebs-mars-ultor-2004-leitthema-roemer/