Dr. Stephan-Alexander Thomas

Rasse und Unterart sind synonym.

Traditionell wird unterschieden zwischen exakten Naturwissenschaften, die wie z.B. die Physik, die Astronomie und die Chemie vorwiegend mathematisch formuliert sind, und beschreibend- klassifizierenden Naturwissenschaften, die, wie z.B. die Kristallographie, die Geologie, die Geographie und vor allem die Biologie mit ihren Teildisziplinen Botanik, Zoologie und Anthropologie (Menschenkunde), die betreffenden Naturerscheinungen beschreiben, ordnen und vergleichen.

In der Anthropologie, d.h. der naturkundlichen Lehre vom Menschen, unterscheidet man wiederum zwischen der Eidonomie (von griech. Eîdos, Aussehen, Form) und der Anatomie (von griech. ana-témno , aufschneiden). Die erstere beschreibt Gestalt und Struktur von Körperteilen, Organen, Geweben und Zellen sowie jeweils typische Merkmale wie neben Haut-, Haar- und Augenfarbe Kopf-, Gesichts-, Augen- und Nasenform sowie den Körperwuchs insgesamt., d.h. also so, wie wir diese Phänomene (von griech. Phainómena, sich zeigende Erscheinungsbilder) von außen sehen; die Anatomie hingegen beschreibt und vermißt das Skelett einschließlich des Schädels.

Dürer, Physiognomische Studien

Und im Falle der Anatomie ist wiederum zu unterscheiden zwischen der medizinisch-forensischen bzw. forschungs- und gerichtsmedizinischen Anatomie, die unmittelbar Verstorbene zum Untersuchungsobjekt hat, und der archäologischen Anatomie bzw. Paläologie (von griech. palaiós, alt) oder Paläo-Anthropologie, die vorzeitliche Skelettüberreste untersucht, beschreibt und klassifiziert.

Innerhalb der beschreibenden Biologie ist bis auf den heutigen Tag jenes Klassifikationsschema grundlegend geblieben, das anno 1753 der schwedische Professor für Medizin und Anatomie in Uppsala Carl Nilsson Linnaeus, nach seiner Nobilitierung Carl von Linné in seiner Systema naturae (dt. System der Natur) eingeführt hat. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der biologischen Taxonomie, wobei táxon lediglich das griechische Wort für die lateinische Entsprechung classis (dt. Ordnung, Klasse) ist.

Carl von Linné, ᛉ 23. Mai 1707 in Råshult bei Älmhult; ᛣ 10. Januar 1778 in Uppsala, Gemälde von Alexander Roslin (1775)

Linné unterteilte die Natur zunächst in drei Reiche: Steine bzw. Mineralien, Pflanzen und Tiere; darunter in Abteilungen wie z.B. Wirbeltiere (lat. vertebrata), Klassen wie z.B. Säugetiere (mamalia), Ordnungen wie z.B. Herrentiere (primates), Unterordnungen wie z.B. Menschenaffen (anthropoidea), Familien wie z.B. Menschenartige (hominidae), Gattungen wie z.B. Mensch (homo). Für Arten (species) und Unterarten (subspecies) verwendete er eine jeweils kumulierende binäre Nomenklatur wie z.B. der denkende Mensch (homo sapiens) oder der europäische und weißhäutige denkende Mensch (homo sapiens europaeus albescens). Und zum großen Ärgernis der aktuellen Gesinnungstyrannen im Namen der ›Political Correctness‹ wurde innerhalb des Linné ‘schen Systems für das Taxon Unterart (subspecies) noch bis in die 1990er Jahre in sämtlichen Lehrbüchern sowohl der Zoologie als auch der Anthropologie synonym das Wort Rasse verwendet.

Das Wort Rasse selbst ist seit dem 13. Jahrhundert in mehreren romanischen Sprachen belegt, und zwar zunächst im Kontext adeliger Abstammung und edler Pferderassen. Sein Herkunft könnte in der Hispanisierung des arabischen Wortes ra‘s (Kopf, Ursprung) zu razza“ liegen. 1438 datiert die erste literarisch Verwendung durch den spanischen Priester Alfonso Martinez de Toledo im Kontext von adeliger und gemeiner Abkunft. 1449 fand der Begriff Rasse Eingang in die Estatutos de limpieza de sangre (dt. Statuten von der Reinheit des Blutes), die nach der Reconquista in Toled0 erlassen worden waren und heute von eindimensionalen Antifaschisten als Vorläufer der Nürnberger Gesetze gehandelt werden, obgleich dort nicht nur von Mauren und Juden, sondern auch von Häretikern als Fremdrassigen die Rede ist. In diesem Sinne fand das Wort Rasse im 16. und 17. Jahrhundert zunehmend Verwendung für verschiedenste Arten menschlicher Kollektive wie etwa in den Wendungen von christlicher, französischer oder englischer Rasse.

Reconquista in Toledo

Das Wort war also von seiner Funktion her vollkommen geeignet für das, was es später auch in der Biologie bezeichnen sollte. 1684 benutzte es denn auch schon erstmals der französische Arzt und Asienreisende Francois Bernier im Rahmen einer anthropologischen Taxonomie (Ordnung) zum Zweck einer Klassifikation bzw. Kategorisierung von Menschen, und zwar anders als später Linné (vgl.o.) synonym zu espèce (dt. Art). Und heute gilt das Wort Rasse geradezu als das Unwort schlechthin, das aus jedwedem Kontext – von Biologiebüchern bis hin zu Gesetzestexten – getilgt werden soll. Meine lieben Leser, das ist magische Praxis: Man will die Differenz zum Verschwinden bringen, indem man ihre Nennung unterbindet.