Peter Haisenko
Warum hat Trump einen zweiwöchigen Waffenstillstand im Iran-Krieg angeordnet? War es ein Fehler Teherans dem zuzustimmen? Wer wird Vorteile daraus ziehen können, und für wen von beiden ist dieser Waffenstillstand dringend notwendig? Die Antworten darauf zeigen ein bekanntes Muster.
Noch niemals haben die USA einem Waffenstillstand zugestimmt, wenn der Vorteil klar bei ihnen lag. Bislang haben die USA nur eine Kapitulation oder den totalen Sieg gefordert. Es muß einen massiven Grund geben, warum das jetzt im Krieg mit dem Iran anders ist. Da sollte man zunächst die Dauer von zwei Wochen unter die Lupe nehmen.
Warum zwei Wochen? Die Antwort ist einfach: Alle Kriegsschiffe der US-Marine haben ihren Vorrat an Geschoßen und Abwehrraketen aufgebraucht. Auch die Raketenabwehr in den US-Basen am Persischen Golf ist erschöpft. Iranische Raketen treffen mittlerweile nahezu ungehindert ihre Ziele. Auch in Israel. Die Lage zeigt sich vorteilhaft für den Iran. Wiederholt die iranische Führung ihren Fehler aus dem „Zwölftagekrieg“?
Das größte Problem für die USA ist in diesem Krieg die Logistik. Das ist immer ein Problem, wenn Krieg fernab des eigenen Landes geführt wird. Alles Material, jede Patrone, muß erst um die halbe Welt gekarrt werden, bevor es eingesetzt werden kann.
Das angegriffene Land hingegen hat alles „griffbereit“, was es für seine Verteidigung braucht. Die iranischen Raketen sind nicht weitgehend zerstört. Sie befinden sich in tiefen Kavernen. So tief im Berg, daß sie auch von einer Atombombe nicht zerstört werden können. Ja, die Zugänge können getroffen werden, aber die können ziemlich schnell wieder frei geschaufelt werden.
Man möge sich dazu an dem WKII erinnern. Die Produktionsstätten für zum Beispiel den ersten einsatzfähigen Düsenjäger, die ME 262, befanden sich tief in Kavernen in der Nähe von Weimar. Wir wissen, wie schrecklich die für die US- und englischen Bomber waren. Es waren nur zu wenige.
Der Iran hat Reserven
Im Iran sieht das anders aus. Dort hat man sich seit Jahren auf diesen Angriffskrieg vorbereitet und gewaltige Mengen an Raketen und Drohnen hergestellt, die in sicheren Lagerstätten auf ihren Verteidigungs-Einsatz warten. Der Iran ist klug mit diesen Reserven umgegangen. Er hat zunächst die ältesten eingesetzt, um die Luftabwehr zu erschöpfen. Erst in den letzten Tagen hat er dann die neueren und schlagkräftigeren hervorgeholt und die sind jetzt der Albtraum der USA und Israels.
Nur noch etwa zehn Prozent können abgefangen werden. Von Israel und dem US-Militär. Eben weil die Abwehrraketen erschöpft sind. Eine prekäre Lage für die Feinde des Iran. Sie brauchen unbedingt eine Feuerpause, um ihre Niederlage verschleiern zu können. Aber das ist nicht das Wesentliche.
Die wirklich wirksamen Angriffswaffen der USA auf ihren Kriegsschiffen können nicht auf See nachbeladen werden, wie Marschflugkörper und auch die teuren Abwehrraketen. Der Vorgang ist zu kompliziert und er muß sehr gewissenhaft durchgeführt werden. Man will ja keinen Unfall bei der Beladung erleben.
Folglich müssen die US-Schiffe einen Hafen anlaufen, der das benötigte Material gelagert hat. Im Zweifelsfall an den US-Küsten selbst oder zumindest an einem US-Stützpunkt. Da gibt es mehrere Probleme. Der Abwehrwaffenmangel in den US-Basen am Persischen Golf kann in der aktuellen Lage kaum behoben werden. Ebenso ist es kaum möglich, Angriffswaffen aufzufüllen.
US-Schiffe können die Straße von Hormus nicht passieren. Ein solcher Versuch während der Verhandlungen in Islamabad scheiterte schon an der Drohung Teherans, dieses Kriegsschiff zu versenken. Es drehte nach kurzer Zeit ab und zog sich zurück. Die USA haben alle ihre Angriffsschiffe weit von der iranischen Küste abgezogen, weil die Iraner über Waffen verfügen, diese auf Distanzen von etwa 1.000 Kilometer zu versenken, zumindest massiv zu beschädigen. Da sterben US-Soldaten, und das kommt zuhause nicht gut an.
Logistik auf der halben Distanz
Die US-Kriegsschiffe können bei Höchstgeschwindigkeit etwa 700 Seemeilen pro Tag zurücklegen. Das heißt, etwa 5.000 SM pro Woche. Die Entfernung zwischen dem Kriegsschauplatz am Persischen Golf zur US-Basis auf den Philippinen beträgt etwa 4.000 SM. Das ist die halbe Distanz zu den USA selbst. Das US-Militär kann also zeitgleich ihren Nachschub von den USA auf die Philippinen bringen und dort auf die bedürftigen Kriegsschiffe umladen.
Dafür benötigen sie etwa zwei Tage, bevor sie die Rückreise ins Kriegsgebiet antreten können. Und dann eine knappe Woche um ihren Einsatz gegen den Iran fortzuführen, frisch aufmunitioniert. Ohne diese Waffen sind diese Kriegsschliffe nutzlos, leichte Beute für den Feind. Jetzt haben wir eine Idee, warum Trump zwei Wochen Waffenstillstand unbedingt brauchte.
In diesem Zusammenhang muß auch die Ansage von Trump bewertet werden, daß er nicht versprechen will, den Waffenstillstand zu verlängern. Diese Ansage ist eindeutig. Sobald die US-Kriegsschiffe aufmunitioniert sind, wird er wieder große Sprüche klopfen. So ist unverkennbar, dass dieser Waffenstillstand wegen der prekären Lage der US-Truppen entstanden ist. Keineswegs aus Menschenfreundlichkeit, die allerdings von iranischer Seite sehr wohl anzunehmen ist.
So wird auch hier die Erkenntnis bestätigt, daß es unsinnig ist, mit den USA irgendwelche Verträge abzuschließen, nicht einmal einen Waffenstillstand. Und mit Israel schon gar nicht. Vergessen wir nicht: Nominal gilt immer noch der Waffenstillstand für Gaza und den Libanon. An beiden Orten sterben täglich Menschen unter israelischen Angriffen.
Israel hat sich noch nie an Abmachungen oder UN-Resolutionen gehalten. Man fragt sich, warum überhaupt noch jemand sich bemüht, mit diesen Staaten Verträge auszuhandeln.
Die Minsk-Abkommen als Vorbild
Blicken wir dazu kurz auf die Ukraine. Mit den Minsk-Abkommen haben Obama, Merkel, Hollande und Poroschenko nur ein Ziel gehabt, und das haben sie offen zugegeben. Nämlich Zeit zu haben, Kiew für den großen Krieg gegen Rußland aufzurüsten.
Also nochmals: Welchen Sinn kann irgendein Abkommen mit dem Imperium der Lügen haben? Auch Israel hat die Waffenruhe in Gaza gebraucht, um seine Truppen frei zu haben für den erneuten Überfall auf den Libanon.
Geradezu kindisch wirkt da Trumps Ansage, er wäre jetzt derjenige, der die Straße von Hormus blockiert. War es nicht er selbst, der vom Iran verlangt hatte, diesen Verkehrsweg zu öffnen? Und jetzt: Nein, wir sind es, die die Kontrolle haben, auch wenn unsere Schiffe tausend Kilometer entfernt sind.
Zwei chinesische Tanker mußte er schon durchlassen. Gegen China traut er sich dann doch nicht ebensowenig wie gegen Rußland. Moskau hatte eine Ladung Öl nach Kuba geliefert, begleitet von einem russischen Kriegsschiff. Die zweite Öllieferung ist unterwegs. Ach ja, Kuba ist als nächstes dran, wenn die Iran-Sache beendet ist, sagt Trump. Und dann noch Grönland. Ist der Mann noch bei Sinnen?
Es sind nicht die Präsidenten, es ist die Natur der USA
Seit gut 40 Jahren steht der Iran nur Stunden vor der Fertigstellung von Atomwaffen. Teheran beteuert aufrichtig, daß es diese Waffe nicht haben will, weil sie ihren Glaubensgrundsätzen widerspricht. Iran soll auch keine Atomkraft nutzen und nur Handel treiben dürfen, wenn es Washington erlaubt.
So, wie Kuba seit mehr als 60 Jahren internationaler Handel praktisch verboten ist. Und jeder Staat wird mit der Finanzwaffe bedroht, der es wagen sollte, doch Handel mit Kuba zu treiben. Venezuela hat Trump überfallen, wohl auch, weil die Öl nach Kuba geliefert haben. Aber da sollte man nicht nur auf Trump verweisen. Alle US-Präsidenten haben die Kuba-Sanktionen und Embargos aufrecht erhalten und das mit der Schweinebucht war auch nicht Trump.
So muß man hier klar sehen: Es sind die USA, nicht einzelne Präsidenten, die sich fortlaufend in irgendwelchen Angriffskriegen befinden und die Welt terrorisieren. So, wie es Israel in kleinerem Maßstab treibt. Beide kümmern sich einen Dreck um internationales Recht.
Im Fall USA wurde das durch die selbstherrlich aufgestellte „Regelbasierte Ordnung“ ersetzt, die nach Belieben jederzeit neu bestimmt wird und natürlich nur für die anderen einzuhalten ist.
Die meisten US-Kriege wurden mit Lügen begründet und Israel behauptet immer, wenn es Zivilisten ermordet, daß es nur gegen Hamas, Hisbolla und sonstwelche „Terroristen“ geht.
Ebenso wie die USA, die nach belieben Staaten zur Achse des Bösen erklären und sich so das Recht herausnehmen, Sanktionen zu verhängen oder direkt anzugreifen.
Was jetzt mit dem Waffenstillstand im Iran getrieben wird, ist ein hinterhältiger Plan, erneut ein Land anzugreifen, das verhandlungsbereit ist. Da kann ich nur sagen: Gott schütze die Amerikaner vor ihrer eigenen Regierung und die Welt vor Washington.
Glauben Sie immer noch, im WKI oder WKII war es anders? Ich zitiere Präsident Roosevelt: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich nicht sagen, daß wir die deutsche Nation nicht vernichten wollen“. Sehen Sie da auch die Parallele zum Krieg gegen den Iran? Lesen Sie dazu das Werk von Peter Haisenko ›England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert‹. Vergessen Sie nicht, daß England und die USA 1953 die demokratisch gewählte Regierung in Teheran weggeputscht haben und damit der Ärger mit dem Iran erst angefangen hat. Auch darüber werden Sie in diesem Werk informiert.






