Karl Richter
Es gibt Menschen, Mitstreiter, Freunde, die sind einfach immer da. Zumindest gefühlt. Man kann sie zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen und um einen Gefallen, um Hilfe bitten – sie sind da, finden Lösungen, bieten Unterstützung an. Ihr Verlust ist umso schwerer, wenn sie irgendwann plötzlich nicht mehr da sind.
Roland Wuttke war so ein Mensch – man muß sagen: ein Kamerad, von dem das berühmte Lied weiß:
Einen besseren findst du nit / im gleichen Schritt und Tritt.
Wenn man viele Jahre gemeinsam dem Kampf um ein besseres Deutschland gewidmet hat, kann man beurteilen, wer am Ende Flugsand war und wer echt war, weil er in all den Jahren immer irgendwie präsent war. Roland Wuttke gehörte zu den Echten. Zu denjenigen, die durchhielten. Nicht weil sie vom schlußendlichen Erfolg überzeugt sind, sondern weil Nichtstun keine Option ist. Roland Wuttke war ein Überzeugungstäter. Gestern traf uns alle die Nachricht, daß er im Krankenhaus verstorben sei. Er soll zuversichtlich gewesen sein, daß alles einen guten Verlauf nehmen würde.
Ich kannte Roland, mit dem ich seit weit über zwanzig Jahren zusammenarbeitete, immer als zuversichtlichen, hoffnungsvollen Menschen. Er war keiner der Verbiesterten, deren einziger Antrieb nur noch das Dagegensein ist. Er hatte Hoffnung, daß einst alles besser werden würde. Er war bei aller Schwere unseres Kampfes, bei allen Nackenschlägen, die auch er privat wie erst recht politisch einstecken mußte, ein positiver Mensch. Er handelte, machte, leistete ohne viel Aufhebens um seine Person seinen Beitrag.
Roland Wuttke gehörte zu denjenigen, die 2008 – schon damals gegen das Geheule der verkommenen „Zivilgesellschaft“ – meinen Einzug ins Münchner Rathaus möglich machten. Er war es, der mitten im Trubel des Oktoberfests 2007 die Gründungsversammlung unserer Bürgerinitiative Ausländerstopp organisierte, die Satzung beisteuerte, die Gründungsmitglieder beibrachte. Im Wahlkampf war er die gute, treibende Seele. Wann immer er konnte, half er mit, sammelte Unterschriften, meldete Kundgebungen an. Und dann, als es geschafft war und die Arbeit im Rathaus anstand, hatte er schon ganze Datensätze aus dem Sozialreferat kopiert und die Schwerpunkte der ersten Rathausinitiativen abgesteckt. Auch in den Jahren darauf blieb die Bürgerinitiative Ausländerstopp immer eines seiner Lieblingskinder.
So wie ich kannten ihn viele. Sein Rat war wertvoll und immer konstruktiv. Seine Unterstützung hatte stets Hand und Fuß, sei es vor Gericht, sei es in der gemeinsamen Vorstandsarbeit, sei es im redaktionellen Bereich – Roland lieferte zahllose Beiträge für die frühere NPD-Zeitung ›Deutsche Stimme‹, seit langem auch für das von ihm als Herausgeber betreute Zeitschriftenprojekt ›Volk in Bewegung‹. Erst dieser Tage erhielt ich Post von ihm, worin er mir eine neue Schriftenreihe ans Herz legte, für die er verantwortlich zeichete: ›Kulturwarte‹, eine ›Zeitschrift für Bewußtsein, Brauchtum, Kultur und Geschichte‹. Das Impressum wies einen Verlagsort in Ungarn aus.
Schon vor Jahren hatte sich Roland, die immer unerträglicher werdenden Verhältnisse in Deutschland vor Augen, in Ungarn ein kleines Refugium, ein zweites Standbein geschaffen. Das hinderte ihn nicht, die deutsche „Szene“ weiterhin zu unterstützen, so gut er konnte. Ein besonderes Anliegen war ihm dabei die Gedächtnisstätte Guthmannshausen, die vor fast genau fünf Jahren, im April 2021, Ziel eines Brandanschlags wurde.
Man muß Roland Wuttkes unermüdlichen Einsatz umso mehr würdigen, als er auch familiär nicht gegen Schicksalsschläge gefeit war – er hat sie, wie vieles andere, nicht an die große Glocke gehängt. Er war überhaupt ein feiner, menschlich immer untadeliger Kerl. Nie stritt er sich um Listenplätze, nie forderte er Lohn, an den üblichen Parteistreitigkeiten beteiligte er sich nicht. Wenn es ihm zuviel wurde, ging er einfach. Bis zuletzt strahlte er eine tiefe, ruhige Anständigkeit aus.
Nun wurde Roland über Nacht nicht nur aus allen seinen Aktivitäten, sondern aus dem Leben gerissen. Für uns alle, die wir ihn kannten, ist sein Fortgang ein Verlust, der schwer in Worte zu fassen ist. Mögst du Ruhe finden, unser guter Kamerad. Einen besseren finden wir nicht.
