Andrea Marcigliano
Wladimir Putin stationiert 700.000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine. Nie zuvor hatte er eine solche Streitmacht aufgeboten und die sogenannte ›Sonderoperation‹ bewußt auf einen relativ geringen Truppeneinsatz beschränkt. Glaubwürdigen Schätzungen zufolge handelte es sich um 100.000 bis 200.000 Soldaten.
Was bedeutet diese plötzliche Verstärkung des russischen Militäreinsatzes angesichts eines militärisch bereits gewonnenen Konflikts?
Denn die ›Sonderoperation‹ hat ihre Ziele im wesentlichen erreicht. Der Donbass ist fast vollständig in russischer Hand. Die Truppen aus Kiew befinden sich auf dem Rückzug, wenn nicht sogar auf der Flucht.
Ein militärischer Sieg bedeutet jedoch nicht zwangsläufig auch einen politischen Erfolg. Im Gegenteil, gerade politische Fallstricke sind die gefährlichsten, die die Ergebnisse auf dem Schlachtfeld in kurzer Zeit zunichte machen könnten.
Putin ist sich dessen sehr wohl bewußt. Und er handelt entsprechend. Das Treffen mit Trump war ein klarer Erfolg. Denn es ermöglichte ihm, die Entschlossenheit des US-Präsidenten zu prüfen, eine direkte Konfrontation zu vermeiden. Und wenn möglich, eine Annäherung an Moskau anzustreben.
Daher wahrscheinlich die Entscheidung, in der Ukraine das Tempo zu beschleunigen. Er bereitet sich auf einen regelrechten Vormarsch (mindestens) bis nach Kiew vor. Und daher die große Armee, die sich in diesen Stunden an den Grenzen versammelt.
Putin weiß sehr wohl, daß weitere Zeitverluste denen in die Hände spielen würden, die diesen Krieg gegen Rußland um jeden Preis wollen. Großbritannien, Deutschland, Frankreich… und vor allem jene Wirtschafts- und Finanzmächte, für die Merz, Starmer und Macron nur Schachfiguren sind.
Deshalb bereitet er den Angriff vor. Er will zum entscheidenden Schlag ausholen. Auch wenn das Donald Trump mißfallen dürfte – mit ihm kann später immer noch verhandelt und eine Beziehung wiederhergestellt werden.
Was jetzt zählt, ist, die Ukraine-Frage so schnell wie möglich zu lösen.
Bevor ihre Unterstützer in der Lage sind, sie erneut aufzurüsten. Oder gar direkt einzugreifen – wie zahlreiche Falschmeldungen der letzten Stunden vermuten lassen, etwa die über russische Drohnen über Polen.
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob diese neue Strategie des Kremls aufgeht.
Und ehrlich gesagt: Es besteht wenig Anlaß, sich in Träume und Illusionen zu wiegen.
