Andrea Marcigliano
Nach dem Treffen zwischen Trump und Putin in Alaska bleibt nur noch eine einzige Frage übrig, eine reale, konkrete Frage. Wie wird die Ukraine aussehen?Oder besser: Wird es die Ukraine überhaupt noch geben? Der Zweifel ist berechtigt.
Und kommen Sie mir nicht mit Geschichte und anderem Geschwätz. Die Ukraine als unabhängiger Staat ist eine äußerst junge Erfindung. Sie hat keine echten Wurzeln und keine stichhaltigen Gründe. Das schrieb schon Solschenizyn, der selbst aus einer ukrainischen Familie stammte. Oder, genauer gesagt, ein Kosake war – wie er stolz betont hätte.
Wie auch immer: Wenn eine Ukraine weiterhin existieren kann, dann nur unter der Bedingung, nicht mehr im Widerspruch zu den Interessen Moskaus zu stehen.
Diese Ukraine war nämlich die Wurzel des Unheils – geschaffen durch den Willen gewisser amerikanischer Machtzirkel, die Washington in der Hand hatten und unbehelligt agieren konnten, während Moskau in den Jahren Jelzins in der totalen Katastrophe versank.
Und Victoria Nuland war die treibende Kraft hinter dieser Operation. Etwas, das sie nie verheimlicht hat – im Gegenteil, sie hat es mit Stolz für sich beansprucht. Denn eines muß man verstehen: Die US-amerikanische Denkweise kümmert sich nicht um Geschichte oder Geschichten.
Es ist eine pragmatische Mentalität – wie man es von einem Land erwarten kann, das in jüngerer Zeit entstanden ist, aus einer Ansammlung von Einwanderern verschiedenster Sprachen, Kulturen und Herkunft.
In dieser Denkweise zählt nicht die Vergangenheit, sondern einzig das Interesse – in erster Linie das wirtschaftliche. Es muß also in Staat existieren, weil es interessensgeleitet notwendig ist. Und wenn nötig, wird ein solcher Staat eben aus dem Nichts geschaffen. So war es im Grunde bei der Ukraine.
Sie hat in ihrer Geschichte keine wirkliche Unabhängigkeit erfahren. Und auch keine klar definierte nationale Identität. Sie war von Anfang an Teil der Rus’. Also das andere Gesicht der Russen – immer im Plural.
Doch das spielte für die US-Agenten keine Rolle. Und spielt es bis heute nicht. Ein Land, eine Nation hat für sie nur dann ein Existenzrecht, wenn es bestimmten Interessen dient. Das gilt auch für die USA selbst, die letztlich durch wirtschaftliche und finanzielle Interessen zusammengehalten werden, die als Kitt fungieren.
An sich ist daran nichts auszusetzen– wohlgemerkt. Aber man muß das begreifen, wenn man das Verhalten der US-Führung gegenüber Europa nach dem Zweiten Weltkrieg richtig deuten will. Und umso mehr gegenüber dem russischen Imperium nach dem Ende des Kalten Krieges und dessen Zerfall.
Die US-Mentalität ist, wie gesagt, pragmatisch. Und das zeigt sich heute sehr deutlich in der Administration (ein bezeichnender Begriff) von Donald Trump.
Rußland ist aus seinem Schlaf erwacht. Es hat endlich die Krise nach dem Zusammenbruch der UdSSR überwunden. Es ist wieder eine Realität, mit der man sich auseinandersetzen muß.
Nicht mehr Beute, man sich unter den Nagel reißen kann.
Und ein gewisser Teil Amerikas, den Trump mit all seinen Fehlern und Qualitäten repräsentiert, hat das zur Kenntnis genommen und handelt entsprechend. Er verhandelt wieder auf Augenhöhe mit dem Kreml. Um es zu vereinfachen: mit Wladimir Putin.
Das zu verstehen heißt auch, zu erkennen, welches Schicksal der Ukraine bevorstehen könnte.
Zwei wahrscheinliche Hypothesen:
Rußland annektiert den Donbass und die Krim. In Kiew wird ein ihr genehmes Regime installiert – am wahrscheinlichsten ist ein Militärregime –, das die Neutralität der Ukraine garantiert. Und sowohl die Interessen Moskaus als auch Washingtons wahrt.
Oder aber…
Zelensky gibt sich mit der Unterstützung Großbritanniens und Europas – die übrigens eine Macht der Schwäche ist – nicht geschlagen. Und er flüchtet nicht in den Westen, um dort seine vielen Milliarden zu genießen, die er im Ausland versteckt hat.
In diesem Fall rückt Putin weiter vor, zumindest bis Kiew. Lemberg (Lwiw) wird den Polen überlassen, andere südliche Provinzen den Ungarn.
Die Ukraine verschwindet in dem Nichts, aus dem sie einst hervorgegangen war. Washington sichert sich die Wahrung seiner Interessen und akzeptiert die Realität.
Die Europäer bleiben zurück – gelähmt, als Zuschauer.
Punkt. Eine neue Geschichte beginnt.
Quelle: https://electomagazine.it/lucraina-che-forse-sara/

„Nur um zu sagen, wie es eigentlich gewesen“ (Leopold von Ranke) und ohne sich „so hoher Ämter zu unterwinden“ (ders.) wie mittels der Geschichte die Menschheit belehren zu wollen vgl. das inzwischen schon brechreizerregende Moralinnarrrativ vom „völkerrechtswidrigen Angriffskrieg)“: Ganz so, wie oben erzählt, war und ist es nicht. Rein formal war die Ukraine eine Erfindung des preußischen Generals Hoffmann aus dem Frontjahr 1916, der ihr Gebiet auf einer Karte des kaiserlich-deutschen Generalstabs einzeichnete und dazu sagte: „Und das nennen wir jetzt Ukraine.“ Lenin machte das von General Hoffmann umrissene Gebiet 1918 zur Sowjetrepublik und Chrutschow schenkte ihr 1950 zusätzlich noch die Krim. Und natürlich sind die Kiewer ethnisch Russen (Ostslawen wie die europäischen Moskowiter auch). Das sog. Ukrainische ist ein russischer Dialekt. Allerdings gab es, wie unser Korrespondent und ebenfalls Historiker Anatoli Michailowitsch Iwanow in einem hier schon rezensierten Buch darstellt, im Westen der heutigen Ukraine durchaus schon seit dem 17. Jahrhundert eine Sonderentwicklung gegenüber dem übrigen Rußland, „mutatis mutandum “ vergleichbar der historischen Sonderentwicklung der Schweiz und Österreichs gegenüber Deutschland. Man war einfach mehr nach Europa orientiert, sei es nach Polen oder nach Österreich-Ungarn, verleugnete aber dennoch nicht wie heute seine russische Sprache und Religion, sah sich vielmehr in einer Brückenfunktion zwischen Europa und russischer Welt. Aber fürwahr, die aktuelle Ukraine als Torpedo gegen Russland ist in der Tat, wie oben postuliert, eine giftige Schöpfung von Victoria Nuland und George Soros.