Tomislav Sunic
Angesichts der tickenden Zeitbombe im Nahen Osten und am Golf ist es irreführend, die Schuld allein Präsident Trump oder dem israelischen Premierminister Netanjahu zuzuschreiben. Viele Nahost-Experten übersehen einen wesentlichen Faktor: die jahrhundertelange, von der Bibel inspirierte Mission der USA, die Welt zu erneuern – die sich heute im Iran abspielt. Diese messianische Denkweise wirft ein Licht auf die aktuelle Situation nicht nur im Nahen Osten, sondern auch innerhalb der EU und der politischen Klasse der USA.
Die frühen amerikanischen Siedler sahen sich selbst als von Gott gesalbte Dissidenten und ihre neue Heimat als ein Geschenk des jüdischen Gottes Jahwe. Amerika wurde als neues Israel dargestellt – ein Gelobtes Land, ein neues Kanaan für sein auserwähltes Volk. Pilger, Siedler und später sogar säkularisierte Politiker der Aufklärung – sie alle sahen sich als auserwähltes Volk, das ein krankes, korruptes und von Stammesfehden zerrissenes Europa hinter sich gelassen hatte.
Man könnte den deutschen Soziologen Werner Sombart in seinem Buch ›Die Juden und das Wirtschaftsleben‹ (1913, S. 44) zitieren:
Was wir Amerikanismus nennen, ist nichts anderes, wenn wir so sagen dürfen, als der destillierte jüdische Geist.
Der amerikanische Angriff auf den Iran ist lediglich eine logische Fortsetzung dieser weitreichenden politischen Theologie, die darauf abzielt, die Welt nach amerikanischem Vorbild umzugestalten. Diese von der Bibel inspirierte Politik, die sich nun im Iran abspielt, beruht auf Ideen, die dem frühen jüdischen Denken entlehnt sind. Die Vorstellungen von einer „Stadt auf einem Hügel“, „Gottes eigenem Land“ und der „Manifest Destiny“ stützen sich alle auf das Alte Testament.
Die biblische Idee der Prädestination diente den frühen Siedlern als Sprungbrett für ihr eigenes Konzept demokratischer Einzigartigkeit. Das biblische Israel war dazu bestimmt, als Vorlage für Amerikas Weltbild vom „Gelobten Land“ zu dienen, und muß daher heute um jeden Preis militärisch geschützt werden.
Zudem wird für Millionen von Christen die Wiederkunft Jesu nicht in irgendeinem Dorf in den Ozarks oder im von Kroaten bewohnten Hinterland von Medjugorje stattfinden, sondern nur im jüdischen Jerusalem.
Verschiedene Varianten dieses von der Bibel inspirierten Drangs, die Welt zu „verbessern“, stehen seit langem im Zentrum der US-Außenpolitik, selbst wenn sie in säkulare Sprache gekleidet sind. Diese ökumenischen Impulse tragen heute liberale und kommunistische Etiketten wie Menschenrechte, Kampf gegen das Böse, moralische Rechtschaffenheit, Toleranz und Multikulturalismus.
Moderne Juden sind hier die letzten, denen man die Schuld geben kann, da Millionen christlicher Zionisten versuchen, die Juden zu übertrumpfen und ihnen „den Rang abzulaufen“ – und sich ihrerseits danach sehnen, sich in das „wahre Israel“ (verus Israel) zu verwandeln.
Die monotheistische christliche Haßliebe gegenüber den Juden läßt sich als eine Art Neurose beschreiben. Sie ist untrennbar mit einem theologischen – und später ideologischen – System verbunden, das eine einzige Wahrheit voraussetzt und alle anderen ausschließt. Ein System, das auf einem einzigen eifersüchtigen Gott aufgebaut ist, muß per definitionem alle anderen konkurrierenden Götter – und alle rivalisierenden Wahrheiten – ablehnen.
Der Krieg gegen den Iran folgt den Spuren dieser politischen Selbstauserwähltheit und theologischen Ausgrenzung des anderen, wie sie bereits im jüdischen Alten Testament dargelegt ist. Daher die wiederkehrende Dämonisierung politischer oder religiöser Gegner in der US-Außenpolitik: zuerst die Indianer, dann die sprichwörtlichen „heidnischen“ deutschen „Nazis“, dann die „bösen“ atheistischen Kommunisten und zuletzt die „bösen“ Islamisten im Iran. Alle wurden als Untermenschen oder Terroristen dargestellt. Und mit Terroristen darf man natürlich nicht verhandeln – sie müssen eliminiert oder, falls dies nicht gelingt, umerzogen werden.
Es ist fast schon eine Binsenweisheit, daß die EU sich hinsichtlich der politisch-theologischen Verbindung zwischen den USA und Israel zurückhält: Europa fungiert seit achtzig Jahren als amerikanischer Vasall. Das sichtbarste Beispiel für diese Unterwürfigkeit zeigt sich im Verhalten deutscher Politiker, die gelegentlich milde Kritik an US-Militäreinsätzen äußern, sich aber niemals an Kritik an Israel wagen – geschweige denn kritische Äußerungen über Juden machen.
Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte im März 2008 in ihrer Rede vor der israelischen Knesset:
Jede Bundesregierung und jeder Bundeskanzler vor mir haben sich der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet gefühlt. Diese historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das bedeutet, dass die Sicherheit Israels für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar ist.
Deutschland sticht als das groteskeste Beispiel dieser masochistischen Nachahmung hervor. Die aktuelle deutsche Politik gegenüber dem militärischen Engagement der USA im Iran vermeidet sorgfältig jegliche Kritik an Israel. Aus Angst, als Faschisten abgestempelt zu werden, wird von europäischen Politikern erwartet, daß sie weiterhin antifaschistische mea culpas von sich geben – sozusagen auf Zuruf aus Washington, D.C., und Tel Aviv.
In diesem Sinne und im Rahmen dessen, was man als Politik der „Sühne des weißen Mannes“ bezeichnen könnte, wird von Deutschland und der gesamten EU erwartet, daß sie sogenannte nicht-weiße Flüchtlinge aufnehmen, während sie gleichzeitig ständig ihre Rolle als historisch bösartige „Tätervölker“ (Tätervolk) zur Schau stellen.
Die herablassende Haltung der EU-Herrscherklasse gegenüber dem militärischen Engagement der USA und Israels hat tiefere Wurzeln. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der kommunistisch geprägte ›Think Tank‹ namens ›Frankfurter Schule‹ – dessen Mitglieder zum Großteil jüdischer Herkunft waren – eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der neuen europäisch-kryptokommunistischen Kultur.

Nach dem Zweiten Weltkrieg strömten Scharen von linksgerichteten, freudo-marxistischen Psychoanalytikern aus den USA – die zu festangestellten Psychiatern wurden – nach Europa, um die europäische Denkweise umzugestalten. Mit ihnen kam eine Schar von biblisch hypermoralistischen Predigern, die darauf aus waren, das amerikanische Demokratiemodell dem europäischen öffentlichen Leben aufzuzwingen.
Nach dem israelischen Gemetzel im Gazastreifen könnte es für die jüdische Identität und ihre Unterstützer in den USA bald unschön werden. Eine Art negative Dialektik hat eingesetzt. Die Linke und die Antifa – im Gegensatz zur quasi-kastrierten Rechten – haben begonnen, Israel und seine Lobby mit immer härteren Worten zu kritisieren. Das ist kaum überraschend.
Sicherlich haben die Linke, sowohl in den USA als auch in der EU, und ihr aufwieglerischer Handlanger ›Antifa‹ nun mehr Spielraum, wenn es darum geht, Israel zu kritisieren. Es ist schwierig, sie als antisemitisch zu bezeichnen, da sie historisch gesehen von einer beträchtlichen Anzahl jüdischer freudo-marxistischer Akademiker beeinflußt wurden.
Die linken Sprößlinge wenden sich nun gegen ihren geistigen Paten. Rechtsgerichtete und weiße Nationalisten hingegen können sich diesen Spielraum nicht leisten. Seit langem des Antisemitismus verdächtigt, verwandeln sie sich immer mehr in äesopische Gestaltwandler – wobei viele auf vorgetäuschten Philosemitismus setzen und einige rechte Politiker rituelle Pilgerfahrten zur Klagemauer in Jerusalem inszenieren.
Die deutschen politischen „Eliten” aller Couleur sind, während sie die amerikanisch-israelische Verbundenheit nachahmen, noch einen Schritt weiter gegangen. In ihrem Eifer, demokratisch-antifaschistische Referenzen zu demonstrieren und ihre Gehorsamkeit gegenüber Israel zu signalisieren, ähneln sie der Figur aus Johann Wolfgang Goethes Ballade ›Der Zauberlehrling‹.
Der junge Lehrling, begierig darauf, anzugeben, beschließt, die Fähigkeiten seines Meisters im Umgang mit dem Zauberbesen nachzuahmen, entfesselt dabei jedoch Kräfte, die er nicht kontrollieren kann, und bringt so seinen eigenen Untergang herbei:
Willst’s am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten!
Die gute Nachricht ist, daß die öffentliche Sprache in der EU und den USA nach dem gemeinsamen israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran immer weniger durch politisch korrekte „woke“-Normen eingeschränkt wird. In den Augen der Mainstream-Medien äußern nun sogar Intellektuelle, die zuvor als Rechtsradikale bezeichnet wurden, offene Kritik an Israel – etwas, das noch vor wenigen Jahren unvorstellbar war.
Dennoch hält der Würgegriff auf die freie Meinungsäußerung und die akademische Forschung weiterhin an. Präsident Trump wurde, trotz seiner lobenswerten Schritte zur Demontage der kommunistisch inspirierten DEI-Agenda {Diversity, Equity, & Inclusion}und seiner Kritik an den EU-Eliten wegen ihres immer enger werdenden Würgegriffs auf die Gedankenkontrolle, wahrscheinlich gezwungen, einen Deal mit der israelischen Lobby im eigenen Land zu schließen, die ihn in die unglückselige Kampagne im Iran drängte.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist die politische Unterwürfigkeit gegenüber Israel – einschließlich seiner Mitläufer unter Millionen glühender Christen, die auf die bevorstehende Erscheinung Jesu warten – nicht das Ergebnis einer gewalttätigen Ideologie, die von einer Handvoll jüdischer Verschwörer aufgezwungen wurde.
Vielmehr hatten langjährige, von der Bibel inspirierte Schuldgefühle bereits einen fruchtbaren Boden für die Aushöhlung der Gedankenfreiheit geschaffen. Gepaart mit der Illusion endlosen kapitalistischen Wachstums und dem christlichen Ökumenismus nach dem Motto „Liebe deinen nicht-weißen Nächsten“ hat sich der Glaube festgesetzt, daß sich alles irgendwie von selbst regeln wird.
Das wird es nicht. Im Kern läuft der Geist christlich inspirierter Selbstverleugnung auf einen Verlust des Geistes selbst hinaus.
Quelle: https://www.arktosjournal.com/p/us-political-theology-weaponizing

