Zehn lügenhafte Fakten über den Iran

Patrick Lenart

Das westliche Narrativ zum Irankrieg ist schnell erklärt: Das Land im Nahen Osten baue an der Atombombe, finanziere weltweit Terror, drohe Israel aus reinem Judenhaß, weswegen man ihm in einem Präventivschlag die vielzitierte Freiheit & Demokratie einbomben müsse. Doch mit der Realität haben die Darstellungen herzlich wenig zu tun – und in vielen Fällen stecken sogar die USA, Israel und/oder ihre Verbündeten tatsächlich hinter den Verwerfungen. 

1: Westliche Kriege mit Lügen begründet

In seinem aktuellen Video legt Lenart weit verbreitete Irrtümer offen und ordnet die Hintergründe des Konflikts, die teils Jahrzehnte zurückreichen, ein. Den Auftakt macht die zuerst von etlichen Medien behauptete Version eines ›Präventivschlags‹, von der mittlerweile aber sogar das Pentagon abrückt. Er erinnert hier auch die Propaganda-Lügen, mit denen die USA in Afghanistan & im Irak einmarschierten – etwas, das hunderttausende tote Zivilisten und tausende gefallene US-Soldaten und Kosten in Billionenhöhe (!) verursachte.

Im Irak wurden die vielzitierten „Massenvernichtungswaffen” nie gefunden – und auch der Einmarschgrund in Afghanistan war fingiert. Man ließ die Welt im Glauben, die Taliban würden Bin Laden nicht ausliefern, in Wahrheit aber waren sie sehr wohl dazu bereit – unter der Voraussetzung, daß er ein faires Verfahren bekäme. Außerdem wollten sie die Auslieferung des Al-Kaida-Chefs nur an ein muslimisches Land tätigen – allerdings gäbe es davon genug US-Verbündete in der Region.

Hier könnt ihr das ganze, knapp 20 Minuten lange, Video nachsehen:

 

2: Iran strebt nicht nach Atombombe

Auch die Behauptung, wonach der Iran kurz vor der Atombombe stehe, entbehrt laut Lenart der Realität. Der israelische Premier Netanjahu behauptet dies seit 30 (!) Jahren in regelmäßigen Abständen. In Wahrheit erließ Chamenei als auch geistliches Oberhaupt des Irans eine Fatwa, dass Atomwaffen nicht mit dem islamischen Glauben in Einklang zu bringen sei.

Außerdem habe der Oman nur einen Tag vor dem Angriff erklärt, daß der Iran zu Zugeständnissen bereit sei, um zuzusichern, daß man nicht danach strebe. Trotzdem folgte unmittelbar der Angriff. Trump behaupte zudem, er wolle ein neues Atom-Abkommen mit dem Iran, obwohl er das ursprüngliche – an das sich das Land hielt – 2018 als politischer Willkür aufkündigte.

3: Israel, die Nakba & internationales Recht

Selbst das Argument, der Iran sei aus antisemitischen Gründen feindlich gegenüber Israel, steht auf tönernen Füßen – zumal sich im Iran die größte jüdische Gemeinde außerhalb Israels befindet, die sogar einen garantierten Parlamentssitz hat. Die Gründe der Gegnerschaft liege darin, daß der Iran hinter den Palästinensern steht. Lenart zeichnet hier auch die historische Dimension nach: Jüdische Terror-Organisationen sprengten schon in den 40er-Jahren ganze Hotels oder massakrierten ganze Palästinenserdörfer. Zur Errichtung des israelischen Staates, die 1948 vollzogen wurde, vertrieb man rund 700.000 Araber.

Bis heute gehe die Siedlungspolitik im Westjordanland weiter, teils mit brutalen Mitteln: „Da kommen Bulldozer an, machen die Gebäude kaputt, die Leute werden terrorisiert und teilweise ermordet, um sie zu vertreiben und jüdische Siedler rücken nach. Die Behauptung: Gott habe ihnen dieses Land geschenkt. Der Westen drückt beide Augen zu. Dieser Befund gelte auch für die massiven Kriegsverbrechen der israelischen Armee im Gaza-Konflikt.” Daß sich der Iran hinter die arabische Bevölkerung stellt, habe also nicht mit der Religion zu tun, sondern mit politischen Gründen.

4: Iran, eigentlich Feind des Dschihadismus

Verzerrt sei auch die Darstellung, daß der Iran den Dschihadismus finanziere. In Wahrheit gehe dieser v.a. von der salafistischen Sunniten-Schule aus, während im Iran – als eines der wenigen Länder der islamischen Welt – mehrheitliche schiitisch sei. Viele Dschihadisten wiederum sähen Schiiten als größere Feinde als Juden oder Christen an, sodaß sogar Al-Kaida (!) sich von IS-Massakern gegen selbige in der Anfangsphase der Terror-Miliz distanzierte, weil man solche Taten trotzdem gegen muslimische Glaubensbrüde nicht verüben sollte. Der Iran habe sogar einen bedeutenden Anteil bei der IS-Bekämpfung gespielt. 

5: Westen zerstörte die iranische Demokratie

Der Grund für die Gegnerschaft gegenüber den USA wiederum liege tiefer in der Geschichte verankert. Wie auch Der Status bereits im Vorjahr berichtete, zettelten britische & amerikanische Geheimdienste nämlich bereits in den 1950ern einen ›Regimewechsel‹ im Iran an. Der demokratisch gewählte Schiiten-Führer Mohammed Mossadegh wollte die Ölindustrie verstaatlichen. Erst in den 2010er-Jahren räumte die CIA die Existenz dieser ›Operation Ajax‹ ein. 

Stattdessen wurde dann Mohammed Reza Pahlavai als Schah eingesetzt und regierte totalitär & mit eiserner Faust – die Unzufriedenheit darüber gipfelte 1979 in der ›Islamischen Revolution‹. Lenart dazu: ”Die Iraner erinnern sich also ganz gut, daß ihnen die Amerikaner die Demokratie geraubt und eine Diktatur gebracht haben, die von Brutalität gekennzeichnet war.” Detail am Rande: Das iranische Atomprogramm wurde in den 50ern mit US-Unterstützung überhaupt ins Leben gerufen…

Der Status-Nachlese zu US-Flunkereien bei Interventionen & die ›Operation Ajax‹:

6: Wer finanziert den Terror wirklich?

Spannend sei bei der internationalen Terrorfinanzierung, wer wirklich dahinter steckt. Al-Kaida – der IS ist letztlich eine Abspaltung aus selbiger – bekam seinen Anstoß nämlich dadurch, daß die USA im Kalten Krieg über den pakistanischen Geheimdienst die ›Mudschahedin‹-Kämpfer sowie tatsächliche Terrorgruppen mit Abermillionen finanzieren ließ, damit diese die Sowjets aus Afghanistan vertreiben.  Lenart dazu: „Also habe die Amerikaner das Ganze selbst mitfinanziert.” Detail am Rande: Die Taliban haben übrigens dieselben Wurzeln. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an die Darstellung der Mudschahedin als Freiheitskämpfer in ›Rambo III‹. 

Das andere Element finde sich ebenfalls im Jahr 1979, rund um den Anschlag auf die Große Moschee in Saudi-Arabien. Um sich die geistliche Erlaubnis für die Rückeroberung zu holen, gaben die – damals frisch aus Ägypten vertriebenen & in Einfluß gekommenen – Salafisten dies frei, sofern die ›US-Petrodollars‹ fürs Öl in die globale Mission des Islam fließen würden. Da sich somit die salafistische Schule verbreitete, kam es vielerorts zur Radikalisierung des Islams. Somit finanzierten also quasi just die Saudis, die wichtigsten US-Verbündeten in der Region, letztendlich unwissentlich den Aufstieg des islamistischen Terrors. 

7: Wer hat das gestohlene US-Uran?

Für spannend hält Lenart auch, daß immer wieder das Argument fällt, es sei gefährlich, wenn ein Land in der Region die Atombombe habe. Dabei habe Israel bereits zwischen 80 und 400 Atomwaffen, ohne daß es internationale Kontrollen gibt oder das Land dem Atomwaffen-Sperrvertrag beigetreten sei. Dazu kommt die ›Samson-Option‹, mit der sich Israel offenhält, seine Feinde mit in den Abgrund zu reißen und selbst Atomraketen auf europäische Länder für ein probates Mittel hält. Übrigens: Einige israelische Politiker kokettierten auch im Gaza-Konflikt mit dem Einsatz von Nuklearwaffen – Der Status berichtete.

Woher hat Israel die Fähigkeit, überhaupt die Bombe zu bauen? Demnach hätten Mossad-Agenten die Amerikaner ausgetrickst und 1965 in einer Anlage in Pennsylvania waffenfähiges Uran entwendet. Bis heute gebe es aber keine Konsequenzen, geschweige denn eine Strafverfolgung für diesen Diebstahl. Einen Mitgrund dafür wittert Lenart im nächsten Punkt, den er anbringt – nämlich den Unsummen, die für Israel-Lobbyismus u.a. in den USA fließen.

Der Status-Nachlese zum Thema israelische Atomwaffen-Koketterie:

8: AIPAC und die US-Außenpolitik

Denn das sogenannte ›American Israel Public Affairs Commitee‹ (AIPAC) hat einen großen Einfluß auf die amerikanisch-israelischen Beziehungen und somit auch auf die US-Außenpolitik. Alleine 2024 flossen über 100 Mio. Dollar im Wahlkampf, davon alleine 45 Mio. Dollar in die Verhinderung der Wiederwahl israelkritischer Kongreß-Abgeordneter. Das übt auch auf andere Mandatare entsprechend Druck aus. Erwähnenswert sind auch die 600 Mio. US-Dollar, welche die israelische Staatsbürgern & glühende Zionistin Miriam Adelson sowie deren verstorbener Ehemann in den letzten 10 Jahren ins Trump-Umfeld & die Republikaner steckte. 

Folge dem Geld – der Einfluß ist entsprechend groß: Adelson soll auch dafür verantwortlich sein, daß mit Marco Rubio ein israelfreundlicher Politiker zum Außenminister bestellt wurde. Lenart faßt zusammen: „Eine ausländische Staatsbürgerin nimmt hunderte Millionen Euro in der Hand, um die US-Politik zu beeinflussen. Das ist massivste Lobbyarbeit.” Dies helfe auch bei der Erklärung, weshalb Trump den Angriff auf den Iran empfahl, obwohl die Mehrheit der US-Bevölkerung wenige Monate vor den Midterm-Wahlen klar gegen eine solche Intervention ist. Etwas, das freilich auch für seine Stammwähler gilt, denen er ja versprach, als ›Friedenspräsident‹ keine Kriege zu beginnen… 

Wir hatten auch israelische Interessen & Bomben auf den Iran als ›Staaträson‹ bereits früh auf dem Schirm: 

9: Netanjahu, die Justiz & die Wahlen

Auch die Frage nach dem „Cui bono?” ist aufschlußreich. Denn niemand habe den Konflikt nötiger als Benjamin Netanjahu. Denn der israelische Premier verschleppt seit 2020 einen laufenden Prozeß wegen Betrug, Untreue und Bestechung gegen ihn. Zugleich zeigt jede Umfrage seit geraumer Zeit, daß er eine Parlamentswahl aktuell haushoch verlieren würde – „wie praktisch also, daß es seit dem 7. Oktober [2023, Anm.] – dem Terroranschlag der Hamas auf Israel – keinerlei Wahlen mehr in Israel gibt.”

10: Warum Israel die Hamas miterschaffen hat

Den „heftigsten Punkt” hat sich Lenart bis zum Ende aufbehalten – nämlich die Rolle Israels beim Aufstieg der Hamas. Auch hierzu berichtete Der Status bereits kurz nach der Eskalation im Gaza-Konflikt ausführlich. So gab der israelische Ex-Militärgouverneur im ehemals besetzten Gazastreifen zu, daß die Regierung die Gründung der Hamas sowie der Finanzierung ihrer Aktivitäten auch finanziell anschob. Ein Kalkül dabei: Die Schaffung einer zweiten Palästinenser-Organisation neben Arafats ›PLO‹, die im Westjordanland regiert, ganz nach dem ›Teile und herrsche‹-Prinzip.

Lenart streicht hierbei die höchstpersönliche Rolle des heutigen Premiers hervor: Denn Netanjahu habe selbst einst gesagt, daß man die Hamas unterstützen und finanzieren müßte, um eine Zweistaatenlösung zu verhindern. Denn, wenn in den beiden Palästinensergebieten unterschiedliche Organisationen das Sagen haben, dann gäbe es keinen einheitlichen Ansprechpartner für entsprechende Verhandlungen. Abschließend erinnert er auch noch an den Umstand, daß es beim Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 vorab offenbar Geheimdienst-Infos gab, auf die allerdings keine Handlungsschritte folgten. 

Quelle: https://derstatus.at/globalismus/10-irre-nahost-fakten-so-verlogen-ist-west-propaganda-zum-iran-4714.html