Karl Richter

 

Wir wissen nicht, was in diesen Tage in Iran passiert. Überprüfbare Nachrichten aus dem Kriegsgebiet sind rar. Was man erfahren kann, wenn man nach Informationen sucht, ist traurig genug.

Das amerikanisch-israelische Verbrecherbündnis führt – wie üblich in allen vergleichbaren Fällen (Gaza, Irak, Jugoslawien 1999) – Krieg nicht nur gegen das iranische Militär und das angebliche Atomwaffenprogramm, sondern auch gegen das Land, das Volk und seine Identität: seine einzigartige, mehrtausendjährige Kultur.

Die dabei angerichteten Zerstörungen sind umso schmerzhafter, als es sich in der Regel um unwiederbringliche Kulturdenkmäler handelt. Bei den jüngsten Angriffen auf Teheran wurde eines davon schwer getroffen, der einzigartige Rose Garden Palace im Golestan-Palastkomplex, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Der Palast stammt ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert, wurde in den darauffolgenden Jahrhunderten immer wieder erweitert und im 17. Jahrhundert von Grund auf restauriert. Ein Besuch ist Höhepunkt jeder Teheran-Reise; das unglaublich feinziselierte Interieur und das Lichtspiel, das durch Tausende gebrochener und bemalter Glas- und Spiegelscheiben hervorgerufen wird, sind schlechterdings unbeschreiblich. Kunstwerke dieser Art gibt es immer nur ein einziges Mal.

Ein Blog der Teheraner Museumsverwaltung informierte gestern über die beim Angriff entstandenen Schäden: Scheiben sind geborsten, Böden und Interieur beschädigt. Der Gebäudekomplex als Ganzes scheint – noch – unversehrt.

Die Zerstörung der Vergangenheit ist Bestandteil der unmenschlichen, auf die Seele zielenden Kriegführung im „demokratischen“ Massenzeitalter. Sie ist kein Zufall. Sie will die Erinnerung des Gegners auslöschen, ihn gesichts- und identitätslos machen. Und zwar in voller Absicht, was sie umso teuflischer macht.

Wir kennen das aus unserer eigenen jüngeren Geschichte. Einer der Hauptverantwortlichen des anglo-amerikanischen Luftterrors gegen Deutschland, der Churchill-Berater Lord Cherwell (alias Frederick Alexander Lindemann), begründete die Zerstörung der deutschen Städte und Kulturgüter mit infamen Argumenten:

Die deutsche ´Umerziehung´ muß durch eine ´Umgestaltung´ des deutschen Lebensraumes erleichtert werden.

Bei US-Präsident Roosevelt fand Lindemann mit solchen Überlegungen ein offenes Ohr, als er diesem vortrug, die Städte-Bombardierung werde nicht nur die Moral der Deutschen brechen, sondern durch die Vernichtung der baulichen Zeugen der Vergangenheit auch den

deutschen Stolz und das deutsche Sendungsbewußtsein auf ein erträgliches Maß zurückführen.

Man weiß, wie es endete. Die deutschen Städte starben, und sie sind seit 1945 nicht mehr das, was sie vordem waren. Unbestritten ist, daß die Pulverisierung ihrer Bausubstanz ihren Beitrag zur „Reeducation“, zur Umerziehung der Besiegten, leistete: ein Kapitel Psychokrieg, der seither zu den selbstverständlichen Begleiterscheinungen zählt, wenn irgendwo auf dem Globus „westliche Werte“ auf dem Vormarsch sind. Wir wissen spätestens seit der (nur teilweisen!) Veröffentlichung der Epstein-Dokumente, daß sie in Wahrheit satanisch, abartig, pervers sind.

Auch der Irak wurde 1991 von den westlichen Demokratiebringern im großen Stil von seiner mehrtausendjährigen Vergangenheit „befreit“. Rund 15.000 katalogisierte Kulturstätten gibt es im Irak, auf dessen Gebiet einst die antiken Hochkulturen von Sumer, Babylon und Assur blühten.

Nach dem Krieg ließ die irakische Altertumsverwaltung die Schäden, die die alliierten Angriffe anrichteten, katalogisieren und kam auf eine furchtbare Bilanz, von der die Weltöffentlichkeit nie etwas erfahren hat. Hunderte von Kulturdenkmälern waren beschädigt, einsturzgefährdet, durch Erschütterungen oder nahe Detonationen in Mitleidenschaft gezogen. Die Amerikaner hatten oft willkürlich Ausgrabungsstätten und Altertümer beschossen.

Die iranische Kulturlandschaft ist sogar noch reicher als die irakische. Sie umfaßt nach der Zählung der iranischen Denkmalbehörde über 34.000 kulturhistorische Stätten, die Zeugnisse aus allen Epochen umfassen.

Ein einzigartiger Quell der nationalen Identität – und man muß anerkennen, daß die heutige Islamische Republik auch die alte, vorislamische Zeit längst nicht mehr verdrängt, sondern zum nationalen Erbe zählt. Was wird davon den Krieg überleben – wenn Trump nach eigener Aussage den „Dreck“ aus den Iranern „herausprügeln“ läßt?

Reden wir auch über die menschlichen Opfer, die schon jetzt zu beklagen sind. Zum Beispiel die 165 toten Mädchen, die beim israelischen Angriff auf eine Schule in der Stadt Minab zu Tode kamen – wie waren sie auf die Liste der Ziele geraten? Warum?

Womöglich allein deshalb, weil sie Perserinnen waren. Die „heiligen“ Bücher des Volkes Israel sind voll von Schauermärchen davon, wie ihr Gott, neben dem man keine anderen Götter haben darf, andere Völker austilgt und zerstampft. Denn ihr Herr, der ein eifersüchtiger, blutdürstiger Rachegott ist, hat ihnen ihr Gelobtes Land und den Rest der Welt gleich mit versprochen. Seit dieser Zeit weiß das Volk Israel, daß man die anderen zweckmäßigerweise nicht übrigläßt. Israel praktiziert derlei von der Nakba, der Vertreibung der Araber 1948, bis zum heutigen Tag in Gaza.

Wie passend und vielleicht kein Zufall: Anfang dieser Woche war Purim. Gläubige Juden feiern das Purimfest zur Erinnerung an ein glücklich überstandenes Komplott am persischen Hof, das von der klugen Esther, einer antiken Monica Lewinsky am Hof des Großkönigs, abgewendet werden konnte. Zur Vergeltung schlachteten die Juden im Reich des Großkönigs 75.000 Perser ab – und feiern das Ganze bis auf den heutigen Tag als lustiges Ereignis. Nachzulesen im Buch Esther. Purim 2026. Mehr muß man nicht wissen.

Quelle: https://www.facebook.com/karl.richter.798