Den Anfang der „GRÜNEN“ habe ich miterlebt. Ich hatte den Anstoß gegeben zur Bildung der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, die sich gegen den „Nuklearen Entsorgungspark“ bei Gorleben und überhaupt gegen die Nutzung der Kernenergie einsetzte.

Damals wollten wir die Kohle- und Wasserkraftwerke erhalten sowie die Sonnen- und Windenergie nutzen, also eine breitgefächerte Art der Energie-Gewinnung. Vor allem hofften wir auf die Entwicklung der Technik zur Nutzung der kosmischen Energie, die uns der „Himmel“ frei Haus liefert (nach Tesla).

Da kam eines Tages ein Mann zu uns, um zu erfahren, wie wir von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg zu dem Plan stünden, eine neue Partei zu gründen, die für den Umweltschutz kämpfen und ganz einfach ›Die Grünen‹ heißen sollte.

Wir persönlich warnten davor, eine weitere Partei in die Welt zu setzten, zumal der Umweltschutz Aufgabe des ganzen Volkes und nicht einer Partei allein sei. Was draus wurde, sehen wir heute nach 45 Jahren Geschichte der GRÜNEN.

Ursula Haverbeck war noch näher beim Anfang der Partei der GRÜNEN dabei als ich und berichtet darüber.

wiedergegeben in dem Buch ›Land, mein Land, wie leb ich tief aus dir!‹, das etliche Aufsätze und Reden von U.H. enthält.

Die Frau Rudi Dutschkes, Gretchen Dutschke, berichtet in ihrem Buch ›Rudi Dutschke – Wir hatten ein barbarisch schönes Leben‹ (Knaur, München 1998) auf S. 421 über die Haverbecks:

… Sie hatten in Vlotho eine Lebensschutzakademie gegründet, in mancher Hinsicht eine Art Volkshochschule, wo später verschiedene Treffen der Grünen stattfanden.

An einer der Tagungen dort haben mein Mann und ich auch teilgenommen und den Eindruck eines für verschiedene Anschauungen offenen Geistes der Haverbecks gewonnen, wobei uns der Ursula Haverbecks klarer erschien als der ihres Mannes Werner Haverbeck.

Schon im Dezember 1977 soll eine erste Konferenz in Vlotho stattgefunden haben, worüber Gretchen Dutschke vermerkt:

Es waren rund zwanzig Leute anwesend, unter ihnen der konservative Umweltschützer Herbert Gruhl (CDU), der unabhängige Sozialist Ossip K. Flechtheim, Joseph Beuys, Wilfried Heidt, sowie Haverbeck, Hausleiter und Milan [Horácek].

Joseph Beuys, Foto: dpa-Bildarchiv

Wenige Jahre später folgte die Ernüchterung.

In dem Buch ›Land, mein Land, wie leb ich tief aus dir‹ sind etliche Abhandlungen von Ursula Haverbeck veröffentlicht, darunter die unter der Überschrift ›Die Grünen‹.

Uns wird hiermit ein geschichtlicher Abriß mit Entwicklungen in unserm Land geliefert, die heute angesichts des Wirkens der Partei ›Die Grünen‹ in deren Werdegang vieles erklären, was manchem Zeitgenossen übel aufgestoßen und unerklärbar war. Ursula Haverbeck:

 

Es ist immer wieder die Frage gestellt worden, ob es sich bei den Grünen und ihrem oft schwerverständlichen Vorgehen um Kinderkrankheiten handele.

Schließlich wurde diese Partei erst vor fünf Jahren (1975) gegründet. In dieser kurzen Zeit schaffte sie den Sprung ins Bundesparlament.

Dennoch meine ich: Nein, es ist eher ein Geburtsfehler. Auch der doppeldeutige Name „Die Grünen“ läßt etwas vom Wesen dieser Partei erahnen. Die Grünen sind die Partei mit den jüngsten Mitgliedern und dem jüngsten Wählerpotential.

Als Vorbereitungs- und Gründungsmitglied muß ich anerkennen, daß diese Parteineugründung in einer so kurzen Frist durchweg dem 150-prozentigen Einsatz vieler sehr junger Menschen zu verdanken war.

Während die älteren, mehr abwägenden Charaktere noch mancherlei Bedenken wälzten, Weihnachten feierten oder sich in allen möglichen Verpflichtungen verstrickt sahen, schafften es die unkonventrionelleren Jungen – oft Linke oder Arbeitslose –, innerhalb weniger Wochen nahezu flächendeckend im Bundesgebiet Kreis- und Landesverbände zu bilden, aus deren Delegierten dann in Karlsruhe am 12./13. Januar 1980 die Partei ›Die Grünen‹ hervorging. 

Und 1983 saßen ›Die Grünen‹ im Bundestag! Diese Leistung soll in keiner Weise abgewertet werden.

Worin besteht nun dieser Geburtsfehler, und welche weiteren Fehlentwicklungen sind es, die uns heute unsere Frage stellen lassen?

Ein Geburtsfehler weist über den damit Behafteten hinaus auf eine belastende vorgeburtliche Mitgift hin. Auch der Geburtsfehler der Grünen läßt sich nicht aus ihnen selbst erklären: Darum muß ich etwas ausholen. …

Wenn wir zustimmen, daß Politik heute weitgehend identisch ist mit Wirtschaft, dann sind die Parteien als politische Gruppierung eigentlich schon hinfällig.

Der Staat ist auch im freien Westen der größte Unternehmer und hat darüber hinaus im Gegensatz zu allen anderen Unternehmern das Recht, seine Einnahmen per Gesetz zu erhöhen (oder Wirtschaftsvergehen zu amnestieren).

Die Wirtschaftspolitik wird im Westen bestimmt durch die Gewinnmaximierung, durch den Kapitalmarkt! Sie wird nicht bestimmt durch die Bedürfnisse der Menschen.

Nur so ist die Zerstörung der Lebensgrundlagen überhaupt machbar geworden.

Mit der Konzentrierung von Kapital in den Händen Weniger wird zugleich eine Machtstellung erreicht, Weltherrschaftstendenzen sind heute unverkennbar. Der Westen wirft sie dem Osten vor und der Osten dem Westen.

Das größte Geschäft – das wirklich lohnende – ist die Rüstung. Sie ist nur möglich vor dem Hintergrund der Angst vor einem furchtbaren Feind …

Das Freund-Feind-Denken muß zu diesem Zweck in der Bevölkerung fortwährend geschürt werden. Der Klassenkampf ist hierbei ein immer noch wirksames Mittel, und ebenso die Einstufung aller unabhängigen Geister in Links- oder Rechtsradikale, die zu bekämpfen sind.

Dies ist so lange wirksam, solange die derart geschiedenen Geister mitmachen und sich selber als feindliche Gegensätze empfinden …

Wenn es früher hieß ›divide et impera‹, so kann man heute ergänzen: und wecke Furcht, um zu unterdrücken, indem du Atomraketen verkaufst.

Wer übersieht, daß „Jene“, die den Kapitalmarkt beherrschen, die das Rüstungsgeschäft betreiben, den Ost-West-Konflikt selber erfunden haben – was nachweisbar ist – und bis zum heutigen Tag den Gegner am Leben erhalten – was ebenfalls beweisbar ist –, ist politisch naiv.

„Jene“ steuern also die Welt, was nur geht, wenn sie zwei- oder auch dreigeteilt ist, wie Orwell bereits 1932 klar erkannte. Der Feind ist ein Phantom, zum Zwecke der Herrschaft und Unterdrückung aufgebaut. Es lenkt von „Jenen“ ab und auf Menschen hin, die genauso mißbraucht werden wie wir selber.

Das erste Opfer in diesem Weltkonfikt ist die Natur und damit unsere Lebensgrundlage. Wir brauchen keinen Krieg mehr, hier befinden wir uns schon mitten im Kriegszustand.

Das war der Anlaß für die Begründung einer ökologischen Partei. Konsequente Ökologen wollten ein menschenwürdiges Leben retten.

Konsequente Ökologen nenne ich diejenigen, die 

– das Leben als einen nicht aus der Materie abzuleitenden Wert begreifen (was nicht als Dualismus mißverstanden werden sollte),

– ökologische Gegebenheiten und Naturgesetze als Begrenzung des Wirtschaftslebens anerkennen,

– die Menschheit als eine Familie von Völkern mit Selbstbestimmungsrecht verstehen, deren Eigensein wie eine Vogelart zu schützen ist,

– in der Befriedung der Grundbedürfnisse aller Menschen den Sinn des Wirtschaftslebens sehen und nicht im Kapitalwachstum.

Bereits in der Gründungsphase der Partei ›Die Grünen‹ haben wir erlebt, wie durch plötzliches Aufbrechen des Freund-Feind-Denkens (vornehmlich von den K-Gruppen eingeführt) es gelang, die konsequenten Ökologen zu verdrängen.

Eine weitere Fehlentwicklung wurde eingeleitet durch die ungeprüfte Übernahme herkömmlicher Parteistukturen – zum Teil vorgegeben durch das Parteiengesetz.

Gerade für die Konservativen schien die Parteiendemokratie mit ihren Umgangsformen der Garant für ein friedliches und legales Miteinanderarbeiten. Sie übersahen, daß diese Strukturen aus ganz anderen Überlegungen heraus und „von außen“ geschaffen worden waren.

So wurde folgerichtig dieses Mittel sehr schnell benutzt, um die konsequenten Ökologen auszuschalten. Allerdings machten diese es den anderen auch leicht.

Ursula Haverbeck, Baldur Springmann und Herbert Gruhl, Bildquelle: Metapedia

Als nächstes wurde dafür gesorgt, daß drei inhaltliche Momente aus dem herkömmlichen Parteienleben übernommen wurden:

– der Klassenkampf als ideales Übungsfeld für das Freund-Feind-Denken,

– die Tabuisierung einer fundamentalen Kapitalismuskritik, das heißt die Hinterfragung von Geldwesen, Währung, Zinspolitik,

– die Verweigerung, deutsche Politik zu machen.

Im dritten Punkt „keine deutsche Politik“ treffen sich die Grünen mit SPD und FDP, und im Klassenkampfdenken mit SPD und K-Parteien.

„Keine allgemeine Grundlagenforschung zum Geldwesen“ haben sie mit allen anderen Parteien im Bundestag gemeinsam:

– keine Deutschlandpolitik,

– keine fundamentale Kapitalismuskritik, die das Geldwesen und seine Machtstuktur hinterfragt,

– Verbindlichkeit des Freund-Feind-Denkens (siehe Einrichtung einer Bundesarbeitsgemeinschaft „Rechtsentwicklung/Neofaschismus“ innerhalb der Grünen).

Auf diesem Hintergrund ist keine wirkliche Heilung des öffentlichen Lebens möglich.

Die Kräfte, die sich bei den Grünen zu den Chefideologen gemacht haben, sind nicht aus den konsequenten Ökologen hervorgegangen, sondern, wie ein Jürgen Reents, aus den Linksradikalen, in diesem Fall aus der Redaktion der Zeitung ›Arbeiterkampf‹.

Jürgen Reents (links) 1983 mit Joschka Fischer, Bildquelle: Wikipedia

Stimmt es, daß der Kommunismus eine Erfindung „Jener“ ist und bis heute zum Zwecke der Wirtschaftsexpansion und Weltbeherrschung als angebliche „Alternative“ aufrechterhalten wird – aus dem Westen –, dann liegt die Frage nahe, in welchem Auftrag und Interesse arbeiteten diese K-Gruppen (Kapital=Kommunismus=K)?

Wir müssen uns fragen, ob durch diese gezielte Unterwanderung und die damit einsetzende Selbstzerfleischung innerhalb der Grünen nicht die einfachste Be- beziehungsweise Verhinderung einer echten politisch-ökologischen Bewegung erzielt wurde.

Brauchen wir eine neue Partei?

Gibt es einen Widerspruch zwischen konsequenter ökologischer Politik und Parteienpolitik?

Damit komme ich zum dritten und schwierigsten Teil der Frage.

Zunächst einmal muß festgestellt werden, daß selbstverständlich ein Zusammengehen all derer, die die Umwelt- und die Grüne-Situation ähnlich beurteilen, erfolgen muß, wenn überhaupt noch ein Fünkchen Hoffnung auf durchgreifende Veränderung gegeben sein soll.

Es reicht eine derartige Zusammenarbeit auch nicht innerhalb eines Landes.

Die konsequenten Ökologen Deutschlands müssen sich verbünden mit den gleichen Gruppen in den anderen Ländern. Die Frage ist nur, ob dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt am wirkungsvollsten in einer Partei geschieht? –

Ich selber bin gerade in diesem Jahr von den Grünen zur ÖDP übergetreten, dennoch erlaube ich mir, auch meine eigene Handlungsweise weiter zu hinterfragen.

Solange es Umwelt- und Lebensschutzverbände gibt, wurde die Zusammenarbeit immer wieder als wichtigster erster Schritt beschrieben und gefordert. Praktisch sah das in der Regel dann so aus, daß jede Gruppe sagte: Wir sind gerne zur Zusammenarbeit bereit, kommt, schließt euch uns an!

Das gilt vielfach auch heute noch. Es ist auch verständlich, denn der eigene Verein wurde ja gerade deswegen gegründet, weil man mit dem Bestehenden nicht zufrieden war.

Es spiegelte sich das Parteienspiel im Leben der Umweltschutzgruppen wider, die parlamentarische in der außenparlamentarischen Politik.

Verabsolutierte Teilerkenntnisse, zum Programm erstarrt, verhindern erfolgreich jede Zusammenarbeit besonders dann, wenn ihnen ein gemeinsames Ziel zugrundeliegt, also z.B. bei Gesellschaftsordnung oder Umweltschutz.

Soll nun konsequente ökologische Politik das Ziel sein, für das sich verschiedene Gruppen mit ihren unterschiedlichen Herkommen öffentlich gemeinsam einsetzen wollen, dann wären wahrscheinlich ähnliche Grundgedanken, wie z.B., Zusammenarbeit, die Voraussetzung.

Eigentlich ist dazu sehr wenig notwendig, und in der Theorie stimmen die meisten Menschen sofort gerne zu. Schwieriger wird die tägliche Befolgung.

Die drei Verbindlichkeiten der Zusammenarbeit sind danach:

1. Keiner besitzt die absolute Wahrheit – jeder kann von jedem lernen.

2. Die Anerkennung der unteilbaren Würde des Menschen. Sie gibt jedem das Recht, seine Ansicht frei öffentlich zu äußern und enthält die Verpflichtung, den Andersdenkenden auch ernstzu-nehmen.


3. Die Menschheit stellt sich dar in


– Einzelpersonen,
– männlichen und weiblichen Denk- und Verhaltensweisen,
– Völkern, deren Sprachen Weltanschauungen darstellen.
– Alle müssen gleichberechtigt anerkannt und gefördert werden.

Aus einem solchen Grundkonsens können sich Menschen unterschiedlichster Denkungsart friedlich begegnen und oft sogar verständigen, die sich sonst ablehnen oder gar verteufeln würden (natürlich handelt es sich hier um politisch gebildete, selbständig denkende Menschen).

Kehren wir zurück zur Frage einer konsequenten ökologischen Partei neben den GRÜNEN. Ich vermeide bewußt den Ausdruck „links“ und rechts“, warum, soll später noch gesagt werden.

Zunächst gehe ich davon aus, daß Demokratie, und damit meine ich die Mitverantwortung, Mitbeteiligung und Mitbestimmung  aller mündigen Bürger oder Volksangehörigen an den ihr Leben betreffenden Entscheidungen, nicht identisch zu sein braucht mit der Form der repräsentativen Demokratie und ihrer Parteienherrschaft, die wir gegenwärtig haben.

Diese Gesellschaftsform wurde im Westen entwickelt und uns vom Westen aus übergestülpt. Schon der Begriff Partei als ‚pars’ = Teil (eines Ganzen) weist auf Abgrenzung hin.

Durch jedes Parteiprogramm wird eine solche Abgrenzung verschärft und der Andersdenkende zur Gegenpartei, und bei jeder Wahl zum Gegner, gegen den man antritt.

Ist hier nicht das Freund-Feind-Denken geradezu institutionalisiert, und zwar in die Grundkonzeption der repräsentativen Demokratie bereits einverwoben, sehr fein und geschickt, so daß man Mühe hat, den Fehler zu erkennen?

Im Parlament sitzen sich dann „Fraktionen“ gegenüber, „Brüche“ oder „Bruchstücke“, die in der Vorstellung leben, die ganze Wahrheit zu besitzen, die ganze Wahrheit von einem Ganzen, das längst zerschlagen wurde.

Konsequente Ökologen wollen aber gerade das Ganzheitliche, eben Ökologie, einen Erd-, Natur- oder Gott-gegebenen Maßstab, der für ihr irdisches Tun verbindlich ist.

Sie wollen genau nicht den Partikularismus, und sie wollen schon gar nicht den eigenen Unfehlbarkeitsanspruch erheben, da die Ökologie doch lehrt, wie eines sich in das andere verwebt und jedes aus einem anderen Blickwinkel anders zu erklären ist.

Verheerend auch der ständige Wechsel der Personen – auch da, wo sie gut sind. Für konsequente Ökologen gilt also einerseits die Ganzheit mit ihren für alle verbindlichen Gesetzmäßigkeiten – ob die Menschen das nun wahrhaben wollen oder nicht – und andererseits die wirkliche Geistesfreiheit, die uns erst die Voraussetzung schafft, daß technische und wirtschaftliche Fehlentwicklungen rechtzeitig verhindert und in der Produktion gestoppt werden.

Hierbei gilt tatsächlich die Forderung: „Alles oder nichts!“

Das liegt im Wesen der Sache begründet, ›DIE GRÜNEN‹ haben das auch irgendwie verstanden oder zumindest gefühlt. Deswegen betrachten sie sich als „Gegenpartei“, deswegen die langen Diskussionen, ob man bei 6 oder 7 Prozent der Stimmen bereits ins Parlament einziehen solle oder nicht.

Aber sie sind eben auch die Grünen (siehe engl. Greenhorn) und waren nicht bereit, zuerst zuendezudenken. Dafür wurde gehandelt und in drei Jahren eine Bundespartei aufgebaut.

Bildquelle: GRÜNE Kempten

Vielleicht war dieser Weg oder Umweg notwendig für uns alle, um die Dinge besser durchschauen zu lernen, um den heute so wichtigen Beweis für die Richtigkeit der eigenen Überlegungen zu erhalten.

Obwohl gerade der Glaube an den aus der Naturwissenschaft übernommenen Beweis und das Mißtrauen in das eigene Denken unser Verhaftetsein im Materialismus deutlich machen, den zu überwinden wir andererseits für notwendig erachten.

Nun noch einmal zum „links-rechts“ Schema. Es steht dies im völligen Widerspruch zu den drei Verbindlichkeiten der Zusammenarbeit.

Die Kennzeichnung: der ist links – oder rechts, sagt fast nie etwas Konkretes über den geistigen Standort des derartig Gekennzeichneten aus, sondern viel eher etwas über denjenigen, der diese Zuordnung vornimmt.

Es handelt sich um eine rein subjektive oder egozentrische Orientierung, da sie immer nur vom eigenen Ego aus gesehen gilt.

Der sich kosmisch orientierende Chinese sagt zum Beispiel zum Verkehrsteilnehmer: „Weichen Sie bitte etwas nach Osten aus.“
(Wir Deutsche sind nie so ganz sicher, wo das genau ist!)

Weil ich in meinem satten Wohlstand nicht gestört sein will, deshalb betrachte ich einen Entwicklungshelfer, der gegen den Hunger in der Dritten Welt sich einsetzt, als „links“, und wenn ich keine Gliederungen und unterschiedliche Befähigungen der Menschen anerkennen will, denjenigen, der gegen den Klassenkampf ist, für „rechts“.

Herbert Gruhl sagte in Offenbach 1979 zu Beginn der Grünen Partei:
„Wir stehen weder links noch rechts, wir gehen weit vorn“.

Genau das ist es. Aber damit ist eine „rechte“ Partei schwer vereinbar. (Eine Linke auch nicht!)

Die Zweiteilung aller Menschen in „Linke“ und „Rechte“ ist die raffinierte Erfindung zum Zwecke unserer Vergewaltigung und Beherrschung. Sie funktioniert nur, wenn wir mitmachen und uns selber links oder rechts einordnen.

Wir sollten es den Zerstörungskräften dieser Erde nicht länger so leicht machen wie bisher und „links und rechts“ in Zukunft den Strickerinnen überlassen.

Damit bliebe noch abschließend die entscheidende Frage zu stellen, wie dies oben erwähnte „alles“ ohne Partei eigentlich zu erreichen sein soll?

Das frage ich mich auch. Hier könnte wirkliche Zusammenarbeit beginnen.
Nach dem Grundgesetz, das so lange gilt, bis das deutsche Volk in freier Entscheidung eine Verfassung beschlossen hat (Art. 146 GG), geht alle Macht vom Volk aus und gestalten die Parteien das politische Leben mit.

Immer da, wo wir nicht „Partei“ sind, sind wir doch wohl „Volk“. Als Volk können wir uns gegenwärtig nur durch Nichtwählen von Teilen (= Parteien) zur Geltung bringen. Bei der Europa-Wahl lag die „Partei“ der Nichtwähler mit 43,2 % weit vorn.

Es folgte mit großem Abstand die CDU/CSU mit 26 %. Auch die Nichtwähler können Anspruch auf Vertretung erheben, wenn sie bewußt Politik eben nicht als Parteienpolitik, sondern als vom Volk zu gestalten, verstehen.

Dies Zur-Geltung-Bringen des Volkes bedarf allerdings einer Organisation, die nicht zwangsläufig identisch mit Partei ist.

Es ist bereits oft vom Wahlboykott gesprochen worden. Unter den bisherigen Bedingungen stärkte er immer die falsche Partei, aber nicht die Seite des Volkes. Vielleicht könnten wir die Bedingungen ändern?

Vor allem sollten wir uns nicht in die Ecke der Verteidigung drängen oder gar Grundgesetzwidrigkeit vorwerfen lassen.

Schaffen wir klare Verhältnisse, indem wir von den Parteien eine eindeutige Antwort mit ‚ja’ oder ‚nein’ zu folgenden drei Fragen verlangen:

1. Treten Sie uneingeschränkt für das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein?


2. Sind für Sie Art. 3 und Art. 5 unseres Grundgesetzes, die Fundamente der Demokratie, die es unter allen Umständen zu wahren gilt?


3. Sind Sie bereit, das bisherige Wirtschaftskonzept von Kapitalismus oder Kommunismus oder einer Mischung von beiden, welches die Ursache der Naturkrise ist, abzulösen?


Prüfen wir als Volk, ob unsere Parteien auf dem Boden des Grundgesetzes sich befinden!

Prüfen wir vor allen Dingen, ob eine ganzheitliche, sachgemäße Politik durch Parteien und Fraktionen verwirklicht werden kann, die weniger dem Willen des Volkes entsprechen als vielmehr diesem ihre Vorstellungen aufzuzwingen suchen.

(Soweit der Redetext vom 1. Dezember 1984 auf der Sababurg.)

 

Quelle: https://www.adelinde.net/geschichte-der-gruenen-aufgezeigt-von-ursula-haverbeck/
Beitragsbild: März 1980: Die Grünen erobern das erste Landesparlament. Mit 5,3 Prozent der Stimmen werden sie in den baden-württembergischen Landtag gewählt. Foto: dpa