Das ursprünglich 1950 und später, mit einigen Änderungen, 1971 erschienene Büchlein ›Orientations‹ enthält den Keim für einen Großteil des Werks von Julius Evola nach dem Zweiten Weltkrieg. In einem sehr nüchternen Stil geschrieben, in einer Kürze, die direkt zum Wesentlichen führt, behandelt dieser Text nicht nur einige von Evolas bevorzugten Themen, wie die Weigerung, zwischen Ost und West zu wählen, die Anklage der „Dämonie” der Wirtschaft, die Ablehnung des „Bonapartismus” und des Nationalismus etc, sondern zielt auch darauf ab, die Bildung einer echten Elite anzuregen, die die „traditionelle” Idee in Form eines „neuen Menschen” bekräftigen soll, der den Prüfungen standhalten soll, die die unumkehrbare Krise der modernen Zivilisation mit sich bringt.

Julius Evola, geboren am 19. Mai 1898 in Rom und dort am 11. Juni 1974 gestorben, war ein italienischer Philosoph, Dichter und Maler. Als individualistischer Aristokrat, der von der esoterischen Weltanschauung geprägt war, versuchte er, konterrevolutionäre politische Aktionen mit traditionellen Lehren in Einklang zu bringen, indem er in Werken wie ›Revolte gegen die moderne Welt‹ (1934) und ›Den Tiger reiten‹ (1961) die Notwendigkeit einer „heroischen Restauration” der traditionellen Zivilisation bekräftigte.

Evola ist der Theoretiker eines anti-modernen Elitarismus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts äußerte Evola eine Kritik am Faschismus; in seiner zweimonatlich erscheinenden Zeitschrift ›La Torre‹ erklärte er: „Wir sind weder Faschisten noch Antifaschisten (…) Wir möchten einen radikaleren, furchtloseren und wahrhaft absoluten Faschismus, der aus reiner Kraft besteht und für jeden Kompromiss unerreichbar ist”. In der Nachkriegszeit wurde sein Werk insbesondere zu einer Referenz der italienischen, französischen und amerikanischen sogenannten ›Neuen Rechten‹.

 

 

Hier ein Auszug aus dem Buch ›Orientations‹, erschienen im Pardès Verlag:

Was man fördern muß, ist vielmehr eine stille Revolution, die in der Tiefe voranschreitet, damit zunächst im Inneren und im Individuum die Voraussetzungen für die Ordnung geschaffen werden, die sich dann auch nach außen hin behaupten muß, indem sie blitzschnell, im richtigen Moment, die Formen und Kräfte einer Welt der Subversion verdrängt. Der „Stil”, der hervorgehoben werden muß, ist der eines Menschen, der bestimmte Positionen aus Treue zu sich selbst und zu einer Idee vertritt, in tiefer Sammlung, mit Abscheu vor Kompromissen, mit vollem Einsatz, der sich nicht nur im politischen Kampf, sondern in jedem Ausdruck des Lebens manifestieren muß: in Fabriken, Laboratorien, Universitäten, auf der Straße und sogar in den Bereichen der Zuneigung. Wir müssen dahin gelangen, daß der Menschentyp, von dem wir sprechen und der die Zellsubstanz unserer Front sein muß, klar erkennbar und unverwechselbar ist, so daß man sagen kann: „Hier ist einer, der wie ein ›Mann der Bewegung‹ handelt.”

Diese Anweisung, die bereits von jenen Kräften befolgt wurde, die sich danach sehnten, Europa eine neue Ordnung zu geben, deren Umsetzung jedoch oft durch zahlreiche Faktoren behindert und verzerrt wurde, muß heute wieder aufgegriffen werden. Und heute sind die Voraussetzungen im Grunde besser, weil es keine Zweideutigkeiten gibt und weil man sich nur umsehen muß – auf der Straße bis zu den Parlamenten –, um die Berufungen auf die Probe zu stellen und das Ausmaß dessen, was wir nicht sein dürfen, deutlich zu erkennen.

Angesichts dieses Schlammes, dessen Prinzip lautet: „Wer zwingt dich dazu?”, oder: „Zuerst kommt der Bauch, die eigene Haut (Malapartes so geliebte „Haut”!), und dann die Moral”, oder: „Es ist nur diese eine Zeit, in der man sich den Luxus leisten kann, Charakter zu haben”, oder schließlich: „Ich habe eine Familie”, müssen wir klar und entschieden antworten können:

Wir können nicht anders, das ist unser Weg, das ist unser Wesen.

 

Quelle: https://www.terreetpeuple.com/philosophie-reflexion-72/7808-julius-evola-ce-quil-faut-favoriser-cest-plutot-une-revolution-silencieuse.html

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