Die Sonne ist mir oft verloschen, aber wieder aufgegangen. Und je öfter sie verloschen ist, je heller und schöner ist sie wieder aufgegangen.

Jakob Böhme, ᛉ 1575 in Alt-Seidenberg bei Görlitz; ᛣ 17. November 1624 in Görlitz, Gemälde von Christoph Gottlob Glymann

 

Wem die Zeit ist wie Ewigkeit,
 und Ewigkeit wie Zeit;
 der ist befreit von allem Streit.

Jakob Böhme wurde 1575 zu Alt Seidenberg in der Oberlausitz geboren. Die Eltern besaßen einen Bauernhof, doch das Kind wurde für zu kränkelnd und sensibel befunden, um auf einem Acker zu arbeiten und so wurde Jakob in die Lehre bei einem Schuster gegeben.

Im Jahr 1599 erhielt Böhme die Bürgerrechte des nahe gelegenen Ortes Görlitz. Im selben Jahr heiratete der Schustergeselle und kaufte ein Haus bei der ehemaligen Rabengasse, heute die Dasznskkiego-Straße 12, dem polnischen Teil von Görlitz.

Im Jahr 1600, im Alter von 25, ereilt den Schustergesellen, beim Betrachten eines Zinnkruges eine Erleuchtung, welche er zwölf Jahre später in einem ersten Werk, das später Aurora genannt wurde, niederschreibt. Der ursprüngliche Titel lautete: „Morgenröte im Aufgang, das ist die Wurzel oder Mutter der Philosophieae, Astrologieae und Theologieae aus rechtem Grunde, oder Beschreibung der Natur, wie alles gewesen und im Anfang worden ist.

Böhmes „Aurora ist von ihm selbst als Tagebuch angelegt und wurde in den ersten Jahren durch Abschriften verbreitet. Als eine Abschrift in die Hände des Görlitzer Pfarrers geriet, wurde das Werk per Predigt verurteilt, der Autor vor den Rat der Stadt geladen, eine Haussuchung durchgeführt und Schreibverbot erlassen.

Da sich der Görlitzer Pfarrer nicht an die Abmachung hielt, Böhme nicht mehr zu denunzieren, gab der Philosoph dem Drängen seiner Freunde nach und brach 1618 das vereinbarte Schreibverbot. Es entstanden eine Reihe von bedeutenden Schriften, die letzte nannte sich: „De Signatura Rerum„.

1624 verstarb Jakob Böhme.

Die ›Philosophische Kugel‹,  Illustration von Michael Andreae für die 1682 in Amsterdam durch Johann Georg Gichtel verlegte Gesamtausgabe. Die Abbildung zeigt die Stellung des Menschen zwischen den Reichen des Lichtes und der Finsternis, ergänzt durchvielfältige symbolische Bezüge.

Ein jeder Mensch trägt in dieser Welt Himmel und Hölle in sich; welche Eigenschaft er erwecket, dieselbe brennet in ihm, dessen Feuers ist die Seele fähig.

Jakob Böhme-Denkmal in Görlitz

Die Finsternis ist die größte Feindschaft des Lichts, und ist doch die Ursach, daß das Licht offenbar werde.

Beitragsbild von Ernst Heinrich Barlach, ᛉ2. Januar 1870 in Wedel; ᛣ 24. Oktober 1938 in Rostock

Die Lithografie „Wem Zeit wie Ewigkeit“ von Ernst Barlach bezieht sich auf ein Zitat des deutschen Philosophen Jakob Böhme. Das Werk zeigt eine im Feld sitzende Frau, die ihren Lesefluss unterbricht und in die Weite der Landschaft aufblickt. Hinter ihr zieht eine dunkle Wolkenfront auf und bringt eine bedrohliche Stimmung mit sich. Der Lesende steht in Barlachs Kunst vor allem für Konzentration, Denken und eine in sich gekehrte Ruhe.

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