Hannelore Vonier

 

Der Mensch denkt, daß er unabhängig und frei ist, aber in Wirklichkeit ist er mit dünnen, aber starken Fäden an das unsichtbare ›Etwas‹ gebunden, das ihn wie eine Marionette beherrscht. Das Wirken von ›Egregoren ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der esoterisch-okkulten Tradition.

Dabei geht es jedoch keinesfalls nur um jene Kreise, die im landläufigen Sinne als ›Esoteriker‹ bezeichnet werden. Es sind einflußreiche Zirkel in Politik, Wirtschaft und Religion, die – bewußt oder unbewußt – auf die Macht der Egregore setzen. Zu begreifen, was Egregore sind, ist daher ein entscheidender Abschnitt auf dem Weg zur Befreiung.

Das Wort Egregor kommt aus dem Griechischen (έγείρω = wach, erweckt) und ist abgeleitet von égrégoros, was “eine autonome psychische Einheit, die aus einer Gruppe von Menschen besteht und deren Gedanken beeinflußt”  bedeutet.

Die gebräuchlichste Definition stammt aus der englischen Wiktionary.org und lautet:

Eine „(okkulte) autonome übernatürliche Wesenheit, die durch die Gedanken einer Gruppe erzeugt wird und diese beeinflußt“. Es gibt allerdings noch eine zweite Definition, älter, treffender und vielleicht auch erschreckender. Ihr zufolge ist ein Egregor mehr als eine „autonome Wesenheit, die durch die Gedanken einer Gruppe erzeugt wird und diese beeinflußt“, sondern auch der Sitz oder Kanal einer konkreten übernatürlichen Intelligenz nichtmenschlicher Art, welche die unsichtbaren Dimensionen mit der materiellen Welt, in der wir leben, verbindet.

Ein Egregor (oder Eggrégore ) ist also ein Konzept, das einen Gruppengeist bezeichnet, der durch die Zusammenfassung der Absichten, Energien und Wünsche mehrerer Individuen gebildet wird, die in einem genau definierten Ziel vereint sind.

Egregore können beflügeln oder unterjochen. In jedem Fall müssen sie als das erkannt werden, was sie sind, damit sie entweder als Quell von Inspiration und Kreativität gefördert oder im Streben nach geistiger Freiheit bekämpft werden können. Die Egregore, die von Tyrannen aufgebaut und unterhalten werden, verfügen über die mysteriöse Fähigkeit, Menschen zu faszinieren.

Dazu gehören auch die Symbole kommerzieller Egregore, die das moderne Leben überfluten. Nehmen wir zum Beispiel Coca-Cola, womit man sich hinter der Illusion von Kultiviertheit und Erfrischung die Zähne ruinieren und Bauchspeck zulegen kann, während man zugleich munter die epidemische Verbreitung von Diabetes heraufbeschwört – und dies in praktisch jedem Land der Welt!

Egregore im Alltag

Der Einfluß von Ort und Umgebung auf einen Menschen hört nie auf. Weniger bewußte Menschen entscheiden nicht selbst, wie sie ihr Leben leben wollen. Sie werden durch einen Gruppengeist gesteuert – dem kollektiven Unbewußten oder der Gruppenseele.

Die meisten Menschen handeln vorhersehbar, ohne sich dessen bewußt zu sein. Sie denken, fühlen und sprechen, als ob sie einem vorgefertigten Skript folgen.

Eine Stimmung, z.B. die Weihnachtsstimmung, die Menschen auf die Straßen lockt, um durch die geschmückte Innenstadt zu schlendern, die Christkindlmärkte zu besuchen, Glühwein zu trinken und die Lichterketten zu bewundern, kommt nicht aus dem Nichts und entsteht nicht von selbst. Sie wird den Menschen von einem Egregor auferlegt. Und so wird jede menschliche Handlung, jeder Zustand durch den Einfluß dieses oder jenes Egregors verursacht.

Was ist also dieser allgegenwärtige Egregor?

Das Wort bezieht sich auf ein Phänomen, dessen Wesen von allen “Eingeweihten” gleichermaßen verstanden wird. Ein Egregor ist eine Ansammlung von Energie, die durch die Gedanken und Gefühle von Menschen entsteht.

Egregoren sind bestimmte Speicher menschlicher Energie, die sich in höheren Frequenzbereichen als der materiellen Sphäre befinden, d.h. im feinstofflichen Bereich. Egregore interagieren mit unserer Welt durch das Energiefeld, das materielle Objekte umgibt.

Jede klar formulierte Idee, jede starke Emotion erzeugt Energie, die, wie wir aus der Physik wissen, nicht aus dem Nichts kommt und nicht im Nichts verschwindet, sondern nur von einer Form in die andere übergeht. Das heißt, jeder von uns ist eine wandelnde Batterie, die den Raum mit Energie versorgt.

Damit sich die nach außen freigesetzte Energie ansammeln und vor allem auf eine Person einwirken kann, braucht es eine gewisse Anzahl gemeinsamer Interessen. Je mehr Gleichgesinnte es gibt, desto stärker sammelt sich die Energie einer bestimmten Art in der astral-mentalen Ebene. Das kann ein Zusammenschluß von Familie, Sippschaft, Arbeitskollektiv oder sogar einer Gruppe von Freunden sein, die sich in einem Café treffen.

Wie beeinflußt uns ein Egregor?

Einzelgänger fühlen sich oft isoliert, ohne zu merken, daß der Grund dafür in der fehlenden Übereinstimmung mit dem jeweiligen Gruppengeist liegt, in dem sie sich derzeit befinden, z.B. bei einem Fußballspiel, in einem Konzert, in einer Stadt oder in einer Kirche.

Es gibt eine Vielzahl von Egregoren, mit denen sich Menschen im Laufe ihres Lebens “verbinden”.

Im ganzen Land entstehen spezielle Gruppenseelen.

Man hört sogar, so komisch es auch klingen mag, vom Egregor des Wohnungs- und Versorgungssektors. Sobald der Schnee fällt, schimpfen die Leute über den Schneematsch, den die Chemikalien produzieren. Dieselbe Gedankenübertragung bildet einen Speicher für “Wohn- und Versorgungsenergie”.

Jedes gemeinsame Thema führt dazu, daß Menschen ähnliche Gedanken und Emotionen haben und diese Energie nach außen abstrahlen.

Interessanterweise erhält eine Person umso mehr Energie zurück, je mehr sie sich zu den Ideen des Egregors bekennt. Nehmen wir etwa die Belegschaft einer bestimmten Firma, die von Eifersucht, Vetternwirtschaft und Zwietracht geplagt ist.

Die Mitarbeiter, die sich zurückhalten, egal, wie hart sie arbeiten, haben weniger Chancen, die Karriereleiter zu erklimmen als ihre weniger fleißigen Kollegen, die bei jeder Gelegenheit hektische Betriebsamkeit vortäuschen. Die unabhängigen “Abweichler” leiden unter der Unterbewertung und merken nicht einmal, daß der Grund für ihr Scheitern in der mangelnden Übereinstimmung mit der in diesem Betrieb gebildeten Egregore liegen könnte.

Der Egregor nährt großzügig diejenigen, die ihn füttern, sorgt aber dafür, daß seine “Feinde” sich unwohl fühlen.

Es spielt keine Rolle, ob jemand an die Existenz eines Egregors glaubt oder nicht. Wenn eine Person nicht daran glaubt, wird sie automatisch in die Gruppe der Ungläubigen aufgenommen, die ähnlich ungläubige Menschen umfaßt.

Es gibt also kein Entkommen vor der kollektiven Energie: Sie korrigiert unser Leben und macht es besser oder schlechter, je nachdem, ob wir mit diesem oder jenem Egregor übereinstimmen.

Jedoch beeinflußt das kollektive Unbewußte die Persönlichkeit mit unterschiedlicher Heftigkeit. Vergleichen wir etwa die Energien der Familie mit den religiösen Egregoren oder den Egregoren der Liebe und des Geldes, die als die stärksten gelten, da sie sich seit Jahrhunderten dank der Gedanken von Millionen von Menschen gebildet haben.

Die erste, die familiäre Energie, wird nur von wenigen Menschen nach außen “ausgestrahlt”, und ihr Einfluß endet, sobald die Familie auseinanderbricht. Die Macht der anderen drei ist dagegen fast grenzenlos.

Jeder hat schon einmal die Egregore eines Ortes gespürt. Es kommt vor, daß man nach einem Umzug in eine andere Stadt den Frieden verliert. Man ist ängstlich, fühlt sich krank und es kommt ein Problem nach dem anderen. Das bedeutet, daß der Gruppengeist dieser Stadt nicht für diese Person geeignet ist. Das Beste ist, wenn man geht.

Viele landen am falschen Ort, wenn sie in Urlaub fahren.

Es gibt noch den Weg, die Verbindung zum Egregor zu unterbrechen. Aber das kann nicht jeder. Dem Einfluß des kollektiven Unbewußten zu widerstehen, fällt willensstarken und selbstständigen Menschen am leichtesten. Starke Menschen können sogar die kollektive Energie steuern, indem sie den Mitgliedern des Egregors gewisse Ideen vorschlagen.

Fazit

Wir sind alle ein Teil von etwas, das viel größer ist als wir selbst. Ob wir uns dessen bewußt sind oder nicht, die kollektive Energie beeinflußt unser Leben auf eine Weise, die wir vielleicht nie erfahren werden, wenn wir nicht genau hinschauen. Es liegt an uns zu entscheiden, ob wir uns von dieser Kraft nach unten ziehen lassen oder gegen den Strom schwimmen wollen, um ein höheres Bewußtsein zu erreichen.

 

Julius Evola schreibt dazu in ›Revolte gegen die moderne Welt‹:

Am Rande der großen Weltströmungen gibt es noch Menschen, die in den „unbeweglichen Landen“ verankert sind. Es handelt sich in der Regel um Unbekannte, die sich aus den Nichtigkeiten der Berühmtheit und der modernen Zivilisation heraushalten.

Sie verteidigen die Grenzen und passen nicht in diese Welt. Wenn sie auch in der Welt verstreut leben und häufig nichts voneinander wissen, sind sie doch unsichtbar vereint und bilden eine unzerreißbare Kette im Geist der Tradition.

Dieser innerste Kern wird nicht aktiv: Er hat nur die Aufgabe, der die Symbolik des “ewigen Feuers” entspricht. Dank ihm ist die Tradition trotz allem präsent, die Flamme brennt unsichtbar, und immer verbindet etwas diese Welt mit dem Bewußtsein höherer Dimensionen.

Sie sind die  „Wachenden“, die έγρήγοροι. [Egregoroi,  Egregoren].

Hier sehen wir, daß Evola den Begriff ›Egregoroi‹ zur Bezeichnung einer geistig-spirituellen Elite verwendet.

Diese Wächter erhalten die geistige Tradition aufrecht, damit sie in den Wogen der Unwissenheit, die dieses Zeitalter überspülen, nicht untergeht.

In immer größerer Zahl finden sich Menschen, die, wenn sie auch nicht wissen, in wessen Namen, doch ein unklares, aber trotzdem wirkliches Verlangen nach Befreiung verspüren.

 

Quelle: https://hannelorevonier.com/
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