Dr. Pia Sophie Rogge-Börner

Die Frau ist die einzige und letzte Hoffnung auf das Möglichwerden einer mit den Naturgesetzen in Einklang zu bringenden Lebensordnung, die allein das weitere Hinsiechen und schließlich Verlöschen der weißen Menschheit verhindern könnte. Die Frau ist noch mit allen Lebensmächten verknüpft; denn sie trägt weibliches und männliches Sein zum Leben, nährt beide von ihrer geistigen und leiblichen Substanz. In ihr ist überlagert und verschüttet, was im männlichen Wesen schon zur Verödung gelangte. Verschüttetes kann freigelegt und wieder lebensfähig gemacht werden.

Junge Frau mit Kind, Gemälde von Pierre-Yves Trémois

Dem Manne ist es gelungen, das moralische Gefühl bei Mann und Weib außer Kraft zu setzen. Gelingt es den klügsten und stärksten Frauen der Kulturwelt, dem Absinken des moralischen Gefühls endlich einen Damm entgegenzuwerfen, so ist alles gewonnen. Denn nur aus einem wieder empfindlich gewordenen Gefühl für gut und böse, für rein und schmutzig, für erlaubt und unerlaubt, nur aus dem gesundeten Gefühl können auch neue Intelligenzkräfte, kann neue, gesteigerte Erkenntnisfähigkeit wachsen. Dieses schöpferische Gefühl in den jungen Generationen und in beiden Geschlechtern noch einmal zum Leben zu erwecken, wäre in einem Zeitalter des Zusammenstürzens aller sittlichen Fundamente eine Aufgabe, der sich die gescheiten und einsichtigen Mütter – Mütter im leiblichen und übertragenen Sinne – mit heißer Hingabe annehmen sollten. Ihr Gelingen öffnet alle Tore in ein gewandeltes Denken.

Entschlossene Jugend, Lithographie von Cornelis Koekkoek (1903–1982)

Denn der Weg zur Ganzwerdung des Menschen muß gefunden werden. Eine wirkliche Aufhebung der geist-seelischen Spaltung der Geschlechter würde schon in einem einzigen Jahrhundert das Gesicht des Planeten verwandeln. Nicht, daß nun die Frau ein Übergewicht gewinnt, soll angestrebt werden, sondern daß weibliches wie männliches Wesen zur nirgends gehemmten Aufhaltung kommen kann, und daß alle Lenkung und Ordnung in beider Hände gelegt wird. Nicht oft genug kann es wiederholt werden: Wenn weibliches und männliches Denken in ständiger polarer Berührung bleiben, entsteht ein geistiges Stromnetz, das neue sittliche, starke Energien in Bewegung zu setzen vermag. Voraussetzung dafür ist freilich, daß die Frau völlig aus der geistigen Hörigkeit heraustritt und sich ihrer eigenen Geistigkeit bewußt wird.

Galleria d’Arte Thule

Völker und Staaten unter männlicher und weiblicher Führung! Das heißt nicht, die Frauen herausholen aus Haus und Familie und ins öffentliche Leben treiben. Die Masse der Frauen wird Hausfrau und Mutter sein – wenn auch in einer neuen, einer verantwortungsbewußten inneren Haltung –, wie die Masse der Männer ihrer Berufsarbeit nachgeht und ein guter oder weniger guter Hausvater ist und weiter nichts. Beide Geschlechter werden die reinsten Charaktere und die hochwertigsten Intelligenzträger und Sonderbegabungen herausheben aus dem Volk und sie mit all ihrem Können in den Dienst der Gemeinschaft stellen, und zwar so, daß in allen Bezirken des Volks- und Staatslebens Mann und Frau zu gleichen Teilen die Führung und die Verantwortung haben. Das wird sowohl verheiratete wie unverheiratete Frauen in die Führungs- und Leistungspflicht nehmen; nur sittlicher Wert und Fachbegabung, Eignung und Tüchtigkeit entscheiden darüber, welche Persönlichkeiten das Dasein des Volkes mit ihrem Geist zu erfüllen haben.

Leni Riefenstahl, ᛉ 22. August 1902 in Berlin; ᛣ 8. September 2003 in Pöcking

Hanna Reitsch, ᛉ 29. März 1912 in Hirschberg im Riesengebirge, Provinz Schlesien; ᛣ 24. August 1979 in Frankfurt am Main

Jede Generation erbringt Beweise dafür, daß überdurchschnittlich begabte Frauen nicht ausgefüllt sind von ihren Haus- und Mutteraufgaben; ihre Kräfte sind weitausgreifend, verlangen ein größeres Leistungsfeld; sie können sich nicht aufbrauchen im Hausfrau- und Muttersein. Natürlich ist es Sache des Staates, solche Frauen materiell so zu stellen, daß sie ganz frei sind von der häuslichen Fron des Tages, sei es nun, daß sie in einer beamteten Stellung dem Staate unmittelbar dienen, oder daß sie im künstlerischen oder wissenschaftlichen Schaffen der freien Berufe die Gemeinschaft bereichern und fördern. Wo das Göttergeschenk eines Könnens ist, gibt es keine Menschenmacht, die seine Fruchtbarmachung hindern oder hemmen darf.

Aus: Planet im Absturz, Göttinger Verlagsantalt, Göttingen 1951, erschienen in ›Mars Ultor‹ 2012. Siehe in unserem Bücherangebot: https://ahnenrad.org/?s=mars+ultor+2012