Demografische Verschiebung: Geburtenraten in Europa und Afrika über 73 Jahre
Die Zahl der Geburten in Europa hat sich in 73 Jahren halbiert, während sie sich in Afrika vervierfacht hat. Diese Veränderung zieht auch mit geopolitische Veränderungen nach sich.
In den letzten 75 Jahren hat sich die demografische Landkarte der Welt radikal verändert, und es ist unmöglich, die daraus resultierende Verlagerung des wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Gewichtes der verschiedenen Regionen zu verstehen, ohne diese Veränderung zu berücksichtigen.
Nach Schätzungen der UNO stieg die Zahl der Geburten weltweit von 91,8 Millionen im Jahr 1950 auf 132,1 Millionen im Jahr 2023, was einem Anstieg von 43,9 % entspricht. Gleichzeitig ist in Europa, einschließlich Rußland, die Zahl der Geburten von 12,2 Millionen auf 6,3 Millionen zurückgegangen, was fast einer Halbierung entspricht.
Im Jahr 1950 entfielen etwa 13 % aller Geburten weltweit auf Europa, während dieser Anteil heute unter 5 % liegt. In Afrika stieg die Zahl der Geburten im gleichen Zeitraum von 10,9 Millionen auf 46,1 Millionen pro Jahr, was einer mehr als vierfachen Zunahme entspricht. Während Europa im Jahr 1950 noch leicht vor Afrika lag, kommen heute auf jede Geburt in Europa mehr als sieben Geburten in Afrika.
In Südasien stieg die Zahl der Geburten von 17,9 Millionen auf 27,6 Millionen, im Nahen Osten von 4,0 Millionen auf 9,2 Millionen. Besonders auffällig ist der direkte Vergleich Europas mit Afrika und Südasien: Im Jahr 1950 kamen in diesen Regionen etwa 28,8 Millionen Kinder zur Welt, gegenüber 12,2 Millionen in Europa – das ist das 2,4-Fache. Im Jahr 2023 beträgt das Verhältnis 73,7 Millionen zu 6,3 Millionen, also fast das 12-Fache. Südamerika hingegen verzeichnete eine moderate Entwicklung: von 4,8 Millionen auf 5,7 Millionen.
Deshalb wird der relative Niedergang des Westens viel deutlicher, wenn man nicht beim BIP, bei den Streitkräften oder in der Außenpolitik ansetzt, sondern bei der Demografie. Die Bevölkerung Afrikas ist von 228 Millionen im Jahr 1950 auf fast 1,48 Milliarden im Jahr 2023 angestiegen, während die europäische Bevölkerung altert und schrumpft.
Für Europa hat dieses Ungleichgewicht auch eine direkte migrationspolitische Dimension. Die riesige und junge Bevölkerung Afrikas, Südasiens und des Nahen Ostens befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Europa. Wenn die Migrationsströme nicht kontrolliert werden, könnte ein derartig großes Ungleichgewicht Europa seiner Identität und seines Wesens berauben.
