Linus Ammer

Auszug aus seinem Buch, Seite 125-145

 

K-Selektion

Zu den Grundprinzipien der Sozialbiologie gehört die Unterscheidung zwischen den beiden Fortpflanzungstendenzen der r-Strategie (Quantität) und K-Strategie (Qualität). Jeder Organismus kann entweder viel Kraft in wenige Nachkommen oder wenig Kraft in viele Nachkommen stecken.

In lebensfeindlicher, stetiger Umwelt erzwingt die Evolution tendenziell den Aufbau robuster und effizienter Organismen unter Verzicht auf Masse. Hier ist das Elternverhalten stark auf Rüstung der Nachkommen für den Überlebenskampf fokussiert.

Wo dagegen Ressourcenüberfluß herrscht oder die Lebensbedingungen schwankend sind, lohnt es sich umgekehrt, eine möglichst große Zahl an Nachkommen zu erzeugen, unter Depriorisierung der elterlichen Fürsorge. Damit ergibt sich ein bipolares Schema, das üblicherweise wie folgt beschrieben wird:

r-Strategie: schnelleres Wachstum, geringere Körpergröße, kürzere Lebensdauer, zahlreichere und frühzeitigere Fortpflanzung, geringere elterliche Fürsorge, schwächeres Gehirn, großzügiger Energieverbrauch, opportunistische und kurzsichtige Ausbeuterstrategie, geringe soziale Organisation, geringer Altruismus.

K-Strategie: langsameres Wachstum, höhere Körpergröße, längeres Leben, spätere Reife und geringere sexuelle Aktivität, hohe elterliche Fürsorge, leistungsstärkeres Gehirn, sparsamer Energieverbrauch,,
langzeitbezogene und stetige Ausbeuterstrategie, hohe soziale Organisation, hoher Altruismus.

Denn für die Maximierung der Kinderzahl ist logischerweise schnelle, kostengünstige Reife und hohe sexuelle Aktivität erforderlich.

r-Strategie

Für Maximierung der Überlebensfähigkeit derselben hingegen lange, starke Wachstumsperioden, sowie vorausschauendes und kooperatives Verhalten der Eltern.

K-Strategie

Seit langem ist bekannt, daß sich unter den Menschengruppen die äquatorfemen Völker tendenziell den K-Strategen, die äquatomahen eher den r-Strategen zurechnen lassen und zwar bereits anhand genetischer Veranlagung.

Dabei tauchen allerdings verschiedene regionale Facetten auf, die erwartungsgemäß meistens darauf hinauslaufen, daß K-Strategen sich besonders in (prähistorisch) lebensfeindlichen, kalten Grenzökumenen, r-Strategen dagegen in fruchtbaren, warmen oder unsteten Gebieten entwickelten.

Selbst darin ist aber noch eine große evolutionäre Variable gegeben, die sich je nach klimatischen, vegetativen, topographischen, teils auch kulturellen Bedingungen unterschiedlich auf die Menschenvölker auswirkte.

Viele, aber nicht alle der nachfolgenden Merkmale sind also auf dieses r/K-Schema zurückzuführen. Wo sie es nicht sind, wird eine Differenzierung von den (ähnlich K-strategischen) Ostasiaten erforderlich sein. Diese gelten nämlich neben den Nordeuropäem als das Maximum der K-Selektion innerhalb der Spezies Mensch.

Monogamie

Historisch gesehen waren polygame Systeme beim Menschen die Norm, noch heute sind Urvölker mehrheitlich polygam. Die monogame Ausnahme bildeten bereits in der Antike insbesondere Ostasiaten (Japaner, Chinesen, Koreaner) und Indogermanen (Griechen, Römer, Germanen.

[…]

Kaltgemäßigte Zonen und deren Grenzökumene haben demzufolge monogame Neigungen begünstigt und die Indogermanen bereits in der Frühzeit mit der Institution der Einehe versehen. Diese Kulturform, sowie die sozialkooperativen Anlagen der Männer, die sie hervorbringt, haben mutmaßlich folgende Eigenschaften bei den Nordischen begünstigt: Treue, Opferbereitschaft, „In-Group“-Kooperation, Fürsorge und insbesondere auch Tapferkeit.

Kriegstüchtigkeit

Denn in dem Maße, in dem Männer in K-strategischen Situationen aufhören, Energie in impulsiven Partnerwerbungskämpfen zu verausgaben und dabei ein hohes Aggressivitätsniveau gegen friedfertige Sozialkooperativität tauschen, gewinnen sie umgekehrt an Standhaftigkeit und Zähigkeit im Kampf.

[…]

Im antiken Europa gelten den Römern die Kelten, Germanen und Skythen als betont tapfere Völker. Auch die Hellenen im 5. und Italiker im 3. vorchristlichen Jahrhundert haben eine ausgesprochen agonale Kultur.

Bei den Persern hat sich das ganze Mittelalter hindurch eine adelige Fehdelust erhalten, die dem europäischen Rittertum in nichts nachstand. Auch die antiken Völker der Sarmaten, Isaurier und Alanen sind hochgepriesene Söldner, denen größte Furchtlosigkeit zugeschrieben wird.

Insbesondere Germanen werden als das „treueste Volk der Erde“ beschrieben, aus dem sich die römischen Kaiser (bedeutsamerweise sogar während und nach der Varusschlacht) ihre Leibgarden stellen. Noch die mittelalterlichen Kaiser von Byzanz greifen auf Waräger aus Schweden zurück.

Hermann und Thusnelda, Gemälde von Johannes Gehrts

Germanische Heldenepik beschreibt Gefolgschaftstreue bis zur Selbstaufopferung als Normalfall; die Römer urteilen hier, daß Germanen generell keinen Tod in der Schlacht fürchten, insbesondere wenn es um den Schutz ihrer Frauen ginge. Dazu paßt auch, daß Feigheit im Kampf als schlimmstmögliche Schande galt, die nur durch Selbstmord bereinigt werden konnte.

Auffällig ist hier die Parallele zum japanischen Harakiri, das wohl ein noch herausragenderes Wertverhältnis zwischen Einzelleben und Gruppenehre darstellt: Der Krieger vernichtet sein eigenes Leben, um das Ansehen seiner Sippe zu restaurieren.

Das kann als größtmögliche K-Strategie bezeichnet werden: der finale Verzicht auf eigene Reproduktionschancen zugunsten der verbesserten Stellung der Nachkommenschaft. Nichts anderes ist die männliche Bereitschaft, in kriegerischen Konflikten das eigene Leben zu opfern: Maximalinvestition für Kinder und Enkel.

Die Neigung dazu muß erwartungsgemäß abnehmen, je r-strategischer ein Volk geprägt ist. Dementsprechend dürfen wir erwarten, daß mit Beginn der Warmzeit die nördlichen Völker gegenüber den südlichen einen inhärenten Vorteil auf dem Schlachtfeld besaßen und zwar wegen persönlicher Treue einerseits und kriegerischer Standhaftigkeit andererseits.

Ein Blick auf andere K-strategische Völker bestätigt den Trend. Neben den Japanern sind insbesondere die nepalesischen ›Gurkhas‹ berühmt für ihre unerschütterliche Treue und Opferbereitschaft im Kampf. Sie entstammen dem (sehr K-strategischen) Hochland des Himalaya und stellten regelmäßig Elitekontingente an das britische Reich, welches in ihnen höchst loyale und sozial ehrliche Soldaten fand.

Gefolgschaftstreue und Nervenstärke muß auch bereits den gemeinschaftlich jagenden Großwildjägem der eiszeitlichen Tundra überlebenswichtiger gewesen sein als den Bewohnern vegetativ reicher Klimazonen.

Soziale Kooperation

Ein Sinn für kollektives Zusammenwirken ist nicht nur in kriegerischen Situationen vorteilhaft, sondern ermöglicht generell stabilere Gesellschaften, geringere Reibungsverluste durch Mißtrauen und Korruption sowie insbesondere auch größere Gruppen.

Gebündelte Kraft bricht bekanntlich einzelne Kraft und Systeme werden umso effizienter, je mehr Individuen beisteuern und je selbstloser sie dabei sind.

Gemälde von Wilhelm Petersen

Ganz prinzipiell müssen wir also die erfolgreichsten und leistungsstärksten Kollektive dort erwarten, wo Korruption, Egoismus und Opportunismus am geringsten, Selbstlosigkeit, Altruismus und Bindungswille am stärksten ausgeprägt sind.

[…]

Als mögliche Ursache für eine solchermaßen genetische Prägung zur sozialen Gewissenhaftigkeit drängt sich erneut das Kälte-Winter-Modell auf, demzufolge der Überlebenskampf in polnäheren Regionen „High-Trust-Societies“ erzwingt, damit gerechte Beuteteilung, Monogamie und überhaupt Jagduntemehmungen als Gruppe möglich sind.

Je länger sich eine Menschengruppe im Zustand des Jägerdaseins befunden hat und je unbarmherziger dabei die Umwelt war, desto haltbarer und argloser scheint das Sozialverhalten in ihr veranlagt zu sein.

Entdeckerlust

Eine Eigenschaft, die sich keineswegs durch K-Selektion erklären läßt, ist das, was die Soziologie als ›Novelty Seeking‹ oder Risikobereitschaft kennt. Die wiederholte Entdeckung, jahrhundertelange Erkundung und Kolonialisierung der Kontinente sowie bereits die ausgesprochene Mobilität und Wanderlust der prähistorischen Indogermanen sind ein zu auffälliges Kontinuum von Aufbruchsbereitschaft und Pioniergeist, um es bloß auf Bevölkerungsdruck und Nahrungsmittelknappheit reduzieren zu wollen.

[…]

Man hat oft gerätselt, warum China, als es vor 2000 Jahren bereits einen hochentwickelten Staat besaß, nicht begann, die Küsten der Welt zu kolonisieren, wie es später die Europäer taten. Es hatte spätestens im Mittelalter alle Ressourcen, Technologien und geographischen Kenntnisse, um dies zu tun.

Die Antwort darauf ist, daß die chinesische Führung keinerlei Interesse an Expeditionen zeigte, auch nicht, als sich solche anboten.

Die Weltanschauung des antiken, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen China war durchweg die folgende:

[…] die Erde [ist] nach dem Vorbild des Himmels organisiert, der Kaiser der ruhende Pol, um den sich die Menschheit bewegt. Zugleich ist er Mittler zwischen Himmel und Erde. Sein Sitz ist die Mitte der Welt, daher Reich der Mitte, und der Ausgangspunkt aller Kultur, deren Grad sich mit der Entfernung von dieser Mitte vermindert. Es versteht sich daher von selbst, daß die Barbaren zur Mitte der Welt pilgern, um der kaiserlichen Gnade und damit der Segnungen der Kultur teilhaftig zu werden.  […]

Zur Entdecker- und Eroberermentalität gehört nicht nur eine reine Freude an Neuem und Unbekanntem oder naive Wanderlust. Wir beobachten historisch bei den Indogermanen, sei es skythischen Reitern, Grönlandfahrern, Westgoten oder griechischen Kolonisten eine ausgesprochene Portion Wagemut und Aktionismus.

Dieses Gemälde stellt dar, wie Leif Eriksson Amerika entdeckt, Bildquelle: Wikimedia

Rathenaus Bilanz zur germanischen Ethik ist, daß sie voll und ganz um den Begriff des Mutes zirkuliert: Ein germanischer Held könne derb, unklug, ja sogar egoistisch sein, aber was je in dieser Schriftkultur ein Protagonist sein wolle, könne niemals ein Feigling sein.

Er spricht von einer „Ethik des Mutes“. Die Art und Weise, verlorene gesellschaftliche Ehre wiederzuholen, ist in germanischen Kulturen (einschließlich dem Westeuropa des Mittelalters) ausnahmslos die folgende: Furchtlosigkeit im tödlichen Duell beweisen. Der ehrenreinigende Zweikampf ist den meisten Völkern der Erde unbekannt.

[…]

Strebsamkeit

Bei Strebsamkeit und Fleiß denken wir im weltweiten Vergleich zunächst an Koreaner, Japaner und Chinesen. Das Vorurteil stimmt, denn in nahezu allen messbaren Parametern führen die Ostasiaten hier an. Der Erwerbssinn, der dort stets familiär und kollektivistisch motiviert ist, ist Ausdruck K-selektierter Prägung im höchsten Sinne.

[…]

Ähnliche Strebsamkeit und Ehrgeiz wird stereotypisch den Deutschen und Engländern zugeschrieben. Der empirische Befund bestätigt das: Helle Haare, besonders helle Augen, längliche Kopfform und hohe Stirn (beides für Nordwesteuropa typisch und gehäuft) korrelieren jeweils unabhängig voneinander – und innerhalb ein und derselben europäischen Bevölkerung – mit besseren Schulleistungen.

Im Jahr 2005 hat man in einer weltweiten Vergleichsstudie bestimmte kulturelle Werte in den Bevölkerungen abgefragt. Es zeigte sich, daß beim Punkt „Leistungsmotivation“ China und Japan führen, in den nachfolgenden europäischen Nationen dominieren Deutschland und Schweden.

In einer weltweiten Umfrage zum Führungsstil von Managern haben nur drei Cluster eine Betonung auf Leistungsstreben: der deutsche, der angelsächsische und der ostasiatische.

Organisation

Bereits Le Bon urteilte im 19. Jahrhundert, daß „60.000 Engländer 250 Millionen Inder unter ihrem Joch [halten,]“ nicht wegen höherer Intelligenz, sondern allein durch ihren zähen, gewissenhaften und organisierten Charakter.

Gustav le Bon, Bildquelle: Wikipedia

Reichsgründung und Kolonialtätigkeit erfordert schließlich immer ein bestimmtes Maß an Organisationsfähigkeit, das schließt Ordnungswille, sachliche Präzision, gewissenhafte Sauberkeit und einen Hang zum Systematischen ein sowie generell Willenskraft.

[…]

Wiederum verwundert dieser Befund nicht. Denn ein Mangel an Sparsamkeit und kontrolliertem Ressourcenverbrauch sowie vorsorglichem Haltbarmachen und Planen wird in eiszeitlicher Tundra und zentralasiatischem Kontinentalklima deutlich härter bestraft und ausgesiebt als in fruchtbaren, warmen Regionen.

Die Jagd scheint eine Rolle zu spielen, denn bekanntlich sind viele Raubtiere aus Gründen der Pirsch reinlich. Besonders das berühmte „Planen für den Winter“ hat aber wohl der frontalkortischen Hirnentwicklung zugespielt, ist dieses doch buchstäblich das „Planungsmodul“ des Gehirns und stark mit K-Selektion assoziiert.

Hinzu kommt die höhere Anforderung an Werkzeugbau und damit technisch-handwerklicher Präzision, auf die wir noch zu sprechen kommen.

Der Wille zu Sparsamkeit, Effizienz, Ordnung und Stabilität ist ohne Zweifel ein Ergebnis K-strategischer, insbesondere saisonal schwankender Versorgungslage und jägerischer Erfordernisse der Eiszeit.

Er macht sich empirisch bei Nordeuropäem bemerkbar und liefert eine weitere Erklärungshilfe für die durchdachte und stabile Gründer-, Organisations- und Bautätigkeit der Nordeuropäer hinsichtlich technischer wie sozialer Strukturen, welche die indogermanische Expansion von Anfang an begleiteten.

Eigensinn

Wir kommen abschließend zu zwei Eigenschaftskomplexen, in denen sich Europide (einschließlich Südeuropäem und gewissermaßen auch Orientalen) markant von Ostasiaten unterscheiden.

Da ist zum einen das, was als Freiheitsliebe, Eigensinn, Individualismus, Behauptungswille und Selbstständigkeit umschrieben werden kann. Der Europäer denkt autonomer und eigenbrötlerischer als alle Nichteuropäer und das ist in der Vergangenheit vielfach kommentiert worden.

Empirisch läßt sich das folgenermaßen greifbar machen: Helle Komplexion (Pigmentierung von Haar und Augenfarbe) korreliert signifikant mit Selbstständigkeit und Aktivität.

[…]

Die indogermanische Sprachfamilie ist subjektbezogen und „aktivistisch“ wie keine andere.

Das heißt, daß die aktiven Konstruktionen den passiven vorgezogen werden. Friedrich Kainz sah darin den Ausdruck einer auf die Herausarbeitung energischen Tuns zielenden Geisteshaltung. Der Mensch gestaltet seine Umwelt aktiv, er ist nicht nur der Erleidende des Geschehens. In den meisten außereuropäischen Sprachen herrscht die passivistische Konstruktion vor. […]

Aktivistisch sind vor allem das Germanische, insbesondere das Englische, das Griechische und das Italienische. […]

Verbunden mit dem Aktivismus des Indogermanischen ist die starke Betonung des Ich als das handelnde Subjekt. Sie steht in starkem Gegensatz zu dem Zurücktreten des Subjekts in den meisten nichteuropäischen Sprachen. Im Chinesischen und Japanischen wird die Ich-Form geradezu gemieden.

Auch Pokomy bemerkt: [Die] indogermanischen Sprachen [weisen] fast allein ein […] subjektives energetisches Tatverbum [auf] und [drücken] sogar die Empfindungen nach Art des Tatverbs [aus] („ ich höre “, nicht „ es ertönt mir “).

Erfindergeist

Denn zweifellos ist die Grundvoraussetzung für jede Art von Ingenieurstätigkeit das Denken jenseits vorhandener Denkstrukturen und jenseits sozialer, gewohnheitsmäßiger oder äußerer Vorgaben. Wo ge- tüftelt wird, wird innerlich Neuland erkundet und wo ein Handwerker und Baumeister an seinem Werk tätig ist, erfordert es eine ganz konkrete, willensstarke Vision im Kopf des Formenden.

Mittelalterliche Druckwerkstatt, Gavur von Abraham van Werdt

Man wird schwer leugnen, daß durch alle Zeiten und Völker hinweg die Erfinder und Kreativen jeweils die Spitzen menschlichen Freiheitsgeistes und der persönlichen Autonomie bildeten. Eigensinn ist die Voraussetzung für Erfindergeist.

[…]

Daß Nordische interessierter und begabter in technisch-handwerklichen Feldern sind, ist mannigfaltig erwiesen. Hellpigmentiertere Deutsche haben signifikant höheres technisches Interesse als dunkel- pigmentiertere Deutsche.

Gemälde von Wilhelm Petersen

Auch Autismus ist in Nordeuropa signifikant häufiger als in Südeuropa und letztlich nichts als eine Begleiterscheinung von systematischem Denken, Mustererkennung und Fokus auf Sachen, die mit Vorteilen bei technischer Innovation und räumlicher Navigation einhergehen.

Ebendieser Hang zum Technischen (Autismus ist dabei nur die pathologisch-meßbare Form, andere Varianten sind mit Berufserfolg und männlichem Denken assoziiert) findet sich in Form polygener Scores bezeichnenderweise bereits in der frühen indogermanischen Genetik.

[…]

Die Herleitung ist greifbar. Das Entstehungsisolat der Nordischen sowie auch des Indogermanischen müssen eine ingeneurhafte Werkzeugbegabung derart bevorteilt haben, daß sie sich selektiv der ganzen Bevölkerung stark einprägte. Damit einher ging außergewöhnlich autonomes, eigensinniges und neugieriges Denken.

Was die europäischen Eiszeitbedingungen von den zentral- und ostasiatischen Tundraregionen so wesentlich unterschied, ist nicht eindeutig festzunageln. Vielleicht war es Anpassungsdruck an verschiedene Jagdbeuten, maritime Herausforderungen oder geringere Ausweichmöglichkeit.

Zuletzt bleibt auch die Möglichkeit, daß in Ostasien dieses Erfindermerkmal schlichtweg durch andere Faktoren unterdrückt wurde, etwa durch mangelnde Vegetationsvielfalt, kontinentales Klima oder das
frühe Entstehen kollektivistischer Gemeinschaftsformen.

Diese Erklärungsversuche werfen aber mehr Fragen auf als sie beantworten. Es bleibt nüchtern festzuhalten, daß die Vorfahren der Nordeuropäer einem Selektionsprozeß unterworfen waren, der neben anderen distinkten Merkmalen und Rekordwerten auch ein Maximum an imaginativer Konstruktionsbegabung und eigenbrötlerischem Erfindergeist erzeugte.

Bereits der Völksmund weiß, daß Not erfinderisch macht. Der Sprung ist nicht weit, anzunehmen, daß Not-Umwelten Erfinder-Völker machen.

Synthese

Wir haben mit der Beobachtung begonnen, daß die indogermanische Sprachfamilie weit überproportional zu ihrer ursprünglichen Trägerzahl große Teile der Welt eingenommen hat. Beim Verfolgen der einzelnen indogermanischen Sprachzweige sind wir auf wiederkehrende Eroberungsmuster und Expansionsvorgänge gestoßen. Zuletzt haben wir geprüft, ob es bei den mutmaßlichen Trägem der indogermanischen Sprachen bestimmte kulturelle oder adaptive Merkmale gibt, die ihre territoriale Expansion und sprachliche Dominanz begünstigten.

[…]

Wir sollten das Gesagte durchaus nicht als Lobhudelei verstehen, denn die genannten Eigenschaften sind erwartungsgemäß nur für europäisch gesinnte Menschen auch tatsächlich Tugenden.

Der Polynesier, der auf einer ozeanischen Insel glücklich lebt, ist objektiv betrachtet kein Stück weniger erfolgreich als die hochgetürmte, wankende westliche Zivilisation. Für ihn wären die meisten der besprochenen Eigenschaften Untugenden, gefährlich und unselig.

Polynesier

Wer als Europäer den Werdegang der Indogermanen mitfiebernd und bejahend verfolgt, kann getrost sein, daß er ebenso zutiefst gesund fühlt (weil er ja seine angestammten Werte nachempfindet) wie der Navajo-Indianer, der in der alten Lebensweise seines Volkes eine viel höhere Weisheit und Erfüllung verspürt als in Geostrategie, weltweiter Netzinfrastruktur und Raumschiffen.

Buch-Neuerscheinung: Indogermanen

Indogermanen: Herkunft, Eigenschaften, Expansionsgeschichte

Linus Ammer: Indogermanen