Der Übergang vom Paradigma des Intellektualismus
Ashkan Baladi
Was wir traditionelle Werte nennen, sind nicht dieselben wie die Werte des Bürgertums: Unsere Werte stehen ihnen genau entgegen.
Weder Verlangen noch Schmerz dürfen jemals Maßstab und Grundlage des Handelns sein.Julius Evola
Es gab eine Zeit, in der sich der Intellektuelle auf eine einzige, letztlich lächerliche Geste reduzierte: die „Gegnerschaft zur Herrschaft“!
Dieses vorherrschende und tragische Narrativ stürzte über Jahrzehnte hinweg alles ins Verderben. Das Denken war ins Exil verbannt. Das Modell dieser Art von Aufklärung war ein entartetes Modell, das man mit Nachsicht als „sartresk“ und als Erbe der Frankfurter Schule bezeichnen könnte: ein Gleichgewicht, das jedes theoretische System oder jede historische Fragestellung zugunsten dessen manipulierte, was er das Schwache nannte.
Dabei besaßen Katze, Kind, Ethnie usw. für den Intellektuellen an sich keine kategoriale Differenz; ihre Bedeutung ergab sich ausschließlich aus ihrer Stellung in Opposition zu dem, „der imstande war zu gründen“, also zur herrschenden Macht.
Evola geht im dreizehnten Kapitel seines Werkes Cavalcare la tigre (›Den Tiger reiten‹) unter dem Titel ›Sartre: Gefängnis ohne Mauern‹ direkt auf dieses Problem ein. Diese Form der „Negation“ – die Negation der Herrschaft –, ebenso wie Freiheit, Wahl und Verantwortung, erweisen sich als Symptome eines nihilistischen Zeitalters, in dem Freiheit auf das Selbst und dessen Selbstbezogenheit reduziert ist.
Da der Mensch zu dieser selbstbegründeten Freiheit verurteilt ist, versetzt ihn die Freiheit als solche in Angst. In letzter Konsequenz schlägt dieses pseudo Verantwortungsgefühl in ein Bewußtsein der „Absurdität“ um. Die moderne Freiheit selbst ist es, die das Subjekt beunruhigt; um ihr zu entkommen, flüchtet sich das moderne Subjekt in den Konsumismus.
Diese Form der intellektuellen Hegemonie hat ihre Unzulänglichkeit offenbart und sich in zahllosen Wiederholungen zu einer leeren, psychologisierenden und letztlich absurden Hülle verformt. Der moderne Westen selbst ist in den Bann dieses selbsterschaffenen Diskurses geraten und verzögert lediglich den Moment seines Todes, der untrennbar mit dem westlichen Apparatus verbunden ist.
Eines der deutlichsten Zeichen dieses Zusammenbruchs und des damit einhergehenden Paradigmenwechsels war die Ersetzung von Denkern, die einst die theoretische Arbeit für den Staat leisteten, durch Journalisten, Schauspieler und Prominente in der Politik. Die Strukturen befinden sich im Niedergang.
Die bankrotten westlichen Ökonomien versprechen ihren Bürgern für ein Jahr mechanisierten und eindimensionalen Lebens einen paarwöchigen Urlaub an den Küsten noch bankrotterer Ökonomien. Das theoretische System des Westens ist in seine eigene Falle getappt. Kein links- noch rechtsgerichteter Kurs kann es mehr retten.
Der wahre Denker jedoch scheut die Nähe zur Macht nicht. Genau an diesem Punkt zeigen sich hier der „nationale Wille“ und die „wahre Geschichte“. Hier gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Denken und Heldentum. Der Denker ist der Krieger, der nicht auf Grundlage theoretischer Selbstbegründung, sondern für den Erhalt der Heimat und des Volkes kämpft – gegen die plündernden Kräfte des Teufels.
Dies gewährleistet die Kontinuität und Festigung der Macht des Landes – das ist die Aufgabe des Denkens. In Iran – und zuvor in Rußland und China – haben sich günstige Voraussetzungen für das Erscheinen dieser Art von Denkern gebildet, und es scheint, daß dieser Prozeß weiter an Dynamik gewinnt.
Mehr als ein halbes Jahrhundert lang wurde die Geschichte der Geisteswissenschaften im Sinne des sogenannten modernen Geistes manipuliert. In dieser Zeit wurden die authentischsten Stimmen des europäischen Kontinents ins intellektuelle Exil verbannt: Denker wie Julius Evola, Giovanni Gentile und Alfredo Rocco in Italien oder – in der Weimarer Republik und darüber hinaus – Carl Schmitt, Ernst Jünger und Martin Heidegger in Deutschland.

Ernst Jünger (li.) und Carl Schmitt, Bildquelle: Metapedia
Sie alle hatten ein Bewußtsein für den „wahren nationalen Willen“ entwickelt und scheuten sich nicht, sich jener Macht anzunähern, die diesen Willen – nach ihrer Überzeugung – verkörperte.
Diese Nähe zur Macht ist hier nicht im Sinne des Lobbyismus liberaldemokratischer Prägung zu verstehen, also nicht als Durchsetzung wirtschaftlicher oder parteipolitischer Interessen. Vielmehr geht es um ein geschichtliches Bewußtsein, um die Hinwendung zu vergessenen Ursprungskräften, um das Verständnis des „Anfangs“ und die Wiedervereinigung mit der schöpferischen Kraft der „Nation“.
Heidegger näherte sich in diesem Streben den Nationalsozialisten und sprach in seiner 1933 gehaltenen Rede ›Die Selbstbehauptung der deutschen Universität‹ explizit über diese Möglichkeit. Für Heidegger war der „Führer“ Ausdruck eben dieses Willens und der Selbstbehauptung des „deutschen Volkes“, und die Universität, als Ort des Erscheinens und Ermöglichens von Wissen, mußte reifen, ohne Zweifel an dieser „Führung“ teilhaben und ihren Willen an diese „Führung“ binden. Dieses Wesen aber kommt erst zu Klarheit, Rang und Macht, wenn zuvörderst und jederzeit die Führer selbst Geführte sind – geführt von der Unerbittlichkeit jenes geistigen Auftrags, der das Schicksal des deutschen Volkes in das Gepräge seiner Geschichte zwingt.
In unserer entscheidenden Lage erinnern wir uns noch einmal an das, was Carl Schmitt den „Raumaspekt“ nennt, und an die Weise, in der er ihn beschreibt:
Ganz unabhängig von dem guten oder bösen Willen der Menschen, von friedlichen oder kriegerischen Zwecken und Zielen, produziert jede Steigerung der menschlichen Technik neue Räume und unabsehbare Veränderungen der überkommenen Raumstrukturen.
Dieser Wandel der Raumstruktur entspringt heute mehr denn je – kurz gesagt – der Gegnerschaft zwischen „Landmächten“ und „Seemächten“.
Die Landmächte verkörpern Ordnung und Gesetzlichkeit, feste Grenzen und jene Souveränität, die aus Abgrenzung und Stabilität hervorgeht.
Demgegenüber steht die Seemacht als Vertreterin des freien Handels, ständiger Grenzverschiebungen sowie wandelbarer Lebensweisen und Wesensarten: die Beständigkeit des Gesetzgebers gegen die Fluidität und Grenzauflösung.
Ich beabsichtige hier nicht, Schmitts Begriff auf das Reich des „Innen und Außen“ zu reduzieren oder ihn zu vereinnahmen. Doch der strukturelle Wandel des Raumes vollzieht sich ebenso entschieden in der Welt des „Geistes“.
Der im Boden und im Land verwurzelte Geist widersetzt sich der Woge des Globalismus. Auch die strukturellen Veränderungen des Raumes unterliegen – je nach technologischem Fortschritt – entsprechenden Veränderungen in der Art und Weise des Widerstands.
Iran ist – ebenso wie China und Rußland sowie viele iberoamerikanische Staaten – ein vollkommenes Modell für diese Auseinandersetzung zwischen „landgebundenen Kräften“/Osten und „Seekräften“/Westen. Gerade in dieser Frage ist der iranische Denker auf verschiedenen Wegen zu einem Konsens und zu einem „Gewissen“ gelangt und verfolgt nun eine hoffnungsvolle Strategie.
Ja, Iran wird siegen, weil er den Übergang vom Paradigma des Intellektualismus eingeleitet hat.


Diese unsere Welt bewegt sich in Richtung eines national geprägten Einklangs, von dem eine große deutsche Persönlichkeit, schon in der Vergangenheit, in Richtung Zukunft strahlte.
Den Namen lasse ich jetzt absichtlich mal weg, denn jeder Wissende weiss bescheid.