Gespräch mit dem Finanzanalysten Frank Schuh
♦ Herr Schuh, hinter den Ereignissen an den Finanzmärkten sehen Sie einen bewusst geplanten Umbruch in eine neue Weltordnung. In einem Ihrer Videos unterscheiden Sie zwischen einem „luzi- ferischen“ und einem „ahrimanischen“ Prinzip. Was hat es damit auf sich?
Diese Unterscheidung stammt vom österreichischen Philosophen Rudolf Steiner (1861-1925), dem Begründer der Anthroposophie. Steiner beschrieb nicht einen einzigen „Teufel“, sondern zwei grundverschiedene Widersacherkräfte, die den Menschen aus seiner Mitte reißen wollen – und eine dritte, noch tiefere Kraft, die über beiden steht.
Diese Erkenntnis ist für das Verständnis unserer Gegenwart von enormer Bedeutung, denn sie zeigt: Was wir heute erleben, ist kein Zufall, keine Verschwörung im banalen Sinne, sondern das Zusammenspiel geistiger Kräfte:
Das luziferische Prinzip ist die Kraft, die den Menschen nach oben aus sich herauszieht – in Visionen, Träume, Versprechen, Rauschzustände. Der „Lichtträger“ verführt mit Schönheit, mit Begeisterung, mit dem Versprechen geistiger Höhe: „Du kannst alles sein, alles haben, alles werden.“
Das heutige Wirtschafts- und Finanzsystem trägt diesen Charakter: unbegrenzter Kredit, unbegrenztes Wachstum, Spekulationseuphorie, Konsumversprechen – ein permanenter Rausch. Schulden, Finanzblasen, Selbstoptimierung bis hin zur Illusion, man könne Realität allein mit Wünschen erzeugen – all das ist luziferisch. Es ist eine Höhe ohne Boden.
Das ahrimanische Prinzip ist das exakte Gegenbild: kalte, rechnerische, seelenlose Intelligenz. Der Name stammt aus der altpersischen Religion des Zarathustra, wo Ahriman als der destruktive Geist dem Lichtgott gegenübersteht.
Wo Luzifer den Menschen in die Höhe reißt, zieht Ahriman ihn nach unten – in die totale Verfestigung. Er macht alles meßbar, berechenbar, kontrollierbar. Er liebt Zahlen, Algorithmen, Statistiken und mißtraut allem, was lebendig und nicht standardisierbar ist.
Das ahrimanische System ist eine technokratische Ordnung, in der der Mensch nur noch als Datensatz, Risikoprofil und Produktionsfaktor erscheint. Es interessiert sich nicht für Verführung, sondern für Verwaltung. Nicht für Träume, sondern für Parameter.
Wir erleben gerade den Übergang vom einen ins andere. Das luziferische System der Übertreibung erschöpft sich – und aus dieser Erschöpfung heraus ruft die Menschheit nach Ordnung, nach Kontrolle, nach Sicherheit. Genau das ist der Moment, in dem die ahrimanische Kraft übernimmt. Es geht also vom luziferischen Rausch zur ahrimanischen Verwaltung.
„Keine Freiheit ohne Luzifer“
Ich höre hier eine Kritik an dem populären Versuch heraus, dieses System durch spirituelle Ausrichtung am Positiven zu verlassen. Ist „luziferisch“ also prinzipiell doppelwertig – gut und böse? Jeder hält sich für einen Teil der guten Lichtkräfte, was das Gewissen stumm schaltet.
Genau das ist der Kern der luziferischen Versuchung, und Sie treffen einen wunden Punkt, den viele Menschen in der spirituellen Szene nicht hören wollen. Luzifer ist kein plumper Verführer. Er bietet echte Gaben an – Kreativität, Begeisterung, visionäre Kraft.
Das Problem ist nicht die Gabe, sondern die Verführung. Der Mensch erhebt sich in geistige Höhen, für die er innerlich noch nicht reif ist. Er verwechselt spirituelle Bilder mit spiritueller Reife. Er manifestiert Wünsche, ohne die Arbeit der Selbsterkenntnis getan zu haben.
In der Finanzwelt sieht man das in den Angeboten, über einen „Abundance Mindset“ (Fülle- oder Überflußmentalität) durch richtiges Denken allein Reichtum anzuziehen. Dabei ist das nur die esoterische Version des Konsumversprechens.
Steiner warnte: Ohne Luzifer hätte der Mensch nie die Freiheit erlangt. Der luziferische Eingriff in der lemurischen Epoche – das ist der biblische Sündenfall – gab dem Menschen die Möglichkeit zur eigenständigen Erfahrung, zum Irrtum und damit zur Freiheit.
Aber diese Freiheit muß erarbeitet werden. Wer sie konsumiert, ohne sie zu verdienen, fällt dem Luziferischen anheim. Und ja – das ist das Tückische: Man fühlt sich dabei großartig. Man fühlt sich erleuchtet. Man hält sich für einen Teil der Lichtkräfte. Aber man hat nur den Rausch erfahren, nicht die Substanz.
♦ Wie zeigt sich luziferische Logik konkret im Geldsystem?
Erstens: Geld ist entkoppelt von jeder realen Begrenzung. Seit der Aufgabe des Goldankers 1971 kann theoretisch unbegrenzt neues Fiatgeld geschaffen werden. Das ist luziferisch im reinsten Sinne – die Aufhebung der irdischen Grenze, die Verheißung: Es gibt kein Limit.
Zweitens: Der Zinseszins zwingt das System in exponentielle Expansion – mehr Schulden, mehr Wachstum, mehr Ressourcenverbrauch. Exponentielles Wachstum ist die mathematische Signatur des Luziferischen: immer höher, immer schneller, bis es bricht.
Drittens: Psychologisch füttert dieses System den Narzissmus. Es erzählt dir, daß du durch Geld, Status und Konsum zu dir selbst kommst. In Wahrheit entfernst du dich immer weiter von dir, weil dein Wert zunehmend an äußere Parameter gekoppelt ist.
In meiner 35-jährigen Arbeit mit den Elliott- Wellen beobachte ich immer wieder: Die Wellen sind Ausdruck dieser kosmischen Gesetzmäßigkeiten. Die euphorische Welle 3 oder 5 ist luziferisch – der Rausch, die Übertreibung. Die Korrekturwellen sind das schmerzhafte Erwachen. Die Märkte atmen denselben Rhythmus wie die geistigen Kräfte, die sie durchziehen.
Das luziferische System ist ein System des Zuviel: zu viel Kredit, zu viel Lärm, zu viel Information, zu viel Selbstinszenierung. Es kennt nur temporäre Korrekturen, die als Crashs erlebt werden. Man verkauft Zukunft, die man noch gar nicht verkörpert.
Auf ökonomischer Ebene heißt das: Gewinne werden vorweggenommen, Risiken verdrängt, Verantwortung vertagt.
Auf der seelischen Ebene: Man verwechselt spirituelle Bilder oder Esoterik-Konsum mit echter innerer Reifung.
Steiner nannte das den „luziferischen Hochmut“ – das Gefühl, bereits zu sein, was man erst noch werden soll. Die ganze Positivdenken-Industrie lebt davon.
♦ Und wie manifestiert sich das ahrimanische System?
Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Raum, in dem alles perfekt funktioniert – die Temperatur stimmt, das Licht ist optimal, jeder Handgriff ist vorausgeplant. Aber es gibt kein Fenster. Keinen Ausgang. Und keinen Grund, der Ihnen einfällt, warum Sie hinausgehen sollten. Das ist ahrimanische Perfektion: eine Welt, die so reibungslos funktioniert, daß der Mensch vergisst, daß es ein Draußen gibt – ein Geistiges, eine Seele, eine Freiheit jenseits der Parameter.
Steiner übernahm den Namen „Ahriman“ bewußt aus der altpersischen Tradition des Zarathustra, wo er als Angra Mainyu – der „destruktive Geist“ – dem Lichtgott Ahura Mazda gegenübersteht. Er tat das, weil die christliche Tradition „Satan“ und „Teufel“ zu einem einzigen Wesen verschmolzen hat und damit genau die Unterscheidung verloren ging, die heute so dringend nötig ist.
„Trump ermöglicht einen Rausch“
♦ Woran machen Sie das Umkippen des luziferischen Systems ins ahrimanische fest?
An Erschöpfung und Krisen. Das luziferische System kann nicht ewig im Rausch bleiben. Schuldenstände, ökologische Grenzen, psychische Überlastung – irgendwann bricht die Illusion der Grenzenlosigkeit. Genau das sehen wir: Finanzkrisen, Vertrauensverlust, Burn-out, gesellschaftliche Fragmentierung.
In dieser Erschöpfung ruft die Gesellschaft nach Ordnung, Stabilität, Planbarkeit. Das ist der Moment, in dem ahrimanische Kräfte ins Spiel kommen. Sie bieten Struktur, Effizienz, Risikomanagement. Sie sagen: Wir setzen Kl ein, um Fehler des Menschen zu korrigieren. Wir digitalisieren, um Korruption zu bekämpfen. Wir programmieren Geld, um Mißbrauch zu verhindern.
Was vorher ekstatisch überdreht war, wird nun rigide eingefroren. Das Pendel schlägt von „Alles ist möglich“ zu „Nur noch das Erlaubte ist möglich.“
Dieser Übergang ist eine Abfolge von „Ritualen“ – globalen Schockereignissen, die jeweils eine Stufe tiefer in die ahrimanische Ordnung führen: Der 11. September 2001 etablierte den Überwachungsstaat. Die Finanzkrise 2008 zentralisierte die Geldmacht und brachte Bitcoin als trojanisches Pferd der Digitalwährung. Und die Corona-Krise 2020 testete den Zugriff auf den Körper selbst. Jedes Mal dasselbe Muster: Schock, dann eine „Lösung“, die vorher undenkbar gewesen wäre.
Die ahrimanische Seite zeigt sich in Regulierungswellen, Sanktionen, Kontosperrungen, immer detaillierteren Nachverfolgungen von Zahlungsströmen. Parallel dazu die Vorbereitung auf CBDCs – digitale Zentralbankwährungen –, bei denen man Geld an Bedingungen knüpfen kann: Wofür du es ausgibst, bis wann, an welchem Ort. Luzifer lockt dich in den Club, Ahriman kontrolliert, was du im Club darfst.
♦ Apropos Club: Wo steht Donald Trump in diesem Koordinatensystem?
Man muß sich nur die zweite Inauguration von Donald Trump ansehen – das war Luzifer in Reinform, live auf der Weltbühne. „Das Goldene Zeitalter bricht jetzt an“, „Wir werden so reich und so mächtig sein wie nie zuvor.“
Trump verspricht alles – das ist die luziferische Signatur: das Versprechen einer Größe, die nicht erarbeitet, sondern ausgerufen wird. Es fühlt sich an wie Aufbruch, wie Befreiung. Aber es ist Rausch. Und Rausch fragt nie nach dem Morgen.
Die luziferische Falle verführt deine Sehnsüchte, die ahrimanische gibt sich als Schutz deiner Sicherheit aus. Die eine arbeitet mit Licht, die andere mit Logik. Und beide haben eines gemeinsam: Sie wollen nicht, daß du selbst denkst.
♦ Könnte in Deutschland der Übergang zwischen 2006 und 2020 passiert sein? Die WM 2006 markierte eine neue Unbeschwertheit. Der Covidterror hätte damals keine Chance gehabt. Die „Maßnahmen“ ab 2020 überrumpelten ein schon serviles Volk.
Die WM 2006 war tatsächlich ein luziferischer Höhepunkt –ein kollektiver Rausch, ein „Sommermärchen“. Bis 2020 vollzog sich die schleichende Transformation: Die Finanzkrise 2008 erschütterte das Vertrauen. Die Smartphone-Revolution ab 2007 machte den Menschen freiwillig zum Datenproduzenten. Die Flüchtlingskrise 2015 polarisierte und fragmentierte. Die Covid-„Maßnahmen“ waren zutiefst ahrimanisch: Kontaktverbote, QR-Codes, digitale Überwachung, die Reduktion des Menschen auf einen virologischen Risikofaktor.
Aber die Angst, die das Ganze antrieb – die Todesangst, die Panik, die Hysterie –, die war luziferisch aufgeladen. Man hat die Menschen erst in Panik versetzt, um sie dann in die Kontrollstruktur zu treiben. Das Zusammenspiel beider Kräfte war perfekt choreographiert.
Die mRNA-Technologie berührt aus geistiger Sicht eine ganz andere Ebene. Rudolf Steiner hatte bereits darauf hingewiesen, daß in unserer Zeit versucht werden würde, den Menschen Stoffe zu verabreichen, die den Zugang zum Geistigen blockieren.
Wenn man dem Körper einen extern erzeugten genetischen Bauplan einschleust, der ihn dazu bringt, Informationen wie ein Programm auszuführen, dann bewegt sich der menschliche Organismus in Richtung einer biologisch-digitalen Struktur. Der Körper wird programmierbar. Und das ist die ahrimanische Versuchung auf der intimsten Ebene – dem eigenen Leib.
♦ Wie kann man diesen beiden Wirkmächten widerstehen?
In der anthroposophischen Tradition wird dafür der michaelische Weg beschrieben: ein Weg der inneren Mitte, in dem das eigene Ich bewußt lernt, mit beiden Kräften umzugehen, ohne ihnen zu verfallen.
Michael ist seit den 1870er Jahren der führende Zeitgeist – der Erzengel, unter dessen Regentschaft wir leben. Er gibt dem Menschen nicht Befehle, sondern die Kraft zur eigenen Erkenntnis. Auf der Persönlichkeitsebene heißt das: luziferische Impulse – Kreativität, Vision, Begeisterung – annehmen, ohne in Größenwahn und Realitätsflucht zu rutschen; ahrimanische Impulse – Klarheit, Struktur, Logik – nutzen, ohne sich zu entseelen.
Man könnte sagen: Das Herz bleibt der Taktgeber, nicht der Markt und nicht der Algorithmus.
Ein klares „Nein“zu jeder Form von Zwangsdigitalisierung des Geldes. Bargeld ist in diesem Zusammenhang kein nostalgisches Relikt, sondern ein Schutzorganismus der Freiheit. Es ist die letzte, einfache, robuste Form, in der Mensch zu Mensch im Austausch bleiben kann, ohne permanent durch ahrimanische Strukturen gefiltert zu werden.
Alternativen zur Digitalisierung des Geldes müssen aufgebaut werden: dezentrale Zahlungsnetze, Regionalwährungen, solidarische Strukturen. Aber – und das ist entscheidend – diese Alternativen müssen geistig geführt sein, sonst reproduzieren sie nur in kleinerem Maßstab dieselben Muster.
Bitcoin zum Beispiel wurde von vielen als Befreiung gefeiert. Aber in Wahrheit hat es die Menschen an die Idee des rein digitalen Geldes gewöhnt – und damit den Boden bereitet für genau die CBDCs, die jetzt als staatliches Kontrollgeld kommen. Der Köder war freiheitlich, das Netz ist ahrimanisch.
Jeder kann auf der äußeren Ebene kleine, aber konkrete Entscheidungen treffen: bewußter Umgang mit Schulden, maßvoller Konsum, Begrenzung der eigenen Digital- Abhängigkeit, Pflege analoger Beziehungen, souveräner Umgang mit Geld und Zeit. Nicht aus Panik, sondern aus Würde.
Die Widersacherkräfte – so bedrohlich sie sind – dienen letztlich dem göttlichen Plan. Nicht weil sie es wollen, sondern weil die Weisheit der Schöpfung größer ist als ihr Widerstand. Ohne die Möglichkeit, Ahriman zu verfallen, gäbe es keine Freiheit. Ohne die Versuchung Luzifers gäbe es keine bewusste Liebe.
Der Mensch wächst nicht trotz dieser Kräfte, sondern an ihnen. Deshalb sage ich: Seid stets wachsam! Studiert, forscht, bildet euch ein eigenes Urteil! Aber verfallt dabei nicht der Angst. Denn der Weltenplan ist zu groß, um zu scheitern.
♦ Vielen Dank für das Gespräch!
■ Das Interview führte Jochen Stappenbeck.
