…und die Aggression gegen den Iran
Enrico Vigna
Abseits der ständigen und „ablenkenden“ Medienkampagnen, die dem Ziel der Zerstörung und Auslöschung des iranischen Staates dienen, dokumentiere ich hier die Position und die Lage der verschiedenen und zahlreichen religiösen Minderheiten, die in der Verfassung des Landes garantiert und geschützt sind. Von der jüdischen Gemeinde, über Christen, Sunniten, Armenier und Assyrer. Alle Vertreter der verschiedenen Gemeinschaften haben sich klar und entschieden gegen die Aggression ausgesprochen und für diplomatische Lösungen aller Probleme plädiert.
Die offizielle Religion des Iran ist laut Verfassung der schiitische Islam, aber die Islamische Republik erkennt religiöse Minderheiten an und schützt sie: vom Judentum, über Christen verschiedener Konfessionen, bis zu den Zoroastriern, die sogar Vertreter im Parlament haben, den Armeniern, Assyrern, Sunniten, sowie weiteren kleineren, aber anerkannten Gemeinschaften wie den Mandäern, Yarsan, Buddhisten und Hinduisten.
Die grundlegende Bedingung ist, zuerst iranischer Staatsbürger mit Rechten und Pflichten zu sein, und dann folgt jeder seinen eigenen Überzeugungen. So war es auch in der Arabischen Republik Syrien, bevor die Dschihadisten kamen, um die „Demokratie zu bringen”.
Die verfassungsmäßigen Rechte, die religiöse Minderheiten im Land genießen, sind festgelegt und werden respektiert; es gibt Hunderte von Gotteshäusern, Synagogen, Kirchen und Tempeln, in denen sie ihre religiösen Rituale frei ausüben können. Laut verschiedenen Statistiken sind etwa 90% der Gläubigen Schiiten, 6% Sunniten, der Rest verteilt sich auf andere Glaubensrichtungen. Es sei daran erinnert, dass im Iran immer die größte jüdische Gemeinde aller östlichen Länder gelebt hat.
Die Verfassung legt fest, daß „Einmischung in individuelle Glaubensüberzeugungen verboten ist“ und daß „niemand belästigt oder verhaftet werden darf, nur weil er einen bestimmten Glauben hat“, sofern die Gesetze eingehalten werden.

Die iranisch-jüdische Gemeinde verurteilt die US-israelische Aggression und fordert Bestrafung
Der jüdische Religionsführer Younes Hamami Lalehzar (im Bild), Präsident der iranisch-jüdischen Gemeinde, hat die jüngsten US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf sein Land scharf verurteilt und die Aktion als
…Verrat an dem Vertrauen, wir fordern, daß beide Regime für ihr kriminelles Verhalten zur Rechenschaft gezogen werden. Ein weiteres Mal hat sich das kriminelle Amerika in Zusammenarbeit mit dem zionistischen Regime durch einen hinterhältigen und rücksichtslosen Angriff weiter in den Sumpf des Verfalls gestürzt. Diese Tat wird von allen freien Völkern verurteilt werden und sicherlich eine entschlossene und kraftvolle Antwort der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran erhalten, die alles tun werden, um das Blut der iranischen Märtyrer zu rächen… Der Führer der Islamischen Revolution, Ayatollah Seyyed Ali Khamenei, wurde bei einem gemeinsamen amerikanisch-israelischen Militärangriff in Teheran ermordet, während die Atomverhandlungen im Gange waren. Der Tod von Ayatollah Khamenei ist ein großer und unwiederbringlicher Verlust für die iranische Nation, aber ich habe Vertrauen, daß das iranische Volk sein Blut, seine Führung und seinen Weg zu bewahren weiß… In dieser schwierigen Zeit unterstreichen wir die Notwendigkeit, die Einheit, das Mitgefühl und die Geschlossenheit der gesamten iranischen Nation zu bewahren. Wir bekräftigen auch unsere ständige Überzeugung, daß gemäß den göttlichen Traditionen und den Lehren unserer Religionen das Recht letztendlich über die Lüge siegen wird und Ehre und Ruhm letztlich den widerstandsfähigen, treuen und wahrheitssuchenden Nationen gehören werden…, erklärte der Rabbiner.
Im Januar hatte Hakham Younes Hamami Lalehzar, als Vertreter der iranisch-jüdischen Gemeinde, um die Brüderlichkeit und Einheit der Komponenten der iranischen Gesellschaft zu bekräftigen, an der Konferenz in Teheran zu Ehren des Kommandeurs der Quds-Brigade Qasem Soleimani teilgenommen, der am 3. Januar 2020 von den USA ermordet wurde. Unter den Teilnehmern der Konferenz, bei der Soleimani als „Symbol des Widerstands, des Mutes und als Verteidiger der Unterdrückten“ beschrieben wurde, waren Vertreter verschiedener Organisationen wie Hisbollah, Hamas und Islamischer Dschihad sowie Delegierte aus Ländern wie Irak und Jemen.
Im Gespräch mit lokalen Medien sagte Hamami:
An der Art und Weise, wie die Feinde des Märtyrers Soleimani ihn ermordet haben, und an den jüngsten Aktionen der Feinde gegen Menschen, Frauen und unschuldige Kinder, kann man das edle Verhalten des Märtyrers Soleimani erkennen. Der Mut von Soleimani ging über die Grenzen Irans hinaus. Es stimmt, daß die Feinde ihn töten konnten, aber unsere Überzeugung ist, daß ein Mensch nicht auf diese vergängliche Welt beschränkt ist und der beste Platz denen gehört, die auf Gottes Weg fallen. Die Feinde haben Haj Qasem getötet, aber sie haben seine Denkweise nicht getötet. Diese Denkweise hat in der gesamten iranischen Gesellschaft, in der Region und unter den Völkern Wurzeln geschlagen.

Auch Siyamak More Sedgh (im Bild), iranisch-jüdischer Politiker und Arzt, der von 2008 bis 2020 den für die jüdische Minderheit reservierten Parlamentssitz im iranischen Parlament innehatte und außerdem Präsident der jüdischen Wohltätigkeitsorganisation Dr. Sapir ›Hospital and Charity Center‹ ist, gilt als „der Nummer-eins-Jude“ des Iran und ist oft kritisch gegenüber bestimmten Positionen der iranischen Behörden. Auch er hat sich gegen die Aggression gegen sein Land ausgesprochen und in erster Linie zur Einheit und Verteidigung des Landes aufgerufen. Sedgh ist im Iran bekannt und respektiert, auch wegen eines Vorfalls, der im Fernsehen bekannt wurde. Er ist so sehr mit seinen iranischen Wurzeln verbunden, daß er, als seine Frau Ende der 1990er Jahre beschloß, in die USA auszuwandern, sich entschied, im Iran zu bleiben und erklärte,
…daß er sich nicht vorstellen könne, außerhalb seiner eigenen iranischen Kultur zu leben.
Trotz der Aggression gegen das Land haben die iranischen Juden mit Zustimmung des Innenministeriums dennoch das Purimfest gefeiert, das in der jüdischen Tradition die Rettung des jüdischen Volkes vor der Vernichtungsverschwörung des bösen Haman feiert. Es ist eines der fröhlichsten jüdischen Feste, ein „jüdischer Karneval“, das mit dem Lesen der Megillah, Kostümen, Feiern und Geschenken begangen wird und daran erinnert, wie das Schicksal sich wenden kann.
Angesichts der Situation wurde es dieses Jahr mit schlichten Kostümen und in aller Zurückhaltung innerhalb der Synagogen und in den Familien gefeiert, nur um die Traditionen, die eigene Kultur und die Wurzeln zu bewahren, während es in anderen Jahren auf den Straßen gefeiert wurde.
