Roberto Pecchioli
Wir leben im Zeitalter des Triumphs von Häßlichkeit und Vulgarität. In der Kunst, im Geschmack, in den Einstellungen, im Denken und in den Worten. Die neuen Städte, die Luxusviertel und Geschäftsbezirke sind genauso häßlich wie die Gebiete neben den scheußlichen Kastenbauten, die die Vororte und Hauptstraßen verunstalten.
Häßlich sind die Nicht-Verkehrsorte und das Fehlen von Gemeinschaft; häßlich ist ein Großteil dessen, was als Kunst bezeichnet wird und eigentlich das Gegenteil davon ist. Alles kann Kunst sein, sagt man, seit Marcel Duchamp 1917 ein gewöhnliches Urinal kaufte und es als Kunstwerk ausstellen wollte.

Urinal, Foto von Alfred Stieglitz (1917), Bildquelle: Wikipedia
Ein Großteil des westlichen Denkens führt einen regelrechten Kreuzzug gegen die Schönheit in all ihren Formen. Auf der einen Seite steht marxistisches und kollektivistisches Gedankengut, der Feind der „bürgerlichen“ Kunst; auf der anderen Seite das Desinteresse an der ästhetischen Dimension des Ökonomismus und des liberalen Funktionalismus, der auf die Produktion kostengünstiger, gewinnbringender Massenprodukte ausgerichtet ist.
In den letzten Jahren hat der Kult der Häßlichkeit das woke Nicht-Denken und die Cancel-Kultur dominiert und versucht, jedes natürliche ästhetische Konzept zu untergraben. Die Sehnsucht nach Schönheit, die Bewunderung und Freude an dem Schönen und Erfreulichen – in Kunst, Musik, Literatur und im Alltag – sind tiefe Bedürfnisse der menschlichen Seele. Jeder Angriff auf das Konzept der Schönheit ist eine Beleidigung des Menschen.
Frédéric Spinhirny, Autor eines verwirrenden Essays mit dem Titel ›Le privilège beau‹ ( Das Privileg der Schönheit), sieht das anders. Die Zusammenfassung (jetzt Abstract genannt) bringt es auf den Punkt:
Indem wir ständig behaupten, Schönheit sei lediglich eine Frage der Perspektive oder eine oberflächliche Debatte in einer zunehmend ernsten oder tragischen Situation, tragen wir zur Reproduktion eines Schönheitsprivilegs bei, das auf ästhetischen Vorurteilen beruht.
Tatsächlich wimmelt es in unseren Straßen und auf unseren Bildschirmen – von Werbung bis zu politischen Plakaten – nur so von attraktiven Menschen. Was bedeutet diese Allgegenwart von Schönheit? Und was ist mit der Unsichtbarkeit derer, deren Körperbau als unattraktiv gilt?
In einer bildbesessenen Gesellschaft prägt das Gebot, sich den vorherrschenden Normen anzupassen, tiefgreifend unseren Körper, unser Selbstwertgefühl und sogar unsere soziale und politische Vorstellungskraft.
Um das Ausmaß des Schönheitsprivilegs aufzuzeigen, dekonstruiert der Essay historische Vorurteile in Bezug auf den Körper, prangert soziale Ausgrenzung und Diskriminierung aufgrund des Aussehens an und unterbreitet konkrete Vorschläge, um unsere Perspektive zu erweitern und diesem Skandal, der sich vor unseren Augen entfaltet, entgegenzuwirken. Meine Güte!.
Der Kreuzzug beginnt mit der vermeintlichen Häßlichkeit des Körpers – einer als Ungerechtigkeit empfundenen – und weitet sich darüber hinaus aus. Spinhirny, ein gutaussehender, vierzigjähriger Arzt, führt einen totalen Krieg gegen die Natur (sie habe uns schön oder häßlich geschaffen, ohne Rücksicht auf Gleichheit!) von der Kanzel eines wütenden Egalitarismus, der die Werte von gestern verachtet.
Bedeutsam ist das Verb „dekonstruieren“, erfunden von einem schrecklichen Meister, Jacques Derrida, um die Häßlichkeit zu erheben und ästhetische Kriterien zu einem Wert zu degradieren. Eine reine „ woke“ Ableitung eines selbsternannten Philosophen, ein Titel, der so diskreditiert ist, daß selbst der Verfasser dieser Notizen danach streben könnte.
Daß diese Kampagne von klar definierten kulturellen Zentren ausgeht, belegt ein „unterwürfiges” Interview, das der Libération, der Zeitung der Intelligenten und Gebildeten par excellence, der Pariser Bibel der Intellektuellen, die zwischen der postbürgerlichen Arroganz von ›La Repubblica‹ und dem Postmarxismus von ›Il Manifesto‹, gewährt wurde.
Der Verfechter der Deformierten und Mißglückten fordert mehr Häßlichkeit und beharrt darauf, uns von der Idee der Schönheit, „weiß und antiegalitärer“, zu befreien. „Das Privileg der Schönheit”, behauptet er, „ist ein Phänomen, das Schönheit, Weißsein und Bourgeoisie vereint, und man kann hinzufügen, daß es dem männlichen Blick entspricht”.
Volltreffer: alle Parolen des westlichen Progressivismus in zwei Zeilen. Glückwunsch zu Ihrem Esprit de Finesse, typisch französisch. Der scharfsinnige Denker verrät, daß er zu seinen Schlußfolgerungen durch „persönliche Beobachtungen, durch eine Überraschung aus meiner Studienzeit“, gelangt ist. „An den großen Universitäten, im Politikstudium in Paris, erinnere ich mich an einen gewissen physischen Elitarismus, eine Art, sich durch das Aussehen, die Pflege der Ästhetik, die Haltung zu unterscheiden”. Oh, wie beschämend, Sorbonne!
Er fährt fort und zählt mit nachdenklicher Ernsthaftigkeit Klischees auf: „Die massive gesellschaftliche Vorliebe für als attraktiv geltende Körper, die Auswirkungen auf Karrieren und Partnerschaften, die Macht der ›sozialen Medien‹ und unser Zeitalter der ständigen Sichtbarkeit.“ Vor allem aber betont er die Ungerechtigkeit der Ungleichheit, die mit einem „angeborenen“ Körper einhergeht.
Hier liegt der Kern: Haß auf die Natur, auf das Gegebene, der Wunsch, sich selbst neu zu erschaffen oder, falls das nicht möglich ist, die natürlichen Prinzipien der menschlichen Seele und die instinktiven Neigungen zu überwinden. Spinhirny argumentiert außerdem, daß unattraktive Körper im Film auf Nebenrollen oder Bösewichte beschränkt seien. Was ist mit der großartigen Angelina Jolie, der bösen Hexe in Maleficent ?
Das Interview verläßt schnell den pseudophilosophischen Ansatz und mündet in eine destruktive Kritik an der westlichen Identität. Wir erfahren, daß das „Privileg der Schönheit“ vor allem ein „weißes Privileg“ sei; „weiße Haut wurde schon immer mit Reinheit assoziiert“, prangert er mit finsterer Miene an.
Woher kommen diese unterdrückenden Maßstäbe? Aus der „westlichen Philosophie“, versteht sich . Aber auch das „christliche religiöse Denken“ trage eine Mitschuld, mit seiner Ikonografie, die „die schlimmsten Stereotype verankert hat: bestimmte Proportionen, Licht für das Gute, Dunkelheit für die Hölle und so weiter“.
Zum Glück kümmern sich die woken Sabbate darum, Maria und Jesus auf die schrecklichste und obszönste Weise darzustellen. Schließlich hebt der Philosoph die verhängnisvolle Rolle der europäischen Literatur hervor, deren Helden nach Schönheit streben. Heiße Luft, die nur eine schwindende Zivilisation ernst nehmen kann.
Spinhirnys Vorschläge, das unerträgliche Privileg der Schönheit zu beenden und der Häßlichkeit nach Jahrtausenden der Marginalisierung zum Triumph zu verhelfen, grenzen ans Lächerliche. Da alles politisch sei, auch die Ästhetik, fordert er die staatlichen Behörden auf, unsere Vorstellungskraft zu kontrollieren und Gesetze zu erlassen, um sie besser zu formen.
Insbesondere Werbung, Fernsehen und Institutionen müßten Menschen, die als „nicht-weiß“ gelten, mehr Aufmerksamkeit schenken (wären sie etwa häßlicher, ein rassistischer Fehlgriff?). Doch wir müssen noch weiter gehen. Ich schlug Arcom ( der französischen Behörde für audiovisuelle Kommunikation, Anm. d. Red. ) vor, dasselbe mit Menschen zu tun, die als „nicht schön“ gelten.
Werden Quoten für Häßlichkeit im Fernsehen, in der Werbung und in der öffentlichen Verwaltung eingeführt? Bislang keine Reaktion der Behörden, vielleicht gefangen in archaischen ästhetischen Vorurteilen. Dann müßten wir Schönheitswettbewerbe verbieten (und durch Wettbewerbe für Häßlichkeit ersetzen, eine Art Stolz, der Stolz der Häßlichen, der Entstellten, der Abscheulichen?), die Werbung überdenken (?) und Schulungen zur Diskriminierung aufgrund des Aussehens verpflichtend machen, insbesondere am Arbeitsplatz.
Neue, streng kontrollierende Bürokratien entstehen: Verpflichtungen und Verbote, diesmal, um Schönheit zu vertreiben, neue Fördermaßnahmen, um die Ungerechtigkeit der grausamen Natur zu überwinden. Nieder mit Venus, es lebe die Befana.
Wenn all das noch nicht reicht, um uns von der Schönheit der Häßlichkeit zu überzeugen, gibt es noch eine letzte Möglichkeit: das Skalpell. „Überall besteht eine große Tendenz zu Schönheitsoperationen, unabhängig von Alter, Wohnort oder sozialer Schicht“, bemerkt der Philosoph. „Anstatt sie als schlecht und kapitalistisch zu bezeichnen, dachte ich mir: ‚Warum nicht etwas Gutes daraus machen?‘“
Besonders, wenn man Arzt ist und den bleiernen Egalitarismus, der auf Häßlichkeit basiert, mit dem hartnäckigen Streben nach dem Gegenteil in Einklang bringen und davon profitieren muß. Es ist unklar, ob Schönheitsoperationen darauf abzielen, unser Aussehen zu verbessern oder zu verschlechtern, und nach welchen Kriterien, aber sie beinhalten sicherlich Selbsthaß, Selbstinszenierung im Geiste der Hexen aus Macbeth: Schön ist häßlich und häßlich ist schön – das Motto einer verkehrten Welt, in der die Wahnsinnigen die Leichtgläubigen führen.

Die drei Hexen von MacBeth, .Gemälde von Alexandre-Marie Collin
Frédéric Spinhirny widerspricht sich auf komische Weise: Er kritisiert die Ungerechtigkeit, die mit körperlicher Schönheit einhergeht, plädiert aber gleichzeitig dafür, diese durch Medizin zu erreichen. Das erinnert gelangweilt an die anklagenden Klischees der Kaviar-Linken: Alle werden verdammt: der patriarchale weiße Mann, der Schönheit liebt, Diskriminierung, westliches Gedankengut und das Christentum.
Drehen wir die Argumentation des selbsternannten Philosophen um: Häßliche moderne Architektur und Kunst sind eine der Ursachen für den Verlust hoher Prinzipien. Ihre Häßlichkeit spiegelt unmittelbar den Werteverlust und die Demoralisierung wider, in die die europäische Kultur und das Leben im allgemeinen versunken sind.
In der zeitgenössischen Kunst ist der Begriff Schönheit zu einem semantischen Tabu geworden. Er wird gemieden, umgangen, verbannt. Marxistische Historiker haben Schönheit als Opium für das Volk angeprangert, als Strategie der Verführung, des Trostes und der Manipulation des Geistes.
Soziologen haben die Kategorie der Schönheit untersucht und sie als eine soziale Norm definiert, die von Institutionen und dem Markt konstruiert und legitimiert wird, als einen relationalen, ephemeren Begriff, der vollständig vom Kontext abhängig ist. Das Objekt des Staunens, das betrachtet wird und still und wortlos eine Botschaft der Erhabenheit ausstrahlt, verschwindet. Schönheit ist nicht länger ein Attribut der Kunst, eine freie Gabe der Form, eine zusätzliche Dimension der Seele. Schönheit wird zum Verbrechen gegen die Gleichheit!
Im Gegensatz zu Spinhirnys Überzeugung ist Schönheit für alle da, ohne Ausnahme. Ohne Privilegien, ohne Diskriminierung. Natur, Gemälde, Denkmäler, Musik, selbst Brigitte Bardots Körper – alles ist für alle zugänglich. Schönheit weckt in jedem sensiblen, empfänglichen und wahrhaft menschlichen Wesen Verzauberung, Begeisterung und Staunen.

Frauenkopf, Gemälde von Leonardo da Vinci
Menschen wie Spinhirny wollen uns durch Entkulturation von der Anziehungskraft der Schönheit befreien, durch die beinahe animalische Regression des Individuums, das den Torheiten postmoderner Nicht-Kultur und Anti-Ästhetik zum Opfer fällt.
Die Wahrheit ist, daß sie uns verachten. Wir brauchen große Werke des Geistes und der Schönheit. Historiker, Philosophen, Schriftsteller und Künstler sprechen über uns, über die conditio humana. Schönheit weckt das Streben nach Aufstieg. Häßlichkeit stößt uns hinab, zum Unförmigen, zum Unmenschlichen: der Kreuzzug der Welt in umgekehrter Richtung.
Quelle: https://www.ereticamente.net/la-crociata-per-la-bruttezza-roberto-pecchioli/

Der Kampf gegen das Gute und Schöne kann nur von einem organisierten häßlichen Menschenschlag ausgehen. Die Deformation des Schönen gipfelt im Vorführen behinderter Models und glattem Würfelhusten in den Städten, es ist ein Angriff auf die Seele schöner, gesunder Menschen, ein Verbrechen.
@rosi Liebe Rosi, ich habe soeben gesehen, daß AliExpress eine Fahne in den Farben rot und schwarz (Farben des Teufels) anbietet, auf die mittig ein Davidsstern gelegt ist. Die wäre doch was für Sie. Aber Sie irren: Die Juden galten zwar schon im Altertum als besonders häßlich und hatten keinerlei Sinn für den griechischen Körperkult, was sich im Christentum auswirkte, wo im Mittelalter bresthafte und verkrüppelte Menschen als Gott besonders wohlgefällig galten. Der gegenwärtige Häßlichkeitskult, um den es oben geht, entspringt jedoch dem fanatischen Gleichheitsdogmatismus der Wokeness. Dort gibt es sogar einen Anti-„Lookismus“, der mehr oder weniger jedem eine Brille aufsetzen möchte, die alle körperlichen Unterschiede unsichtbar macht. Man kann natürlich sowohl den Kulturmarxismus als auch dessen Potenzierung im Wokismus als säkularisiertes Judäochristentum interpretieren, obwohl die „Woken“ selbst mit Judentum und Christentum überhaupt nichts am Hut haben, aktuell sogar mehrheitlich entschieden antizionistisch eingestellt sind. Es ist die alte Frage von der Henne und dem Ei.