Pia Rogge-Börner

Zu den Menschen germanischer Herkunft, in denen das unsrer Art Eingeborene noch nicht überwiegend zerstört ist, werden die vorstehend zum Leben erweckten Frauen und die zu ihrem Schicksal gehörenden Männer eine eindringliche Sprache sprechen. Man hat es wirklich nicht nötig, „aus den Quellen Dinge herauszulesen, die einem selbst in irgendeiner Richtung genehm oder erwünscht sind“; die Quellen sprechen klar und unzerdeutelbar, auch zu denen, die ihre Überlieferung als nicht genehm und unerwünscht empfinden. Das uns in Verlust Gegangene liegt offen zutage und damit zugleich viel Erklärung dafür, daß es den Lenkern der Volksgeschicke in dem seit jener Zeit vergangenen Jahrtausend nicht gelungen ist, die Völker zu ihrem Lebensrecht – im unpassendsten äußeren und innerlichen Sinne – zu führen. Damit liegt zugleich ebenso offen zutage, in wie lebensnahem Zusammenhang die in der vorliegenden Untersuchung betrachteten Persönlichkeiten noch immer mit dem Leben und Streben unsrer gegenwärtigen Zeit stehen und wieviel Wesentliches sie uns – und heute erst recht wieder – noch immer zu sagen haben.

Junge Friesin, Gemälde von Wilhelm Petersen

Junge Friesin von Wilhelm Petersen 1938

In königlicher Freiheit standen die Geschlechter sich gegenüber, keins dem andern untertan, jedes lebend und handelnd unter voller Eigenverantwortung und alle Folgen, die guten wie die schlimmen, auf sich nehmend. Beide Geschlechter führten die Gemeinschaft; ohne Geschlechterunterscheidung lag der Führeranspruch bei den Befähigtsten und Berufensten. Starke, gesunde Sippen erwuchsen diesen wahrhaft un­abhängigen, gewissenssicheren Männern und Frauen; Wohlstand erblühte ihnen aus ihrem gemeinschaftlichen Schaffen und Denken, Freude an der Erhöhung ihres Daseins durch das Schöne.

Bronzezeit Krieger von Wilhelm Petersen 1935

Naturen, in denen ungute Anlagen sich übersteigerten, wurden außerhalb der Gemeinschaft gestellt; aber die Ehrfurcht vor den besonderen geistigen und seelischen Kräften der Frau war so groß, daß eine Frau nur selten unter die härteste Schuldvergeltung fiel. Ehrfürchtige Scheu, die noch tief im Unterbewußtsein ruhte, ließ die Mutter des Menschen sozusagen unantastbar. Denn ganz wissend waren diese noch im Gleichgewicht ihres Artgesetzes Ruhenden um den bestimmenden Anteil am Werden, Wachsen und Vergehen der Völker, der vom Naturwillen der Frau auferlegt worden ist.

Friesin von Wilhelm Petersen

Von diesem Wichtigsten wissen die Lenker der Erde heute nichts mehr. Sie helfen sich weiter ohne die Weisheit, die Güte, die starken sittlichen Führerkräfte des weiblichen Menschenteils –, nicht nur das, sie wollen diese Kräfte nicht mehr wirksam sehen in den großen Entscheidungen. Die Frau ›darf‹ überall untergeordnete Arbeit, auch Schwerarbeit tun; aus der initiativen geistigen Verantwortung ist sie ausgeschlossen. Das Ergebnis liegt sichtbar zutage im dämonisch gehäuften Völkerleid, das aus allen Zonen des angeblich so fortgeschrittenen Planeten zum Himmel stöhnt, schreit, anklagt. Dieses Zeitalter verschleudert Seelen wie Ausschußware im Ausverkauf und wirft an jedem Tage – durch sadistischen Mord oder Bombenabwurf, Granaten oder Giftgas – Tausende von Menschen mitten in ihrer noch nicht vollendeten Werdebahn aus dem Leben, Seelen, die wehrlos, ahnungslos, schuldlos ihren Weg gingen. Denn Seelen gelten nichts mehr. Unser Jahrhundert, das sich auf einer noch nie dagewesenen Kulturhöhe wähnt, sieht sich gezwungen, ›Antipiratenkonferenzen‹ einzuberufen; es ist stolz auf seine Gasmaskenindustrie und darauf, daß es Mütter und Kinder übt im ›Schutz‹ gegen teuflischen Mordüberfall aus der Luft. Solche Mordüberfälle, in denen jeder Staat die Meisterschaft zu erringen bestrebt ist, löschen aber nicht nur Menschen aus, sondern gegebenenfalls auch die unwiederbringlichen Werke der Unsterblichen. Es ist das Jahrhundert des Menschen, der sich Meister fühlt über alle Dimensionen und sich selber zujubelt, weil er Wort, Musik und Bild durch den Äther sendet zu den Erdbewohnern aller Längen- und Breitengrade – und noch immer nicht merkt, daß seine Antennen zu der zentralen Großsendestation der göttlichen Kräfte abgerissen sind.

Friesin, Gemälde von Wilhelm Petersen

Es heißt eine Binsenweisheit auszusprechen, und doch muß es für die nicht Begreifenwollenden immer wieder gesagt werden, daß die Formen einer vergangenen Kulturebene nicht wieder hergestellt werden können und sollen. Nicht nur die erfahrenen artfremden Einstrahlungen, sondern auch insgesamt die großen geistigen Revolutionen des letzten Jahrtausends haben sowohl die Formen wie den Menschen gewandelt. Die Lebens- und Dauerkraft jeder Artung aber ist gebunden an ein Ursprunghaftes in ihrem Erbgut, eben an das, was ihre einmalige Art im Schöpfungsgang ausmacht. Besiegelt ist ihr artlicher Tod, sobald sie herausgeschleudert ist aus dieser ihrer ruhenden ›Mitte der Mitten‹; nur im exzentrischen Bewegteren, besser gesagt, Gestoßenwerden vermag sie noch eine Zeitlang ihr Dasein zu fristen, während ihr völkisches Sterben schon hinter ihr liegt. Mit Ernst und Leidenschaft sollten die Völker nordischer Herkunft danach trachten, den ruhenden Kern ihrer Gestalt – als Leib-Geist-Seele-Einmaliges – wieder zu sehen, sich fest auf ihr innerstes Kernstück zu stellen und in den konzentrischen Kreisen neuer Denk- und Lebensformen um diese Mitte zu schwingen.

Elke, Gemälde von Wilhelm Petersen

Aus: Die innere Gestalt der nordischen Frau, H. Bott Verlag, Berlin 1937,verschienen in ›Mars Ultor‹ 2012. Siehe in unserem Bücherangebot: https://ahnenrad.org/?s=mars+ultor+2012