Eine gute Nachricht inmitten der schlechten:

Gericht verfügt vorläufigen Bau-Stopp im Reinhardswald!

Ab dem 16. Mai wollten die Windparkplaner eigentlich mit den Rodungen der Baumstümpfe auf den Planungsflächen beginnen. Das ist nun auf unbestimmte Zeit zunächst untersagt.

Die Rodungsbagger standen schon wieder im Reinhardswald bereit, als am Freitagnachmittag (13. Mai) der Hessische Verwaltungsgerichtshof VGH buchstäblich in letzter Minute seinen Beschluß veröffentlichte. Zur Begründung wurde vom Gericht angeführt, dass erforderliche Maßnahmen zum Schutz der streng geschützten Haselmaus vor baubedingter Tötung nicht hinreichend umgesetzt worden seien. Die Pressemitteilung könnt ihr auf der Seite des VGH lesen. Unsere Freude könnt Ihr Euch vorstellen – und wir teilen sie gerne mit Euch allen!

STARKES DUO – ZWEI NATURSCHUTZVERBÄNDE KLAGEN

Für den Erhalt des Reinhardswaldes und damit gegen Hessens größtes Windkraftprojekt hatten unmittelbar nach Genehmigung der 18 Windturbinen im Februar d.J. mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald SDW und der Naturschutzinitiative NI gleich zwei überaus kompetente, schlagkräftige Naturschutzverbände Klage erhoben, wofür wir sehr dankbar sind! Um nun eine Zwischenverfügung und damit zunächst einen Bau-Stopp zu erreichen mit dem Ziel, weitere irreversible Schäden zu verhindern, hatten beide Verbände parallel fristgerecht umfangreich begründete Anträge beim VGH Kassel eingereicht. Schon die von der SDW vorgetragenen nachweislich unzureichenden Schutzmaßnahmen der streng geschützten Haselmaus reichten dem Gericht aus, um diesem Antrag zu entsprechen.

Damit sandte das Gericht ganz nebenbei auch ein Ausrufezeichen an das Regierungspräsidium Kassel. Denn die weisungsgebundene Genehmigungsbehörde hatte das von der ›EAM natur‹ als Antragstellerin vorgelegte Haselmaus-Schutzkonzept zuvor im Genehmigungsverfahren als ausreichend bewertet.

BESSER UNABHÄNGIG

Tatsächlich war es nach all den Jahren für uns das erste Mal und damit ein ganz besonderes Erlebnis, daß wichtige vorgetragene Argumente zum Reinhardswald auch Berücksichtigung fanden. Daß auch zukünftige Entscheidungen mit dem VGH nun bei einer unabhängigen, einzig Recht und Gesetz verpflichteten Instanz liegen, macht uns Mut für den weiteren Weg. Denn es sind noch viele hochrelevante Inhalte und Fragestellungen zu Hessens größtem Windindustrie-Vorhaben (und das ausgerechnet im Reinhardswald!) zu bewerten, die unserer Ansicht nach damit nicht mehr übergangen oder „passend zurecht gerückt“ werden können.

Jetzt aber war und ist die Entscheidung des VGH zunächst vor allem eine sehr gute und wichtige Entscheidung für den Artenschutz – und damit für den Reinhardswald. Die streng geschützte Haselmaus steht dabei für sich – aber auch für das insgesamt so vielfältige, wertvolle, schützenswerte Ökosystem Reinhardswald.

NOCH MEHR KLÄGER

Außer der beiden Naturschutzverbände NI und SDW haben unterdessen auch die Gemeinde Wesertal, unterstützt von einigen Einzelpersonen, wie auch die Stadt Hofgeismar, Klage eingereicht. Klagegründe müssen hier wegen des besonderen Umstandes, daß der Reinhardswald als gemeindefreier Wald in hessischem Landesbesitz ist, aus der direkten Betroffenheit entstehen. Das ist hier in einigen wichtigen Punkten gegeben (bspw. Trinkwasserschutz, Brandgefahr, Schall, Denkmalschutz…).

VIELE

„Wir für den Reinhardswald!“ – so lautete das Motto einer großen Demo der Freien Wählergemeinschaft Trendelburg am 13.3.2022 in Gottsbüren. Es war schon die zweite Demo seit Genehmigung, die wir jeweils sehr gerne unterstützt haben. Vielleicht wart Ihr dabei!? Jedes Mal kamen mehr als 700 Menschen – großartig für diese ländliche Region! Und das am 6.Februar sogar bei 5 Grad und Dauerregen! Einige besondere Impressionen und Redebeiträge dieser sehr gelungenen Veranstaltungen, zusammengestellt in kurzen Videos, findet Ihr hier auf der Seite der befreundeten Initiative „Windpark Reinhardswald dagegen“ , die Fotos hier.

Wenn wir Wald wollen, müssen wir ihm Raum geben, Zeit und Ruhe. Alle vermeidbaren Störungen sind zu reduzieren. Sonst besteht das Risiko, dass wir ihn mit seinen Funktionen und Leistungen verlieren.

…so mahnte eindringlich unser Unterstützer Professor Pierre Ibisch (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde HNEE, 2. Vorsitzender der Dt. Umweltstiftung) in seinem für uns verfaßten Grußwort, das wir auf der Demo am 13.3. in Gottsbüren verlesen durften. Prof. Ibisch ist Biologe und sicher einer der bekanntesten und renommiertesten Waldfachleute wenn es um die komplexe Frage der immer wichtiger werdenden primär ökologisch, nicht ökonomisch (!) ausgerichteten zukünftigen Waldunterstützung geht.

„Wir für den Reinhardswald!“, ja – das sind viele! Im Zusammenschluß des Aktionsbündnis Märchenland / Rettet den Reinhardswald sind wir allen wirklich von Herzen dankbar die sich mit und neben uns, als Kommune, als Verband oder Verein, in ihrer eigenen Initiative oder auch als Einzelperson, vor Ort und längst bundesweit mit ihrer Kraft, ihrer Zeit, ihrem Fach- und Sachverstand, auch mit ihrem Geld und vor allem mit viel Herzblut und Überzeugung aufrichtig für diesen wunderbaren Reinhardswald einsetzen – und das z.T. schon viele Jahre! Es wird nicht leichter – aber so können wir es schaffen!

VIEL ZU TUN

Wir bleiben dran. Auch wenn Ihr einmal länger nichts von uns hört. Dann frißt uns einfach der Alltag – oder es sind immer wieder Wellen an Aufgaben, die über uns zusammenschlagen, die es in Verbindung mit dem Reinhardswald zu bewältigen gibt. Immer noch besteht ein großer Teil unserer Arbeit in viel Fach- und Sacharbeit (nun auch mit dem Ziel der Unterstützung verschiedener klagender Parteien), in Presse- und Medienarbeit, im Knüpfen von Kontakten und auch im wichtigen Dokumentieren der Vorgänge vor Ort im Wald. Letzteres ist auf einer Baustelle, die 18 überwiegend nur zu Fuß, z.T. mit dem Rad zu erreichende, mehrere tausend Quadratmeter große Baufelder umfasst und sich mitten im Wald über rund 10 Kilometer erstreckt, sehr zeitaufwändig – aber extrem wichtig.

Bzgl. Windkraft im Wald wird von Politik und Windindustrie gerne verniedlichend von „behutsamer Öffnung des Waldes für die Windenergie“ gesprochen. Was für ein Hohn! „Behutsam“ war beim Fällen (darunter weit über 150 Jahre alte Buchen) und bei so einem schweren Maschineneinsatz im durchfeuchteten, weichen, anschließend mehr als knietief durchpflügten, uralten, nun jetzt dort irreversibel zerstörten, vormals so wertvollen Waldboden gar nichts! Fotos von der Zerstörung findet Ihr auf unserer Webseite und hier

Es passiert überall, täglich und aus den verschiedensten Gründen. Aber es erschüttert, mit eigenen Augen zu sehen, was ein paar entschlossene Menschen mit ihren Maschinen einem Wald einschließlich seiner unverzichtbaren Grundlage, dem wasser- und Co2-speichernden, quicklebendigen Boden, in dem sich über ewige Zeit ein ganz eigenes, hochkomplexes Ökosystem entwickelt hat, in wenigen Tagen aber auf hunderte Jahre hinaus antun können. Und das wäre ja erst der Anfang…

Auch wenn wir es nicht immer schaffen, auf all Eure Mails zu antworten: Wir lesen alles! Schneller mit dem Neuesten ist oft unser online-Team auf facebook. Auch wenn ihr dort nicht angemeldet seid, könnt Ihr die Inhalte mitlesen. Darüber hinaus spüren auch wir täglich: Wir stecken alle in sehr herausfordernden Zeiten. Umso mehr freuen wir uns, daß wir Euch heute einmal gute Nachrichten senden konnten!

Herzliche Grüße
Rettet den Reinhardswald

 

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