Die Strategenpost veröffentlicht täglich einen Überblick über die Entwicklungen im Ukraine-Krieg. Dabei werden zwei Perspektiven miteinander verknüpft: der Krieg vor Ort und der globale strategische Konflikt, den die USA gegen Rußland zu organisieren versuchen – mit dem klaren Risiko einer Eskalation zwischen den Atommächten. Nach einem Monat des Konflikts zeigt sich, daß

  • Rußland eine echte militärische Revolution eingeleitet hat, die auf der (vorläufigen) absoluten Überlegenheit seiner Hyperschallwaffen beruht;
  • der Großteil der Welt nicht bereit ist, in eine von den USA inszenierte Konfrontation mit Rußland einzutreten;
  • das Ende des auf dem Dollar basierenden globalen Währungssystems und die Geburt eines neuen “polymonetären” Systems bevorsteht.
  • die Europäische Union immer deutlicher von den USA und Großbritannien manipuliert wird, die zwar diesen geopolitischen Kampf verlieren, aber dennoch die Aussicht auf ein “Europa vom Atlantik bis zum Ural” für Generationen zerstören wollen.

Zunächst sei auf den Beitrag von Scott Ritter hingewiesen.

Der Rückzug der russischen Armee aus der Umgebung von Kiew verhindert nicht, daß die ballistischen Schläge fortgesetzt werden. So wurde in Tschernigow ein Munitionslager der ukrainischen Armee zerstört.

  • Wenn die westlichen Medien ihre Arbeit machen würden, würden sie z. B. die lange Kolonne zerstörter ukrainischer Panzer auf der Straße von Kiew nach Schitomir zeigen.
  • In der ukrainischen Armee kommt es immer häufiger zu Desertionen.
  • Das 501. Marinebataillon der ukrainischen Armee hat sich in Mariupol ergeben. 200 Männer ziehen sich aus dem Kampf zurück – im Gegensatz zu den fanatischen Asow-Milizen.

Ebenfalls in Mariupol soll ein neuer Bürgermeister ernannt worden sein und das administrative und politische Leben unter russischem Schutz langsam wieder aufgenommen werden.

Gab es französische Freiwillige, die als ehemalige Soldaten auf der ukrainischen Seite in Mariupol kämpften?

Butcha und der globale geopolitische Konflikt

Wir verweisen auf die beiden Artikel von Eric Verhaeghe vom Morgen des 4. April (hier und hier), die die Episode in Bucha betreffen.

Wir können nur zur äußersten Vorsicht raten, bevor wir ein Urteil fällen. Wie Verhaeghe sehr gut hervorhebt:

  1. Die Anzahl der Videos ist begrenzt und stammt nur von Ukrainern.
  2. Zwischen dem Abzug der russischen Truppen aus dem von ihnen kontrollierten Teil von Butcha und der Entdeckung der Leichen vergingen mehrere Tage.
  3. Videos, die darauf abzielen, Rußland zu beschuldigen, werden insbesondere von ukrainischen Ideologen weiterverbreitet, die weiße Ukrainer gegen “Russen, Mongolen und Semiten” (sic!) verherrlichen.

In jedem Fall wird die Kriegspropaganda in dem Moment schäbig, in dem klar wird, daß die ukrainische militärische Niederlage nur noch eine Frage von wenigen Wochen ist.

Wir möchten noch einige Punkte hinzufügen:

  • Wir wurden zu Recht darauf hingewiesen, daß Gewalttaten wie die in Bucha im Zusammenhang mit der massiven Verteilung von Waffen durch die ukrainischen Behörden seit Beginn des Krieges zu sehen sind.
  • Unsere Vertrautheit mit diesem Konflikt veranlaßt uns, die Möglichkeit von Vergeltungsmaßnahmen ukrainischer Militärs oder Paramilitärs gegen Personen, die als Kollaborateure der Russen eingestuft werden, zu prüfen, bevor wir die Leichen als Opfer der Russen darstellen. Vielleicht werden die Fakten uns widerlegen. Die Hypothese ist jedoch a priori nicht mehr oder weniger fragwürdig als die eines von der russischen Armee verübten Massakers.
  • Es gab nie öffentliche Aufregung oder politische Empörung, als vor einigen Tagen Videos von russischen Gefangenen, die von den Ukrainern schwer mißhandelt wurden, veröffentlicht wurden. Wenn Frankreich auf diplomatischer Ebene glaubwürdig sein will, sollte es sich davor hüten, den Eindruck zu erwecken, daß es Opfer gibt, die interessanter sind als andere.
  • Offensichtlich haben unsere Politiker und Medien nichts aus den Manipulationen der letzten 30 Jahre gelernt, insbesondere während der Kriege im Irak und in Jugoslawien.
  • Die Ukrainer verlieren den Krieg. Der Berater des ukrainischen Präsidenten Alexej Arestowitsch hat dies zugegeben. Sollte man annehmen, daß ihnen diese Art der Manipulation als verzweifelter Versuch bleibt, den Westen im Namen der Verhinderung eines “Völkermords” in den Krieg zu ziehen? Zelenskis heutiger Besuch in Bucha ist eher ein verzweifelter Versuch, den Westen in den Krieg zu ziehen, als alles andere.
  • Ich bin erstaunt, wie kaltblütig die Gegner von Emmanuel Macron bei den Präsidentschaftswahlen mit diesem Thema umgehen (hier).
  • Ist sich der Westen generell bewußt, daß der Rest der Welt überhaupt nicht auf das ukrainische ›Storytelling‹ eingeht? (siehe z.B. die sehr neutrale Darstellung in der Times of India).

Eine ebenfalls neutrale Quelle berichtet mir, daß die Russen beim Austausch von russischen und ukrainischen Gefangenen ihre eigenen Gefangenen mit Folterspuren am Körper zurückbekommen haben.

In der spanischen Presse wird das Thema des Handels mit ukrainischen Kindern und Jugendlichen angesprochen.

Muß man daran erinnern, daß jeder Krieg die schlimmsten Instinkte entfesselt? Dies wird in diesen Tagen regelmäßig von Papst Franziskus betont, der sich weigert, in dem Krieg Partei zu ergreifen und deshalb unter enormen Druck gerät oder der westlichen Desinformation ausgesetzt ist.

Der chinesische Außenminister traf sich mit seinem ukrainischen Amtskollegen und erinnerte ihn an die Bedeutung von Friedensverhandlungen und einer europäischen Sicherheit, die Rußland einschließt.
Ist die deutsche Wirtschaft bereits ein Opfer der anti-russischen Sanktionen?

Ist die deutsche Wirtschaft am Rande der Selbstzerstörung?

Trotz des Drucks vieler großer Unternehmen und Banken erweckt die Regierung den Eindruck, daß sie die Dringlichkeit der Eröffnung eines Kontos bei einer russischen Bank zur Bezahlung des russischen Gases nicht ernst nimmt. Auf der einen Seite spricht der Bundeskanzler von neuen Sanktionen, auf der anderen Seite erklärt Finanzminister Christian Lindner, daß Deutschland “kurzfristig” nicht auf russisches Gas verzichten könne. Dennoch nahm Deutschland Butcha als Vorwand, um Energiesanktionen zu erwägen und 40 russische Diplomaten auszuweisen. Die Verstaatlichung der deutschen Ableger von Gazprom und Rosneft ist mehr symbolisch als alles andere, aber sie zeigt die Aggressivität der deutschen Regierung.

Die Inflation betrug im März in Deutschland 7 %, und die großen Einzelhandelsunternehmen kündigen an, daß die Lebensmittelpreise ab dem 4. April 2022 um 30 bis 50 % steigen könnten.

Das Kölner Wirtschaftsinstitut spricht von einem möglichen Zusammenbruch der deutschen Automobilindustrie, die stark auf europäische Fertigungsstraßen bis in die Ukraine und weltweite Lieferrouten gesetzt hat. Unmittelbar belasten die Schließung ukrainischer Produktionsstätten und die (zumindest theoretische) Mobilisierung von 100 000 ukrainischen Fernfahrern durch die ukrainische Armee bereits die Produktion in Deutschland.

Der Ausschuß der fünf “Weisen“, die die deutsche Regierung in Wirtschaftsfragen beraten, senkte die Wachstumsaussichten von 4,5 auf unter 2 %.

Das Kölner Wirtschaftsinstitut betont, daß all dies vor dem Hintergrund eines zwei Jahrzehnte andauernden Rückgangs des Anteils der Europäischen Union an der Produktion und am Welthandel zu sehen ist.

Die Global Times, eine englischsprachige Zeitung, die der Kommunistischen Partei Chinas nahesteht, hat Schwierigkeiten zu verstehen, wie die Europäische Union sich so sehr von den Amerikanern an der Nase herumführen lassen kann, die weiterhin Düngemittel aus Rußland importieren (die zu lebensnotwendigen Gütern hochgestuft wurden) und die ihre Importe von russischem Öl im März 2022 erhöhen ließen.

Ist die Ukraine-Krise also ein Mittel der Amerikaner, um die deutsche und europäische Wirtschaft zu zerstören?

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