Helmut Stellrecht

Der heilige Gral

BLUT

Im Blute trägst du das heilige Erbe der Väter und Vorväter. Du kennst sie nicht, die in unendlicher Reihe in das Dunkel der Vergangenheit gehen. Aber alle leben sie in dir und gehen heute noch in deinem Blute über ihre Erde, um die sie sich in Kampf und Mühe verzehrt und in der ihre Leiber längst vermodert sind.

Deshalb ist dein Blut etwas Heiliges. Mit ihm schenkten dir die Eltern nicht nur den Leib, sondern sie schenkten dir damit auch dein Wesen.

Sein Blut verleugnen heißt, sich selbst verleugnen. Niemand kann es ändern. Aber jeder ist Herr darüber, sein gutes Erbteil groß werden zu lassen und das Schlechte zu unterdrücken. Denn jedem wurden auch Wille und Mut mitgegeben.

Du hast nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, dein Blut in Kindern weiterzugeben, denn du bist ein Glied in der Kette der Geschlechter, die aus der Ferne in die Ferne geht, und dieses Glied der Kette, das du bist, muß halten, damit die Kette nie und nimmer zerreißt.

Trägt aber dein Blut Eigenschaften, die deine Kinder unglücklich und zur Last der Gemeinschaft machen, dann hast du die heroische Pflicht, der Letzte zu sein.

Das Blut ist der Träger des Lebens. Du trägst in ihm das Geheimnis der Schöpfung in dir selbst. Dein Blut ist heilig, denn in ihm lebt göttlicher Wille.

Feuerschwert, Gemälde von Konstantin Wassiljew

MUT

Das Schönste und Erhabenste am Manne ist der Mut. Wer keinen Mut hat, ist auch kein Mann.

Herrlich ist der „stürmende Mut“ des Angriffs. Dieses Gefühl, alles hinter sich geworfen zu haben, um einer hohen Idee zu dienen, läßt wie befreit aufatmen und mit Jubel den Weg vorwärtsstürmen. Der Mut trägt den Mann, als ob ihn Flügel trügen, und erfüllt sein Herz.

Der Angriff wird zum Höhepunkt des Lebens. Wenn alles auf eine Karte gesetzt ist, wenn man alles verlieren kann, wenn man alles, alles gewinnen kann, ist des Lebens hohe Zeit. Wer nie voll Mut gestürmt und angegriffen hat, der hat nie ganz gelebt, ist nie ganz Mann gewesen.

Neben dem stürmenden Mut steht der „unbeugsame Mut“ des in schwerem Schicksal ausharrenden Menschen. „Groß und gewaltig ist das Schicksal, aber größer ist der Mensch, der es unerschüttert trägt.

Leben ist oft schwerer als Sterben. Ein Feigling aber, wer es fortwirft. Niemand ist da, dessen Weg schwerer wäre als die Kraft, die ihm dazu gegeben ist.

Der Mutige zwingt es doch. Wenn er alles getan hat, was in seinen Kräften stand, dann kommt der glückliche Zufall, der kein Zufall ist, der einen neuen Weg zeigt und weiterhilft. „Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten, nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen, rufet die Arme der Götter herbei.

Mut braucht nich nur der Mann, der Soldat, Mut braucht auch die Frau. Wenn dem Mann der Kampf, der Sturm, die höchste Stunde ist, so ist sie für die Frau gekommen, wenn sie ein neues Leben schenkt. Die Männer, die keinen Krieg mehr führen wollen, können vor den Müttern nicht bestehen, die neues Leben unter dem Einsatz des eigenen geben.

Mut ist die erhabenste Eigenschaft des Mannes und der Frau. Er entscheidet den Kampf und gibt den Sieg.

RASSE

Rasse haben heißt: in einer bestimmten Art denken können. Wer Mut besitzt, Treue und Ehre und was den Deutschen zeichnet, der hat die Rasse, die in Deutschland herrschen soll, und wenn er die leiblichen Merkmale der „nordischen“ Rasse nicht hätte. Wenn sich die Eigenschaften des Edlen mit dem edlen Körper vereinen, so ist das die Vollendung, die wir erstreben. Menschen aber, deren edler Körper eine unedle Seele trägt, verachten wir.

In Deutschland sind verschiedene einander verwandte europäische Rassen zusammengeflossen. Aus ihren Wurzeln wuchs ein Stamm. Jede Rasse nährte ihn aus ihrer besten Kraft. Jede hat an der deutschen Seele gebildet. Wir Deutsche haben den Kampfgeist, den Zug in die Ferne, das „eine Sache um ihrer selbst willen tun“ von der nordischen Rasse. Aber an der Heimeligkeit unserer alten Städte, dem Tiefinnerlichen im deutschen Wesen hat eine andere Rassenseele gewirkt. Das Zauberreich der Musik, in dem der Deutsche König ist, hat wieder eine andere Rassenseele erschlossen, und das Einordnungsvermögen, den schweigenden Gehorsam, gab uns wieder eine andere.

Wir können niemand schelten, wenn er verschiedenes Rassengut in sich trägt, denn die deutsche Seele trägt es auch, und sie hat daraus den unermeßlichen Reichtum geschöpft, den sie vor allen anderen Völkern besitzt. Aus dieser Seele wuchs die Größe unseres Reichs.

Aber herrschend in Deutschland und vorherrschend in der Seele jedes Deutschen muß das bleiben, was und ei nordische Rasse gab. Es muß sich durchkämpfen in der Brust jedes einzelnen. Denn der Held und nicht der Künstler oder Bürger ist das Ideal der neuen Zeit geworden.

Was wir ererbten, ist unser höchstes Gut, ist die Seele, die uns geschenkt wurde. Wer sich mit artfremder Rasse vermischt, stößt Blut und und Seele von sich, die ihm gegeben wurde, damit sie rein in seinen GesetuKindern weiterleben.

Wer den Gesetzen der Rasse folgt, er erfüllt das große Gebot, daß nur zusammengefügt wird, was zusammengehört, und nicht, was sich wie Feuer und Wasser meiden muß.

Meditation, Gemälde von Heinrich Berann

GLAUBE

Was der Verstand ermessen kann, das heißt Wissen. Wissen allein bewirkt nichts und ist tot.

Ein Wunsch, der dir in Erfüllung gehen kann, heißt Hoffnung. Hoffnung kann leicht zu Schanden werden.

Niemals aber kann dies der Glaube∞ denn Glaube ist eine Kraft. Glaube ist aus deinem tiefsten Gefühl heraus gewachsen. Er ist ein Wissen, für das es keine Erklärung des Verstandes gibt. In ihrem Glauben hat die Seele ein Stück der Weltordnung erschaut. Sie trägt ein Ahnen in sich von dem, was werden soll, und sieht mit ihren Augen ein Stück des Weges, den sie gehen soll und kann. Sie weiß, auf diesem Weg erfüllt sie göttliches Gebot und ist Arbeiterin geworden an dem großen Werk, dem unermeßlichen, unfaßbaren.

Weil Glaube dies sieht und dies vermag, ist er mehr als Menschenkraft. Er ist ein Stück der ungeheuren Kraft, die alles Leben und alle Welten treibt.

Der Mensch geht im Glauben wie schlafwandlerisch sicher seinen Weg. Wer kann gegen ihn, da er den Weg des höchsten Willens geht. Er wird ihn vollenden, wenn er glaubt. Keine Hand, die sich gegen ihn aufhebt, wird ihn vom Wege abbringen. Die Kugel, die ihm gilt, kann ihn nicht treffen, solange der Weg nicht vollendet ist und er nicht von ihn gewichen ist.

Tausende verstehen den gläubigen Menschen nicht, weil ihre Seelen nicht sehen können. Aber was kümmert den Gläubigen die Meinung der anderen, was kümmert den Sehenden die Meinung der Blinden, was kümmert den Starkgewordenen das Denken der Schwachen.

Der Weg des Glaubens ist der Weg aller Großen. (…) Vor jedem liegt der Weg seines Glaubens. Wenn es kein Weg des Ruhmes und der Ehre ist, so ist es doch ein Weg der Pflicht und des höchsten Glückes. Ihn finden heißt: ein Stück der unendlichen Kraft gewinnen, der die Welten treibt.

Weil Glaube Kraft ist, vermag er, was unmöglich erschien. Er ist die Voraussetzung für jedes Werk. Kein Mensch vermag etwas ohne Glauben. Nicht einmal einen Graben wird er überspringen, wenn er nicht glaubt, daß er ihn überspringen kann.

Das Höchste und Wichtigste an einem Menschen ist nicht Verstand und Wissen, sondern sein Glaube. Jeder ist soviel wert, als er Glauben hat.

(…) Wehe denen, die nicht glauben. Sie stehen nicht bei der Kraft der Schöpfung, sondern der Vernichtung. Sie sind Zerstörer des Reiches.

Der Glaube aber ist stärker als alle Kräfte, die in dieser Welt wirken.

Der Reiter von Valsgärde, Gemälde von Wilhelm Petersen

SCHICKSAL

Wir glauben nicht an ein blindes Schicksal, das den Menschen seinen Lebensweg führt. Wir glauben nicht daran, daß Engel Gottes uns jeden Schritt behutsam führen, damit wir nicht fallen. Wir glauben aber an eine göttlichen Willen, der jedem Leben, das da geboren wird, seinen Sinn gegeben hat.

Nicht einen beliebigen allgemeinen Sinn, sondern jedem Leben seinen eigen besonderen Zweck und Sinn.

Wir spüren im tiefsten in uns, ob unser Handeln nach diesem Sinne geschieht. Man mag dieses Gefühl Gewissen heißen oder anders. Es ist da. Wir sind uns des rechten Weges wohl bewußt. Wir dürfen nur fragen. In uns selbst antwortet eine Stimme und spricht von dem göttlichen Willen, der uns den Weg weist, den wir gehen sollen.

Dieser Weg ist unser Schicksal. Es gibt für jede ner einen einzige rechten Weg. Ihn gehen macht im höchsten Sinne glücklich und wenn es ein Weg wäre, der nur Not und Mühsal bringt.

Jeder andere Weg führt ab vom Sinn und Ziel des Lebens. (…) Du selbst aber hast die Freiheit zu entscheiden, welchen Weg du gehen willst. Kein blindes Schicksal ist über dir. Du gehst nach deinem eigenen Willen.

Folgst du dem Gesetz in deiner Brust, so ist es der Weg zu deinem Gott. Es ist der Weg, der aus Ewigkeiten kommt und in Ewigkeiten geht; denn in der ganze Welt ist nirgends ein Ende, sondern immer nur Wandlung. Es gibt keinen Tod, der nicht ein Anfang wäre.

Alles wird und drängt in dem ungeheuren Weltenplan, in den du dich einreihst, wenn du deinen Weg suchst. Alles ist Entwicklung. In jedem lebt die Freude des Schaffens, denn er gehört zu den Bauleuten am Werk. Nirgends aber ist ein Himmel des Genusses und der Seligkeit. Aber Arbeit und Leben wechselt in unendlicher Form, sei es im Bezirk des Leibes oder in der Sphäre des Geistes.

(…) So wirkt und schafft jedes Wesen in Leib und Geist am großen Weltenplan. Er ist Gott, die ewige Weisheit und der erhabene Sinn des Unbegreiflichen. Er ist, wenn du dich einordnest und dem Weg folgst, auch in dir. Du begreifst ihn in deinem Teil und wirst, wo du auch sein mögest und wie es dir auch gehen möge, unendlich glücklich. Du trägst Gott in deiner eigenen Brust. Du hast den Tod überwunden, und wenn du gleich stirbst, so lebst du weiter als ein Stück der unendlichen Kraft, die unaufhörlich wirkt und schafft.

Ein Schicksal heißt der Weg, der dir gezeigt wird. Dein freier Wille entscheidet, ob du ihn gehst und ob du deine Aufgabe vollendest.

Tierkreis, Gemälde von Heinrich Berann

GEBURT UND TOD

Geburt und Tod sind eins; denn es sind die beiden Seiten eines Tores. Der Eingang in einen Raum wird immer der Ausgang aus einem anderen sein. Es kommt nur darauf an, in welchem Raum oder welchem Leben wir stehen, daß wir „Eingang“ oder „Ausgang“ sagen, Geburt oder Tod.

Der Tod ist für den, der begreift, ohne jeden Schrecken. Doch der, der im alten Leben seinen Weg nicht ging, wird im Tode seine Schuld erkennen. Es gibt aber nach dem Tode keinen Ort der Qual, keine Hölle. Seine Schuld sehen zu müssen, ist das schwerste Gericht und zugleich die höchste Strafe. Gericht und Strafe trägst du in dir selbst.

Versäumte Arbeit wird immer durch doppelte Arbeit gutgemacht. Wieder wird in deine Hand gelegt, wieder Arbeiter am Weltenplan zu sein oder sein Feind zu werden. – Das ist der einzige Tod, den es gibt, daß man aus einer Kraft des Schaffens zu einer Kraft der Zerstörung wird, und dieser Tod ist nicht körperlich. Es ist dein freier Wille, zu entscheiden, wohin du gehörst, zu Gott oder, um ein altes Wort zu gebrauchen, „zum Teufel“.

Aber was wir Geburt und Tod heißen, ist nur das Tor zwischen zwei Welten. Es gibt keine Geburt und keinen Tod, es gibt nur die Wandlung, und wir können getrost durch die Tore gehen, die gebaut sind; denn alle Welten schuf eine Hand.

Wolfgang Amadeus Mozart im Alter von 13 Jahren in Verona, 1770, Gemälde von Giambettino Cignaroli (1706-1770)

Arminius und Thusnelda, Gemälde von Johannes Gehrts

Friedrich II., König von Preußen, Gemälde von Anton Graff, 1781.

Neuausformung der Totenmaske Friedrichs des Großen von Johannes Eckstein, Berlin / Potsdam 1786.

DER AUFBAU DES LEBENS

Das Leben steigt auf in der Jugend. Es erreicht seinen Höhepunkt im Mann und in der Frau. Es sinkt wie der Sonnenbogen wieder zurück in Greis und in der Greisin.

Man muß das Leben als Ganzes sehen, als einen natürlichen Ablauf, der in jedem Augenblick vollkommen ist. Es ist weder die Jugend noch das Alter tadelnswert. Jugend ist Jugend, Alter ist Alter, und sie sind weder Lob noch Vorwurf, sondern nur ei Stück natürlichen Geschehens.

Jugend, das ist die Hoffnung des Wachsens und des Werdens. Jugend, das heißt die Möglichkeit des rechten Lebens und großen Schaffens. Wenn man schon an der Jugend das spätere schlechte und unnütze Leben erkennen kann, so wird sie zu dem schwersten Vorwurf; denn hier wird das größte Geschenk vergeudet.

Jugend hat nicht zum Ziel, Jugend zu bleiben, sondern Mann und Frau zu werden. Im Manne verbindet sich Kraft und Mut, Ernst und Erfahrung. Das Leben tritt in feste Bahn und in die höchste Leistung. Beim Manne ebenso wie bei der Frau.

Wenn der große Kampf gekämpft ist und die schwere Arbeit getan, dann haben sie den Menschen innerlich und äußerlich geformt. Leib und Seele sind gezeichnet, wohin sie gehören, zu der Kraft, die aufbaut, oder zu der, die zerstört. Die Milde des Alters kommt. Das Ungestüm der Jugend, die Kraft des Mannes verging. Es kommt die große weite Schau, das klare Wissen vom Wert und Unwert der Dinge dieser Welt.

Wenn ein Mensch einen guten Kampf gekämpft hat, ist sein letztes Antlitz das liebste, weil es das größte ist, das er getragen hat. In ihm liegt alles, Not und Mühsal, Kampf und Freude, und auf ihm schon der Widerschein der nächsten Welt. Das spüren wir, wenn wir vor der Totenmaske Friedrichs des Großen stehen. Welches Gesicht redet vernehmlicher zu uns?

Wer so einen Kampf gekämpft hat, dem gebührt im Alter Ehre. Ehrfurchtslosigkeit wir dem Alter, das ist Ehrfurchtslosigkeit vor dem Leben selbst.

(…) Jedes Lebensalter ist gut in seiner Art: die Jugend voll Hoffnung, der Mann in der Fülle der Kraft und der Greis, der in Ehren bestand. Nichts ist notwendiger als die Ehrfurcht vor dem, was größer ist als wir!

Aus: Glauben und Handeln von Helmut Stellrecht

Helmut Stellrecht, ᛉ 21. Dezember 1898 in Wangen im Allgäu; ᛣ 23. Juni 1987 in Boll

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