Leitartikel ›Der Fisch fängt immer vom Kopf her an zu stinken‹ in der Winter-Ausgabe 2020 von ›Terre & Peuple‹

von Pierre Vial

Dieses von Erasmus geprägte Sprichwort (das man fälschlicherweise den Chinesen zuschreibt) paßt vollkommen auf die Gesellschaft, die man immer weniger als ›französisch‹ bezeichnen kann.

Die “führenden” Köpfe: Macron, Sarkozy, Giscard

Chirac, Schröder

Chirac, Schröder

Denn der Verwesungsprozeß, der vor Giscard und Chirac schon weit fortgeschritten war, hat mit den beiden Staatspräsidenten eine Beschleunigung erfahren, die man als entscheidend bezeichnen kann. Diese Beschleunigung trägt den wohlklingenden Namen ›Familienzusammenführung‹: Von da an verließ die Invasion das individuelle Stadium, um recht tribal zu werden. Denn die Perspektive, eine kinderreiche Familie (dank der Polygamie!) auf Kosten dieser blöden Franzosen unterhalten zu können, zieht wie ein Magnet Leute an, die man nur als das bezeichnen kann, was sie tatsächlich sind: Aasgeier. Den rauhen Lebensverhältnissen ›dort drüben‹ folgte das Paradies der Sozialfürsorge hierzulande. Später – aber zu spät, weil der Schaden schon angerichtet war – gestand Giscard, er hätte in dieser Affäre einen verhängnisvollen Fehler begangen…. Und Chirac, diesem Abfallprodukt des Gaullismus, lag der Verrat ohnehin schon im Blut. Was die Erztölpel von ›rechts‹, diese Unverbesserlichen, nicht daran hindert, diesen beiden Totengräbern nach wie vor nachzutrauern….

Familienzusammenführung

Nun, was ist das Resultat dieses Verrats, begangen vom ›legal existierenden‹ am ›real existierenden‹? Es liegt klar auf der Hand: Nach der INSEE (Nationales Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien) findet man für das Jahr 2019 im Departement Seine Saint-Denis (nördlich von Paris) unter den zehn am meisten vergebenen Vornamen fast hundertprozentig moslemische Vornamen. Für die Knaben: Mohammed, dann Ibrahim, Amin, Ismaël, Ayoub…. Für die Mädchen: Inaya, Nour, Auya, Yasmine…..

Die Schule ist immer das Spiegelbild einer Gesellschaft. Hier das Zeugnis einer Französischlehrerin aus Conflans-Sainte-Honorine, der Stadt, in der ein anderer Professor, Samuel Paty, enthauptet wurde. Die Situation, die sie beschreibt, ist stellvertretend für manche Schulen, doch Conflans hat inzwischen eine symbolische Dimension angenommen. Hier das Fazit: ›Wir Lehrer fühlen uns nicht mehr in Sicherheit am Arbeitsplatz. Die Meinungäußerungsfreiheit aus der Sicht der Schüler? Eine Minderheit unter ihnen ist für diese Idee nicht zu gewinnen, weil sie dem entgegenspricht, was sie zuhause hören‹. Die Schweigeminute zum Gedenken an Samuel Paty? Einige unter ihnen standen vollkommen zugeknöpft da, sind die ganze Zeit mit verschränkten Armen und gerunzelter Stirn geblieben. Andere ergriffen rundheraus Partei für den Terroristen: ›Gibt es denn keine Schweigeminute für den Mann, der angeschossen wurde? Wenn wir in einem säkularen Staat leben, warum hört man dann das Glockengeläute?‹.

Die Professorin ist ernüchtert:›Hand aufs Herz, was wiegt denn das Wort eines Professors, wenn das Wort der Eltern zuhause in eine ganz andere Richtung zeigt? Ich bin überzeugt, daß – auch wenn einige meiner Kollegen das Gegenteil behaupten – viele Kollegen künftighin Selbstzensur üben werden, weil sie Angst haben, gewisse Themen anzuschneiden‹. Faktisch ›hat die Schule mit einem Problem zu kämpfen, dessen sie nicht mehr Herr wird‹. Sobald der Proporz der Schüler ›mit Einwanderungshintergrund 40% übersteigt, (…) ist der Lehrkörper genötigt, Noten zu rechtfertigen, die als zu niedrig erachtet werden, oder eine Prüfung bzw. Befragung aufzuschieben. Es gibt Eltern, die an den Themen der Hausaufgaben etwas auszusetzen haben, sich über das ihrer Ansicht nach zu hohe Niveau der Anforderungen beklagen, oder die Wahl eines Buches beanstanden, eine Strafarbeit kritisieren usw… Wir verbringen unsere Zeit damit, uns ständig rechtfertigen zu müssen».

Faktisch ist die Republik, über die ein Macron und seine Handlanger so große Töne spucken, ein Potemkin’sches Dorf. Die Menschen trauen den Institutionen – welche es auch sein mögen – nicht mehr, und zwar aus verständlichem Grund: Man sollte sich nunmehr ausschließlich auf sich selbst und die Seinen verlassen.◊