(Peter Sigmund)

Mit dem Namen des Vandalenvolkes* verbindet man heute blinde Zerstörungswut.  Auch die Versicherungen verwenden diesen Begriff.
Wie kam ein ganzes Volk zu diesem Brandmal? Nachfolgend kann man den historischen Hintergrund für diesen

Begriff lesen und sich sein Urteil bilden. Man sollte daher künftig nicht mehr von Vandalismus, sondern nurmehr von Randalismus sprechen.
Um den Ruf eines ganzen Volkes nachhaltig zu ruinieren, bedurfte es bloß dreier Haßprediger, die zu unterschiedlichen Zeiten gelebt haben, jedoch eines gemeinsam hatten: Jeder war ein fanatischer Verfechter der Romkirche. Alle, die dem Machtstreben nach römischer Weltherrschaft im Wege standen, wurden als ›Ketzer‹ gebrandmarkt, die es auszurotten galt. In schon damals bekannter Manier gingen daher auch jene drei Römlinge vor, die den Grundstein für den üblen Ruf der Vandalen legten:

Drei Haßprediger
◊ Der erste Tatsachenverdreher war der römische ›Historiker‹ Prokop von Caesarea (500–562), dessen bekanntestes Schurkenstück darin bestand, durch Verbreitung von Falschmeldungen den Ruf der Kaiserin Theodora für immer geschädigt zu haben. Nicht anders verfuhr er als ›Geschichtsschreiber‹. Prokop von Caesarea, der es mit der Wahrheit nie so genau nahm, setzte die Vandalen-Lüge in die Welt.
◊ Als zweiter Lügner trat Isidor von Sevilla (560–636) in Erscheinung. „Die Vandalen sind ein Strafgericht Gottes. Sie stecken Städte in Brand und rauben alle Vorräte. Die Bevölkerung muß vor Hunger Menschenfleisch essen, die Mütter gar ihre Kinder.“ So agitierte der später heiliggesprochene Haßprediger. Solche Gruselgeschichten waren und sind zu allen Zeiten gebräuchliche Schockbilder, wenn es darum geht, traumatische Angst und Haßpsychosen zu erzeugen.
◊  Der dritte Verleumder, dessen Lügen am stärksten in unsere Zeit herein wirken, war Henri-Baptiste Grégoire (1750–1831), während der blutigen Französischen Revolution amtierender Bischof von Blois. Grégoire sorgte mit seinen drei Pamphleten, den Rapport sur le vandalisme, für den Einzug des Hetzbegriffes ›Vandalismus‹ in die gesamteuropäische Sprachwelt.


Vandalen-König Geiserich

Arbeitsame Bauern, tüchtige Handwerker, Schöpfer eines blühenden Reiches

Die Vandalen waren ein germanischer Volksstamm auf deutschem Boden. Ihre Heimat war das Gebiet zwischen Oder, Weichsel und Donau. Von den Vandalen selbst existieren keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr.
Diese wurden allesamt von den christlichen Fanatikern vernichtet.
Reiche archäologische Funde bezeugen jedoch, daß die Vandalen eine hochstehende Kultur hatten. Ihre Landwirtschaft und ihre metallurgischen Fähigkeiten waren hoch entwickelt. Die von ihnen hergestellten Schwerter, Lanzen und Scheren, ihre Tonwaren und auch ihr Schmuck waren von erlesener Güte und begehrte Handelsware. Mit ihren Erzeugnissen pflegten sie entlang der Bernsteinstraße regen Tauschhandel.
Unter dem massiven Ansturm der nach Westen drängenden asiatischen Reitervölker (Hunnensturm) verließen die Vandalen um 400 n.d.Z. ihre ursprüngliche Heimat. Auf der Suche nach neuem Lebensraum durchquerten sie in einem entbehrungsreichen Wanderzug ganz Westeuropa. Im Mai 429 setzten die Vandalen unter ihrem berühm-
ten König Geiserich mit einer Volkszahl von 80.000 –100.000 Menschen von Spanien nach Nordafrika über. Hier ließen sie sich in der römischen Provinz Africa nieder. Um unbehelligt von der römischen Militärgewalt in Frieden und Freiheit leben zu können, überwältigten sie in einem nächtlichen Handstreich die auf Lauer liegende große römische Flotte. Nach diesem Befreiungsschlag schufen sie im heutigen Tunesien ein blühendes Reich mit der Hauptstadt Karthago.
Als die neu aufgebaute Flotte der Vandalen an der Küste des Römerreiches landete und die Vandalen sich von den Römern geraubtes Gut aus deren Hauptstadt zurückholten, erfanden die Römlinge das Lügenmärchen der angeblichen Plünderung Roms durch die Vandalen. In einem planmäßigen Propagandafeldzug wurden die Vandalen systematisch dämonisiert und zum Symbol für Gewalt und Zerstörung gebrandmarkt.
Die Wissenschaftlerin Aicka ben Abed und ihr Mitarbeiterstab haben auf ihrer Spurensuche in ganz Tunesien jedoch keine Spur von Zerstörung durch Vandalen feststellen können. Die Vandalen lebten in Nordafrika friedfertig und kulturschöpferisch.
In typisch germanischer Wesensart respektierten sie sogar artfremdes römisches Recht. Damit aber verspielten sie, ohne es zu bemerken, schleichend die Früchte ihrer über hundertjährigen Aufbauarbeit.
Die Vandalen waren viel zu friedfertig, um auf Dauer in der Realität der antiken Welt bestehen zu können. Im Jahre 534–35 setzte der oströmische Kaiser Justinian I. byzantinische Truppen in Marsch. Unter ihrem Befehls-
haber Belisar wurde das Vandalenreich und seine hohe Kultur ausgelöscht, während große Teile des Vandalenheeres von Aufständen im Süden und auf Sizilien gebunden waren. Nur 2000 Reiter warfen sich todesmutig den Römern entgegen. Kinder und Alte wurden niedergemetzelt, Frauen zu Misch-›Ehen‹ mit Andersrassigen gezwungen, die überlebenden kriegstauglichen Männer zum Militärdienst in römische Provinzen verschleppt. All das geschah auf Befehl von Kaiser Justinian I. und dem ›weisen‹ Rat der christlichen Kirchenherren von Byzanz und Rom.
Ab diesem Zeitpunkt verschwinden die Vandalen aus der Geschichte.
Die Vandalen sind ausgelöscht und können sich nicht mehr gegen gemeine Lüge und Verleumdung wehren. Wir aber leben und können sehr wohl gegen Lügner der Gegenwart und Hasser Europas auftreten. Es ist Zeit, nach 2000 Jahren xenophobisch motivierter Lüge und Verleumdung der Wahrheit  wieder zu Gehör zu verschaffen.

* Vandalen oder Wandalen
(Aus: Alldeutsches Jahrbuch 2007/2008, Klagenfurt 2007 (von uns zusammengestellt). Siehe auch: Peter Arens, Die Völkerwanderung der Germanen. Sturm über Europa, Berlin 2002. Georg Dattenböck, Vandalen. Gründer von Baiern und Österreich?, Marchtrenk 2006)